Frieden schaffen mit deutschen Waffen

26. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Soso, Deutschland liefert also bald Waffen auch in Krisengebiete. Das wird den Frieden richtig freuen. Ist das nicht toll? Bislang haben wir nur Freunde beliefert. Überraschenderweise steigt jetzt aber auch die Zahl der potentiellen Feinde…

Krieg ist gar nicht so schlimm, wenn er weit genug weg ist. Nicht wahr? Dabei findet er schon jeden Tag im Wohnzimmer statt. Dort wird täglich einmal die gesamte Erdbevölkerung an den Spielkonsolen dieser Welt über den Haufen geschossen. Was für ein Spaß für die „Gamer“, wenn Hirn spritzt und Pixelblut den Bildschirm rot färbt inmitten aller Explosionen. Und sollte einer die Spielkonsole mit der Realität verwechseln, füllen ein paar Tage lang Beileidsbekundungen und Forderungen nach weiteren Gesetzen die Nachrichten. Krieg ist doch gar nicht so schlimm, solange Sofa und Teppich sauber bleiben.

Keine Sorge, ich komme jetzt nicht mit der Moral-Keule daher. Ballern hat mit Moral in etwa so viel zu tun wie Eiswasserkübel mit Grippeschutz. Vielleicht bin ich ja noch sauer auf meinen Ex-Nachbarn, der unser Haus geräuschmäßig hundertmal am Tag in die Luft jagte, während das Blut virtuell auf die Straße floss und ein gefühltes Aquaplaning verursachte. Ansonsten war der Typ ohne seine Konsole ein Feigling mit sichtlich großem Spaß am virtuellen Töten. Nix für den Irak. Soweit ersichtlich, litt er auch nicht an Appetitlosigkeit. Im Gegenteil.

Der Nachbar fühlte sich hörbar unterhalten, wenn er auf spielerische Art und Weise massakrierte, ohne sich dabei schmutzig zu machen. 2013 setzte die Computerspiel-Industrie 2,7 Milliarden Euro um und wächst dabei mindestens so stark wie die Rüstungsindustrie. Schauen Sie doch mal auf die Entwicklung der Umsätze und Gewinne von börsennotierten Rüstungsunternehmen. Die Börse ahnt Dinge oft früher, weit bevor sie in den Nachrichten stehen.

Gute Geschäfte?

Die „Wertschöpfung“ der deutschen Rüstungsindustrie lag im Jahr 2011 lt. Focus Online bei 21,3 Milliarden Euro. Wie viel „Wert“ dadurch zerstört oder potentiell zerstört wird, wissen wir nicht. Dazu fehlt die Zahl für den „Wert“ eines ausgelöschten Lebens. Fakt ist aber, Deutschland exportierte 2012 für 1,2 Milliarden Euro Waffen, sicherlich nur für Anschauungszwecke. Das Schöpfen solcher Werte dürfte in den nächsten Jahren zunehmen, beobachtet man die Diskussion um deutsche Waffenexporte. … und Arbeitsplätze sichern … und den Frieden … und das BIP steigern … und Nachrichten produzieren… Jetzt haben Sie sich mal nicht so! Zudem werden die meisten Waffen, mit denen in der Welt herumgeschossen und -gebombt wird, in Russland und in den USA gefertigt. Deutschland als Nummer drei der Waffenexporteure ist dagegen ein kleines Licht.

Manchmal haben wir auch U-Boote verschenkt. Wir haben sogar Griechenland Kredit gegeben, damit uns die armen Helenen unsere Waffen abkaufen konnten. Auch Israel bekam die eine oder andere Waffeneinheit. Inwieweit generell Menschen zu Schaden kommen, werden wir zum Glück nicht erfahren. Wer will das schon wissen?

Getreu dem Indianersprichwort, wenn ein Freund hungrig ist, schenkt man ihm keinen Fisch, sondern lehrt ihn das Fischen, liefert Rheinmetall eine ganze Panzerfabrik an das befreundete Algerien. Deutschland hat viele Freunde in der Welt. Und es werden immer mehr. Nun schaffen also bald deutsche Waffen Frieden in anderen Ländern. Da besteht Nachholbedarf, geht es nach Ursula von der Leyen. Manche zählen die Frau auch zu den biologischen Kampfmitteln.


Neue Signale

Nach Jahren der mehr oder weniger stillen Exporte gibt es jetzt einen Schwenk in der Politik. Irgendwann würde es soweit sein, dachte ich. Der Zeitpunkt scheint wie immer zu zeitig gekommen zu sein, so dass die Geschichtsbücher bald um ein neues Kapitel ergänzt werden können.

