Frage der Woche: Spricht man über Gold?

9. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die meisten Menschen sind dankbar, wenn auf einer Party oder bei einem Treffen mit Freunden und Bekannten niemand über Finanzmärkte spricht. Man redet über Sport, Kunst, die Gesellschaft an sich oder auch über die Haustiere, ganz nach Geschmack. Hat sich das in Krisenzeiten, in denen auch der Zentraleuropäer mitten im Schlamassel sitzt und nicht nur gute Ratschläge erteilt, geändert?

Die Geldanlage und das eigene Gehalt sind gerade in Deutschland Themen, um die viele Menschen lieber einen Bogen machen. Verdient man etwa zu wenig oder zuviel? Das wäre wirklich unangenehm. Hat man gar einen Krater in der vom Bankberater zusammengebastelten Altersvorsorge? Na, besser man spricht nicht drüber, es wird schon nicht so schlimm sein. In Zeiten der Euphorie und Panik ändern sich aber neben anderen Gewohnheiten auch die Gesprächsmuster vieler Zeitgenossen. Der eine oder andere wird sich noch an die teils absurden aber stets unterhaltsamen Gespräche vor der Jahrtausendwende erinnern.

Rund ein Jahrzehnt später ist die Euphorie zum wiederholten Male verblasst. Die vielbeschworene Aktienkultur liegt darnieder, und viele Hauptdarsteller von damals fristen ein Leben als Substanzausschütter. Irgendwie muss schließlich das fehlende Geschäftsmodell mit einer hohen Dividendenrendite kaschiert werden.

Im zerfallenden Euroraum kreisen die Gedanken eher um Möglichkeiten, sein Erspartes in Sicherheit zu bringen. Gesteuert vom Mainstream, von Blättchen wie Finanztest bis hin zum GEZ-Universum, wird um das Thema Gold meist ein großer Umweg gemacht. Ab und zu gefiel sich so mancher darin, darauf hinzuweisen, dass Gold keine Zinsen zahle. Spätestens seit sich die Zinsen auf schweizer Staatspapiere am kurzen Ende bei minus 30 Basispunkten häuslich eingerichtet haben, sind diese Kommentare seltener geworden.

Während sich viele Renditejäger in den letzten 12 Jahren oft nur im Irrgarten der Aktienmärkte auf die Pirsch begaben, stieg Gold einsam aber deutlich. Vor allem in Euro kratzt der Preis der Feinunze am Allzeithoch. Nun sind Aktien natürlich keine generell schlechte Assetklasse, es gibt wundervolle Firmen und sehr gute Aktien. Der mediale Fokus auf diese Anlagevehikel ist in seiner Penetranz dennoch erstaunlich. Hier ein Laufband, da ein Laufband und vor dem Guten-Abend-Tee schnell noch ein Blick auf den Late-DAX. Die Masse der Medienberichte beschäftigt sich mit dieser Assetklasse, die in den letzten Jahren in der Breite am schlechtesten abgeschnitten hat.

Trotz des medialen Hypes scheinen viele Menschen, von Tradern einmal abgesehen, vom Finanzmarkt generell die Nase voll zu haben. Wie schlägt sich das Gold im Kreis anderer Anlageklassen? Ein Blick auf die längerfristigen Trends verschiedener Suchanfragen bei Google.

So richtig lässt sich aus den Suchtrends keine Kaufpanik der Goldinteressenten ausmachen. Da viele Menschen sich tagtäglich mit anderen Dingen als der Geldanlage beschäftigen, ist das Ergebnis nicht überraschend. Viele Menschen reagieren lediglich auf Hinweise oder „Hot Stories“. Zu letzeren scheint Gold als Geldanlage allen Kursanstiegen zum Trotz (noch) nicht zu zählen.

Der Vergleich mit dem liebsten (immobilen) Kind der Deutschen fällt eindeutig aus.

So sieht ein Hype aus. Angetrieben vom Zinsniveau und einer diffusen Inflationsangst wird nicht nur bei Google gesucht. Es fließen bei niedrigsten Zinsniveaus massive Summen in eine bekannterweise zinssensitive Anlageform. Während die Medien weiterhin die Mär von den in Deutschland kaum gestiegenen Hauspreisen verbreiten, werden in einigen Metropolen bereits seit längerem absurde Preise verlangt und bezahlt.

Viele Makler kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus, was kein Wunder ist, wenn selbst Altbau-Wohnungen in Vierteln die „im Kommen sind“ für 50 Jahresmieten – vor Kosten versteht sich – über den Tresen gehen. Gut, das Dach müsste mal gemacht werden aber die Heizungsanlage macht sicher noch ein paar Jahre. Mit den Wasserrohren da weiß man nicht so genau, naja, und die grünen und orangenen Kacheln in Küche und Bad, die werden schon wieder modern – irgendwann. Aber bei 3,25% nimmt man halt noch mal hunderttausend Euro mehr auf. Da kann man nur viel Glück, einen sicheren Job und gute Handwerker im Bekanntenkreis wünschen.

