Frage der Woche: Tage der Abrechnung bei Fonds?

19. Dezember 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wenn Sie in den Supermarkt an der Ecke gehen und sich eine Büchse Ravioli kaufen, erhalten Sie einen unscheinbaren Kassenzettel. Er enthält die wichtigen Informationen zum Kauf, etwa Preis und Steueranteil. Wenn Sie einen Sprechtrainer engagieren, stellt er am Ende eine Rechnung aus, auf der alle Kosten aufgeführt sind. Wenn Sie einen Fonds kaufen, werden die Kosten einfach verrechnet. Ist das korrekt?

Für jede Dienstleistung und jeden Warenkauf gibt es schon aus steuerlichen Gründen eine mehr oder weniger umfangreiche Auflistung der Leistungen und der berechneten Beträge. Darf das bei einer wichtigen und viele Menschen betreffenden Dienstleistung wie der Geldanlage anders sein?

Zuviel Aufwand ist eine der gängigen Ausreden, wenn es um den Ausweis aller Gebühren auf einer Jahresabrechnung geht. Das Argument ist wenig stichhaltig, es sei denn, die Branche rechnet in der aktuellen Art und Weise ungenau und ist nicht in der Lage, eine saubere Kostenaufstellung in Abhängigkeit von der Haltedauer zu liefern. Dann müsste die Frage erlaubt sein, wie genau das derzeitige Verfahren ist.

Wie wäre es mit einer jährlichen Rechnung, die nach Fonds, erbrachten Leistungen  – sprich Rendite – gegliedert ist und die dann eine Summe zeigt, die der Kunde für diese Leistung zu berappen hat. Wenn es dem Kunden nicht passt, kann er dann kündigen. Vor allem aber kann er oder sie sich Gedanken machen, ob es schlau ist, 2% für die Verwaltung eines Aktienmandats auszugeben, dass vielleicht mal eine Telekomaktie und drei Lindes vom Index abweicht.

Auch die zwingenden Kosten eines Fonds, etwa für Awicklung und Prüfung, ließen sich nach einem solchen Konzept dann sauber von den Kosten des aktiven Managements trennen. Die vielgepriesenen Total-Expense-Ratio, die alle Kosten in einem Prozentwert aggregieren soll, ist leider als Fehlschlag zu bewerten, denn auch große Kostenblöcke wie die erfolgsabhängige Vergütung fließen oft nicht in den diesen Wert ein und müssen zu den anderen bestehenden Kosten addiert werden.

Schlussendlich geht es um die Frage, ob der Kunde diese Information nicht will, oder ob er sie nicht haben soll? Was denken Sie?

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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10 Kommentare auf "Frage der Woche: Tage der Abrechnung bei Fonds?"

  1. Bummbumm sagt:

    Aktueller Stand: ja 153 User, nein 1 user.

    Würd mich wirklich mal interessieren, warum da einer auf NEIN geklickt hat.

    • mfabian sagt:

      Ich hab‘ auf Nein geklickt, weil es mich schlussendlich nicht interessiert (interessieren würde, wenn ich Fonds hätte), ob die x.y% Management-Fee für den Chef, die Kaffeemaschine, die Prüfung oder den Fiskus draufgehen.
      Schlussendlich interessiert doch nur: Was kostet’s und was bringt’s.

      • Bankhaus Rott sagt:

        @mfabian

        wohin das Geld geht, ist eine Sache, ein genereller Ausweis der Kosten als Betrag von beispielsweise -156,70 könnte für Kunden natürlich auch ohne detaillierte Aufschlüsselung aufschlussreich sein.

        @EuroTanic
        Und? Haben Sie den Rat beherzigt?

        Beste Grüße an die versammelte Leserschaft
        Bankhaus Rott

  2. EuroTanic sagt:

    Das gleiche macht mein Energiedienstleister, die Stadtwerke. Die EEG Umlage wird erneut erhöht, die Lasten der grossen industriellen Verbraucher werden in Zukunft auf die „Kleinen“ umgelegt. Das ist wettbewerbswiedrig, unsozial und uungerecht. Im Zuge dieser „Umlage“ habe ich meine Stadtwerke aufgefordert mir deren Kalkulationen offenzulegen um diesen Missbrauch aufzudecken. Dies wurde abgelehnt mit dem Hinweis „Sie können ja den Anbieter wechseln.“

  3. MARKT sagt:

    Die angeführte Kritik ist durchaus verständlich und hat sicherlich teilweise ( für ca. 95%) ihre Berechtigung. Es gibt aber insbesondere kleine und mittlere Vermögensverwalter, die durchaus ihr Geld wert sind.

