Freiheit, Einheit, Trostlosigkeit

24. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Wer die Finanzbranche kennt, wundert sich über nichts. Das könnte man jedenfalls glauben. Die täglichen Geschichten von vermeintlichen Rettern und Geretteten sorgen aber stets für neue Glanzlichter. So finden sich derzeit zwei jüngst noch als „Säulen der Stabilität“ gehandelte europäische Staaten im tiefsten Schlamassel wieder…

Den Spaniern macht der Immobilienmarkt Sorgen, in Italien weiß man selber nicht so recht, wo es eigentlich klemmt. Nur langsam wandert die Aufmerksamkeit in Richtung Frankreich, das sich immer noch im Schutz der Nichtbeachtung aufhält. Abseits von politischen Wünschen gibt es dafür jedoch leider nicht viele Gründe.

Nicht nur die hiesige Presse geht derzeit mit der unseligen Wortschöpfung Merkozy hausieren. Was genau diese andeuten soll ist unklar, vermutlich will man auf diese Weise Frankreichs Wirtschaft zumindest verbal auf das Niveau des deutschen Nachbarlandes bringen. Die Realität sieht anders aus, gesellt sich doch die Fünfte Republik eher in den Reigen der anderen beiden angeschlagenen Südländer Spanien und Italien. Der marode Bankensektor im Pariser Zentralstaat ist wohl kaum stabiler aufgestellt als die südlichen Gegenstücke. Auch für die Entwicklung des BIP lässt sich das sagen.


Die Wachstumsraten der drei Länder bewegen sich wie Geschwister. Die spanische Volkswirtschaft wies vor und während der Währungsunion im Vergleich die höheren Wachstumsraten auf. Das liegt weniger am oft erwähnten Treibhausgemüse als am damals noch blühenden Baugewerbe. Der Zusammenbruch desselben macht den Spaniern derzeit noch immer schwer zu schaffen, denn zu den horrenden stillen Lasten gesellt sich eine Nachfrage nach Wohnimmobilien, die kaum diese Bezeichung verdient.

Umso bemerkenswerter ist es, wenn das Wachstum in Frankreich sich nicht deutlich vom iberischen absetzen kann. Das ist kein Zeichen einer starken französischen Ökonomie. Leider können viele Abgeordnete offenbar nicht zwischen politischen Festreden und wirtschaftlichen Realitäten unterscheiden, was ebenso schade wie teuer ist… (Seite 2)


Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , ,

20 Kommentare auf "Freiheit, Einheit, Trostlosigkeit"

  1. EuroTanic sagt:

    Abgesehen von der richtigen Aussage der Trostlosigkeit muss ein neuer Massstab anstelle des BIP her. Dieser ist nicht aussagekräftig. Mehr Unfälle, mehr Krankheit, mehr Zerstörung bedeuten ebenfalls eine Steigerung des BIP durch mehr Leistungen von Versicherungen, Krankenhäusern und Wiederaufbau. Dies ist somit kein „guter“ Massstab.
    Gemäss dem Motto: „Wir laufen durch die Strassen, wir laufen durch die Stadt und hauen alle Autos platt. Das ist zwar gegen die Gesetze, aber es schafft Arbeitsplätze.“

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo,

      @EuroTanic

      Die Annahme, Zerstörung steigert per Saldo das BIP ist eher ein Mythos. Wenn ich meine Wohnzimmerscheibe einschlage und Geld für eine neue ausgebe, kann ich mir vom den Geld keine neuen Schuhe kaufen. Dennoch wird die alte Leier gerne auch im Schulunterricht weiter verbreitet, weil sie so schön griffig ist. Diesbezüglich empfehlenswert ist das Essay „What is seen and what is not seen“ von Bastiat.

      Natürlich ist das BIP nicht als genereller Indikator für Wohlstand geeignet, aber es ist eine duraus taugliche ökonomische Vergleichsgröße. Andere Maßsstäbe, wie Ärzte pro Einwohner oder Badehallen pro Großstadt sind interessant, geben allerdings keinen Aufschluss darüber, ob man sich das auch leisten kann oder ob sich A bei B Geld pumpt und damit seine Einrichtungen finanziert. Interessante Aspekte sind auch in der Einkommensverteilung zu finden, allerdings hätte der eine geren ein Einheitsgehalt für alle, der andere am liebsten die Wiedereinführung der Leibeigenschaft. So ist die Beurteilung der Situation anhand weicher Faktoren sehr subjektiv. Einen Indikator, der alle Seiten integriert, ist da schwer zu finden.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Takuto sagt:

        Von wegen Mythos! Wird mir etwas zerstört, muss ich das bezahlen, und es fließt voll ins BIP ein. Andernfalls hätte ich durchschnittlich etwas davon gespart und vielleicht(!) einen Teil anderweitig ausgegeben.

