G-20 – Außer Spesen nix gewesen

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Da hatten die Banken aber gezittert, vor diesem sogenannten Weltfinanzgipfel der G-20, auf dem der große Wurf geworfen werden sollte. Ich habe das Gefühl, dass dabei recht wenig herausgekommen ist. In sieben Seiten werden in 50 Punkten Dinge erörtert, wie die Finanzwelt gerettet werden soll. Es ging um die Verhinderung von zukünftigen Krisen. Wie die aktuell wütenden Krise aber in den Griff zu bekommen wäre, das blieb mir unklar. Diese 50 Punkte sollen ein Fundament sein, um eine Wiederholung dieses Desasters auszuschließen. Was man tun will, das weiß ich jetzt. Doch mich interessiert das WIE.

Die mächtigsten Herrscher der Welt stimmten „energischen Anstrengungen zur Stabilisierung des Systems“ zu. In knapp fünf Monaten will man weiter sein. Keine Ahnung, wie die aktuelle Krise sich bis dahin entwickelt. Doch erst einmal signalisiert man Zufriedenheit, dass man miteinander gesprochen hat, und so weite Flugstrecken auf sich nahm. Alles andere wäre ja auch irgendwie seltsam. Vielleicht wollte man ja nur zeigen, dass man den Ernst der Lage begriffen hat. Super! Hätte man das alles nicht am Telefon klären können?

Im Vorfeld dieses Finanzgipfels hat man öfters den Namen Bretton Woods gehört, dabei aber Äpfel mit Birnen vergleichen. Klingt aber toll, oder? Damals am 22. Juli 1944 hat man ein neues Weltwährungssystems geschaffen. Es wird geschrieben, dass das Abschlusskommuniqué schon am Freitag fertig war. Interessant wird jetzt aber, was alles umgesetzt wird, wie lange das dauert, was dabei herauskommt und vor allem, wer da alles darin herumfuhrwerken kann. Wenn schon die Banken an Gesetzestexten in Deutschland mitschreiben durften, vielleicht sind die Dienste von denen, deren Entscheidungsspielraum bald eingegrenzt werden soll, in wenigen Tagen schon hoch willkommen?

Niemand soll unbeaufsichtigt bleiben. Keine Region, keine Bank, kein Hedgefonds, kein Finanzinvestor und kein Produkt bleibt unbeobachtet. Wirklich? Die meisten Gipfelteilnehmer lehnen dabei eine Regulierung ihrer Finanzbranche durch eine einzige Institution ab. Das Ding bleibt wohl eine nationale Sache. Doch man kann ja auch kooperieren. Irgendwie. Die Frage wäre die nach den Standards. Und das dauert ja auch meist eine Weile, bis man sich vielleicht nicht einigen kann.

Den Bankern ist verständlicherweise die Vergütung wichtig, also Gehalt und Bonus. Doch was tat man nicht alles, um einen netten Bonus zu erhalten. Was kann man alles tun, um den Bonus sicherzustellen? Ich bin gespannt, was aus den sogenannten Belohnungssystemen wird. Vielleicht ist es ja lohnender, zukünftig Kartoffeln anzubauen oder Schuhe auf dem Bahnhof zu putzen?

Auch die Ratingagenturen sollen an die Kandare genommen werden. Das wird auch irgendwie Zeit, nachdem man sich bei Enron & Co. bis auf die Knochen blamiert hat. Welches Rating hat die USA? AAA.? Oh! Der war gut.

Der Sicherheitspuffer, sprich die Eigenkapitaldecke der Banken soll höher werden. Vor allem bei den risikoreichen Papieren soll mehr Eigenkapital unterlegt sein. Das kostet. Zwar stünden die Banken im Falle einer Krise besser da, doch ist es überhaupt noch attraktiv, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, wenn die Rendite schmaler werden muss? Das hieße dann Schluss mit einer Vorsteuerrendite von 25%. Für die Götter war das sowieso einer der Irrtümer der Geschichte und ein Running Gag im Jahr acht des dritten Milleniums.

Auch internationale Finanzinstitutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) sollen einer grundlegenden Reform unterzogen werden. Oh, da bin ich gespannt, vor allem auf die Diskussion über die zukünftige Struktur und die Machtverteilung in seinen Gremien. Wie lange dauert es, einen Tanker wie den IWF auf eine andere Spur zu heben?

Es hätte ein neues Bretton Woods werden können, wenn man den Mut dazu gehabt hätte, die Schulden festzuschreiben. In einer Art Tabula rasa hätte man die Summe leicht feststellen, und alles mit echten Werten unterlegen können, wie zum Beispiel mit Gold, Silber, Öl oder sonst was. Doch dazu fehlte der Mut. Es hätte das heutige Geld an einen Sachwert gebunden. Doch unser „modernes“ Finanzsystem ist auf Schulden aufgebaut und darauf angewiesen, dass diese sich ausweiten. Allein schon deshalb ist es unmöglich, auf eine weitere Aufschuldung zu verzichten. Und deshalb kam eine Maus heraus, als der Berg sich bewegte.

Es wäre sinnvoll gewesen, die Finanzbranche auf die eigentliche Aufgabe zurecht zu stutzen, nämlich verantwortungsvoll Kredite zu vergeben, im Dienste der realen Wirtschaft, um Dinge zu fördern, die zu fördern wären und damit zu einer gesellschaftlichen Zufriedenheit beizutragen. Doch es fehlte der Mut, da alle von diesen Schulden und Krediten abhängig sind. Mister Market hätte ein einfaches Spiel. Zwar unter Schmerzen, aber mit der Aussicht auf Erfolg, wenn man ihn denn ließe.

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