    Auch wehre ich mich gegen die Aussage:
    2% für die Verwaltung eines Aktienmandats auszugeben, dass vielleicht mal eine Telekomaktie und drei Lindes vom Index abweicht.

    Dies ist insbesondere bei den angesprochenen Mandaten nicht der Fall.
    Was ich aber für noch schlimmer halte ist, es wird der Eindruck vermittelt, das ein Indexfonds die bessere Alternative ist.
    Ein Indexfonds eignet sich insbesonder für den aktiven Investor der seine Depotallokation den herrschenden Marktbedingungen anpaßt und dem die „Malerei“ nicht ganz fremd ist. Der private Durchnittsinvestor ist aber Emotionsgetrieben und braucht Ruhe im Depot. Diese wird er aber mit ETF´s bestimmt nicht bekommen.

    Ausnahmen sind die schmerzfreien (was mehrjährige erhebliche Kursverluste anbetrifft) Langfristinvestoren. Diese können tatsächlich von ETF´S auch zukünftig profitieren. Dies sind aber nur etwa 1% und außerdem müssen Sie auch noch bei einem Anbieter sein, der das Ganze überlebt. Momentan trau ich das nur maximal 2 anbietern zu.

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo zusammen,

    @Markt
    Vielen Dank für Ihren Kommentar! Generell dreht sich die Frage um einen sauberen Ausweis der Kosten einer Dienstleistung. Beratung gegen Honoror erfüllt dies, allerdings gilt dies nicht für die oft empfohlenen Anlageprodukte, wie Investmentfonds.

    Sicherlich gibt es gute Vermögensverwalter. Es gibt auch gute und sehr gute Spezialfonds für institutionelle Anleger, bei denen die Gebühren erstens niedrig sind und diese zweitens auch dem Kunden sauber dokumentiert werden.

    Bei Publikumsfonds(PuFos)gibt es allerdings nur wenige Ausnahmen, bei denen die Qualität des Managers die (teils absurd hohen) Gebühren auch nur annhähernd ausgleicht.

    Auch passive Indexfonds werden zwar als Allheilmittel gepriesen, das dürfte allerdings eher der Werbetour der ETF Anbieter geschuldet sein. Dazu gesellt sich ein Anteilvon etwa 50% dieser Vehikel, die synthetisch aufgesetzt sind, ein unterschätzes Risiko. Die Frage die sich stellt, ist ob ein sauber aufgestelltes, Cash-Flow orientiertes Depot tatsächlich dauerhaft so schlecht ist, dass ein PuFo trotz der Gebühren besser abschneidet. Wir bezweifeln das.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  5. m sagt:

    Hallo zusammen,

    die vor allem von dem Finanzanalytiker der FAZ hochgelobten ETFs sind ganz sicher nicht das Allheilmittel. Fakt ist, dass ein DAX-ETF, der in den letzten elf Jahren von einem Anleger gehalten worden ist, diesem satte Verluste von etwa 25% eingebracht hätte.
    Hinzu kommt, dass den meisten Anlegern nicht bekannt ist, dass die ETFs häufig nicht das enthalten, was der Name des Produktes verspricht.
    Insofern kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen.
    Eine Lösung für den Anleger, der nicht aktiv handelt könnte ein aktiv gemanagter Fonds mit einem vermögensverwaltendem Ansatz sein.
    Klar sollte nämlich auch sein, dass ein Produkt, das aktiv gemanagt wird und nur dann prosperiert, wenn die Kurse steigen vermutlich auch in den nächsten Jahren keine überzeugende Rendite einbringen dürfte.

  6. MARKT sagt:

    @ Bankhaus Rott

    die Frage ist, wer ist in der Lage, sich ein solches Depot zusammen zu stellen, welches, den in den nächsten Jahren anstehenden immensen Herausforderungen gewachsen ist. Sicherlich nicht die Mehrzahl der Fondsanbieter unabhängig von der Kostenquote. Noch viel weniger wird es aber der finanziell eher überschaubar gebildete Durschnittsbürger sein. Denn das ,verhindern neben schlechten Managern auch „gute“ Ratgeber vom Schage eines medial omnipräsenten Herrn Tenhagen, der finanziert von staatlichen Zuschüssen, längst überholte Erkenntnisse gegen Gebühr (Abo)weitergibt.

