Frage der Woche: Was ist los beim Daimler?

23. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Eine der spannenderen Meldungen der vergangenen Wochen ging im Börsensalat beinahe unter. Eine Meldung der Deutschen Bank verkündete, das Unternehmen habe neben der bekannten Aktienbeteiligung über Optionskontrakte auch Zugriff auf weitere 14% an Daimler. Weitere bedeutende Anteile liegen beim Emirat Abu Dhabi und Morgan Stanley. Braut sich da etwas zusammen?

In der Pflichtmitteilung werden nur die theoretischen Zugriffsmöglichkeiten über Aktien und Optionsgeschäfte dargelegt. Vor allem die Veröffentlichungspflichten letzterer sind im Zuge der Volkswagen-Porsche-Farce angepasst worden.

(Handelsblatt) Neben der Deutschen Bank kann auch die US-Investmentbank Morgan Stanley theoretisch einen großen Aktienanteil am Autobauer Daimler übernehmen. Die Bank und ihre Töchter hätten über verschiedene Aktienoptionen Zugriff auf knapp elf Prozent des Kapitals, teilte der Stuttgarter Konzern am Montag in einer Pflichtveröffentlichung mit. Am 11. April habe der Anteil die Schwelle von zehn Prozent überschritten.

Die Deutsche Bank hatte Daimler in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass sie sich über Optionsgeschäfte Zugriff auf knapp 18 Prozent des Kapitals verschaffen könne. Zuvor verfügte Deutschlands größte Bank nur über einen nicht meldepflichtigen Daimler-Stimmrechtsanteil von weniger als drei Prozent.

Nun ist ein Zugriff auf größere Aktienpakete via Optionen nicht sonderlich ungewöhnlich, ein Einfluss auf 18% des Kapitals ist aber beachtlich. Vor allem der Zeitpunkt sorgt bei einigen Marktteilnehmern für Stirnrunzeln, denn auch von der arabischen Halbinsel kommen interessante Nachrichten, so hieß es etwa in der „Saudigazette“:

(Saudigazette) Abu Dhabi prepares Daimler exit

ABU DHABI — Daimler’s largest investor, the oil-rich emirate of Abu Dhabi, is preparing to gradually sell its 9 percent stake in the German automotive group, two people familiar with the situation told Reuters on Thursday.

Womit sich zusammen mit den von Stanley und Deutscher Bank gemeldeten 29% noch einmal 9% hinzugesellen und sich ein erklecklicher Anteil von insgesamt 38% ergibt. Weitere 7% liegen laut Börsenzeitung in Kuwait, so dass sich allein diese Pakete in Summe bedrohlich nahe an die Marke von 50% heranrobben. Für eine schnelle und vor allem unkomplizierte Übernahme sind dies deutlich bessere Voraussetzungen als ein hoher Streubesitz und ein mögliches Bietergefecht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die aktuelle Planung des indischen Tata Konzerns. Dieser plant einen Börsengang seiner Luxustöchter Jaguar und Land Rover, die man 2008 für $2,5 Mrd. dem amerikanischen Autobauer Ford abkaufte. Diese Firmen werden nun auf rund $14 Mrd. taxiert. Vielleicht hat zwischen Mumbai und Chennai ja ein Herz für derartige Aktionen entdeckt. Vor allem zwei Teile könnten interessant sein, zum einen das LKW-Geschäft, zum anderen natürlich die Marke Mercedes. Das gilt natürlich nicht nur für die Inder, auch in den USA oder Asien dürften sich Interessenten finden, bei einer Zerlegung müsste jeder schließlich nur einen Teil des Kaufpreises bereitstellen, angesichts des überschaubaren Börsenwerts von Daimler sollte diese keine allzu große Hürde sein.

Das Geschrei, das eine Übernahme und Zerschlagung des Konzerns in Deutschland auslösen würde, kann man sich gut vorstellen. Ganz so still und leise wie im Falle Hochtief würde es wohl nicht über die Bühne gehen. Mit ein wenig Weitsicht kann man sich auch die in diesem Falle nicht besonders rosigen langfristigen Aussichten der Fertigung in Deutschland vorstellen. Am Ende gehen den Politikern in den entsprechenden Bundesländern gar die Lobbyisten aus!

Was denken Sie?

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass die Firma Daimler in den kommenden 12 Monaten von einem oder mehreren ausländischen Unternehmen gekauft und ggf. zerschlagen wird?

  • Nein. (42%, 299 User)
  • Ja. (58%, 417 User)

Total Voters: 716

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4 Kommentare auf "Frage der Woche: Was ist los beim Daimler?"

  1. Kintao sagt:

    Sollte das passieren, dann ist in Baden-Württemberg,Bremen aber Land unter.

  2. […] Rott & Meyer: Frage der Woche: Was ist los beim Daimler? […]

  3. purity sagt:

    Andere Länder haben wohl ein anderes Aktienübernahmerecht. In Deutschland ist es wohl besonders leicht AGs zu übernehmen. Davor warnen manche Wirtschaftswissenschaftler schon lange.
    In Zukunft wird in Deutschland sicher einiges (weg)gekauft werden. Gerade auch aus Indien und China. Was sollen die auch sonst mit ihrem Geld machen? Euro und US-Dollar kaufen??? 😀 Dann doch lieber deutsche Unternehmen. Nur wird es dann nicht so ruhig verlaufen wie bei den Ölscheichs mit ihren relativ kleinen Beteiligungen. In der Wüste wurden keine Fabriken aufgebaut, die vorher hier abgebaut wurden. Die haben einfach ihr Geld anlegen wollen und sich passiv verhalten.
    Und die Politik schläft.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,826908,00.html

  4. Besar sagt:

    Nun ja, ich denke das ist leider nicht weit her geholt. Schließlich wurden Verträge zwischen Daimler und einigen Kooperationspartnern inklusive Finanzinstitute modifiziert. -in Bezug, dass bei Übernahme von Daimler…die Verträge bzw. die Kreditlinien ungültig werden.

    Zudem spricht auch dafür, dass Daimler ganz schön viel über liquide Mitteln verfügt. Sollte der Verkauf der EADS Teile noch demnächst abgewickelt werden, dann werden diese noch um geschätzte 10-15% steigen.
    Bei dem weiteren gleichbleibenden Verlauf des Absatzes könnten durch aus schätzungsweise 10 Mrd. rum schlummern? D.h. bei einer Übernahme hätte sich schon 25% in Relation zur jetzigen Marktkapitalisierung automatisch liquidiert.

    Naja ich hoffe es kommt nicht dazu, was ich auch nicht glaube.

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