Fünf Billionen vermisst: Haltet den Dieb!

1. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wie schon vermutet, dreht sich die Welt auch nach dem BREXIT irgendwie weiter. Nur mit fünf Billionen US-Dollar weniger. Wo sind die hin? Haltet den Dieb!

Das Börsengewitter der Vorwoche hätte fünf Billionen US-Dollar an WERT vernichtet, berichtet ein kluger Kopf aus der Finanzindustrie. Diese Schlagzeile nahmen die Medien gerne auf, verspricht sie doch Aufmerksamkeit und Empörung. Das ist natürlich Unsinn. Wenn etwas „vernichtet“ wurde, dann ist es nicht der Wert, sondern der Preis. Aber das versteht ja niemand.

Die Preise an den Börsen stehen heute noch tiefer als vor dem BREXIT. Wer ist eigentlich für den Wert zuständig und wer für den Preis? Letzteres bestimmen maßgeblich Zentralbanken und Presseabteilungen der Unternehmen. Für den Wert sind die Unternehmen zuständig.

Wie schnell sich „Dinge“ ändern

Sie geben mir sicherlich Recht, dass die alte BASF heute in etwa die gleiche BASF ist wie am letzten Donnerstag, vor dem Kurssturz. Wahrscheinlich schon. Der Kurs sank binnen weniger Minuten von 72 auf 63 Euro. Die Börsenkapitalisierung rutschte damit um 830 Millionen Euro ab. Der DAX hat am Freitag vor einer Woche binnen weniger Minuten um 100 Milliarden Euro abgespeckt. Von wegen, das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer! So ein Quatsch!

Ganz kluge Köpfe rechneten auch aus, dass weltweit fünf Billionen US-Dollar an Wert vernichtet wurden. Preis, ihr Laberkübel! Und… Danke, ihr Briten! Das die verkürzte Form. Der Schuldige war schnell gefunden, eine in der Politik nicht zu unterschätzende Annahme. Am Wert der Dinge hat sich jedoch kaum etwas geändert. Wert und Preis haben sich nur etwas einander angenähert.

Woher kamen die fünf Billionen, die dann plötzlich weg waren? Aus dem Nichts. Und dorthin sind sie wieder verschwunden. Ein Teil davon ist schon wieder aus dem Nichts aufgetaucht. Der britische Leid-Index liegt jetzt sogar wieder über dem BREXIT-Moment.

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Was war passiert? Die Bank of England hat gestern weitere geldpolitische Maßnahmen angekündigt. Davon war irgendwie auch auszugehen. Von der ständig verschobene Zinswende ist plötzlich keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil. Und schon steigen wieder die Preise an der Börse. Aber nicht die Werte. Gleichzeitig hat es das Pfund zerhauen. Aktien haben diese Währungsabwertung von immerhin zehn Prozent vortrefflich abgepuffert.

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Gleichzeitig hat das Gold noch stärker reagiert. Wer im Pfund weiterhin sitzt, der hat zehn Prozent weniger Kaufkraft, obwohl auf der Pfund-Note noch die gleiche Zahl steht.

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Wenn der BREXIT irgendwann langweilig geworden ist, wird man sich auf die Interventionen der Notenbanken konzentrieren, die eigentlichen Preistreiber für die Aktienkurse wegen der permanenten Schwäche-Tendenzen der Papierwährungen. Wir hier in Euroland werden sehnsüchtig auf das Schwappen des Geldes aus dem Frankfurter Osthafen konzentrieren. 

Es gibt Dinge, die haben keinen Wert, aber einen Preis. Warum denke ich an diese vielen bunten Schnipselwährungen? Der Wert besteht in ihrem Material. Und das ist bei einem Ein-Gramm-Euroschein kein anderer als ein Gramm Baumwolle. Nur kostet dieses Gramm gerade 1,10 US-Dollar. Ziemlich teuer! Nur glauben die Leute, dass der Euro einen Wert hätte. Und schon wieder verwechseln sie Preis und Wert. Weil es ständig durcheinander geworfen wird. Das gehört zur Standard-Ausbildung an den Universitäten. Sonst würde es ja nicht so einfach funktionieren.