    Zurück zu unserem sauber aufgestellten Depot. Wer also aus zeitlichen, fachlichen oder emotionalen Gründen nicht in der Lage ist, sich ein solches Depot zu allokieren, gibt dies in die Hände eines Beraters. Auch der muss von etwas Leben, wie wir alle auch. Dadurch entstehen auch für dieses Depot wiederum Kosten, zusätzlich fallen Transaktionskosten an, die wenn auch nicht in der ausgewiesenen Gebühr, so doch in der Performance bei Fonds enthalten sind.

    Die fairste Lösung ist sicherlich z.b. eine geringe Fixvergütung und eine „hohe“ erfolgsabhängige Gebühr. (bei 1%: 0,25/0,75) Wobei diese erfolgsabhängige Gebühr natürlich an der absoluten und nicht an einer konstruierte relativen Performance orientiert sein muss.

    Ich bleibe aber dabei, vielleicht auch nur um mein Dasein (bin in der Branche tätig, welch Überaschung) zu rechtfertigen: es ist kaum ein Privatanleger fachlich und insbesondere emotional in der Lage sich ein Depot zu allokieren, das den derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen auch nur annähernd standhält.

    Nur so nebenbei: Trotz positiver Performance zwischen 01.01.2008 und 31.12.2009 hatte ich mit unzähligen verunsicherten Anlegern zu tun und wenn auch überschaubare Mittelabflüsse zu verzeichnen.

    Dies liegt hauptsächlich daran, das die Mehrzahl in Deutschland davon überzeugt ist: Alles was sich in einem Depot befindet, oder befinden kann, per se unsicher ist. Während alles was auf einem ….buch oder …vertrag (mit Vornamen Spar, Bauspar und Lebensversicherung) immer schon und zukünftig, dauerhaft sicher istund sein wird. Und wenn nicht, wird dafür Miss Europa schon sorgen.

    Dies wird sich in den nächsten Jahren aufgrund einer vorgezeichneten Entwicklung sogar noch verstärken. Denn diese Anlagen werden in nächster Zeit im Gegensatz zu vielen zu Recht kritisierten Publikumsfonds in den kommenden (mindestens 3 Jahren), zumindest ihren nominalen Wert erhalten.
    Dann aber, muss einer den wenigen „Großen“ ja die Anleihen abkaufen, und es wird neben der EZB (indirekt auch der EU, insbeondere der deutsche Bürger), vor allem der deutsche Sparer sein.
    Dabei wird er aber zumindest eines lernen, nämlich woher das Wort Staatsbürger kommt und was es bedeutet.

    • pat sagt:

      Es geht ja nicht darum, ob Gebühren erhoben werden, sondern darum dass sie intransparent sind, nicht ausgewiesen werden und damit nicht verglichen werden können.

      Wenn die „Verbraucher“ die erhobenen Gebühren schwarz auf weiß sehen würden, käme sicherlich der eine oder andere ins Grübeln. Aber das will ja offenbar niemand…

  7. Ja, ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Fonds sollten klipp und klar alle Kosten aufzeigen. Es ist ein Dschungel an Gebühren. Die meisten Kunden blicken doch gar nicht durch, was ihnen am Ende des Tages alles abgenommen wird. Selbst solche Kennziffern wie die Total Expense Ratio, kurz die TER genannt, zeigt nur einen Teil der Gesamtkosten, obwohl das Wort TOTAL vorgaukelt, alle Ausgaben aufzuzeigen.

    Die Gebühren bei Fonds sind wie ein kleines Loch in einem Ozean-Tanker. Stetig dringt Wasser ein. Eines Tages sinkt das Schiff.

    Wenn ich mir zudem anschaue, dass 70 bis 80 Prozent der aktiven Fonds schlechter als der Index abschneiden, stellt sich die Frage: Warum soll ich überhaupt noch einen aktiv gemanagten Fonds kaufen.

    Ich finde Ihren Blog super. Weiter so!
    Beste Grüsse aus den USA
    http://www.timschaefermedia.com

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