Frage der Woche: Wann ist man reich?

4. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) In einer Umfrage von Fidelity wurden 2011 Dollarmillionäre befragt, ob sie sich für reich halten. Die Antwort war für Jane und John Sixpack vermutlich unterhaltsam, denn trotz eines mittleren Vermögens von $3,5 Millionen sagten mehr als 40% der Befragten, Sie würden sich nicht als wohlhabend bezeichnen…

In einem Artikel gingen wir im April letzten Jahres auf dieses Thema ein. Seither mögen sich die Werte etwas verschoben haben, die Grundeinstellung sollte sich jedoch nicht dramatisch gewandelt haben. Auch in Deutschland gibt es eine Definition von „reich“. Interessant ist unter anderem der Einkommensreichtum. In die Kategorie der „Einkommens-Reichen“ fällt der Bundesbürger laut 3. Armutsbericht der Bundesregierung, wenn er mehr als 200 % des so genannten äquivalenzgewichteten Medianeinkommens bezieht. Das sind derzeit rund €5.000 brutto für einen Erwachsenen. Ein Immobilientycoon wird man damit so schnell nicht, allerdings wären viele Menschen wohl froh, wenn sie die Hälfte bekämen. Bei den richtig Reichen geht man mit den resultierenden Nettoeinkünften jedoch bestenfalls einkaufen, etwa beim blau-gelben Möbelhaus von Ingvar Kamprad.

In den USA ist man bei derartigen Einstufungen weniger rigide, aber auch hierzulande wird sich der Menschenverstand nicht an Äquivalenzeinkommen und statistischen Erhebungen festmachen. Finanzieller Reichtum, oder das Gefühl von Reichtum, unterliegt wie vieles andere einer Einschätzung der relativen Position im Einkommens- und Vermögensgefüge. Verdienen alle Nachbarn nichts, so fühlen sich die meisten in diesem Umfeld auch mit €2.000 Euro pro Monat besser gestellt als unter den Bewohnern im Penthouse-Quartier, die monatlich fünfzig Riesen in der Lohntüte finden.

In den Staaten ließ Präsident Obama während einer Steuerdebatte verlautbaren, er sähe jemanden mit einem Jahreseinkommen von mehr als $200.000 als reich an. Das sind in der derzeitig gültigen europäischen Währung etwa €13.500 monatlich, wobei natürlich die Steuergesetze einen Vergleich zwischen Einkommen in den Staaten und hierzulande deutlich verzerren.

Laut einer Gallup-Umfrage sehen die Bürger dies, wenn man den Median heranzieht, ein wenig bescheidener.

Noch im Jahr 2003 lag der Median mit $120.000 noch tiefer, der Anspruch an den Reichtum hat somit stärker zugelegt als die Inflationsrate.

Was denken Sie?

[poll id=“67″]

Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

P.S.: Für die Freunde der edlen Metalle: Sie können das Ganze natürlich gerne anhand des aktuellen Unzenpreises umrechnen und von einem in Gold oder auch Silber ausgezahlten Gehalt ausgehen


 



Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , ,

15 Kommentare auf "Frage der Woche: Wann ist man reich?"

  1. sadhu sagt:

    wenn man genug hat … um davon abzugeben … dann ist man reich

  2. EuroTanic sagt:

    Für mich gilt diese Frage nicht. Denn Reichtum hat für mich nichts mit Geld zu tun. Allenfalls mit Kaufkraft. Aber selbst das ist zweifelhaft, weil rein materialistisch gesehen. Auch wenn es pathetisch klingt, aber was nützt mir eine Million Euro wenn ich unheilbar krank bin, keine Freunde habe, und ein böser mensch bin? Nichts.

    • FDominicus sagt:

      Was „nützt“ Ihnen eine Million wenn Sie gesund sind, viele Freunde haben und ein guter Mensch sind?

      Was „nützt“ Ihnen eine Million wenn Sie einfach nur „normal“ sind.

      Egal wie es Ihnen geht ich bevorzuge 1 Million mehr haben als eben nicht haben. Und noch toller fände ich es wenn diese Million auch bliebe.

      Selbst ohne jedes böse Tag meinerseits ist die Million gerade noch 500 000 nach nur 36 Jahren wert (2 % Inflation was als „stabil“ gilt)

  3. vegaman sagt:

    reich ist nicht derjenige, der viel hat,reich ist derjenige der nicht viel benötigt!

    In diesem Sinne viele Grüße

    vegaman

    • FDominicus sagt:

      Man kann es etwas erweitern, reich ist der, der mehr hat als er (ver)braucht. Aber eine fest Grenze kann ich mir nicht vorstellen. Kommt doch immer darauf an was man so „haben will“. Wenn ich mehr habe eine Million verdiene aber 2 Millionen ausgebe, werde ich kaum „reich“ sein….

  4. Fnord23 sagt:

    Reich sein hat ja nicht unbedingt etwas mit Zufiedenheit zu tun.

    „Reich“ ist man, wenn man glücklich ist. Ob die Zuhname von Glück in Zusammenhang mit der Zunahme von Reichtum zu bringen ist?

    Da zu diese Frage bestimmt jeder seine ganz individuelle Meinung haben muß, ist es müßig, über die Menge der „NULLEN“ zu diskutieren.

    Es gibt ja auch den Aspekt, was einer mit seinem Reichtum macht und wie er dazu gekommen ist.

    Aus Sicht eines hungernden äthiopischen Kindes, sind wir alle aber so was von schweinereich.

    Begründet sich diese Diskussion auf Neid, oder ist es das verletzte Gerechtigkeitsgefühl?

