Frage der Woche: Zertifikate im Depot?

12. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Kein Zertifikat ohne Emittentenrisiko. Spätestens seit 2008 sollte dies auch dem Kleinsparer geläufig sein, ist doch damals einiges an Lehrgeld geflossen. Vom damaligen Einbruch hat sich das Gesamtvolumen der Papiere nicht erholt, dennoch steckt der Michel noch erkleckliche Summen in diese Derivate …

Die Insolvenz von Lehman Brothers hatte auch für viele deutsche Klein-, Mittel- und Großanleger einiges zu bieten. Manch einer traute sich zwar zu, den Dax zu prognostizieren, fand aber dummerweise keine Gelegenheit dazu, vorher noch herauszufinden, was ein Emittentenrisiko ist.

Das fällige Lehrgeld war happig. Für viele, darunter auch Kunden von Vermögensverwaltungen und vermeintlich soliden Kleinbanken, bedeuteten die eigene Untätigkeit und manche Fehlberatung einen herben Einschlag ins Ersparte. Dennoch findet immer noch eine bedeutende Summe ihren Weg in diese Papiere. Eine Parallele übrigens zu den offenen Immobilienfonds, in die viele immer noch arglos einzahlen und dabei teilweise mehr als 40% höhere Preise als an der Börse zahlen. Aber sicher hat der Bankberater seine Kunden schon darauf aufmerksam gemacht, oder etwa nicht?

Ein solches Erlebnis sollte sich fest ins Gedächtnis der meisten Anleger einbrennen. Aber wie bei bestimmten Aktien kommt das allgemeine Opfer der deutschen Wertpapier-Kulturrevolution von alten Gebräuchen einfach nicht los. Was an einer Dividende attraktiv ist, die ein Unternehmen nicht einmal annähernd operativ verdient ist uns genauso unverständlich wie der Kauf eines Zinszertifikats, dessen Ertrag unter der Risikoprämie des Emittenten liegt. Gebührenpflichtiger Irrsinn im Quadrat.

Schade um das Geld, das viele sich aus sauer verdientem und noch saurer versteuertem Geld zusammengespart hatten. So verlockend manche Broschüre mit goldenen Ähren, Zinskurven und elaboriert wirkenden Finanzbildchen auch wirken sollte – ohne Information und Produktwissen steht man langfristig auf der Zahlerseite und entrichtet dazu noch erkleckliche Gebühren respektive Transaktionskosten. Um das Emittentenrisiko kommt natürlich auch der informierte Anleger nicht herum.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die in Zertifikaten investierten Milliarden auf Internet-Konten schlicht vergessen wurden. Die Möglichkeiten, die Zertifikate den Anlegern bieten sollen, sind anscheinend weiterhin für eine Menge Anleger zu verlockend, um einfach die Finger in der Tasche zu behalten. Hoher Hebel, eine Wette auf Mais hier oder japanische Zinsen dort – alles zum Taschengeldpreis auch für den, der die oft auch schon albern niedrige Futures-Margin nicht aufbringen mag oder will. Viele Anleger nutzen Zertifikate für den kurzen Trade, andere zur langfristigen Anlage und viele fassen die Papiere gar nicht an.

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