Frieden schaffen mit Schnellfeuerwaffen

24. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann sind es die Erfolge und die Konstanz der deutschen Waffenexporte. Das sollte zwar anders werden, versprach Obersigmar Gabriel, aber… Man reiche mir dringend einen Eimer!

Nein, Worte von Politikern müssen ja zwangsläufig mit Taten gar nichts zu tun haben. Die Erfolgsmeldungen über Waffenexporte reißen ohnehin nicht ab. Dabei sollte es ganz anders werden…

gabriel-exporte

Nein, nicht doch! Solche Lieferungen im Milliardenbereich sind doch auch kein Beweis für deren Einsatz. Vor zwei Wochen bekam die Waffenschmiede Heckler & Koch erneut grünes Licht vom geheim tagenden Ausschuss des Bundeskabinetts für „Kriegsgüter“ in arabische Staaten. Keine Sorge! Das Volumen betrug ja nur 4,7 Millionen Euro. Was man dafür alles bekommen kann: Mindestens ein oder mehrere mittelgroße Blutbäder. Hoffentlich weit genug weg…

Und die Kanzlerin spricht von der Bekämpfung von Fluchtursachen, während die Rüstungsindustrie nicht nur an den Börsen immer größere Erfolge feiert. Rüstungsaktien waren in der Vergangenheit und wahrscheinlich auch künftig ein todsicheres Geschäft.

Solche modernen Waffen, Pardon, Friedensstifter, sind gar nicht so teuer. Frieden ist sozusagen bezahlbar. So kosten 48 Granatmaschinenwaffen, 1.600 vollautomatische Gewehre und 100 Maschinenpistolen an den Oman nur 3,1 Millionen Euro. Oder auch 14 vollautomatische Gewehr, 500 Maschinenpistolen und 63.000 Schuss Munition die Kleinigkeit von einer halben Million Euro. Das geht an die Vereinigten Arabischen Emirate. Wie wäre es mit acht Maschinenpistolen und 25.000 Schuss Munition für 20.000 Euro an den Libanon? Wer steht noch auf der Liste? Gewehre an Brasilien, Maschinenpistolen an Indien und auch Malaysia. Jordanien nicht zu vergessen… Frieden ist ein teures Gut!

Heckler & Koch… Moment, das waren doch die, die das G36 bauten bzw. vermurksten. Es taugte nichts. „Frieden schaffen mit funktionsuntüchtigen Waffen“ sollte der neue Werbeslogan werden und der Beitrag für eine friedlichere Welt. Dass es dazu nicht kam, liegt in der Natur der Sache. Theoretisch kann man damit auch den Boden umpflügen, nur etwas anders. Dass man damit nicht auf Menschen zielen darf, steht sicherlich als Warnhinweis auf jedem Gewehrlauf und auf der entsprechenden Einmalmunition zusammen, vielleicht mit einem „Für den Verzehr ungeeignet!“ Nicht dass jemand zu Schaden kommt!

Wäre Heckler & Koch an der Börse gelistet, die Aktie wären in diesen Tagen der Renner wie alle Rüstungsaktien. Die Börse weiß manchmal mehr als mancher Experte. Wenn ich mir den Chart des „Verteidigungssektor“ so anschaue, wo es mehr um Krieg statt um Verteidigung geht … ich ahne Böses. Weit genug weg… hoffentlich. Und wenn sich die Leute von dort dann auf die Flucht hierher machen, darf man doch fordern, dass die Flüchtlinge auf dem Werksgelände von Heckler & Koch, die Spezialisten für Kleinfeuerwaffen ein schönes neues zu Hause finden – oder auch bei Krauss Maffei – bei Beteiligung an den Kosten für entstandene Schäden ihres Tuns.

Nein, man kann nun wirklich nicht erwarten, dass sich die Leute im Ringen um Frieden mit bloßen Händen erwürgen – in Zeiten moderner Technik. Wenn schon, dann High Tech. Nein, man liefert ja nur in sichere Herkunftsländer, was sich schnell ändern kann wie etliche Beispiele belegen.

Waffen – eine widerliche Sache. Nein, dieses „widerlich“ sollte man in diesem Zusammenhang nur in der höchsten Steigerungsform verwenden, wenn es so eine Steigerung überhaupt noch gibt…

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10 Kommentare auf "Frieden schaffen mit Schnellfeuerwaffen"

  1. FDominicus sagt:

    Ich finde es ehre widerlich es den Deutschen zu verbieten sich auch mit Waffen selber zu verteidigen. Die ganzen Waffen gehen ins Ausland, aber im Inland wird weiter entwaffnet. Wahrscheinlich können unsere Politiker das Blut von moslemischen „Martyrern“ nicht ausstehen, mit dem Blut der Einheimischn haben ja Staaten beweisbar weniger Probleme…..