Wie aber steht es mit dem Gold. Da im Mainstream neben den fehlenden Zinsen meist nur von „hohen Preisen“ die Rede ist, fragt sich so mancher: Hoch im Verhältnis zu was? Werfen wir daher einen Blick auf das Verhältnis von Dow Jones Industrial Average zum Gold.

Für die Darstellung haben wir eine logarithmische Skalierung der y-Achse gewählt, da in der linearen Darstellung die Verhältnisse arg verzerrt werden.

Das Schöne an der Dow/Gold-Ratio sind die sehr deutlichen Trends. Nun bieten Verhaltensweisen einer solchen Datenreihe in der Vergangenheit keine Gewähr für gleichartige zukünftige Entwicklungen. Die schlechte Verfassung des aktuellen internationalen Währungssystems – nicht nur die Eurozone hat Probleme – hat jedoch für Gold einiges zu bieten. Sollte der relative Trend sich in Richtung alter Tiefs bewegen, würde dies die immer noch herrschende Zurückhaltung beim Thema Gold zumindest in Ansätzen erklären. Es wäre schlichtweg noch ein ziemlich weiter Weg zu gehen.

Wie nehmen Sie die Entwicklung in Ihrem persönlichen Umfeld wahr?

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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7 Kommentare auf "Frage der Woche: Spricht man über Gold?"

  1. […] Rott & Meyer: Frage der Woche: Spricht man über Gold? […]

  2. Wollen sagt:

    Wie viel Menschen in Deutschland interessieren sich wirklich für Wirtschaft und Politik?

    ….

  3. samy sagt:

    Ähhhhhmmm … die Menschen in meinem Umfeld? Die habe ich so zugesülzt in den letzten Jahren 🙂

    Bezweifel, dass wir hier repräsentativ sind …

  4. dnale sagt:

    Das Thema Gold als Anlage ist meiner Meinung noch kein Thema bei Gesprächen bzgl. Geldanlage. Das Thema Geldanlage / Finanzen wird im Übrigen gerne verdrängt – mir ist unklar wieso. Die Einen haben kein Geld, die Anderen verlassen sich auf Berater, die Bank etc.
    Das Thema Geld / Finanzen gehört für mich in die Schulklassen, die fehlende Bildung bzw. Interesse für dieses Thema ist schlimm. Über das nächste Auto oder die Reise wird sich der Kopf zerbrochen über Monate. Geldanlage / Versicherungen werden in einem 20 min Gespräch mit einem Berater abgefackelt – meist hängen die Menschen dann über Jahre drin in dem Gebilde.

    Zurück zum Thema – wir sind noch sehr weit von einer „Blase“ in dem Bereich entfernt.

  5. Jochen sagt:

    Ja, man spricht über Gold,aber nur sehr selten.

    Eine Kollegin neulich zum Goldpreis:

    Das Preisniveau ist indiskutabel. (Kauft jetzt aber eine Immobilie)

    Ein anderer: Gold ist hochspekulativ.

    Andere haben auf dem Speicher ein paar Krümel Altgold gefunden und sofort verkauft, weil ‚der Preis ja so hoch ist‘.

    Im Vergleich zur dot.com Blase sind wir noch Lichtjahre von einer Übertreibung entfernt.

  6. tizian sagt:

    Das Interesse ist „unverändert bescheiden“.
    Allerdings habe ich (seit dem ich mit dem Anlagen-Umschichten im EM fertig bin) das „Missionieren“ im Bekanntenkreis weitestgehend eingestellt.
    Wer Gold/Silber hat, kann schweigen.
    Meine Argumente verpuffen, obwohl man offen zugibt, das die mediale Euro-Rettungs-Propaganda zumindest das Adjektiv -unglaubwürdig- verdient.
    Meine Lebensgefährtin ist bei einer freundlichen/fairen Bank angestellt, sie weiss das ich Minenaktien im Depot habe, und sie weiss auch warum, sie weiss, dass die sogar ausschütten : und zwar -vierteljährlich!- aber das interessiert alles nicht…

    „Ihre Bank“ schüttet per 2011 eine Dividende von nominal 4% pro Geschäftsanteil aus. Und alles ist schick (chic).
    Gleichzeitig bewirbt diese Bank ihre Genossenschaftsmitglieder (u. A. auch mich) über Wiederanlage der Dividende eine Teilzahlung für weitere Geschäftsanteile zu leisten. (Eigenkapitalerhöhung…
    Nachtigall ick hör dir trappsen!

    Na, gut das die nicht wissen, dass ich meine eigene Zentralbank bin (-;

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