Fünf vor zwölf – bei der US-Schuldenuhr

19. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten steht der Zeiger 5 vor 12. Ob die Pleite der USA zu diesen Möglichkeiten zählt, wird sich in ein paar Tagen zeigen. Aus unserer Sicht werden die Politiker nochmal die Kurve kriegen und wie gehabt weiter kräftig Schulden machen…

Ist das Ende nahe?

Irgendwie kommt einem G.W. Bushs „Time is running out“ wieder in den Sinn, das er seinerzeit auf den irakischen Diktator Saddam Hussein bezogen hat und auf die mögliche Auslieferung der nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen. Aber diesmal geht es um Realitäten, nämlich die Zahlungsfähigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt.

Die bisherige Schuldengrenze von 14,3 Bio. USD muss bis zum 2. August, also sehr kurzfristig, erhöht werden, ansonsten kreist der Pleitegeier über der USA. Präsident Obama hat schon mal in Frage gestellt, ob am 3. August noch genug Geld in der staatlichen Kasse ist, um den Zahlungsverpflichtungen u.a. an Rentner und Veteranen nachzukommen. Damit schiebt er natürlich den Schwarzen Peter weiter an die Grand Old Party, die Republikaner, die momentan noch Gefallen daran finden, den Präsidenten als potentiellen Pleitier vorzuführen.

Eine Lösung wird kommen

Wir gehen davon aus, dass es in letzter Minute zu einer wie auch immer gearteten „Lösung“ – die den Namen natürlich nicht verdient – und damit einer Anhebung der Schuldengrenze bzw. zu eine trickreichen Umgehung des üblichen Procederes kommen wird. Dies lehrt auch ein Blick in die Vergangenheit. Insofern dürfte sich das Szenario von 2009 wiederholen als die Schuldengrenze von 12,1 auf 14,3 Billionen USD erhöht wurde.

Fed-Chef Ben Bernanke und Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase, erhoben schon mal den Zeigefinger und mahnten die Politiker zum Einlenken. Obama lässt zusammen mit Republikanern an einem juristischen Winkelzug feilen, der es den Demokraten erlaubt, die Schuldengrenze einseitig anzuheben. Eine Lösung, bei der die Republikaner nach außen ihr Gesicht wahren können. Klar ist aber in jedem Fall, dass die USA ihre Schulden nicht mehr werden zurückführen können, selbst wenn die härtesten Sparmaßnahmen der Republikaner umgesetzt würden, was nicht realistisch ist. Also wird es weitergehen wie bisher, d. h. die Märkte werden weiter mit Papiergeld geflutet. Dies wiederum dürfte dazu führen, dass der Crack up-Boom in eine neue Phase eintritt, in der die Inflation drastisch zunehmen wird.

Was wäre die Alternative?

Bestünde für die Obama-Regierung keine Möglichkeit, die die Verschuldung auszuweiten, so müssten drastische Ausgabenkürzungen (in Verbindung mit Einnahmenerhöhungen) durchgesetzt werden (vergleichbar zu Griechenland), was das Land unweigerlich in die wirtschaftliche Rezession führen würde. Die Folge wäre, dass die Theorie vom Crack-up-Boom zu den Akten zu legen wäre. Aber für wie wahrscheinlich wir diese Möglichkeit halten, haben wir ja oben schon ausgeführt.

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