Frische (Geld)Blüten im Winter

19. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Am Bankautomaten bekommt man heute meist nur noch Geldscheine, die ganz frisch nach Druckerpresse riechen. Das ist auch wenig erstaunlich, nimmt doch die Zahl der Euroscheine im Umlauf sprunghaft zu…

So vervierfachte sich die Bargeldmenge in Euroland in den letzten 13 Jahren von einst 286 auf jetzt 1.082 Milliarden Euro. Dabei gibt es aber für den gleichen Schein von damals heute oft nur noch die Hälfte an Waren und Dienstleistungen, ganz ohne Inflation. Hurra!

Meine Tankstelle nimmt übrigens schon länger keine großen Scheine mehr an – zu MEINER Sicherheit. Neulich in Paris war es äußerst problematisch, einen 100-Euro-Schein wieder loszuwerden. Sie kennen doch sicherlich auch die Blicke der Verkäufer hierzulande, die auf einen Generalverdacht des Bösen schließen lassen, wenn man mit einem Schein über 50 Euro bezahlt.

Haben Sie ab 24. November schon etwas vor? Dann kommen die neuen 20er-Scheine in Umlauf – 4,3 Milliarden Stück – und so kunterbunt wie Krawatten von Finanz-Experten. Bis zum Jahr 2019 werden dann alle Scheine der ersten Euroserie durch buntere und noch weit sichere Baumwoll-Papiere ersetzt. Irgendwann wird dann die erste Serie aus dem Verkehr gezogen. Schlecht für diejenigen, mit auf den alten Lappen unter der Matratze schlafen und für diejenigen mit Schwarzgeld. Das muss irgendwann in den nächsten Jahren umgetauscht werden.

Auch wenn es heißt, die neuen Geldscheine wären noch sicherer, ist dieser Werbeslogan doch relativ. Schließlich weiß man doch nicht, was man in einigen Jahren für einen solchen Schein noch kaufen kann, wenn es diese überhaupt noch gibt. Der Diebstahl durch die Hintertür ist aber legitim, ja sogar gewünscht, und sogar eines der obersten Ziele unserer sogenannten Währungshüter.

Der 20er wird übrigens am häufigsten gefälscht. Genau genommen, ist jeder Geldschein eine Fälschung, denn Geld, das nicht als dauerhafter Wertspeicher taugt, ist kein Geld, sondern eine Illusion bzw. genau betrachtet ein Gemisch aus Baumwolle und viel Glaube. Anders ausgedrückt, man macht mit der neuen Euo-Serie das Falschgeld noch fälschungssicherer. Das hat schon was!

Früher hieß es noch:

„Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft.“

Heute gibt es dafür eher den Wirtschafts-Nobelpreis.

Die Forderungen nach Abschaffung von Bargeld reißen unterdessen auch nicht ab. Inzwischen sind auch die kleinen Münzen in Verruf gekommen und es wird über ihre Abschaffung diskutiert. Ja, weil es zu lange an der Kasse dauert. Oder weil die Logistik zu teuer ist. Zudem liegen die Prägekosten für das kleine Klimpergeld inzwischen schon über seinem Nennwert. Warum das so ist, das fragt sich kaum jemand. Vielleicht erst dann, wenn auch die 1- bzw. 2-Euro Münzen verschwunden sind. Ach ja, dann ist das Bargeld wahrscheinlich auch weg und wir bezahlen mit Karte – oder die ganz hippen Typen mit einem Chip im Arm.

Bei der Abschaffung des Bargeldes taugt inzwischen jedes Argument, und sei es noch so dämlich. Vermutlich geht es auch weniger um kriminelle Aktivitäten, sondern um eine lückenlose Überwachung von Geldströmen und die Durchsetzung von Negativ-Zinsen. Dass man nicht mehr flüchten kann aus dem Geldsystem und dass man ihm und seinen Protagonisten schutzlos ausgeliefert ist.

Beruhigt es da, dass die Bundesbank das Bargeld immer wieder verteidigt? Was sind die Worte der Bundesbank wie die aus der letzten Woche wert, wenn es von höherer Stelle heißt, das Bargeld müsse weg und der Umgang damit verboten werden? Zur Sicherheit der Bürger natürlich, weil die Finanzlobby wieder mal stärker war? Ja, sie wollen dann unser Bestes, also die letzten Reste unserer finanziellen Freiheit. Und wenn man nicht aufpasst, nehmen sie sich das einfach. So wie immer…

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