Fragen und Antworten: Zu Griechenland und CuB

1. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Kennen Sie sich noch aus? Die Stimmung an der Euro/Griechenland-Front wechselt nun bald schon im Dreitagestakt von warm zu heiß zu wieder eiskalt. Und auch kaum einer der Kommentatoren scheint noch über eine gute Orientierung zu verfügen…

Erst scheint der Fall Griechenland „gelöst“ zu sein, und seit gestern nun, mit der Ankündigung des Regierungschefs Papandreou eines Volksentscheids der Hellenen über das Entschuldungsvorhaben, ist wieder alles offen. In den letzten Tagen erhielten wir daher einige Anfragen von Lesern, die meist von allgemeinem Interesse sind, und die wir daher hier in „großer Runde“ beantworten wollen.

Frage: Würde bei einer Ablehnung des Entschuldungspaketes durch die Griechen (so sehen zumindest derzeit die Umfragen in der dortigen Bevölkerung aus) der Euro noch zu retten sein?

Antwort: Aus heutiger Sicht würde das dann bedeuten, dass der bis vorgestern wahrscheinliche freiwillige Schuldenschnitt nicht funktionieren kann. Falls dann nicht weiteres Geld aus den Rettungstöpfen an Griechenland fließt, wäre das Land im Nu zahlungsunfähig und müsste Bankrott erklären. Dann käme es zu einem klassischen Schuldenschnitt, der bis zu 100% reichen könnte. Die Inhaber der Griechen-Bonds würden dann gemäß der Schuldenschnittquote „unfreiwillig“ ihr Kapital verlieren. Auch die Anleihe in unserem Musterdepot würde dann dementsprechend verlieren, im Extremfall sogar 100%.

Die Folgen davon wären: Die Griechen wären dann zwar ihre Schulden (teilweise) los, sie hätten dann aber auch ihre Kreditwürdigkeit auf Jahrzehnte hin verloren. Die griechischen Banken wären sofort pleite. Die Griechen müssten dann sofort die Drachme einführen, die sie dann nach Belieben inflationieren könnten. Dies würde in kürzester Zeit in einer Hyperinflation mit entsprechend negativen Effekten (vgl. Deutschland 1923) enden.

Für die EU bzw. den Euro wäre dies vermutlich auch das Aus. Denn ein unkontrollierter Schuldenschnitt würde durch Auslösung der CDS-Kriterien zig Bilanzen bei Banken und anderen Unternehmen durcheinanderwirbeln. Die Ratingagenturen müssten dann vermutlich im Stundentakt – je nach Informationslage – die Bonitätsstufen vieler Marktteilnehmer herabsetzen. Zudem wären die Zentralbanken (EZB, BuBa) pleite und müssten mit gigantischem Aufwand rekapitalisiert werden, was dann im Rest-Euroland zu einer massiven Neuverschuldung (um die weggefallenen Schulden der Griechen aufzufangen) und mittelfristig dann zu Inflation führen würde.

Frage: Würden unser Politiker dieses beschriebene Szenario wünschen bzw. zulassen?

Antwort: Das können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen. Warum sonst hat man denn dann diesen Zirkus mit dem freiwilligen Schuldenschnitt veranstaltet? Kurzum: Es ist klar, dass die EU-Granden den Bankrott der Hellenen unter allen Umständen vermeiden wollen. Warum also schießt Papandreou quer? Schlicht und ergreifend deshalb, weil Griechenland mittlerweile der „Schwanz“ ist, der mit dem „Hund“ Europa wedelt. Wie wir in der jetzt erschienenen Smart Investor Ausgabe in der Titelgeschichte erläutert haben, hängt mittlerweile Alles an diesem kleinen winzigen südöstlichen Zipfel Europas. Wer’s nicht glaubt, der lese bitte diese Titelgeschichte.

Es ist tatsächlich unglaublich in welcher naiven, ja geradezu dummen Art und Weise unsere Politiker Deutschland und die gesamte EU in eine tödliche Sackgasse manövriert haben, aus der es keinen Ausweg mehr gibt, und bei der selbst der Rückweg versperrt ist. Hierzu empfehlen wir Ihnen die Aufarbeitung des Schuldendesasters durch unseren Gastautor Peter Boehringer auf S. 14 und bzgl. des Target2-Mechanismus im Speziellen das Interview mit Prof. Hans-Werner Sinn auf S. 18. Wie das alles dann mit der „europäischen Idee“ zusammenhängt und warum sie letztendlich zum Scheitern verurteilt ist, klären wir in der Geschichte „Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ auf S. 48. Das gesamte Inhaltsverzeichnis der neuen Ausgabe finden Sie hier (Link)

Da Politiker aber den totalen sofortigen Zusammenbruch nicht zulassen wollen und werden, ergibt sich aus oben beschriebener Konstellation folgendes: Griechenland hat Europa in der Hand und kann damit Bedingungen diktieren. Genau deshalb kündigte Panpandreou gestern auch diese Volksabstimmung an. Denn nun liegt es an den Geberländern, die Konditionen bei einem „freiwilligen Schuldenschnitt“ so erträglich wie möglich zu gestalten. Das ganze läuft im Prinzip auf „Erpressung“ hinaus.

