Frage der Woche: Eigeninitiative?

4. Juli 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

Die letzten Jahre sorgten bei zahlreichen Anlegern für viele nicht immer altersbedingte graue Haare. Die bittere Einsicht, dass Zertifikate nur Inhaberschuldverschreibungen sind, war nur eines zahlreicher trauriger Glanzlichter. Als wäre nichts geschehen, zeigt sich am Finanzmarkt – oder besser am Markt für Finanzprodukte aller Art – bereits wieder das gleiche Verhalten wie zu Beginn der Krise. Zertifikate werden munter gehandelt, private Investoren tummeln sich am Markt für Schrottanleihen und viele „Berater“ schwadronieren selbst angesichts von Aktiengesellschaften, die jahrelang mehr ausschütten, als sie einnehmen, von Substanzwerten.

Besonders bitter ist das Thema „offene“ Immobilienfonds. Nicht nur die teils desaströse Performance der Vehikel und die anhaltende Schließung lasten schwer auf der Glaubwürdigkeit der Anbieter. Pikant ist die weiterhin bestehende Möglichkeit von Einzahlungen sowie die Berechnung von Verwaltungsgebühren auf Basis eingefrorener KAG Kurse. Wer beispielsweise seinen Fondssparplan einfach weiter laufen lässt – weil vielleicht sein Bankberater keine anders lautenden Hinweise gibt – der zahlt derweil z.B. für den SEB Immoinvest vollkommen unnötige 15% mehr, als er an der Börse hinblättern müsste, wo die Anteile mit gehörigem Abschlag gehandelt werden. Bei anderen Fonds sieht es noch wesentlich schlimmer aus. Uns würde interessieren, ob diejenigen, die Kunden zum Kauf der Fonds geraten haben, jetzt auf diese Situation hinweisen. Wer unbedingt noch mehr von den Papieren will, sollte diese tunlichst über die Börse kaufen. Ob es sich hierbei um schlaue Investitionen handelt, darf jeder für sich beurteilen…

Auch andere Fonds sind mit Risiken behaftet, die sicherlich irgendwo im Prospekt erwähnt werden, in Verkaufsgesprächen aber selten ausgesprochen werden. „Man habe die komplexen Risiken mit noch komplexeren Modellen schon im Griff“. Ja, genau so sah das in den vergangenen Jahren auch aus. Staatsrettung und Fondschließung sind die neuen Erfolgsmeldungen.

Sei es wie es ist: Es hilft nur Eigeninitiative! Fragen, nachhaken, aktiv sein und die entsprechenden Konsequenzen ziehen, wenn dem Interesse mit Patzigkeit, Inkompetenz oder gleich beidem begegnet wird. Einige Leser haben sich nach bestimmten Artikeln – etwa zu den Themen ETF oder Wertpapierleihe – bereits bei uns gemeldet und von Ihren Anfragen bei der Bank oder Fondsgesellschaft und den Antworten berichtet. Das ist Eigeninitiative und wir können nur jeden dazu ermuntern, dies in einer sachlichen Form ebenfalls zu tun. Warum nicht einmal testen, ob der Verkäufer überhaupt weiß, wie Wertpapierleihe im Aktienfonds funktioniert, wer genau die Erträge vereinnahmt und wer die Risiken trägt?

Daher unsere Frage: Waren sie bereits aktiv? Wie immer freuen wir uns über eine Rege Diskussion im Kommentarbereich über Erfahrungen und Beweggründe unserer Leserschaft.

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

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15 Kommentare auf "Frage der Woche: Eigeninitiative?"

  1. samy sagt:

    Nein, und werde es auch nicht tun. Jede Antwort wäre entweder schlicht einlullend oder aber ich kann die ehrliche Antwort überhaupt nicht als solche erkennen. Es ist a priori sinnlos.

