Frage der Woche: Weg mit den Ministerien?

5. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Sind die Menschen nicht solidarisch genug, gründe ein Solidaritätsministerium! So oder so ähnlich denkt man anscheinend in Berlin. Leider sorgt ein Bildungsministerium nicht zwangsläufig für eine bessere Bildung und auch ohne ein Amt für Wirtschaft würde selbige vermutlich nicht schlechter funktionieren. Welche Ministerien braucht das Land?

Eine der politischen Forderungen Ron Pauls, die von seinen Kontrahenten häufig kritisiert wird, ist diejenige nach der Abschaffung einiger Ministerien. Woher die Angst der Kritiker vor einem Abbau der Bürokratie stammt, ist unklar, ist doch ein Ministerium nicht mehr als eine materialisierte politische Ankündigung. Die Materialisierung verursacht Kosten. Der Nutzen des Amtes und des wuchernden Apparates jedoch bleibt oft im Nebel. Das geschieht vermutlich aus gutem Grund, gibt es doch wenige politische Instrumente, die der gepflegten Intransparenz langfristig das Wasser reichen können.

Zu den meisten Amtsträgern gibt es schon seit einigen Legislaturperioden wenig zu sagen. Die Entwicklung weg von der politischen Arbeit hin zur nichtssagenden Selbstdarstellung war bereits bei einigen Kabinettsmitgliedern früherer Tage sehr ausgeprägt.

Von Zeit zu Zeit aber tun sich besondere Abgründe auf. Bernd von Matthies wurde – vermutlich ungewollt – Opfer der Büttenrede eines amtierenden deutschen Bundesministers und musste sich den offenbar körperlich spürbaren Schmerz im Tagesspiegel von der Seele schreiben.

(von Matthies) Es gibt gute und schlechte Witze, es gibt gut und schlecht erzählte Witze, und es gibt von Philipp Rösler ausformulierte und vorgetragene Witze. Bitte, das ist jetzt kein Herumtrampeln auf einer am Boden liegenden Partei, denn Rösler sieht sich selbst durchaus ganz oben: „Ich hab’s geschafft, ich bin jetzt Witze-Kanzler!“

Nur der Connaisseur begreift die unfassliche Tiefe dieses Wortspiels sofort; es erschließt sich am besten, wenn der Erfinder den Begriff „Witze“ mit einem gaaanz leicht gedehnten „I“ vorträgt: Wiiitze = Vize, Sie verstehen?

Sagenhaft. Heinrich Mann soll einmal gesagt haben, an der Sprache erkenne man das Regime. Na dann, Prosit!

Nun kann, wer Humor vermisst, die alten Fips Asmussen-Schallplatten herauskramen. Einen Minister benötigt man nicht, um eine Narrenkappe zu füllen. Was ein Wirtschaftsministerium bewirkt respektive bewirken soll ist auch nach Einsicht der ministerialen Website unklar. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sieht seine Aufgaben wie folgt:

(BMWi) Zentrales Anliegen der Politik des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ist es, das Fundament für wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland mit breiter Teilhabe aller Bürger sowie für ein modernes System der Wirtschaftsbeziehungen zu legen.

Breit angelegte Lobbypolitik à la Abwrackprämie ist vermutlich eines der Armierungseisen des erwähnten Fundaments. Ob man so etwas für sinnvoll oder wünschenswert hält, ist jedem selbst überlassen. Der Ehrlichkeit halber jedoch könnte man das Ministerium dementsprechend umbenennen, was für andere Ämter in gleichem Maße gilt.

Was es nicht mehr gibt, muss man nicht mehr umbenennen. Daher sparen wir uns eine Umfrage zu möglichen neuen Namen der einzelnen Ministerien. Sie können uns und den werten Mitlesern selbstverständlich entsprechende Ideen per Kommentarfunktion mitteilen. Die Frage der Woche dreht sich aber darum, welche Ministerien Sie für überflüssig halten. Dies gilt es übrigens unabhängig von den aktuellen Amtsträgern zu beurteilen.

Wir freuen uns wie immer auf eine lebhafte Diskussion im Kommentarbereich!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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3 Kommentare auf "Frage der Woche: Weg mit den Ministerien?"

  1. Frage der Woche: Weg mit den Ministerien? | Verschwörung.net | 911 Verschwörung | Wirtschaft | Politik sagt:

    […] Frage der Woche: Weg mit den Ministerien? […]

  2. Infoliner sagt:

    Ein wichtiges Thema, möge der Artikel große Kreise ziehen!
    Ein guter alter Freund wies mich einmal darauf hin, daß England das kultivierteste Land der Welt sei, denn … es gibt dort kein Kultur-Ministerium. Tatsächlich ist es also nicht so, daß Ministerien etwa überflüssig wären, nein, sie stören vielmehr und schaden den Prozessen sehr, die sie verwalten. Die einzigen Ausnahmen davon sehe ich bei Eurer Umfrage im Prinzip im Außen- und Verteidigungsbereich. Im Prinzip bedeutet, daß diese Ministerien unter anderen als den aktuellen Umständen sinnvolle Aufgaben erfüllen könnten.

  3. pat sagt:

    Im Naturschutz finde ich es interessant, dass ein Ökosystem, nachdem es unter Naturschutz gestellt wurde, sich überlicherweise verändert und die Schutzziele gerade nicht erreicht werden, weil die bisherige Nutzung, die zu diesem Okosystem geführt haben nicht mehr fortgeführt werden darf.

    Ob die Ministerien ähnliche Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft, Familien, Finanzen, usw. haben?

    Im Grunde ist es ja eine Frage wieviel Zentralismus gut ist für eine Gesellschaft und wo freie Enfaltungsmöglichkeiten und marktwirtschaftliche Prinzipien effizienter sind.

    Der Trend scheint momentan ganz eindeutig eine zentralistische Verwaltungsbürokratie aus Brüssel zu sein, die den Einzelnen entmündigt. Deshalb fühlen sich die Ostdeutschen auch immer mehr wie in der ehemaligen DDR.

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