Frage: Wie sieht Smart Investor die weitere Entwicklung?

Antwort: Wir gehen davon aus, dass dieser Erpressungsversuch fruchten und der freiwillige Kapitalschnitt, wie vergangenen Mittwoch beschlossen, durchgezogen wird – allerdings dann eben unter deutlich milderen Umständen für Griechenland, der verordnete Sparkurs dürfte also weit weniger scharf ausfallen… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , ,

7 Kommentare auf "Fragen und Antworten: Zu Griechenland und CuB"

  1. auroria sagt:

    Es ist wohl erstmal eine Erpressung der Banken, damit diese „freiwillig“ dem Schuldenschnitt zustimmen.

    Und dass sich Griechenland wehrt gegen diese zerstörerischen Sparmaßnahmen, ist nachvollziehbar und sinnvoll.
    Zumal der Schuldenschnitt mit einem Ergebniss von dann 120% ja auch ein Witz ist.
    Was bekommen die Griechen denn für diese ganzen Auflagen? Dass sie weiter im € bleiben dürfen, der ihnen mehr schadet als nutzt?

    Vlt. hat man aber auch den € Austritt von Griechenland genau so geplant.
    Kein Politiker wird sich rechtfertigen müssen für irgendwelche Entscheidungen: „das griechische Volk hat sich so entschieden, da können wir nix machen“.
    Natürlich fallen dann schlagartig ein paar hundert Milliarden € an Verlusten an, aber das ist genau die Notlage die man braucht, um die wiederspenstigen Deutschen zu „überreden“, dem EFSF endlich die Banklizenz zu geben und der EZB das Geld drucken zu erlauben.

    Und ich stimme dem Artikel nicht zu, dass ein € Austritt von Griechenland das Ende des € wäre. Mehr als ein paar hundert Milliarden an Verlusten kommt da nicht und das lässt sich mit einem (Bank-) EFSF locker abfangen und ist auf den gesamten € Raum gesehen (oder im Vergleich zur USA) auch nicht sonderlich viel Geld.

    • Avantgarde sagt:

      „Natürlich fallen dann schlagartig ein paar hundert Milliarden € an Verlusten an, aber das ist genau die Notlage die man braucht, um die wiederspenstigen Deutschen zu “überreden”, dem EFSF endlich die Banklizenz zu geben und der EZB das Geld drucken zu erlauben.“

      Na Du hast Humor…

      Uns was sollte dann geschehen?
      Weiter hebeln – so auf 80 vielleicht ???
      🙁

  2. FDominicus sagt:

    Nun wir hatten voriges Jahr die Wahl. Der Wahrheit in’s Gesichtzu sehen(Griechenland ist pleite) und uns einfach an die Vertäge halten können. Dann wäre Griechenland IMMER NOCH Pleite gewesen. Nur hätten niemand auf irgendjemanden Druck ausüben müssen, denn nichts tun war in den Verträgen vorgesehen. Die Delebets meinten ja mal wieder es besser zu wissen. Und mir egal ob Griechenland noch Erpressung auf Ihre Konto nimmt oder nicht. Ich bin schlicht und einfach dafür „nichts“ zu tun. Kein Geld keine Krisensitzungen, Griechenland geht oder bleibt und die Schulden bleiben oder auch nicht. Aber diejenigen die eben meinten retten zu müssen, sollten für diese Rettungsversuche auch zahlen. Jeder Bundestagsabgeordnete der letztes Jahr und diese Jahr immer wieder für „noch mal Schulden“ war sollte es mal in Seinem Geldbeutel spüren. Vielleicht wäre das mal heilsam.

    Und nein ich glaube auch nicht, daß man Griechenland noch mehr „helfen“ sollte. Auch hier wurde ja schon über die böse Blut geschrieben. Ganz einfach nichts machen, sich auf die Verträge beziehen und die Griechen machen lassen.

    Und nein ob der Euro bleibt oder nicht ist kein
    a) Anzeichen ob Europa bleibt (es wird auch bleiben wenn es Frankreich, Deutschland oder sonst irgendeinen Staat nicht mehr gibt
    b) hängt mit Sicherheit auch nicht vom Bleiben oder gehen irgendeines Landes ab.