Beispiel: Preis und Wert der Deutschen Bank

Weil wir schon bei Preis und Wert sind… Die Deutsche Bank kostet an der Börse 17 Milliarden Euro. Aber was ist sie wert? Das wissen wir nicht, ahnen aber Schlimmes. Denn wenn die Finanzabsicht BaFin betont, die Deutsche Bank wäre stabil, lässt das doch aufhorchen. Gab es daran jemals einen Zweifel? Der IWF hält sie für die gefährlichste Bank mit Systemrelevanz. Oha!

Vielleicht ist der Begriff „Branchenprimus“ heute nicht mehr gerechtfertigt. Vielleicht nähert sich der Preis ihrem Wert auch nur an, wenn der Kurs jetzt auf einem frischen Allzeit-Tief notiert. Und wer dachte, dass von den einst 30 Euro bei der Commerzbank noch 60 Cents übrig geblieben sind trotz aller geplanten Erfolge und der Behauptung, man hätte auf der Finanzkrise etwas gelernt. Wären Commerzbank-Witze an der Börse notiert, die stünden sicherlich höher als das Objekt der Belustigung. Deutsche Bank – Witze haben durchaus noch Aufwärts-Potential!

Das Vortäuschen von Werten war schon immer eine Wissenschaft für sich. Fragen Sie mal Anlageverkäufer und Finanz-Schieber. Um das Hochtreiben kümmert sich die Geldpolitik. Beide, sowohl Wert als auch sein Preis sind wie Verliebte. Sie rennen nach einer langen Phase der Trennung immer wieder aufeinander zu. Und das gilt es von Zentralbankern und Zentralplanern zu verhindern, Mister Market auszuschalten und sein Werk durch Pfusch zu ersetzen. Mister Market wird den Weltverbessern ein Bein stellen – wie er es gerade der EU gestellt hat. Preis und Wert sind sich nicht nur an den Börsen in den letzten Tagen etwas näher gekommen. Im Finanzsektor rennen beide sehnsüchtig gerade aufeinander zu.

 

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2 Kommentare auf "Fünf Billionen vermisst: Haltet den Dieb!"

  1. Insasse sagt:

    „Wenn der BREXIT irgendwann langweilig geworden ist, wird man sich auf die Interventionen der Notenbanken konzentrieren, die eigentlichen Preistreiber für die Aktienkurse wegen der permanenten Schwäche-Tendenzen der Papierwährungen. “

    Wie man allenthalben an den Aktienmärkten, insbesondere am Dow Jones, sehen kann, wird schon wieder fleißig dafür gesorgt, dass ja keine wirkliche Beunruhigung unter den Anlegern eintritt. Die Kursverluste im Zuge des kurzen Brexit-Gewitters wurden, wie von den Zentralbanken angekündigt (http://de.reuters.com/article/brexit-zentralbanken-idDEKCN0ZC0BI), schon wieder ausgeglichen. Man nennt das im modernen Börsensprech auch „stützen“.

    Meine Prognose: Bis zu den US-Wahlen tut sich an den Aktienmärkten nicht mehr viel. Mal geht’s a bisserl hoch, mal a bisserl runter. Ein Grund wird sich für jede Richtung wie immer finden. Es sei denn, es landet ein schwarzer Schwan. Aufhorchen lassen die Edelmetalle, die nicht wirklich nachgeben wollen und weiterhin auf dem aufsteigenden Ast sind. War da was?

  2. Benji sagt:

    Echt preiswert geschrieben,….bin echt froh,Zeit investiert zu haben,um das lesen zu dürfen.

    Danke und viel Spass noch

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