        Entscheidend ist aber, dass ein großer Teil des BIP nichts mit Lebensqualität zu tun hat, und sogar Lebensqualität vernichtet. Autos, die ins BIP eingehen, verursachen Unfälle, die dann wiederum BIP-steigernd repariert werden, im Krankenhaus und in der Werkstätte. Sogar die Atomkraft und die jahrhundertelangen Reparaturmaßnahmen gehen z.B. ins japanische BIP ein. Noch mehr Beispiele gefällig?

        Ausgerechnet auf einer dem Finanzsystem gegebnüber kritischen Seite würde ich keine Unterstützung des BIP-Wachstums erwarten. Wachstum und Schuldgeld gehören zusammen. Eine Goldwährung ist deshalb so gut, weil sie ungesundes Wachstum abwürgt und damit Krisen verhindert.

        Ein weiterer Faktor ist aber immer, wie man das Geld ausgibt. Das Musterbeispiel ist Bhutan. Eines der „ärmsten“ Länder der Welt, vom BIP her gemessen, und doch haben sie alles, was eine glückliche Bevölkerung nur braucht, ein Musterstaat sozusagen. Nur die Zerstörung haben sie so weit wie möglich reduziert. Das BIP ist nur ein Propagandainstrument der Finanzelite.

        Positiv formuliert: Man muss einen Maßstab finden, der nichts mit Geld zu tun hat, um zu messen, ob es der Bevölkerung gut geht. Wird ausreichend gesundes Essen konsumiert? Wie ist der Krankenstand? Wieviel Freizeit hat man? Kann ich mich in Wald und Flur frei bewegen, oder ist alles eingezäunt? Werde ich von den Eltern erzogen oder werde ich in die Kita abgeschoben? Wieviel Depressive gibt es? Mit Sicherheit wäre das BIP hierfür ein Kontraindikator!

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo,

          @takuto

          Danke für Ihren Kommentar. Vielleicht nehmen Sie sich die Zeit, das oben erwähnte Papier einmal zu lesen, gibt es als pdf zum download.

          Zu den Aussagen gibt es verschiedenes zu bedenken. Zum einen die Frage, was mit dem Geld, das gespart wird, im Allgemeinen passiert. Wenn jemand alle Autos in Deutschland abfackelt, hat die Gesellschaft nicht einen Cent mehr, den er ausgeben kann. Die Herstellung neuer Autos geht in das BIP ein, Leistungen, die wegfallen natürlich nicht.

          Im Übrigen geht es in dem Artikel, wie Sie vielleicht festgestellt haben, um einen ökonomischen Vergleich. Wenn Sie einen Wohlstandsindikator entwickeln, der eine Aussage zur Einstufbarkeit der Fähigkeit zur Schuldentilgung hergibt, wenden wir diesen an. Dass das BIP kein Wohlstandsindikator ist, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Es als Vergleichsindex in rein ökonomischen Vergleichen abzulehnen ist allerdings ungefähr so, als wenn jemand gegen Atomkraft ist und sagt er sei „gegen Atome“.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

          • Takuto sagt:

            Eine gute rhetorische Maßnahme, auf ein ellenlanges Papier zu verweisen. Aber gut, das kann ja auch bilden. Also, Kapitel 1 beschreibt nur wieder den erwähnten Effekt des vermeintlichen Ersatzkonsums. Aber genau das ist ja das Problem, dass Zerstörung und Wiederherstellung das BIP größer werden lassen als wenn der „nicht gesehene“ Ersatzkonsum eben nur zum Teil stattfinden würde, und der andere Teil gespart würde.

            Teil 2 ist das gleiche wie Teil 1, nur auf die Armee bezogen, was ja denselben Unsinn darstellt (Kriegskosten ins BIP einzurechnen).

            Teil 3 ist kurz gesagt eine Polemik gegen die Erhebung von Steuern mit der Begründung, dass damit Parasiten ernährt werden. Klar, das stimmt oft, aber andererseits muss man den Reichen einen Teil ihres Reichtums wegnehmen und umverteilen, weil sich sonst das Geld auf immer weniger Leute konzentriert. Den Bezug zum BIP sehe ich hier nicht direkt. Staatsleistungen gehen teilweise ins BIP ein, manchmal sinnvoll, manchmal nicht.

