GAM: Größter anzunehmender Mist

24. September 2014 | Kategorie: RottMeyer, Zeitlos

von Frank Meyer

Schön kalt wird es draußen. Und abends früh dunkel. Da fragt man sich doch beim Zeitungslesen, was passieren würde, wenn die Heizung kalt bliebe und die Lampen dunkel, wenn es kein Gas mehr gäbe. Lange nicht erlebt…

Wenn Sie mal in Frankfurt sein sollten, fahren Sie unbedingt Fahrstuhl in den Parkgaragen der Stadt, am besten in der Nähe der Edelboutiquen. Sie haben so die Chance auf viele spannende Begegnungen mit der vermeintlichen Highsociety, also Damen, die Schantalle oder Schackeline heißen und unter wohl keiner größeren Angst leiden, als vor abgebrochenen Fingernägeln und überzogenen Kreditkarten. Dann stellen Sie sich vor, was sie tun werden, wenn ihr stylischer Lebensstil durch irgendwelche „Standardabweichungen“ gestört würde. Ich fände das lustig. Aber nur, weil ich auf dem Dorf wohne.

Einige Leute in der Stadt behaupten ja felsenfest, wir Leute vom Dorf wären etwas eigensinnige Simpelwesen. Wir würden auch nicht so gut riechen wie die o.g. aufgebrezelten jungen Shopping-Queens in Frankfurt, die wahrscheinlich noch nie etwas gearbeitet, aber umso mehr ausgegeben haben. Schackeline und Schantalle würden komisch aus ihrer sündhaft teuren Wäsche gucken, wenn es mal etwas kühler in der Wohnung würde, wenn die Heizung ausfällt. Wenn es dann auch kein Internet gäbe, wäre zu befürchten, sie tun sich etwas an.

Es gibt einige Studien darüber, was passieren würde, wenn Murphys Gesetz ein weiteres Mal zuträfe, dass in diesem Winter schief geht, was schief gehen kann. Kurzum: Schreckliches. Niemand ist darauf eingerichtet. Musste ja auch niemand außer 500.000 Leuten in diesem Land der Überschüsse, die ohne Strom leben müssen.
Sehen wir es mal so: Auch die Leute auf dem Land sind darin konditioniert, sich auf „just in time“ zu verlassen. Was passiert aber, unabhängig von den o.g. Belästigungen des Alltags, wenn es zu Engpässen kommen sollte? Wenn Putin das Gas abdreht? Die FAZ schrieb neulich, er fresse sogar Kinder! Oder so ähnlich…
Man kann nicht viel tun, wenn die Heizung kalt bliebe. Mit zittrigen Händen könnte man beten, dass Gaskraftwerke noch Strom liefern. Ölradiatoren und andere Heizquellen sind dann Mangelware bzw. unbezahlbar geworden. Horten Sie am besten davon ein paar mehr als sie brauchen. Dank Ebay sind Sie nach dem Winter saniert, sollten Sie diesen überleben.
Ich habe neulich einige Zeitgenossen gefragt, wie sie mit einer solchen Situation umgehen würden. Die Antworten waren erstaunlich. Die einen wollen ihre Bücher zu Ende lesen. Im Kerzenschein. Oder mit dem/der Liebsten tagelang im Bett kuscheln. Doch Vorsicht! Nach drei Tagen ohne Dusche beginnt es zu müffeln. Oder ein paar Teelichter für Licht und Wärme aufstellen. Dann sollte man doch besser gleich in den Süden fliegen, fahren, trampen, laufen?

Soweit ich weiß, ist es in Ägypten immer warm. Auch in Tunesien, Algerien, Iran, Irak und Syrien soll die Temperatur um diese Jahreszeit ganz passabel sein und dank unserer amerikanischen Freunde so aufgeheizt, dass man auf wärmende Teelichter verzichten kann.

Ein paar Tipps zum Überleben

Wer zu weiten Reisen in warme Gefilde nicht in der Lage ist, sollte bedenken, dass ein Teelicht als Alternative über eine Heizleistung von 30 bis 40 Watt für vier Stunden verfügt. Teelichter waren laut Umfrage der Blogbetreiber die beliebteste Variante der „Krisenvorsorge“. Um aber eine 50 Quadratmeter große Wohnung damit zu heizen, bräuchten Sie 100 dieser kleinen Notheizkörper – und eine gegen Ruß widerstandsfähige Lunge. Mit täglich 500-600 Teelichtern überstehen Sie sicherlich einen kalten Tag. Mit 3.000 bis 4.000 Stück sogar eine ganze Woche.

