Für die Tonne: Goldpreis auf 1 Euro pro Kilo gefallen!

14. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Nicht doch! Kein Medium schreibt vom anderen ab! Wenn, schreiben alle vom Gleichen ab. Und dann wird es lustig. Wurde der Goldpreis am Freitag etwa Opfer zweier angehenden Jungpraktikantinnen in einer bekannten, großen, mächtigen, alten und ach so vertrauenswürdigen Nachrichtenagentur?

Gewinnmitnahmen haben dem Goldpreis am Freitag zu schaffen gemacht. Das Edelmetall verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 1275 Dollar je Tonne nachdem der Preis seit Wochenanfang knapp fünf Prozent zugelegt hatte.

Für die Tonne… Die Bildschirme färbten sich rot, aber nicht aufgrund einer Fehlermeldung. Der Unfall nahm seinen Lauf. Wenn es doch nicht Sommer wäre! Niemand arbeitet dann in den Redaktionen. Alles übernimmt der Computer. Er arbeitet billiger, als irgendein gestandener Redakteur. Nur Praktikanten kosten nichts. Sollten sich deshalb zwei von ihnen bei Reuters einen Streich erlaubt haben? Zu lesen war, die eine hat geschrieben, die andere redigiert. Vier Augen sehen mehr. Nur der Kopf litt unter Hitze.

Übrigens… wie bei der Bahn gehören auch in den Redaktionen Frühling, Sommer, Herbst und Winter (und die Nachrichtenlage) zu den ständigen Feinden. Immer ist jemand nicht da. In den Agenturen schon…

Und so ging die Meldung der bekannten, großen, mächtigen, alten, aber vertrauenswürdigen Nachrichtenagentur wie so oft ungeprüft durch die Netze zur großen Erheiterung aller Empfänger. Jede Online-Seite schrieb das selbe. Hier auszugsweise im Handelsblatt, Wallstreet-Online und Onvista.. Aber schauen Sie mal hier, wie erfolgreich so eine Agenturmeldung sein kann… 

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Große Kunden zahlten Reuters übrigens 6.000 U-Dollar, um wichtige Meldungen zwei Sekunden vor ihrer offiziellen Verkündigung zu erhalten. Ob diese Nachricht aber unter diesen „additional value“ fiel, entzieht sich meiner Kenntnis.

Laut Reuters ist der Goldpreis am Freitag also auf 1.275 Dollar pro Tonne abgerutscht. Ein paar Stunden später erholte er sich um zehn Dollar… pro Tonne. Das sind umgerechnet 1,27 Dollar pro Kilogramm oder vier Cents pro Unze Gold. Maßeinheiten-Ausbildung der jungen Leute findet erst im 9. Praktikumsjahr statt. Von daher ist davon auszugehen, dass beide Jungpraktikantinnen zwischen 32 und 37 Jahren alt sein dürften. 

Ein Euro pro Kilo Gold dürfte selbst den hartgesottenen Goldbugs bei 30 Grad im Schatten einen wohlig kühlen Schauer über den Rücken gejagt haben. Komisch, dass das nie beim DAX passiert.

Die Schlagzeile bei Reuters war fast versandvertig, bedurfte sie noch einiger Erklärungen. Es war angeblich die Aussicht auf die Geldschwemme, die den Goldpreis in der letzten Woche um fünf Prozent hat steigen lassen, hieß es im dem Text. Und nun? Wie geht es weiter? Schnell einen Experten angerufen, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, wohl aus gutem Grund. Oder weil er bei der Commerzbank arbeitet –  und Experte mit Commerzbank einfach nicht zusammen passen? Zumindest hatte er Glück. Über das Wochenenede hätte es der Experte ganz ungewollt zu Prominenz geschafft.

Wenn die Aktienmärkte weiter steigen, dann kommt Gold unter Druck, weil sich dann die Abflüsse aus den Gold ETF`s nicht „beruhigen“, sagte der eben namentlich nicht genannte Experte der großen Nachrichtenagentur bzw. deren angehenden Jungpraktikantinnen. Nun verstehe auch ich besser, warum die Kopfschmerzbank schon länger unter Kopfschmerzen bzw. Kursschwäche leidet.

Steigt der DAX auf 20.000 Punkte, kostet Gold nur noch 300 US-Dollar oder weniger pro Tonne. Logisch? Logisch!

Ist es nicht witzig und beängstigend zugleich? Alle großen Medien fielen wieder mal auf den Streich der beiden oder Reuters herein. Niemand hatte eine Chance. Nicht mal für eine Korrektur nach drei Tagen. Sommer. Niemand da.

Im Sommerurlaub, aber auch zuvor und danach, laufen die Meldungen der bekannten großen, mächtigen Nachrichtenagentur einfach online. Wer weiß, was sie morgen wieder versuchen, mir unterzuschieben. Und wer weiß, womit sie schon erfolgreich waren…


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4 Kommentare auf "Für die Tonne: Goldpreis auf 1 Euro pro Kilo gefallen!"