    Wenn wir erwarten, dass die Reicheren, die Bezugsgröße sind wir selbst, etwas abgeben sollen, dann hat das äthiopische Kind an uns aber die gleichen berechtigen Forderungen stellen zu dürfen.

    Jeder auf dieser Welt hat das Recht, den kleinen Hungen zwischendurch befriedigen zu können. Wollen wir das zu lassen? REICHt das dann für uns auch noch?

    VG aus dem armen Osten ( Scherz)

  5. wolfswurt sagt:

    Die Umfrage ist Ausdruck einer armen Seele.

  6. Johannes sagt:

    Also das:“trotz eines mittleren Vermögens von $3,5 Millionen sagten mehr als 40% der Befragten, Sie würden sich nicht als wohlhabend bezeichnen…“ wundert mich gar nicht.

    Jeder bewegt sich in seinen „Kreisen“, oder besser gesagt, in einem Umfeld, dass seinem Einkommen entspricht und orientiert sich nicht daran, was er schon hat, sondern nach dem, was die anderen noch mehr haben.

    Jemand mit 3,5 Millionen kennt höchstwahrscheinlich jemanden in seinem Freundes/ Arbeitskreis, der 10 Millionen hat.

    Jemand der 10 Millionen hat, kenn jemanden in seinem Freundes/ Arbeitskreis, der 20 Millionen hat und so weiter und so fort.

    Ich denke, jeder hier kennt jemanden, der mehr hat als er selbst und findet, dass der reicher ist.

    Daher ist man selbst auch nie reich oder gut verdienend, weil es immer jemanden, meist sogar mehrere gibt, die mehr haben, oder verdienen.

    Daher sieht man sich selbst nie als reich oder gut verdienend, weil man nur sieht, was man NICHT hat.

    Ich hoffe, ich habe das verständlich rüber bringen können. 🙂

    • Fnord23 sagt:

      „Ich hoffe, ich habe das verständlich rüber bringen können. :)“

      Hallo Johannes, nöööö, hä?
      Erkläre das bitte noch mal? 🙂
      Darum sind viele auch oft unglücklich. Aus Neid wird Unzufriedenheit.

      Funktioniert wie bei meinen Hühnern oder Schafen. Da gehts zwar nur ums Futter. Aber gleiche Verhaltensweise.

      VG aus Sachsen

      • Johannes sagt:

        Hi Fnord,

        „Darum sind viele auch oft unglücklich. Aus Neid wird Unzufriedenheit“

        Stimmt. Anstatt man glücklich mit dem ist, was man bereits hat, beschäftigt man sich nur mit dem, was man nicht hat.

        So sind wir Menschen nun mal.

        Komischerweise verhält es sich so, wenn niemand etwas hat, sind auch alle glücklich.

        Wir sind schon ein wenig verrückt wir Menschen. 😉

        • Fnord23 sagt:

          Widerspruch! Wir sind total verrückt, wir Menschen. Das scheint völlig normal zu sein.

          Die Erde ist eine geschlossene Anstalt ohne Anstaltsleitung! Es gab doch mal diese Theorie, dass die Erde der Planet ist, auf dem Außerirdische Ihre Bekloppten abladen. Dei UFO Sichtungen sind intergalktische Krankentransporte.

          @bankhaus rott
          Wie wäre es mal mit der Frage: Wann ist man arm? Hängt ja irgendwie miteinander zusammen.

          VG

          • Bankhaus Rott sagt:

            Hallo Fnord23,

            ja, da haben Sie Recht. Die Frage wird kommen.

            Beste Grüße an die Leserschaft
            Bankhaus Rott

  7. Der Mannheimer sagt:

    Worum geht es eigentlich bei solchen Umfragen?

    Es sollte doch jedem klar sein, dass Reichtum nie absolut sein kann, sondern immer nur relativ. Als einziger Millionär in einer Gruppe von Milliardären kann man sich recht arm vorkommen…

    Will man hier wissen was eine bestimmte Gruppe (z. B. die Leserschaft dieses Blogs) denkt, oder geht es hier darum eine bestimmte Entwicklung festzustellen (Inflation/Deflation)?

    Interessiert mich irgendwie. Vielleicht könnte ja eine kleine Umfrage helfen.

    Gruß

  8. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Mannheimer,

    bei den Umfragen kann es natürlich nur darum gehen, herauszufinden, was die Leserschaft des Blogs denkt. Alle anderen nehmen schließlich nicht teil. So ist auch der Gedanke dieser Umfrage schlicht und einfach zu erfahren, ab welchem Einkommen unsere Leser jemanden als „einkommensreich“ einstufen würden.

    Die oft aus den Umfragen entstehenden Diskussionen gehen dann meistens ihren eigenen Weg, die mit der Frage selbst nicht immer in direktem Zusammenhang steht, was uns aber gut gefällt.

    Tja, relativ ist so vieles, auch bei einfacheren Sachen als dem schnöden Reichtum. Ist eine „gute Assetklasse“ auch diejenige, die im Vergleich zu anderen am wenigsten verliert? Der eine würde sagen, ja, der andere sagt, das sei Quatsch.

    Ob man sich als einziger Millionär unter Dagoberts wirklich „arm“ vorkommt? Vielleicht trifft es der Begriff unterprivilegiert etwas besser, denn in Beug auf die Gesellschaft wäre „arm“ doch etwas anmaßend. Aber das sieht bekanntlich jeder anders …

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  9. […] von $3,5 Millionen, nicht als wohlhabend gelten. Ab welchem Einkommen man in Deutschland zu den „Einkommens-Reichen“ zählt, zeigt […]

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.