Frohes Fest. Vergesst den Rest!

24. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Lesen Sie Nachrichten? Die Welt scheint die Welt aus den Fugen zu sein. Die Fugen von Johann Sebastian Bach sind derzeit wohl die Einzigen, auf die Verlass ist. Bis zum nächsten Präludium dauert es aber noch…

Wenn so vieles den Bach runtergeht, ist mir immer noch nicht weihnachtlich zumute. Dabei gibt es doch so viele Befehle, jetzt fröhlich zu sein, um Geld auszugeben, was man nicht hat, um Dinge zu kaufen, die eigentlich niemand will und braucht. In der kommenden Woche heißt es dann, es wäre das tollste Weihnachten für dem Ein-Zell-Handel ever ever ever gewesen. Wetten? Und wir wären um 4,9 Prozent glücklicher geworden.

Aber dann steht man so am Kochtopf, bereitet das Essen vor und denkt dabei mal wieder zu viel nach – vor allem als Nachrichtenmensch. Früher waren Nachrichten ja Dinge, nach denen man sich richten konnte. Heute aber dominieren die Fake News unser Leben, also Dinge, die sich jemand ausdenkt, aber gar nicht stimmen, sagen die Oberen. Die Zeitungen sind voll davon! Dazu gehören auch die vielen Erfolgsmeldungen, die gar nicht stimmen können, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Was für ein Luxus! Vielleicht sind das auch Botschaften aus einer anderen Welt, vielleicht vom Mars? Man könnte viele Fake News auch als Propaganda bezeichnen. Es kommt eben darauf an, wer sie verbreitet und künftig wichtig, wer sie verbreiten darf – also die Deutungshoheit über richtig und falsch besitzt.

Wir freuen uns hier und jetzt nach offizieller Lesart an den sich biegenden Gabentischen und auch an den Kühlschränken. In der Gourmet-Theke der Billig-Discounter wird jeder kulinarische Wunsch war. Einfach nur aufwärmen! Gutes kann so preiswert sein! Doch wer zahlt die Zeche?

Dabei verspachteln wir ganz nebenbei auch den Reichtum, den wir im großen Geschäftskontext den anderen geklaut haben. Unsere Exportüberschüsse sind anderer Länder Importschulden. In der Eurozone wird angeschrieben. Erfüllen kann man das nicht.

Wir sind ja nicht nur Exportweltmeister, sondern fast schon Champion im Exportieren von Dingen, mit denen sich die Leute ganz weit weg von uns, dort, wohin man das militärische Zeug schickt, sich gegenseitig umbringen. Im Namen des Friedens. Rüstungsaktien waren die Stars auch wieder 2016. Das detonierte Material muss ja nachproduziert werden – im Namen des Friedens. Oder des Volkes?

Der Wind, den ein paar Firmen unter Aufsicht der Politik dort säen, kehrt inzwischen als Sturm zurück. Dann dürfen wir uns wundern und ein paar Lichter anzünden mit betroffener Mine.

Oh weia…! Was schreibe ich da? Darf man das im nächsten Jahr überhaupt noch denken? Zum Glück bekommen wir, so schreibt es der „Spiegel“ eine Art von Ministerium für Deutungshoheit und Wahrheit, das endlich Klarheit in die Denke und Schreibe der Leute bringt. „Er hütet seine Herde“ heißt dann wohl bald: „Hüte Deine Zunge!“. Die Wahrheit ist immer die der Andersdenkenden. Ach nein, das war die Freiheit… Ist doch egal!

Zumindest scheint es in diesen Tagen doch tröstlich, dass auch unsere Kanzlerin empört ist über das, was in Berlin passierte – abgelesen von einem Blatt Papier.

Ja, es geht uns gut. Im Vergleich zu anderen wirklich gut. Damit meine ich nicht, dass wir hierzulande auf Wasser-Toiletten gehen im Vergleich zu den Leuten in der Sahelzone. Mir ist trotzdem nicht nach feiern. 2016 war eines der beschissensten Jahre und mit Furcht schaue ich auf 2017, immer noch in der Hoffnung, dass 2016 ein schlechter Traum war, den ich da gerade träume.

Ach, man muss optimistisch sein, heißt es doch. Mit verbundenen Augen kann man das ja auch. Dabei ist Optimismus nur ein Mangel an Information. Pessimismus übrigens auch. Der vermeintliche Realismus aber deutet ganz ohne Augenklappe und Wachs in den Ohren in Richtung Pessimismus.

Meine Gedanken sind in diesen Tagen bei den Leuten, die ganz andere Sorgen haben, als passende Weihnachtsgeschenke zu finden und auch nicht unter dem Verfallsdatum eines zu üppig gefüllten Kühlschranks leiden. Was ich in den letzten Tagen übrigens von den meisten Leuten gehört habe: Sie freuen sich nicht so sehr auf Weihnachtsgeschenke oder die mit diesen Festtagen verbundene Völlerei. Sie wollen einfach mal Ruhe haben, vor fast allen. Einmal mal nicht mitmachen zu müssen in diesem Wahn, der nicht nur mit einem solchen Fest verbunden ist, sondern auch den ganz trivialen Alltag betrifft. Einfach mal Ruhe! Ein ge-ruh-sammes Fest!