  2. Falkenauge sagt:

    Wie wahr!
    Jetzt hat Jürgen Todtenhöfer erst bei Jauch darauf hingewiesen, dass deutsche Waffen über Saudi Arabien beim IS landen. Eine korrupte Clique, die uns da beherrscht.
    Man muss sich klar sein, dass sie aus den Parteien hervorgehen, diesen Brutstätten egoistischer Interessen und der Machtsucht. Sie haben sich den Staat zur Beute gemacht und bringen die Schlechtesten nach „oben“.
    Das demokratiefeindliche Parteiensystem ist das zentrale Übel der Demokratie:
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/11/18/das-verhaengnis-der-politischen-parteien/

  3. Lickneeson sagt:

    Ja, widerlich wie so vieles andere auf diesem komischen Planeten. Wobei der Planet selbst ja eher Statist ist. Als professioneller Misanthrop überrascht mich bei uns Menschen nur noch Positives. Aber das ist ja eher selten und – überraschend.

    Auch in den USA jodeln die Republikaner ja nach jedem „Columbine Event“ nach „more weapons“. Irgendein US – Schwachkopf kommentierte sogar nach den Anschlägen von Paris : „..wenn die Bürger bewaffnet gewesen wären, wäre die Sache anders ausgegangen….“ Juuuup, noch mehr Massaker und Tote. Das Prinzip ähnelt dem Lösungsansatz der Schuldenkrise – einfach mehr Schulden machen. Genial. Hilfe ich bin ein Mensch – holt mich hier raus!

    Aber schön, das unser 150 Kg Fähnchen von der SPD wundersam leicht mit dem Wind weht. Ja, die SPD, immer mit dem Kommentar schneller als mit dem Hirn und immer der Stimmung im Land hinterherhechelnd. Liebe Soziali Demokrati, so wird das nix mit der Rückkehr zur Volkspartei.

    MfG

    • Otto Normal sagt:

      Lieber Lickneeson,

      sehen Sie doch bitte mal in unseren Kriminalstatistiken nach, wie hoch der Anteil von Verbrechen ist, die mit legalen Waffen begangen wurden. Verschwindend gering.
      Sehen Sie sich die Kriminalstatistiken von Ländern mit einem liberalen Waffenrecht (und ohne ausufernde Bandenkriminalität), wie z.B. Österreich oder der Schweiz, an.
      Ich wüßte gern, welchen Träumen Ihr “ Juuuup, noch mehr Massaker und Tote.“ entstiegen ist.
      Und, ja, wären in Paris ein paar unbescholtene Bürger bewaffnet gewesen, hätten die Attentate höchstens bis zum ersten Nachladevorgang der Terroristen gedauert.

      • Avantgarde sagt:

        In Paris hätte es vielleicht anders ausgesehen – aber auch nur vielleicht.
        Möglicherweise wären dann weitere Gäste durch Kugeln der unbescholtenen Bürger ums Leben gekommen, die in Panik und/oder alkoholisiert durch die Gegend geballert hätten.

        In den Nahverkehrszügen Madrids wären Waffen indes gänzlich sinnlos gewesen.

        Terrorismus hat viele Möglichkeiten und kann bis zum „Erfolg“ auch mehrmals scheitern. Die Bürger aber können nicht immer erfolgreich davonkommen.

        Es würde sehr viel mehr bringen das Potential der Nachwuchsterroristen zu begrenzen.
        Dazu müsste man aber die Einwanderungspolitik ändern und den Familiennachzug verhindern.
        Wirtschaftsflüchtlinge kann man sich aussuchen – Asylbewerber nicht.
        Das ist die traurige Wahrheit.

        • FDominicus sagt:

          Das sagt dazu unser Gesetz:
          § 227
          Notwehr

          (1) Eine durch Notwehr gebotene Handlung ist nicht widerrechtlich.

          (2) Notwehr ist diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

          Aber hey, ich schlage Ihnen als Alternative vor. Sollten Sie und ich mal in die Situation kommen das auf uns geschossen sind, stellen Sie sich als Schutzschild zwischen mich und dem Schützen. Mir selber gestehen Sie zu eine Waffe zu haben.

          Ich verspreche Ihnen sogar diese Waffe nicht zu benutzen um sie zu beschützen.
          Deal?

    • FDominicus sagt:

      Erläutern Sie uns einfach die Chancen die Unbewaffnete gegen Bewaffnete haben. Natürlich hätte es mit Bewaffneten anders ausgehen können. Das zu negieren ist an Menschenverachtung nicht zu überbieten. Ihre Einstellung, besser unbewaffnet Terroristen ausgeliefert sein als bewaffnet teile ich nicht.

  4. bluestar sagt:

    Waffen, Krieg, Chaos und Tod – lukratives Geschäftsmodell.
    Interessant die Kursentwicklung von Lockheed Martin und Co.
    Nebelkerzen, Manipulation, Lügen Täuschung, Tarnung, Propaganda – die notwendige Begleitmusik, welche von der Politikerelite hervorragend inszeniert wird.
    Widerlich ist geschmeichelt…

  5. Vogtländerin sagt:

    Ganz großes Kompliment für diesen Artikel!

  6. goldfisch sagt:

    Der Krieg ist darin schlimm, daß er mehr böse Menschen schafft, als deren hinweg nimmt.
    (E. Kant)

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