Wenn die Anleihenblase platzt

11. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Eigentlich wollte ich heute das Thema Griechenland ausklammern, weil Sie über die Medien praktisch minütlich mit ihm konfrontiert werden. Bis mir wieder einmal einfiel, dass dieses Land ja Teil einer gigantischen Blase ist, der Staatsschuldenblase, und die wird speziell in Deutschland viel schneller platzen, als den meisten Anlegern bewusst ist…

Die letzten Blasen, an die Sie sich bestimmt noch erinnern, gab es bei Aktien um die Jahrtausendwende und bei US-Eigenheimen bis 2007. Jede Blase platzt irgendwann, auch die aktuelle bei den Staatsschulden. Der Knalleffekt: Es besteht höchste Gefahr, dass ausgerechnet deutsche Bundesanleihen, die bis jetzt als Hort der Sicherheit gelten, davon stark betroffen sein könnten und so zu erheblichen Turbulenzen auch bei anderen Anlagen führen würden.

Der Reihe nach. Eine Blase entsteht, wenn der Preis einer Ware, eines Wertpapiers, einer Immobilie usw. immer mehr von ihrem Wert nach oben abweicht. Zwar sind Werte ebenso wie Preise flexible Größen, aber sie bewegen sich stets in einem gewissen Rahmen, während Preise theoretisch bis ins Unendliche steigen können. Nun sind Staatsschulden als solche keine Preise, sondern nur Verbindlichkeiten, denen Forderungen von Gläubigern gegenüberstehen. Doch solche Forderungen sind mit direkten und indirekten Krediten verbunden, und die indirekten sind nichts anderes als Anleihen aller Art. Eben auch Bundesanleihen, deren Kurse, also Preise, bis vor kurzem ein geradezu erschreckend hohes Niveau erreicht haben.

Dieses Niveau ließe sich halten, falls im Euro-Raum alles beim Alten bliebe. Aber die Zeiten ändern sich. Zunächst ist festzustellen, dass Bundesanleihen ihren Sonderstatus zu einem erheblichen Teil dem Umstand zu verdanken haben, dass Deutschland weniger verschuldet ist als die meisten anderen Euro-Länder, dass es sich folglich nicht um einen absoluten, sondern nur um einen relativen Vorteil handelt.

Der ist besonders gut zu erkennen, wenn man zum Beispiel eine Grafik betrachtet, in der die Spreads (Abweichungen) der Renditen von Anleihen anderer Euro-Länder und der Renditen von Bundesanleihen abgetragen sind. Diese Spreads waren etwa von 2001 bis 2008 sehr gering und zum Teil gar nicht vorhanden. Danach dehnten sie sich immer weiter aus. Dass sie auf das alte Niveau zurückfallen, ist wegen der steigenden Verschuldung der schwachen Euro-Länder ausgeschlossen. Dass es bei ihrer aktuellen Höhe bleibt, allerdings auch, weil ein gemeinsamer Euro-Währungsmarkt sich damit nicht verträgt.

Was also ist zu erwarten? Markus Mezger, führender Kopf von Tiberius Asset Management, hat dazu schon vor einigen Monaten die passende Antwort gegeben: Deutsche Kreditgarantien seien beachtlich, die mittelbaren Haftungsrisiken auf dem Umweg über den Rettungsfonds EFSF, über Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank und über Bundesbank-Notenbankkredite ebenfalls. Allein diese Haftungsrisiken haben nach den Berechnungen von Mezger bereits im vergangenen Jahr den stolzen Betrag von über 700 Milliarden Euro erreicht. Falls Deutschland für sie aufkommen muss, ist die Top-Bonität dahin und der Weg für die Kurse von Bundesanleihen in den Keller frei. Oder bezogen auf deren Renditen: Aufwärts, und zwar dort hin, wo sich schon die Renditen hoch verschuldeter Euro-Länder befinden…(Seite 2, was passiert bei Gold und Silber?)

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2 Kommentare auf "Wenn die Anleihenblase platzt"

  1. quest sagt:

    „Sobald sich dieser Vorteil im Zuge der Einlösung der deutschen Kreditgarantien in nichts auflöst, werden Anleger in Scharen aus dem deutschen Anleihenmarkt fliehen…“

    Wohin? Mir wäre sehr an einer Antwort gelegen, wohin diese Scharen von „Anlegern“ („Investoren“?) fliehen werden.

  2. quest sagt:

    Nachtrag

    Ich hatte bei der Formulierung meiner Frage noch nicht gelesen, dass der Preis für Gold und Silber aus der Untertasse über die Klobrille in den Kanal springen könnte.

    Das regt mich dazu an, auf Ihre Antwort zu verzichten.

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