            In Teil 4 geht es dann gegen Bildung und Kunst, wohin der Autor am liebsten auch kein Geld fließen lassen würde. Immer alles mit dem Argument, dass das Geld sonst woandershin fließen würde, wo es besser aufgehoben wäre. Ob es wirklich gut wäre, Schulen und Universitäten nur der reichen Kundschaft vorzubehalten, kann jeder selbst beurteilen.

            Ich glaube es lohnt nicht, weiterzulesen. Das Papier ist ein typisches Pamphlet eines fundamentalistischen Wirtschaftsliberalen. Maximale Freiheit den Unternehmern, dafür (ganz oder nur fast?) null Staat. Das Endresultat jeder freien Wirtschaftsordnung muss aber zwangsweise eine feudalistische Ordnung sein, weil sich das Kapital nun mal bei wenigen ansammelt, die dann die Macht übernehmen, einfach dadurch, dass sie das ganze Land besitzen.

            Nun noch mal zurück zum BIP: Es sei also ein „Vergleichsindex in rein ökonomischen Vergleichen“. Schön wär’s. Indem man die passenden Maßstäbe wählt, wird das Volk schon in die richtige Richtung gelenkt. Soldaten bekommen als Maßstab, wieviele Feinde sie erlegen. Das BIP misst lediglich den Umsatz an Fiatgeld.

            Auch in diesem Artikel wird so getan, als ob das schwache BIP-Wachstum ein Problem für Frankreich sei, es ist also doch nicht nur ein „rein ökonomischer Maßstab“, sondern wird positiv gewertet. Dabei wissen wir alle hier längst, dass Wachstum keine Lösung ist. Ein Nullwachstum als trostlos zu betiteln, ist unreflektierter Mainstream. Nullwachstum könnte(!) in Wirklichkeit auf eine stabile, gesunde Gesellschaft hindeuten.

            Wenn man Fiatgeld verteufelt, muss man auch den Wachstumsglauben verteufeln. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht. Denn das eine führt zum anderen.

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo takuto,

          Schön, dass sie sich das Papier angeschaut haben. Der von Ihnen leider nur kurz erwähnte Hinweis auf den verschobenen und nicht vergrößerten Konsum ist die Essenz des Ganzen. Sehen Sie eine Vergrößerung des Konsums? Wir denken, es gibt in vielen Papieren oder Büchern gute Gedanken, deshalb muss man nicht jedem Gedanken eines Autors zustimmen.

          Leider hilft die Information zur Ärztedichte in einem Land nicht weiter, wenn es um die Frage geht, ob es seine Schulden bedienen kann.

          Die Menschen in Bhutan sind die glücklichsten, ja, das haben wir irgendwo schon einmal gehört. Das mag so sein, wobei wir nicht wissen ob Glück besser messbar und quantifizierbar ist als Schmerz. Wäre jeder Deutsche oder Brite in Bhutan glücklich? Keine Ahnung, der eine ja, der andere nicht.

          Verstehen Sie uns nicht falsch, wir halten das BIP ebenfalls nicht für einen Wohlstands- oder Zufriedenheitsindikator. Es aber kategorisch für Auswertungen auszuschließen ist unserer Meinung nach wenig hilfreich. Wie gesagt, wenn Sie eine praktikable Alternative haben, wir schauen sie uns gerne an.

          P.S: Das BIP von Bhutan hat sich übrigens seit 1990 versiebenfacht.

          • Takuto sagt:

            Also nichts für ungut, ich finde Ihre Seite eine der besten zum derzeitigen Finanzgeschehen. Klar, das BIP kann man schon verwenden. Vielleicht basiert die Diskussion auch auf einem Missverständnis. Ob Zerstörung das BIP nun steigert oder nicht, ist vielleicht gar nicht so wichtig. Aber sie zählt jedenfalls zum BIP, und darauf wurden wir in der Schule hingewiesen, und diesen Hinweis fand ich auch sehr wichtig. Und da große Teile des BIPs auf für viele Leute fragwürdigen Aktivitäten beruhen, sollte man m.E. das BIP kritisch sehen.