    VG

  2. matt06 sagt:

    Nach einem offenen Gespräch mit meinem Banker kamen wir zu der ERkenntnis das „unsere“ Fonds doch nicht so toll waren.Auch div.Sparverträge waren nicht das gelbe vom Ei.Nach einem weiterem „fast ehrlichen“Gespräch sind wir übereingekommen uns etwas zu überlegen,ach ja sagte er:Ich habe da einen Kunden der kauft schon länger Gold,das hab ich aber nicht gesagt!!Ja,ich habe hinterfragt,spät ,sehr spät,habe absolut alles aufgelöst was noch zu retten war,habe meine L.V und Bausparer gleich mit aufgelöst, werde nichts mehr hinterfragen,da ich nur noch physisch bin,Punkt aus.Ich arbeite ehrlich ,also möchte ich auch ehrliches Geld….ach ja ,neulich hab ich meinen Banker getroffen und wir haben bei einem kühlen Drink über alles mögliche geredet, irgendwann sagte er mir er sei jetzt auch in Silber und Gold,er hat ja schliesslich Familie.L.G matt 06

  3. samy sagt:

    Eine Anekdote fällt mir noch ein und das war zur Zeit des Telekomhypes.
    Ich füllte damals eine Überweisung aus und musste einem Gespräch zwischen einem älteren Mann und seinem Berater zuhören. Der alte Mann machte den Eindruck eines fleissigen Malochers, eines Knochenjobers, der sein gutes Geld noch etwas vermehren wollte, bevor die Rente anbricht. Er wollte seine Telekomaktien verkaufen, diese schmierten gerade ab. Er wollte also klassisch und bodenständig nach der Devise handeln „don’t lose!“. Was mir in Erinnerung blieb, dass war die Reaktion des jungen Bankberaters. Er schrie herum, war außer sich und er hat dann auch nicht verkauft. Der Mann gab klein bei. Die Kurse schmierten dann weiter ab.
    Der Bankberater war in diesem Moment wirklich ein Zocker, mehr nicht.

    VG

  4. jose-macho sagt:

    Hallo Leute
    ich bin sehr Aktiv mit mein Bank, ich frage für neue Produkte, tendenz oder Trend, wenn eine Gefählt mir?, suche in Internet und kaufe eine besser
    chauuuuuuuuuuuuu

  5. tizian sagt:

    Nein, das habe ich nicht getan und werde es auch tunlichst nicht tun, einfach ´deshalb, weil ich mich ab anno 2009 – 2011 peu a peu von meinen diversen Anlagen u. Investmentfonds verabschiedet („umgeschichtet“) habe.
    Zugunsten von: Na, was wohl?
    Auf jeden Fall hat das Zittern jetzt ein Ende, die Performance ist jetzt auch eine Bessere (ausser bei den Minen).

    Das „Blaue vom Himmel“ hat ER mir verzählt, der private Herr Finanzdienstleister, im Verkaufsgespräch anno 1997, dann kam der Feb. 2000 (dot-com), dann nine-eleven `01, dann der Euro im Jan. ’02, die Bodenbildung der Märkte dann endlich 2003.
    Das Vermögen schmolz dahin…nominal + inflationsbereinigt- ja, das kommt noch dazu.
    Bis 2009 hat es gedauert, bis ich endlich gerafft hab, wie gefährdet derartige „Finanzprodukte“ generell sind.

    Viele meiner Bekannten sind noch bis zum heutigen Tag in Fondssparplänen, in Einmalanlagen, in Aktienfonds etc. In diesen Dingen herrscht das Motto: Augen zu und durch! „Bad News“ will keiner hören.
    Good News (Gold & Silber) natürlich auch nicht!
    Beim Reizwort GOLD schauen mich regelmässig kullerrunde Augen an bzw. es wird gleich abgewunken. Aversion.Unverständnis.Kopfschütteln.