Allerdings werden Sie nach ein paar Stunden erstickt sein, da der Sauerstoffgehalt im Raum stark absinken dürfte, in etwa auf das Niveau einer Bundestags-Debatte, wo es dann zu kalkulierten Halluzinationen kommt. Sollten Sie auf diese Weise den Winter lang heizen wollen, empfiehlt sich der Vorrat von mindestens 100.000 Stück. Das Aluminium der kleinen Licht – und Wärmespender geben Sie im Frühjahr einfach beim örtlichen Altstoffhandel ab, sollten Sie körperlich dazu noch in der Lage sein. Eine Tonne Aluminium bringt rund 2.000 US-Dollar. Das entschädigt! (Seite 2)


 

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3 Kommentare auf "GAM: Größter anzunehmender Mist"

  1. Michael sagt:

    Wenn es im Winter aus der Wohnung rausgehen selbst wenn sie kalt ist, ist es wenn sie reinkommen wieder wärmer. Relativ ist es immer irgendwo wärmer. Es genügt so zu heizen, dass die Leitungen nicht abfrieren. Mehr braucht es gar nicht, egal ob viel Gas zur Verfügung steht oder nicht.

  2. Chris sagt:

    Lieber Frank

    Wir haben uns diese Frage schon beim Bau unseres Hauses gestellt.

    Warum? Weil ich als Schülerin in Norddeutschland zwei Wochen eingeschneit war. Mein Vater ist damals mit der Schneeschaufel auf das Dach gestiegen und hat den Schornstein freigeräumt.

    Wir hatten und haben in der Waschküche einen Holz- und Kohleofen und gegenüber eine Kammer mit gut durchgetrocknetem Holz und Kohle. Also gleich nach Stromausfall den Ofen angemacht. Die Ölheizung funktioniert dann ja nicht mehr und mein Vater brauchte auf Grund seiner Arbeit immer ein warmes Mittagessen. Vorräten hatten wir zwei Räume weiter, ist bei uns üblich, da eigener Garten. Alle weiteren notwendigen Dinge wurden sofort besorgt, es ging aber alles sehr schnell. Ein Freund von mir, der im 45 km weit entfernten Hamburg zur Schule ging, kam mittags nur noch mit einem schweren LKW heim. Der Schnee fiel ununterbrochen, dazu kamen die Schneeböen. Wasser war kein Problem, der erste Schnee war noch etwas schmutzig, aber dann war er weiß und rein. Nach zwei Tagen konnten nur noch die Männer den Schnee räumen. Also räumen hieß, den Schnee mit einer normalen Schaufel über den Rand der Labyrinthe zu werfen, so weit wie möglich und sich zur Straße zu arbeiten, um auf die Nachbarn zu treffen, damit man sich aushelfen konnte.
    Die Matratzen wurden also in den großen Spielkeller geschleppt, der sehr gut isoliert war, Boden und Wände und Isofenster besaß. Als der Schnee das ganze Haus umschloß, wurde es wärmer, die Windböen waren unangenehm gewesen, aber in den Labyrinthen rieselte es nur von oben hinein. Irgendwo mochte auch die Sonne sein. Es herrschte ein diffuses Licht und eine unglaubliche wunderbare Stille.
    Der Herd war so gebaut, daß wir auf der gesamten Fläche kochen konnten. 20 Liter Töpfe hatten wir noch vom Wäsche kochen. Und so gab es meist Suppe, die dann verteilt wurde.
    Aber auch Spiegeleier mit Schinkenspeck.
    Wichtig ist, die Federbetten sofort in die Wärme zu bringen. Nach dem Schlafen wurden sie aufgeschüttelt und über die Wäscheleinen im Waschkeller gehängt. Die Matratzen wurden zum Trocknen auf die Seite gestellt.
    Es waren wunderschöne Tage. Als wir eines mittags den ersten Vogel wieder singen hörten, wußten wir das Wetter schlägt um, es wird wärmer.

    Wenn ich Zeit finde, erzähl ich mal über unsere Vorbereitung und warum ich gerne ein weiteres Mal bauen möchte.

  3. mikap sagt:

    Lieber Frank,
    Schantalle und Schackeline sehen Sie wohl, wie ich auch,
    auf Ihrem Weg vom Parkhaus gegenüber der Börse zur
    täglichen „Börsenshow“.
    Übrigens, wie immer, ein Kommentar der mir aus dem Herzen
    spricht.
    Liebe Grüße
    M.K.

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