Forderungen nach mehr Einsatz im Ausland haben einen Bundespräsidenten das Amt gekostet. Heute findet diese Forderungen bei Friedensengel Joachim Gauck inzwischen große Befürwortung. Ich erinnere mich dunkel daran, dass Kanonen früher von Kirchlichen gesegnet worden sind. Aber das ist lang her, der Gedanke völlig verirrt und Geschichte verläuft wellenartig. Immer ging es um Freiheit, je nachdem wie man diese definierte, wobei oft genug der Zweck die Mittel heiligt.

Die Vorbereitung auf diesen historischen Moment dauerte ziemlich lang und war begleitet von vielen Reden, die live im Fernsehen übertragen, aber nicht angeschaut worden sind. Bislang war es unfein, Auslandseinsätze und deutsche Waffen zu fordern, aber die Macht der gelieferten Bilder und Berichte aus den Krisenregionen ist inzwischen so groß, dass es auch von öffentlicher Seite große Zustimmung gibt bzw. große Ignoranz. Wenn wir nichts tun, kämpft die ISIS womöglich schon bald hierzulande, munkelt der Stammtisch.

Krieg ist Frieden

Waffenlieferungen in den Irak an die Kurden sollen jedoch die Ausnahme bleiben. Apropos Ausnahme: Das sollte die Rettung von Banken inmitten der Überschuldungskrise auch sein, bis diese dauerhaft eingerichtet wurde. Das Erstaunliche ist jedes Mal, dass, sobald die Tür etwas geöffnet wurde, sich diese nie wieder schließt. Neu ist dieses Prinzip nicht und wurde nicht nur in Sachen „Eurorettung“ und Glühbirnenverbot erfolgreich umgesetzt – so erfolgreich, dass dieses Prinzip inzwischen zum neuen Standard wurde, Türen etwas zu öffnen und zu schauen, ob die Mehrheit der Leute aufschreit. Wenn nicht, wird so lange weiter gemacht, bis alle ursprünglichen Ziele umgesetzt worden sind. Waffenlieferungen in Krisengebiete und Auslandseinsätze der Bundeswehr bedürfen langer Vorbereitung.

Neulich stand geschrieben, deutsche Waffen wären Schrott, fliegen nicht, schießen daneben und funktionieren mangelhaft. Vielleicht ist das wie das Loch in der Fliegenklatsche – die letzte Chance für die Fliege. Wer weiß? Sicher hingegen ist, dass wir künftig auch Konflikte befrieden, die durch eine vorherige Befriedung von Ländern durch die USA zustande gekommen sind. Amerikaner sind nicht nur gut in technischen Waffensystemen sondern auch mit dem Export ihrer Demokratie mangels eigener Exportgüter. Letztlich verteidigen wir mit ihren US-Dollar in Gebieten, die sich davon lossagen wollten. Doch das ist eine weitere Kolumne wert….


 

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4 Kommentare auf "Frieden schaffen mit deutschen Waffen"

  1. bluestar sagt:

    Die Rüstungsindustrie und deren Handlanger in der Politik schaffen sich nun mal selbst einen Markt. Erst wird das Problem selbst erzeugt und dann die Lösung präsentiert. Schaffe Chaos und gewaltsame Konflikte und präsentiere Dich dann als Retter vor der Masse.
    Dazu Adolf Hitler in „Mein Kampf“: „Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür die Vergesslichkeit groß“.
    Weil sich daran bis heute nichts geändert hat funktioniert das System der Manipulation hervorragend.

  2. FDominicus sagt:

    Und dann tauchen die legal exportierten Waffen irgendwann in Deutschland auf und werden dann wieder als Grund genommen die legalen Waffenbesitzer in D noch mehr zu schikanieren.

    Kleine Frage wie oft haben wohl Rüstungsfirmen ohne „Wissen“ des Staates Waffen exportiert?

  3. Argonautiker sagt:

    Wieso jetzt?
    Grisu wollte doch auch Feuerwehrmann werden.

    Was kann also schon so falsch sein, wenn man mit Öl versucht das Feuer zu löschen?
    Irgendwann ist es alle, und spätestens dann nimmt man wieder Wasser und Worte um Konflikte zu löschen.

    Da kommt mir glaube ich ein schönes Bild:
    Obama, oder dergleichen, bei einer ihrer „Friedensreden“, in der sie erklären, daß sie unbedingt ihr Land irgendwo ganz weit weg verteidigen müssen. Und dann kommt ein Terrorist daher, und schüttet dem Redner, schön von Frontal, und weit ausgeholt, einen Eimer kalten Wasser vor den Latz. Daraufhin wird der Terrorist von Kugeln durchsiebt, weil das aus Sicht der Friedensbringer die einzige Antwort auf solch einen gefährlichen terroristischen Akt sein kann.

    Mist, doch ein Drama geworden, dabei fing es so schön an.

    😉

    Gruß aus Bremen

  4. goldfisch sagt:

    Orwells NEWSPEAK grüßt herzlich aus Merkelhausen…
    Viel mehr ist dazu kaum zu sagen.

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