    Manchmal mache ich mir den Spass, wie letztens, als ich mit meiner Rheinländischen Frohnatur und besseren Hälfte im Möbelhaus unterwegs war, dass ich die Preise einfach in Gold umrechne (grob) und dann zum Besten gebe: „Immerhin ne‘ halbe Feinunze der Ledersessel da…“ oder „…das wären dann 3 Krügerrand für die Eckcouch“, wa?
    Herrlich, wie nonchalant meine „Hummel“ dann immer „weghört“ oder anders gesagt, die Ohren auf Durchzug…

    Ich weiss, ist alles „off topic“, aber ES musste halt mal raus.
    Es grüßt aus Berlin, Tietz, der TIZIAN

  6. Stuelpner sagt:

    „Nein. Das habe ich nicht getan und plane auch nicht, es zu tun.“
    Ich habe das Vertrauen in diese „Berater“ längst verloren, deshalb frage ich dort auch nicht nach. Die Erfahrungen die ich mit meiner Vermögensbildung bzw. Rentenvorsorge gemacht habe reicht mir. Dann kamen diese Blogger im Netz mit ihren „Hetzseiten“ und VTs, da bin ich zur Bank und habe was übrig war weggeholt und zu „Herrn Schild“ geschafft (ne mit Hr. Schild das war Spass).
    Da wird nichts diskutiert und hinterfragt, wer solange unehrlich ist, entdeckt doch bei so einem Frageschreiben nicht plötzlich die Ehrlichkeit (für seine Bank o.ä.)
    1. samy hat schon ganz recht mit seinem Zweizeiler.

  7. Andre sagt:

    Warum sollte man dies tun? Was kennen diese Berater? Bausparvertrag – toll, Riester/Rürup – ganz toll, Edelmetalle – ganz schlecht, bringen ja überhaupt keine Zinsen – blödes Zeug!
    Wenn Diese „Berater“ ihr Handwerk im Sinn des Kundens verstehen/wahrnehmen, wären Sie nicht mehr da!
    Ich habe mal eine Bankerin ganz naiv gefragt:“Was wurde denn in Bretton Woods verabschiedet?“ Antwort: „Was ist Bretton Woods?“
    Ich glaube, ich kann mit meiner Argumentation, warum ich dies nicht tun werde, aufhören.

  8. waldmensch sagt:

    Nein. Habe ich nicht. Werde ich auch nicht. 2007 habe ich meine LV und meine Bausparverträge bei der Bank gekündigt. Da fragte der Anlageberater was ich mit dem Geld tun möchte, er hätte gute Anlagemöglichkeiten. Ich kaufe mir Gold. Da sagte er um Gotteswillen, das ist viel zu teuer. Da kostete die Unze ca. 550 Euro.

  9. stonefights sagt:

    Sch…,
    jetzt hab ich mich doch tatsächlich beim Schlafen erwischt, danke für den freundlichen Weckdienst.
    Locker flockig las ich zurückgelehnt und erhaben diesen blog-Teil, mit der hochnäsigen Gewissheit „ha, ich bin schon vor vielen Monaten dieser Notwendigkeit nachgegangen“.
    PAUSE. GERHIRNZELLEN – Störgeräusch. NEUE SYNAPSEN melden sich.
    Ein Blick in die email-Historie lässt mich aufschrecken.
    SCH…, seit Monaten hab ich noch keine Antwort von meiner Vers.agentur auf folgenden mail-Verkehr-Teil erhalten:
    „…
    vielen Dank für die schnelle und vor allem professionelle Antwort !
    Jedoch bitte ich der Vollständigkeit halber um Rückruf zwecks der Position:
    „Sonstige Ausleihungen, insb. Namenspapiere und Schuldscheindarlehen 13 713 MIO € = 68,9 %“
    Hier würde ich bitte gerne nochmals genauer informiert werden, was sich hierunter an „Finanz- bzw. Investionsprodukten“ verbirgt.
    …“
    Sorry, dass ich euch meinen Schlummer-Modus mitteilen musste, so als kleine Gegendarstellung ala „es gibt sie noch, diese Schlafschafe“.

