Frankreich-Wahl: Viel Lärm um nichts?

22. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Ein Gespenst geht um in Europa und es heißt Marine Le Pen. Doch die Angst vor Aufruhr und Euroaustritt kommt zu früh…

Das kommende Wochenende dürfte politisch gesehen von der Präsidentschaftswahl in Frankreich dominiert werden. Nicht nur an den Börsen geht die Angst um vor einem möglichen Wahlsieg Marine Le Pens. Die Medien sind voll von entsprechende Horrormeldungen. Nachfolgend einige Beispiele: Die ZeitHuffington Post und Deutschlandradio

Meiner Einschätzung nach wird das Thema derzeit viel zu sehr hochgekocht. Realistisch betrachtet hat Le Pen selbst bei einem überlegenen Wahltriumph keine realistische Chance, ihre hochfliegenden Pläne umzusetzen, jedenfalls kurzfristig:

Frankreichs Mitgliedschaft in der Europäischen Union wurde, womöglich in „weiser Voraussicht“, in der französischen Verfassung verankert und kann daher nur vom Parlament beendet werden. Hier der Verfassungstext im Wortlaut. Maßgeblich ist Artikel 88-1:

Das französische Parlament wird jedoch nach den Wahlen am Wochenende nicht durch den Front National, sondern voraussichtlich von den Republikanern dominiert sein.

Mit größter Wahrscheinlichkeit wird der gewählte französische Präsident daher keine Mehrheit in der Nationalversammlung hinter sich haben. Dies würde sowohl für Emmanuel Macron als auch für Marine Le Pen oder den linksextremen Jean-Luc Mélenchon zutreffen.

Viel interessanter als die Präsidentschaftswahlen an diesem Wochenende sind daher die Parlamentswahlen in Frankreich Mitte Juni.

Viel Lärm um nichts also?

Das nun gerade nicht, denn die Lage in Europa wird sich weiter verschärfen. Gesellschaftspolitisch, sozial und auch wirtschaftlich stehen die Zeichen auf Sturm – und zwar unabhängig davon, wer in Frankreich demnächst Präsident sein wird.

Ein Wahlsieg käme Marine Le Pen zum gegenwärtigen Zeitpunkt daher womöglich sogar ungelegen: Für die Frontfrau der Europäischen Rechten wäre es viel komfortabler, die weitere Entwicklung noch einige Jahre von der Seitenlinie aus beobachten und kommentieren zu können.

Le Pen ist erst 48. Da bleibt noch genügend Zeit, um der zerfallenden Europäischen Union bei passender Gelegenheit den entscheidenden Schlag zu versetzen.

Dass diese Gelegenheit kommen wird, steht für aufmerksame Beobachter längst außer Frage, und wenn es soweit ist, werden die aufrührerischen Franzosen ganz anders agieren, als die obrigkeitshörigen und lethargischen Deutschen.

Das zumindest kann schon im April 2017 als gesichert gelten…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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