Das Wort zum Wochenende

22. Dezember 2013 | Kategorie: Gäste

von Manfred Gburek

In der vergangenen Woche kam mir noch einmal ein Handelsblatt-Interview mit Paul Kirchhof vom 11. Dezember zu Gesicht. Zugegeben, in der großen Politik zu landen, gelang ihm nicht so recht. Heute fungiert der frühere Richter des Bundesverfassungsgerichts als Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften…

Doch sein analytischer Scharfsinn ist nach wie vor beachtlich, wie der folgende Auszug aus jenem Interview belegt. Auf die Frage, ob die Gleichheit der Lebensverhältnisse eine Fiktion sei, antwortete er:

„Das gelingt selbst in einer Diktatur nicht. Wer heute allen ein gleiches Vermögen gibt und dann die Menschen in die Freiheit entlässt, wird erfahren, dass sich die Verhältnisse nach einem Jahr grundlegend geändert haben. Der eine hat durch Geschick sein Vermögen verdoppelt, der andere hat es in der Spielbank verspielt.“

Schon nach einem Jahr, das mag zwar übertrieben sein, aber im Grundsatz stimmt die Aussage; sie gibt die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland wieder.

Wir haben es halt erst nach Jahrzehnten des Wiederaufbaus mit dem – symbolisch – verdoppelten (oder in Extremfällen mit dem verzehnfachten) Vermögen auf der einen und mit dem verspielten auf der anderen Seite zu tun. Die eine Seite, das sind Unternehmer im weiteren Sinn, vom Handwerker bis zum klassischen industriellen Mittelständler, es sind aber auch gut verdienende Angestellte bis zu den Vorstandschefs großer Konzerne. Und die andere Seite: Menschen, die nicht mit Geld umgehen können, lieber konsumieren statt zu sparen und fürs Alter vorzusorgen, die sich im Zweifel auf staatliche Stütze und Rundumversorgung verlassen.

Von ihnen zu unterscheiden sind allerdings alle vom Schicksal Gebeutelten, denen die Chance verwehrt war oder ist, genug Geld auf die hohe Kante zu legen.

Politiker nehmen dankend an, dass Unternehmer sich abstrampeln und damit für Arbeitsplätze sorgen. Ebenso freuen sie sich über die hohe Einkommensteuer, die ihnen die Gutverdiener bescheren. Doch Politiker wollen in erster Linie gewählt oder wiedergewählt werden. Folglich versuchen sie alles dafür zu tun, dass es der Mehrheit der Bevölkerung besser geht, also all den Menschen, die nicht mit Geld umgehen können, sich auf die staatliche Versorgung verlassen oder ganz einfach nur vom Pech verfolgt sind. Das steht ganz obenan, wenn auch mehr oder weniger verschlüsselt, auf der Agenda der Großen Koalition, kurz GroKo genannt. Bei solchen Aussichten graust es alle Rechtschaffenen… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Das Wort zum Wochenende"

  1. micdinger sagt:

    „Das gelingt selbst in einer Diktatur nicht. Wer heute allen ein gleiches Vermögen gibt und dann die Menschen in die Freiheit entlässt, wird erfahren, dass sich die Verhältnisse nach einem Jahr grundlegend geändert haben. Der eine hat durch Geschick sein Vermögen verdoppelt, der andere hat es in der Spielbank verspielt.“

    War das nicht ein wenig so in der Sowjetunion Anfang der 90er? Die Statbetriebe wurden doch in volkseigene Aktiengesellschaften umgewandelt und jeder? Bürger erhielt einen bestimmeten Anteil an Volksaktien. Die meisten verkauften diese Aktien jedoch gleich wieder gegen wertlose Rubel an Macher wie Chodorkowski.

    • bluestar sagt:

      @micdinger
      Chodorkowski ist kein Macher, er ist ein Parasit, der scham-und rücksichtslos alles für die eigene Bereicherung aus russischem Volksvermögen getan hat.
      Macher sind Menschen die etwas sinnvolles leisten und auch an die Gesellschaft denken in der sie leben. Das dieser Mann von unseren machtausführenden Politikern
      und den ökologischen Diktatoren mit Namen Grüne gefeiert wird ist doch logisch.
      Wird doch gerade das Vermögen des deutschen Volkes an die EUdssR verscherbelt.
      Ach so, in russischen Lagern geht es unmenschlich zu – werden wir in Kürze auf allen Kanälen wohl hören. Wie gut doch, dass in den Gefängnissen der USA und vor allem in Guantanamo alles bestens ist und die Menschenwürde täglich respektiert wird.
      Deshalb braucht man in den deutschen Einheitsmedien darüber auch nicht berichten.

