Fünf-Jahres-Hoch: Stachanow-Medaille für DAX-Anleger!

20. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Ein Rating-Kracher für Griechenland! Es ist immer wieder erstaunlich, oder eigentlich erschreckend, welchen enormen Einfluss Rating-Agenturen auf das Kursgeschehen haben. Das leidgeprüfte Griechenland wurde erneut unter die Lupe genommen und siehe da – es wurde für gut befunden…

Gleich um mehrere Stufen ging die Einstufung des Mittelmeerstaates durch die marktführende Agentur S&P von „Selective Default“ (teilweiser Zahlungsausfall) auf B- nach oben. Sogar der Ausblick ist stabil. Damit wurde vor allem das praktisch bedingungslose Festhalten der EU an der griechischen Euro-Mitgliedschaft honoriert.

Ohnehin scheint die Schlacht um Griechenland mit der Heraufstufung derzeit mehr oder weniger geschlagen zu sein. Knapp drei Jahre hielt die kleine Volkswirtschaft Politik und Finanzwelt in Atem. Wer allerdings glaubt, dass die Eurokrise damit insgesamt ausgestanden sei, der dürfte schon 2013 negativ überrascht werden.

Frankreichs Rating sollte weiter nach unten zeigen, weil Hollandes provinzieller Sozialismus nicht nur keine Probleme löst, sondern geradezu neue schafft. Neben Deutschland aber ist Frankreich das Kernland der Eurozone.

Rating-Zirkus

Zurück zu den Rating-Agenturen: Es ist ein offenes Geheimnis, dass Einäugigkeit geradezu Berufsvoraussetzung für die Arbeit bei einer großen US-Rating-Agentur ist. Während nämlich die Herabstufungen zahlreicher Euro-Krisenländer im Großen und Ganzen durchaus nicht völlig falsch waren, weigert man sich beharrlich die Probleme im eigenen Haus – also in den USA – auch nur annähernd in gleicher Weise zu berücksichtigen.

Allerdings ist bereits die Philosophie hinter dem gesamten Rating-Zirkus höchst fragwürdig. In der Regel werden die Einschätzungen der Agenturen erst dann angepasst, wenn die Ursachen der Anpassung ohnehin schon bei den Marktteilnehmern bekannt sind. Dadurch sind derartige Ratingveränderungen fast immer prozyklisch und wirken tendenziell trendverstärkend, wenn nicht gar destabilisierend (positive Rückkopplung).

Der Effekt entsteht auch dadurch, dass Institutionelle Anleger gesetzlich dazu vergattert sind, die Einschätzungen dieser privaten Agenturen zu berücksichtigen – alleine diese Konstruktion ist ein Unding. Eigentlich könnte man auf derartige Ratings komplett verzichten, denn mit dem Markt gibt es bereits die größte und wohl auch zuverlässigste Ratingagentur überhaupt, die mit der Kursbildung sämtliche Papiere praktisch in Echtzeit „ratet“. Der Handel in Aktien und an den Devisenmärkten funktioniert – trotz fehlender Ratings – auch nicht schlechter als der in (Staats-)Anleihen. Was die Frage aufwirft, warum Anleiheinvestoren so besonders betreuungsbedürftig sein sollen, dass sie von den Rating-Agenturen „an die Hand genommen“ werden müssten?

Aber nicht nur Griechenland kann sich über die Heraufstufung durch S&P freuen, sondern in besonderem Maße auch die Gläubiger des Landes, die ja ohnehin die primär Begünstigten aller „Rettungsmaßnahmen“ sind. Daniel S. Loeb etwa ist so einer. Der Gründer und Chef des US-Hedgefonds „Third Point“ soll dem Vernehmen nach 500 Millionen US-Dollar am Rückkauf der griechischen Staatsanleihen durch Athen verdient haben.

So ist Politik eben doch in der Lage, echten Wohlstand zu schaffen – zumindest punktuell. Und bestimmt ahnen Sie auch schon, wer dafür bezahlen wird? Richtig, aber erwarten Sie für diesen Spendenmarathon bitte keine Quittung… (Seite 2)

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