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9 Kommentare auf "Frohes Fest. Vergesst den Rest!"

  1. JayJay sagt:

    Wünsche dem gesamten Team vom Rottmeyer.de, auch ein schönes Weihnachten und einen guten Rutsch nach 2017.

    Und weiter so im neuen Jahr. 🙂

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  2. Frank Frei sagt:

    Ein glückliches Leben in Frieden für alle Menschen

  3. seppl sagt:

    Mit Genuss lese ich nun schon seit Monaten die Kolumnen. Ich drücke uns allen die Daumen, dass das auch noch Ende kommenden Jahres möglich sein wird. Gestern bekam ich durch Zufall mit, wie ein politisch wenig interessierter Bekannter, der eine Information überprüfen wollte, es nicht wagte einen Link zur Seite einer legalen und recht erfolgreichen Partei in unserem Land anzuklicken, aus Sorge auf eine Schwarze Liste oder gar ins Fadenkreuz von Ermittlern zu geraten. Allmählich wird es kühl im Land.

  4. Avantgarde sagt:

    Tja – so ist es.
    Yin und Yang bedingen sich,
    Jede Münze hat ihre Rückseite,
    und jede Buchung eine Gegenbuchung.

    Feliz navidad y prospero año

  5. bluestar sagt:

    Wie sagte doch der Innenminister nach der LKW-Aktion ? „Wir werden mit dem Terror leben müssen“. Mit wir ist natürlich ihr gemeint. Und an Totalüberwachung, Militarisierung des öffentlichen Lebens, Bundeswehreinsatz im Inneren, Einschüchterung, Propaganda, Rassismus gegen Deutsche, Verfolgung der Liberalen und Rechtsstaatlichen natürlich auch.
    Kommt 2017 das Ereignis für den Ausnahmezustand ? Darf man dann noch fragen, warum bei allen Ereignissen so viele Abläufe unlogisch sind, die Tatverdächtigen immer erschossen werden und keinerlei Aufklärung erfolgt ?
    Die Bewaffneten, welche nicht zum Schutz an den Außengrenze stehen durften, stehen nun in unseren Städten. Ich lasse auch immer die Haustür für Fremde offen und bewache dann die Schubfächer. Was für ein verlogener Wahnsinn. Das antideutsche, sozialistische Muttersöhnchen-Volk ist mit allerlei Ablenkung, Zerstreuung und Verblödung beschäftigt und wird wohl auch 2017 nicht viel vom möglichen Weg in den Totalitarismus mitbekommen. Wie sagte mir vor 2 Tagen ein studierter Ökonom ? „Uns geht es doch gut, nur schade dass Clinton als erfahrene Außenministerin nicht Präsidentin geworden ist“.
    Uns geht es gut – sagten die Weihnachtsgänse am 23.Dezember.

    Meinen herzlichen Dank an den Betreiber dieses grandiosen Blogs, den vielen klugen Autoren und den tollen Kommentatoren !!! Ihr seid alle wirklich Spitze und meine Hoffnung für 2017 auf eine Veränderung hin zur Normalität und bürgerlich- demokratischen Rechtsstaatlichkeit.
    Euch allen wünsche ich gesegnete, besinnliche und frohe Weihnachten.

  6. samy sagt:

    Ich schließe mich an und wünsche den Rottmeyer’s und allen Lesern besinnliche Feiertage, Gesundheit und einen guten Rutsch in ein hoffentlich friedliches Jahr 2017.

    Liebe Grüße

    Samy

  7. Insasse sagt:

    „Das detonierte Material muss ja nachproduziert werde…“

    Da bekommt der Begriff „geplante Obsoleszenz“, den ich bisher nur in Bezug auf die immer kürzere Lebensdauer von Konsumprodukten, wie Glühbirnen, Fernsehern und Waschmaschinen kannte, noch eine ganz andere, irgendwie makabre Facette. Munition ist eines der ganz wenigen Produkte, das auf direkte, schnellstmögliche Zerstörung auch von sich selbst angelegt ist. Solche Produkte müssen der Liebling der betreffenden Industrie sein.

    Frohe Weihnachten @all aus der Anstalt vom Insassen!

  8. Michael sagt:

    Ich schließe mich den guten Wünschen an und hoffe, dass uns Ihr „Freigeist“ auch in 2017 erhalten bleibt und nicht die Zensur im Kontext von „fake news“, oder des „Wahrheitsministeriums“ zuschlagen wird!

  9. Argonautiker sagt:

    Länger nicht da gewesen, aber nun ist etwas Zeit.
    Auch von meiner Seite, herzliche Grüße und ein Dankeschön für die offenen Worte an das RottMeyer Team.

    Es gibt dazu nicht viel zu sagen, da müssen wir nun durch. Langweilig wird’s wohl nicht. Alles Gute dazu und schöne Grüße aus Bremen

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