Frankfurts neues Geldmuseum: Ein Friedhof der Geldpolitik

25. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sie wollen mal kurz in die Zukunft blicken? Das können Sie das in Frankfurt im neuen Geldmuseum der Bundesbank. Dort kann man alle Pleitewährungen der Welt bestaunen – und auch die bunten Scheine, die heute noch funktionieren – im Mausoleum der Pleitewährungen mit einer Wartehalle…

Keine Sorge! Der Euro soll ja ewig leben. Ich wäre mir da nicht so sicher, wäre er doch dann nach dem Gold die zweite Währung der Welt, die nicht scheitern würde oder scheitern könnte. Witzig! Aber die Hoffnung stirbt erst am Schluss. Vor nunmehr 14 Jahren wurde er uns aufgedrückt. Inzwischen ist seine Rettung der alternativlose Dauerzustand. Weichdrucken scheint die oberste Direktive zu sein, wie es eben die Italiener früher machten. Wer war nochmal EZB-Chef?

In den letzten 200 Jahren gab es rund 250 Staatspleiten und dann neues Geld. Mit dem alten konnte man Wände tapezieren oder es einfach wegwerfen. Zum Glück wissen die Leute nicht, womit sie es beim Geld zu tun haben – mit einer Illusion. Diese wird im Geldmuseum kostenlos verteilt, also mit Gerede und tollen Video-Animationen um dauerhafte „Geldwertstabilität“, worüber die EZB entscheidet und nicht mehr die Bundesbank. Als stabil erweisen sich nur die Zahlen auf den Scheinen, nicht aber die Kaufkraft. Wer zeigt uns das besser als der gesunde Menschenverstand oder Gold, die älteste und beständigste Währung der Welt. Man kann damit nicht direkt bezahlen und war immer noch da, wenn das Papiergeld weg war.

Ein Gramm Gold kostete 2002 rund zehn und heute 35 Euro. Seine Kaufkraft hat sich gegenüber Gold gedrittelt. Der Rest verschwindet später. Doch man vergleicht ihn ja mit dem US-Dollar, also mit anderem Papiergeld. Dabei hat der US-Dollar gegenüber Gold ähnlich stark abgewertet. Übrigens, einen einzigen großen Goldbarren (12,5 kg) zum Anfassen gibt es auch zu bestaunen – als unumstößlichen Beweis, dass die Bundesbank ganz viel Gold besitzt bzw. alles, was sie vorgibt zu besitzen. Neulich habe ich einen Milliardär getroffen … der seinen Reichtum mit einen 50-Euro-Schein beweisen wollte. Der Schein zählt eben. Warum sollte das bei Geld-Scheinen anders sein?
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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Ein Kommentar auf "Frankfurts neues Geldmuseum: Ein Friedhof der Geldpolitik"

  1. Martin Ebner sagt:

    „Bunte Scheine“ ist unfair. Oft waren und sind Banknoten kleine Kunstwerke, die von hervorragenden Designern gestaltet wurden. Wie übrigens auch Aktien, als die noch auf Papier gedruckt wurden (derartige alte Wertpapiere kann man sich in einem Museum in Olten anschauen: http://martin-ebner.net/topics/money/geldmuseen-schweiz/ )

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