            Die eigentliche Thematik des Artikels ist natürlich wieder sehr interessant, aber man ist halt von rottmeyer.de schon verwöhnt, und da kann es schon vorkommen, dass man sich im Kommentarbereich auf Nebenaspekte konzentriert.

      • EuroTanic sagt:

        @Bankhaus Rott
        „Wenn ich meine Wohnzimmerscheibe einschlage und Geld für eine neue ausgebe, kann ich mir vom den Geld keine neuen Schuhe kaufen.“
        Das wäre richtig, wenn die Geldmenge gleich bleiben würde. Aber hier werden durch unnütze und schädliche Nachfragen durch Kreditwachstum automatisch immer grössere Geldmengen geboren.

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo EuroTanic,

          In diesem Falle nimmt der Schleibeneinschläger (schlechte Jahreszeit, um das auszuprobieren!) ja anderes Geld, welches er sich erst leihen muss. Damit ist man aber bei einer Diskussion über das Kreditsystem. Uns ging es nur darum, in den Kommentaren die Rolle der „Zerstörung“ als nicht ursächlich darzustellen, denn diese ist für sich allein betrachtet vielleicht nicht schön aber neutral. Betrachtet man das Kreditsystem, so ist die begrenzte Nutzbarkeit von Konsumgütern im Interesse von Produzenten. Dies klappt natürlich nur, solange der Kredtimpuls positiv ist.

          @all
          Viel spannender finden wir übrigens die eigentliche Thematik des Artikels …

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

  2. braindead sagt:

    ich finde beim BIP immer die

    Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

    aufschlußreich

    da reibt man sich mal ganz schnell die Äuglein

    aus http://www.macroanalyst.de/ta-09-domino-deutschland.pdf

    „Deutschland wird als größter Volkswirtschaft in der Euro-Zone eine besondere Zahlkraft zugesprochen. Wir haben zwar das größte Inlandsprodukt, aber wie viele Menschen sich dieses teilen müssen, wird geflissentlich übersehen.“

    „Deutschland hat überdies als größte Volkswirtschaft natürlich auch das höchste absolute Exportvolumen der Mitgliedsländer. Das stößt auf besonders harte Kritik. Dass es überhaupt nur um den Saldo zwischen Exporten und Importen gehen kann, auch das wird oft unter den Teppich gekehrt.

    Dieser Exportüberschuss wird zudem grotesk überschätzt. Richtig hingegen ist, dass er mit Abstand den kleinste Teil des Inlandsprodukts ausmacht; er trägt schon gar nicht 75, auch nicht 50, sondern gerade einmal
    4,9 Prozent zum BIP bei. “

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo braindead

      ja, interessant auch immer die Daten zu den großen Hoffnungsträgern China oder Indien.

      Die Argumentation „pro Euro“, die sich immer allein dem Export widmet ist sicherlich eher eine Art nicht sonderlich gut verdeckter Klientelpolitik. Dem Volk gleichzeitig eine schwache Währung schmackhaft zu machen, oder eine Währung, die zumindest im Vergleich zu einigen Nachfrageländern nicht aufwerten kann, ist der traurige Kern.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  3. gilga sagt:

    Hallo Bankhaus Rott,

    vielen Dank zunächst auch für diesen Beitrag. Ein wenig muss ich da noch drüber nachdenken…

    Ich sehe in Frankreich, genau wie in bestimmten anderen Ländern wie vor allem UK, US usw. vor allem noch das Problem relativ starker sozialer und kultureller Spaltung. Änderungen lassen sich da nur sehr schwer und unter großen Schmerzen durchziehen. Sowas lässt sich nicht einfach in einer einzigen Zahl (wenn überhaupt in Zahlen) ausdrücken und erfassen, wird aber sicher auch „eingepreist“ (spätestens dann wenn man entsprechende Bilder im Fernsehen sieht; meist aber schon vorher). Ich denke mir oft das die „Überbewertung“ von Dtl. daher nicht nur mit der noch vorhandenen Industrie etc. zusammenhängt, sondern auch damit, dass man sich hier mehr Ruhe/Stabilität erhofft, als in anderen Staaten. Gleiches gilt ganz sicher auch schon seit Jahren für Japan.