  1. Dagobert sagt:

    …also in der Schweiz wird dieses illegale Zeug – pardon, dieses Zeug doch eh bereits illegal entsorgt…

    http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Gemeindearbeiter-finden-beim-Maehen-Goldbarren/story/26526195

    …war ja wieder mal der 12. Juli… 😉

  2. stonefights sagt:

    Lieber Frank,
    du missverstehst die Zusammenhänge wieder einmal 😉
    Weder ein Praktikant, ein Praktiker noch eine Abschreib-Praktik waren eine ursächliche Fehlmeldung.
    Bei der Meldung geht es um Papier-Gold.
    Da der Preis für das Träger-Material gefallen ist, ist ein fallender Papier-Gold-Preis somit völlig rational.
    Ich habe mir mal die Mühe gemacht, den Papier-Preis-Verfall in Relation zur Qualität obiger Meldung zu bringen.
    Und siehe da, vieles wanderte während meiner Recherche in den Papier-Korb, quasi pro Gegenreaktion zu steigenden Papier-Preisen.
    Wenn genug mitmachen wird der Papier-Preis wieder steigen und alle Finanz- und Wirtschaftsbeobachter werden aufschreien „Puh, nochmal Glück gehabt“ 🙂
    LG; stonefights

  3. sy-bi sagt:

    Ach Frank, du bist einfach herrlich! Ich liebe deinen Humor! LG und weiterhin schönen Sommer!

  4. Michael sagt:

    Was die Reuters nicht alles wissen. Mir gefällt insbesondere die Logik.

    Nehmen wir ein fiktives Beispiel aus der IT.

    Investorenempfehlung – Wir sehen einen Ablösebedarf von 10% an HP IT Hardware in ihrem Unternehmen generell. Vorsicht ist geboten aus aktuellem Anlass, denn der Leo Apotheker hat sich auf den Flughafen begeben und fliegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% Richtung Westen von Europa aus und kommt damit dem HQ von HP und den Entscheidungsträgern näher. Damit ist es absolut schlüssig auf der Stelle 5% seiner HP Hardware abzulösen weltweit. Man weiß ja nie. Aber dass die Kunden die Ersatzteile sowieso Jahre im nachhinein noch bekommen im Worst Case, das wissen die wenigsten die solche Einschätzungen abgeben und dass sowieso die Leasinverträge mal 3 Jahre laufen … die Kunden haben sowieso die Ersatzteile mitbezahlt und Logistikabwicklung wird halt verrechnet:)

    Dass es eigentlich immer ein Käufer als auch einen Verkäufer gibt im Normalfall. Der Term rausgehen heißt vermutlich in Zukunft eine andere Assetklasse präferieren, weil man sich höhere Transaktionsvolumina erwartet oder wie auch immer und sei es höhere Renditen, aber da bin ich mir so nicht ganz sicher, ob Letztgenanntes allein eine geschürte Erwartungshaltung ist die aus der Not der Situation heraus geboren ist… Ein Transaktionsgeschäft will Transaktionen … selbstverständlich sind steigende Preise zuträglich. Aber aus der Erwartung an Transaktionsvolumina auf Renditeentwicklungen zu schließen ist gewagt. Das wird aber suggeriert.

    Vor Dekaden waren bei Anleihen beispielsweise günstige Gelegenheiten bei Veränderungen im Nachkommabereich einer Prozentzahl bei der Rendite schon spannend. 1Mio XXX bei einer veranlagten Milliarden war einmal ein Grund Anleihen auszutauschen, gegen welche die mehr Ertrag bringen – aber das ist lange vorbei. Heute 1 Mio mal 10 Jahre Restlaufzeit ist nichts. Wer heut in die Welt schaut, es gab mal Anleihen mit bis zu 15-20% Rendite ohne großes Risiko und auch über 5 ohne großes Risiko allgemein – nachrangig war da nichts.

    Der Marktanteil. Zu meiner Zeit war der Marktanteil der Anteil am Gesamtmarkt. Heute ist der Markt der Umsatz der börseorintierten Unternehmern im aktuellen Monat respektive Quartal in einem gewissen Marktsegment. Das hat was damit zu tun, dass Aktien sich eher am Gewinn denn an der Substanz orientieren … die Begrifflichkeiten verraten viel über den Zeitgeist. Die haben alle einen Klescher. In einer Welt in der annähernd fast allein nur mehr über Markenbindung wird verkauft, da Güte und Preis an sich vergleichbar sind wen interessiert ein Umsatz will man das Standing des Unternehmens auf längere Zeiträume abschätzen. Das hängt an anderen Parametern … aber gut.

    Was ist heute schon ein Kilo unter einer Tonne geht wenig. Der Ausrutscher der Praktikanten, naja. Mich wundert es nicht, dass selbige verwirrt sind, bei all dem Topfen den sie sich müssen anhören.

    Wenn mal jemand mal ein Kilo Gold um einen Dollar respektive ich zahle sogar den genannten EUR vorbeibringt, jederzeit.

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