  10. Frank2 sagt:

    Bei mir gehts sogar noch weiter, ich fragte mal nach, ob meine Aktien zum shorten verliehen werden könnten. Besonders eben auch bei ausl. Aktien (wer hält da wie was für mich?) – sprich Minen, finde ich solche Fragen legitim. (Da bekam ich gestern übrigens ein Pfund, andere sind mit dem IN GOLD WE TRUST Report, wohl schon weiter als ich ;-))
    Fonds habe ich nur im EM Bereich und auch da habe ich mich vorher so genau erkundigt, wie man kann. Wie sagte Max Otte gestern sinngemäß, letzte Risiken abzusichern geht eben nicht.
    Zum SEB Immoinvest erinnere ich noch, daß auf ntv eine Frau Knobloch o.ä. mir erzählte, daß die Häuserkrise in USA auf ihren Fonds keinen Einfluß hätte, da er ja in Geschäftsimmos investieren würde und nicht in Privathäuser. Ihr Fonds hatte Bestnoten. Ich lachte Tränen über das ernste Gesicht der Dame und dachte an Tilly:
    „Nein, nicht Spülmittel meine Liebe – das ist doch P…“
    Was denn liebes Bankhaus, war es etwa doch nur Spülmittel???

  11. stonefights sagt:

    Zum Begriff „Eigeninitiative“ ist mir noch folgendes eingefallen:
    „https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123“
    Mal schaun, wieviele Aufgewachte an „direkte Demokratie“ noch glauben, obwohl, wenn man(n) über die Aussage von mAYer (nicht nur 2 Buchstaben sind hier verkehrt) nachdenkt ?:

    Der Prozessbevollmächtigte des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Franz Mayer von der Universität Bielefeld, unterstrich einleitend, dass schon erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerden bestünden, sie jedenfalls aber unbegründet seien. Die Beschwerdeführer würden sich auf ein NEUARTIGES RECHT berufen, das bisher gar NICHT EXISTIERE, nämlich ein UMFASSENDES GRUNDRECHT AUF DEMOKRATIE. Für die Anerkennung eines solchen Grundrechts und eine damit verbundene Ausweitung der Möglichkeiten zur Verfassungsbeschwerde gebe es aber keinen Anlass.

    Gefunden (danke an „EuroTanic“ !) auf http://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2011/pm_1107051.html

    So und jetzt an alle Hamster, schnell weiter rennen im Rädchen, ist so verordnet von ganz oben.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen des Aufwachens fragen sie ihr Bankhaus oder Geburtstagskind !

    lg, stonefights

  12. Fnord23 sagt:

    Da sind wir ja auch beim Thema: Experten.
    Sämtliche Bankverkäufer und Versicherungsvertreter und was da sonst noch so rumspringt, müssten doch solche sein. Oder?

    Ich komm ja aus der Versicherungsecke und teile mir mit Tisch und Bett mit der Bankenbranche. Aus dieser (ER)Kenntnis heraus:
    Lieber selbst denken!

    „Denn sie wissen nicht was sie tun!“

    In aller Regel auch der Kunde nicht, egal ob die Anlage nun im Plus oder Minus endet.
    Und die, die glauben zu wissen, die finden sich auch hier auf dieser Seite. Nach aller Logik müssten EM in dieser Phase des Geldsystemzyklus die richtige Wahl sein.

    Da wir ja nun schon gemerkt haben, dass eben alles manipuliert ist….
    Ich halte auch einen Totalausfall meines EM-Investments für möglich. Siehe DDR… EM-Besitz war nicht verboten, aber so richtig was anfangen damit konnte man auch nicht.

    Nun gut, dann vererbe ich das meinen Kindern.

    Meine Banktante hat mir ein lecker Frühstück zubereitet. Das sollte mir jetzt erst mal schmecken. Da ist sie eine richtige Expertin. Und ich auch.

    Ich wünsche Euch ein entspanntes Wochenende .
    VG aus Sachsen

  13. wolfswurt sagt:

    Der Bank zu vertrauen ist der Versuch seine schmutzige Hand von einem hungrigen Löwen sauberlecken lassen zu wollen.

    Wie stand in Athen geschrieben: Eine brennende Bank ist wie eine blühende Blume…

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