Frankreich: Die ganz normale Industrienation

30. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Christian Vartian

Weil für uns Deutschsprecher und Deutschschreiber aber die Stichwahl in Frankreich von eminenter Bedeutung ist, aus gegebenem Anlass zur Französischen Wahl…

Bekanntlich kamen Emanuel Macron, bezeichnet als Globalist und Marine Le Pen, bezeichnet als Populistin in die Stichwahl. Wie sehen denn die Fakten in der Französischen Wirtschaft wirklich aus?

Angeblich ist Frankreich nicht wettbewerbsfähig, kolportiert plakativ wegen seiner starken Gewerkschaften und niedrigeren Arbeitszeiten als anderswo.

Tatsächlich ist die Französische Zahlungsbilanz mittlerweile negativ (Quelle: Banque de France, Begriffe: Biens = Waren, Services = Dienstleistungen, Revenus = Dividenden aus dem Ausland)

und zwar seit 2008 chronisch (Quellen: Banque de France, INSEE)

Nach Handelspartnern ist vor allem die Handelsbilanz mit China und mit der BRD eine Katastrophe, es besteht aber auch ein Defizit gegen Italien und der Überschuss gegen Großbritannien ist seit BREXIT und Kurssturz des GBP massiv gefährdet (Quellen: FR- Zoll, DG-Trésor):

Erste unerwartete Erkenntnis: Frankreich ist der größte Leitragende des BREXIT. Die Ökonomie würde ein Mitgehen mit Großbritannien induzieren.

Zweite Erkenntnis: Frankreich ist ohne Abwertung gegen die BRD meilenweit davon entfernt, gegen die BRD wettbewerbsfähig zu sein.

Ein Punkt für das Argument: Aufgabe der Währungsunion von Le Pen, allerdings nicht, so wie sie es sagt – Franc- sondern eher DEM für die BRD.

Verkauft Frankreich nichts? Mitnichten, die Exporte steigen wieder und die Kurve der Exportentwicklung entspricht dem besseren Schnitt der EU- Staaten (außer der BRD) (Quellen: IWF, OECD, DG Trésor)

Frankreich, die ganz normale Industrienation. Es geht also um die Importe aus China und der BRD und diese stellt man mit Arbeitsmarktreform wohl nicht ab.

Vom Anteil am Weltmarkt her entwickelte sich dieser in Großbritannien, Japan, Frankreich seit 16 Jahren ähnlich zueinander.

Wirklich anders sind nur China und die BRD.

Der Weltmarktanteil der BRD ist aber gar nicht gestiegen, er ist bloß nicht gesunken. Da auch die BRD viel mehr aus Asien importiert, kompensiert sie dies eben nicht nur durch höhere Exporte nach Asien, sondern auch durch höhere Exporte zu Lasten der Restwelt in die Restwelt (inkl. EUR- Zone)

Frankreich, die ganz normale Industrienation, die das nicht tut, wie Japan nicht, die USA nicht, Großbritannien nicht….)

Im Vergleich zum Rest der EUR- Zone hat die Französische Wettbewerbsfähigkeit zuletzt aber sogar zugelegt:

und die Entwicklung der Französischen Exporte entspricht ziemlich genau der weltweiten Entwicklung der Nachfrage. Frankreich hinkt NICHT marktanteilsverlierend hinter anderen Industrienationen hinterher, wenn man es GLOBAL betrachtet:

Ein Punkt für das Argument: Beibehaltung der Globalisierung von Macron, die Probleme des Französischen Exports schwinden mit der Distanz vom Mutterland, sie steigen nicht, Holland und die BRD sind für die FR- Handelsbilanz schlimmer als die USA oder Afrika. Wer das versteht, versteht auch Theresa May, die die EU verlässt, UM die Globalisierung auszubauen, nicht aus nationalem Motiv also. Man kann es nur wirtschaftlich verstehen, politisch plakatives Punzieren wie „Globalist“ oder „Nationalist“ führt nur in die Irre, die Handelsbilanzen erklären die komplexe Wahrheit.

Frankreich leidet aber darunter, dass das geringe Wachstum der Weltwirtschaft genau Sektoren am meisten trifft, in denen Frankreich gut ist, beispielsweise Großinfrastruktur:

Der Überschuss der Französischen Exporte Richtung Afrika ist im letzten Jahr um 35%! gesunken:

Auch generell gibt es genau in denjenigen Zielregionen kein Geld, wo Frankreich einen Exportüberschuss erwirtschaftet:

Und zwar weil die FED eine zu geringe Geldmenge bereitstellt.

Das beste Exportgeschäft mit Überschuss besteht im Flugzeugsektor, gefolgt von Chemie und Nahrungsmitteln

 

…also überall dort, wo man kaum Industriedesign und Marketing braucht. Die einzigartige „Glanzleistung“ Französischer Manager, mit Österreichern zusammen (Red Bull – Renault) mehrere Jahre absolute Spitze in der Formel 1 zu sein ohne einen einzigen Sportwagen herzustellen, auf welchen das so gewonnene Image transferiert hätte werden können, spricht da Bände. Bei Flugzeugen ist das weniger wichtig.

Deutsche verstehen einfach mehr von Design und Marketing, da wird kein FR- Präsident, kein Franc und keine Mark etwas daran ändern können, bestenfalls andere Manager in Frankreich.

Von der Entwicklungstendenz her sind die besten Verbesserungen 2016 beim Autoexport und dem Export von Schiffen und Rüstungsgütern:

Französische Autos fahren nämlich zuverlässig und immer öfter. Ganze Motoren an Ford zu liefern und (fast) ganze Autos an Mercedes gelingt gut, beim Konsumenten mit Designanspruch fällt es sichtbar schwerer.

Zusammengefasst ist die sowohl für die BRD als auch für Österreich, die Schweiz und Liechtenstein sowie für alle Deutschen Exklaven bedeutende Wahl in Frankreich also rein plakativ vom Gegensatz „Globalismus“ bei Macron vs. „Nationalismus“ bei Le Pen geprägt. Die Fakten sind aber anders und entsprechen dem Plakat nicht.

Frankreich bräuchte:

Die DEM in der BRD und Frankreichs Verbleiben im EUR (nur wenn das gar nicht geht den eigenen Franc);

Keine Abkehr von der Globalisierung, weil es eher dort verdient

Eine Stabilisierung des Britischen Pfundes und jedenfalls Zollfreiheit mit Großbritannien;

Besseres Marketing…

…und eher zuletzt als zuerst Arbeitsmarktreformen, die natürlich nicht schaden, aber die Kostenwettbewerbsfähigkeit steigt jetzt auch schon ohne diese.

Es ist die britische Premierministerin, die – auch plakativ, aber hier richtig- erklärt, was die gar nicht so unterschiedlichen Volkswirtschaften Großbritannien und Frankreich brauchen: Mehr Globalisierung und weniger Europa, zumindest sagen das die Zahlen. Ob sich die Zahlen durchsetzen werden?

Christian Vartian – Hard  Asset Makro

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