  2. Michael sagt:

    In einem sozialistischen Land wie Deutschland ist Unternehmer zu sein nicht wirklich erquicklich. Ein Unternehmer ist einfach dazu verdammt auf Dauer eine Art Sklaventreiber zu werden. Das ist höchst unattraktiv.

  3. Reiner Vogels sagt:

    Die spannendste politische Frage in den nächsten Monaten wird es m. E. sein, ob die GroKo das Beihilfeverfahren der EU gegen das EEG zum Anlass nimmt, die „Energiewende“ grundsätzlich zu stoppen und zurückzufahren, oder ob sie es bei den paar völlig unzureichenden Reförmchen, die im Koalitionsvertrag stehen, belassen wird.

    Angesichts der Tatsache, dass ein Gelingen der Energiewende physikalisch unmöglich ist, weil es unmöglich ist, auf unzuverlässigen Stromquellen (Wind und Solar) eine sichere Stromversorgung aufzubauen, wäre die erste Möglichkeit ein Schritt zurück zur Realität und die zweite ein weiterer Schritt auf den Abgrund zu.

    Im ersten Fall könnte man wieder Versorger kaufen (jetzt noch nicht), im zweiten Fall sollte man um alle deutschen Aktien einen großen Bogen machen, weil die Zerstörung der bezahlbaren und sicheren Stromversorgung die gesamte deutsche Industrie in den Niedergang reißen wird.

    Zur „Zuverlässigkeit“ von Wind- und Solarstrom steht übrigens heute ein informativer Artikel von Daniel Wetzel in der Welt, in dem über den nahezu vollständigen Ausfall dieser Stromquellen in der zweiten Dezemberwoche dieses Jahres berichtet wird.

    Siehe: http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article123207853/In-der-Winterpause.html

  4. bluestar sagt:

    „Was wird den Leistungsträgern gegeben?“
    Meine Antwort: Nicht. Wahrscheinlich weitere finanzielle Repressalien und Bevormundung.
    Da macht ja nichts und passt gut in einer Gesellschaft wo wertschaffende Arbeit und Leistung nicht gewürdigt oder gar gefördert wird. Das Vorbild ist Schaffung von Besitz ohne große Anstrengung.
    So wie dieser Russe Chodorkowski, in Deutschland als Kremlgegner, Demokrat und Märtyrer hochgespielt. Der in fast allen Medien der letzten Tage produzierte geistige Müll ist so ätzend, dass sogar mir als relativ mediengeübter Deutsche fast schlecht wird. Was hat dieser Mann an Taten für das Gemeinwesen produziert, damit man in Germany auf den Sockel gestellt wird ? Im Prinzip überhaupt nichts, aber das haben andere in der Öffentlichkeit Gewürdigte auch nicht. Er ist der Feind des Feindes und damit ein Freund. Das wird den USA gefallen. Nachdem man sich ja über NSA in Deutschland etwas aufgeregt hat können jetzt wieder wertvolle Pluspunkte bei der Supermacht erschleimen.
    Chodorkowski machte seine ersten Karriereschritte als kommunistischer Jugendführer im stalinistischen Komsomolzenverband. Offensichtlich erlernte er dort bereits sein Handwerk und konnte wertvolle Kontakte zu anderen Partei- Funktionären und späteren Profiteuren knüpfen.
    Die postsowjetische Anarchie hat er für seine eigene skrupellose Bereicherung genutzt.
    Was rechtschaffende deutsche Unternehmerdynastien nur über Jahrzehnte schaffen,
    hat sich dieser Mann an ehemaligem russischen Volksvermögen in Monaten ergaunert. Nicht nur seine aggressive, ausschließlich auf eigene Bereicherung ausgelegte Unternehmenspolitik war legendär, der Sicherheitsdienst seines Unternehmens Yukos war allseits gefürchtet, 2006 wurde deren Chef wegen 4-fachen Mordes zu 24 Jahren verurteilt. Ein Opfer war übrigens der Bürgermeister der Stadt Nevtejugansk, wo Yukos das Hauptquartier hatte.
    Chodorkowski hat nur einen einzigen Fehler gemacht – sich mit einem anderen aber stärkeren Despoten angelegt. Da dieser andere Despot unser Feind ist, ist dieser schamlose Karrierist unser Guter und ein Freund der Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Ach so, die Prozesse gegen ihn waren undemokratisch und politisch
    gelenkt. Sie waren von der gleichen Qualität, wie dieser Mann zu Macht und Reichtum kam.

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