Frankreich: Hier lauert die Gefahr für Europa

19. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Robert Rethfeld

Eigentlich müsste Nicolas Sarkozy erneut eine kriegerische Auseinandersetzung suchen, um seine Landsleute von binnenwirtschaftlichen Problemen abzulenken. Doch das Thema Libyen ist weitgehend passé, und ein neues napoleonisches Betätigungsfeld erscheint nicht in Sicht…

Der Blick auf den französischen Aktienleitindex CAC40 offeriert ein Bild des Jammers. Der französische Aktien-Leitindex wird seit 14 Jahren von der 3.000-Punkte-Marke magisch angezogen.

Nach 1998, 2002/03 und 2008/09 ist aktuell die 3.000-Punkte-Marke erneut erreicht. Im Gegensatz dazu schafft es der – in jüngerer Zeit so schwache – DAX, eine Distanz von etwa 1.500 Punkten zu seinem März-2009-Tief zu halten.

Der CAC 40 kommt dem spanischen Leitindex IBEX (nächster Chart) in seinem Verlauf recht nahe.

Der Zins-Spread zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen weitet sich aus. Mit 0,75 Punkten befindet er sich auf dem höchsten Niveau der vergangenen Jahre.

Zwar sind die Spreads zwischen den Renditen der Bundesanleihen und den französischen Anleihen im Vergleich zu italienischen oder spanischen Renditen vergleichweise gering.

Und tatsächlich ahmt die französische Rendite den Verlauf der Rendite deutscher Bundesanleihen nach, wenn auch in letzter Zeit mit immer weniger Erfolg.

Es fällt auf, dass die Rendite französischer Staatsanleihen (blaue Linie obiger Chart) das Tief vom Sommer 2010 – im Gegensatz zur Rendite deutscher Staatsanleihen – bisher nicht unterschritten hat. Dies könnte man als ein erstes Anzeichen dafür deuten, dass die französischen Rendite der spanischen und italienischen Rendite nachzueifern beginnt.

Deutschland und Frankreich sind die großen europäischen Kernstaaten. Frankreich ist durch die höhere Arbeitslosenquote (9,9%), ein vergleichsweise schwächeres Wirtschaftswachstum sowie durch den hohen Bestand französischer Banken an Staatsanleihen der europäischen Peripherie für das spekulative Geld einfacher anzugreifen als Deutschland.

Fiele der CAC40 unter die 3.000-Punkte-Marke und stiege gleichzeitig der Spread zwischen der Rendite französischer und deutscher Staatsanleihen weiter an, so würde Frankreich von einem Rettungsschirm-Geberland zu einem Nehmerland mutieren. In diesem Fall wäre der Versuch, einen europäischen Rettungsschirm aufzubauen, gescheitert… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Frankreich: Hier lauert die Gefahr für Europa"

  1. tizian sagt:

    Darauf wird es mit Sicherheit hinauslaufen, auf eine „fiskalpolitische Monsterkraaken-Behörde“ in Brüssel.
    Mit Sicherheit deshalb, weil ich gestern Abend zwischen 21:45 und 22:50 „gebrieft“ wurde.
    Zwar habe ich mich auf eine intellektuell anspruchsvolle Diskussionsrunde gefreut, aber herausgekommen ist nur eine als „Polittalk“ getarnte Propagandamaßnahme der ARD mit Dirk Müller bei G.Jauch.
    ich fasse zusammen:
    1. Klaus Wowereit wird nächster „Kanzlerdarsteller“ 😉
    2. Die SPD „würde“ „alles“ unterschreiben, „wären“ sich CDU, CSU u. FDP in Stategiefragen um die EURO-Rettung endlich mal einig.
    3. Die Griechen dürfen nicht auf Staatsbankrott hoffen, auch nicht auf die DPAXMAI II.- also weiterwurschteln, wie gehabt.
    4. Falls Gr.Gläubiger-Haircut, dann aber „allerhöchstens“ 50%.
    5. Es braucht eine EU-Wirtschaftsregierung, i.e. Das Zentralbüro Brüssel.
    6. —-.
    So, und nun frage ich den „alten Mann da oben“ mal, wann sich all diese Unsäglichkeiten endlich einmal massiv auf die Gold- & PGM-Preise auswirken!
    …in spiritus sanctus, Tizian

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