    Im Augenblick schützt der Euro noch die „Normalgriechen“, sollten Sie der Meinung sein er wäre schlechter für Sie als eine Neue Drachme, werden Sie ein böses Erwachen erleben. Wer glaubt denn schon, daß Griechenland eine Nicht-Fiat-Währung einführen wird? So ein schönes Spielzeug, daß man „beliebig“ vermehren kann um „Wohlstand“ vorzutäuschen lässt sich doch kein Betrüger entgehen. Und eine Wahl werden die Griechen auch nicht haben. Und wieder mal dürfen sich dann die „Führenden“ freuen. Beutezug erfolgreich….

  3. stonefights sagt:

    Für den einen ist ein Wetter ohne Sonnenschein „schlecht“, für den anderen „gut“ – es regnet ja schliesslich nicht.
    Es gibt immer zwei Seiten einer Medallie.

    Ich will nicht behaupten können, ob es ein erpresserisch griechischer Politikschachzug ist, vielleicht gar ein anglo-amerikanischer, oder einer der Machthydra. Wer weiss, wer bei wem auf der payroll steht.

    Ich möchte lediglich den Blick auf die zweite Seite werfen können.
    Vielleicht zeigt der Finger der Geschichte ja ein zweitesmal auf die Griechen und eine mehr oder weniger ausgeprägte Volksherrschaft – Demokratie nennt man sowas, glaube ich.

    Widerum scheint die ganze Abfolge der letzten beiden Jahre planbar zu sein, was die eine Seite der Medallie stärker leuchten lässt. Vielleicht ist es ja ein Zug zum schnelleren ESM ?
    Dann hat sich das mit der Banklizens für den EFSF eh überholt…
    vgl. http://www.rottmeyer.de/lady-europe-treibt-panikbluten/comment-page-1/#comment-6781

    Also, immer schön drin bleiben im Kino-Saal, es gibt keinen anderen und ausserdem ist der Eintritt zu teuer, um rauszugehen .-)

    lg, stonefights

  4. Lotus sagt:

    Ich denke auch, daß Sie teilweise total Unrecht in Punkto Griechenland haben. Sie sehen alles nur finanztechnisch und bezogen auf Ihren Job/Firma. Und genau dieses Denken ist nicht nur Ihr Fehler in der Finanzbranche gewesen, sondern auch der Fehler von Merkel und Co. Hätten sie sich an die Gesetze der EU-Verträge gehalten, wäre klang und heimlich Griechenland über eine Volksabstimmung gegangen. Aus dem Euro und aus der EU. Denn es war von Anfang an klar, dieser Weg wäre kostengünstiger verlaufen. Die EU und die Finanzmärkte haben Griechenland erpreßt, um ihre eigene Haut zu retten. Nur aus diesem Grund ist diese fatale Situation entstanden. Ebenfalls half die Presse/Medien.

    Wenn man seinen eigenen Arsch retten muß, weil fehlinvestiert und pleite, propagiert man unvernünftige Maßnahmen mit Hilfe unfähiger Politiker sowie auch Angstschürerei.

    Die einzige Konsequenz für EU-Staatschefs sind Neuwahlen. Ich bin mal gespannt, ob von der Opposition in Deutschland und Frankreich diese Abstrafung erkannt und gefordert wird. Zeit wäre es, denn es rumort überall. Der Flächenbrand in Europa hat schon begonnen. Merkel und Co. muß endlich gestürzt werden. Diese Frau wird überall gehasst. Sie reißt Deutschlands Ruf in den Abgrund.

    Deutschland wird nur Massenentlassungen und Demos sehen, an denen wir schon gewöhnt sind. Mehr wird nicht passieren. Meine Meinung. Die Hälfte der Deutschen kennen das. Deshalb wird ein Bürgerkrieg wie in Griechenland, evtl. auch in Italien und Spanien für Deutschland ausbleiben. Eher werden sie Frau Merkel zu Neuwahlen zwingen, falls es die Opposition nicht macht.

    Eine Insolvenzordnung muß unbedingt erschaffen werden sowie eine Austrittsmöglichkeit für schwache Euroländer. Dies sollte unbedingt morgen in Cannes erwirkt werden.

  5. MARKT sagt:

    Während von Ihrem Blatt einerseits das Vorgehen der Politik kritisiert und angeprangert wird „Wetten “ sie andererseits auf genau dieses Szenario. Hoffentlich macht Ihnen der europäische Wutbürger keinen Strich durch die Rechnung.

    Was hier gemacht ist nicht weniger abwegig wie das Verhalten unserer Volksvertreter.

    Ein großes Pfui für diese „Aufklärung“.

    • Avantgarde sagt:

      Absolut!

      Jemand der sich gerne vom Steuerzahler retten lassen will und aktiv darin investiert dem wünschte ich sogar den Totalverlust.

      Eine Argentinische-Lösung von jetzt auf gleich wäre vermutlich die beste und wahrscheinlich auf kurz oder lang auch die einzige Lösung.
      Leider trifft es dann den Steuerzahler hierzulande – vor einigen Monaten hätte es genau die richtigen getroffen.
      Schade auch 🙁

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.