Frisches Gequake aus Rentenhausen

7. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Hoppla, die Zinsen steigen rasant an bzw. der Rentenmarkt crasht munter vor sich hin, heißt es. Dem DAX ist ebenso übel mit einem Verlust von zehn Prozent vom Hoch – und das trotz aller Gelddruckerei seitens der EZB…

Ist das die Zinswende? Unsinn! Mag sein, dass sich die Zinsen noch etwas normalisieren und sich seit dem Hoch der Anleihen rund 600 Milliarden Euro „Wert“ in Luft aufgelöst haben. Schließlich war es doch mehr als verrückt oder auch normal geworden, dass ein Finanzminister von Investoren auch noch Geld bekommt, wenn er neue Schulden macht.

In dieser Woche jubelte die EZB jubelt schon jetzt über eine steigende Inflation, was ja ihr erklärtes Ziel ist. Die Erwartungshaltung der Märkte wäre zu niedrig im Gegensatz zur EZB. Welch eine Freude! Natürlich nicht für die kleinen Leute. Also krachte es im Gebälk des Rentenmarktes.

Zehnjährige deutsche Anleihen kosten jetzt wieder fast ein ganzes Prozent. Bei zwei Billionen Euro an Schulden der BRD macht ein Prozent immerhin 20 Milliarden Euro mehr oder weniger an Zinszahlungen aus. Doch keine Sorge, denn Notenbanken können alle Papiere aufkaufen, selbst die schmutzigsten. Einen Renten-Crash wird man nicht zulassen. Selbst wenn alle Papiere auf den Markt fliegen würden, warum auch immer, die Zentralbank kauft immer und bestimmt damit das Renditeniveau bzw. den Preis der Anleihen.

Dank der Zinsmanipulation der EZB und einem gewissen Geiz gegenüber Steuerzahlern hat Herr Schäuble seit dem Ausbruch der europäischen Schuldenkrise bislang mehr als 100 Milliarden Euro Zinsen gespart und feiert seine schwarze Null. Aber auch die steigende Zahl von Schlaglöchern, aus denen man oft nur mit einem Navigationsgerät findet. Und mal ehrlich, ist das Geld in Griechenland nicht besser angelegt? Leider bekommen es die Griechen nicht, sondern die Gläubiger, die die Milliarden auch noch selbst drucken.

Graf Draghila, der Chef von Europas größtem Copy-Shop, sieht zudem keine Blase an den Aktienmärkten. Seine Kollegen in Übersee meinen ja auch, man kann Blasen erst nach dem Platzen erkennen. Wie sollten sie denn auch, wenn sie immer wieder die Grundlagen dafür legen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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