    Ich hätte mal langfristig eine Bitte… Seit längerem ist ja immer wieder vom Verschuldung in Relation zum GDP zu lesen. Hin und wieder taucht dann auch der Vergleich GDP zur Gesamtverschuldung in allen Sektoren (Staat + Privatsektor + Firmen) auf. Wenn hier die Sprache auf Deutschland kommt sieht immer alles „gut“ oder zumindest „besser als bei den Anderen“ aus (Beispiel: diese Grafik aus einem Artikel von zerohedge: http://dzswc0o8s13dx.cloudfront.net/goldcore_bloomberg_chart4_24-11-11.png „bank debt“ beschreibt ja sicher nicht den realen „Schaden“ beim Ausfall der Staatsanleihen im Portfolio der Banken, oder? Ich vermute(!) hier die üblichen Firmenkredite etc., richtig?)

    Kyle Bass antwortet hier beispielsweise wiederholt und vehement mit dem Hinweis, dass im Gegensatz zu den USA/UK Deutschland seine Banken noch nicht rekapitalisiert hat (was sicher auch wahr ist; wir wissen ja, da kommt noch was auf uns zu; ich glaube aber auch USA/UK haben da nicht alles hinter sich). Es wäre einmal interessant zu schauen, wie sich das in Europa/Welt darstellt, wenn man das für alle einzelnen Länder runterbricht (z.B. im Extremszenario des vollständigen Zerbrechens der Eurozone ein Knackpunkt), also da auch noch den Rekapitalisierungsbedarf der eigenen Banken mit reinzieht. Bisher gab es dass immer nur einzeln… Zusammengezogen (und das am Besten noch mit Entwicklung statt nur aktuelle „Momentaufnahme“) hab ich das bisher noch nie gesehen. Wie sehen solche Vergleiche dann aus? Ich könnte mir vorstellen, da gibt es einige Überraschungen.

  4. gilga sagt:

    Um das zuvor lang geschriebene etwas kürzer zu machen…

    Was genau(!) versteht man unter financial debt? Die anderen Daten in den Charts sind soweit klar.

    Gibt es die Daten

    1) wie in den Grafiken auf Seite 2 des Artikels für weitere Länder als den beiden dargestellten

    und

    2) Daten dazu, wie die Staatsverschuldung der einzelnen Länder auf die Banken dieser Länder verteilt sind?

    Insb. 2) dürfte von den Banken ja gehütet werden wie ein Augapfel… aber ich glaube das auch schon 1-2x gesehen zu haben… nur eben immer nur für wenige Länder in Bezug auf die Staatsanleihen von 1-2 anderen Ländern. Nie vollständig.

    Wo findet man solche Daten? Wäre interessant damit mal ein wenig rumzurechnen…

  5. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Gilga,

    generell werden die Schulden nach Sektoren in Staat, Finanzinstitute (financials), Unternehmen ex financials (no-financial business) und private Haushalte (households) gegliedert. „Financial debt“ in der Grafik im Artikel sind die Verbindlichkeiten der Unternehmen des Finanzsektors. Länder mit relativ zur Gesamtwirtschaft betrachtet überdimensionierten Finanzsektor (UK, Schweiz) haben in diesem Segment daher sehr hohe Werte.

    Exakte Daten sind schwierig zu bekommen, da die einzelnen Banken sich verständlicherweise schwer tun, ihre genauen Positionierungen zu veröffentlichen. Aggregierte Daten finden Sie aber in den Berichten der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIS.org), etwa unter dem Menüpunkt „Publications & Research“. Das meiste ist wie gewohnt in englischer Sprache verfasst. Ansonsten ist auch die Datenbank von Eurostat empfehlenswert.

    Zur Bankenrekapitalisierung. Die USA sind hier in der Tat weiter als die Banken der Eurozone. Ob das ausreicht, wird sich zeigen, aber die Eigenkapitalquoten der großen US Banken sind, vor allem wenn einmal die verzerrende Risikogewichtung beiseite schiebt, deutlich höher. Für die europäischen Banken wird jetzt die Staatsfinanzierung zum Problem, ein Punkt bei dem die USA über ihr „Gelddruckprogramm“ Druck aus dem System genommen haben. Das muss man nicht gutheißen, aber man darf es zur Kenntnis nehmen.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  6. purity sagt:

    Wo gibt es denn die Grafik vom Economist für Deutschland? Die Gesamtbetrachtung aller Schulden ist ja sehr interessant.

  7. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo purity,

    hier: http://www.rottmeyer.de/wp-content/uploads/2011/11/D-Debt.png

    Gut zu erkennen das stete Wachstum der Schulden der Banken – „silly german money“, der Begriff kommt in der Bankenwelt nicht von ungefähr.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.