Frage der Woche: Bankrun – Schon was gemacht?

18. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die Bank-Run-Freunde aller Länder konnten sich vor einigen Jahren an der „Stop Banque“-Aktion beteiligen. Das Ziel war der rasche Abzug von Einlagen aus dem Bankensystem, um so die Finanzierungsstruktur der Institute zum Kollaps zu bringen. Das ganze Getöse führte seinerzeit jedoch nur zu einem Rauschen im System. Ganz ohne Anführer und vermeintliche Visionäre machen sich die Bürger der Eurozone nun seit einigen Monaten eigenständig auf den Weg zum Bankschalter.

Die Einlagen der Banken fließen vielerorts in Strömen ab. Betroffen von dieser Entwicklung sind nicht nur die Institute der Peripherie. Auch in Teilen des so genannten Kerns der Eurozone, namentlich in Frankreich, scheint sich zumindest eine gewisse Unruhe unter den Sparern breitzumachen. Bei einigen kleineren französischen Banken soll es angeblich schon nötig sein, die Abhebung von ein paar tausend Euro einige Tage vorher anzukündigen. Woran auch immer das liegen mag, beruhigend ist das für die Kunden sicher nicht und vom Abheben abhalten lassen sich so vermutlich nur die fauleren Zeitgenossen.

Der Blick auf die mittlerweile auch im Mainstream angelangten Target2-Salden im Eurosystem verheißt ebenfalls weiterhin nichts Gutes. Der unten stehende Chart zeigt die Salden in den Bilanzen der nationalen Notenbanken zu den Jahresenden 2011, 2007 und 2010. Aktuell steht der Saldo bei der Bundesbank bekanntermaßen deutlich höher, per Ende Mai weist die Zentralbank einen Betrag von 698.567.101.301 Euro aus. Es wäre schön, wenn man anstatt tagelang über das Abstimmungsverhalten bei gescheiterten Parlamentsdebatten zu berichten, auch in den Staatsmedien einmal einige Stunden über derartige Daten berichtet, bevor man Vehikel wie den ESM abnickt. Aber vermutlich ist die bloße Nennung ökonomische Probleme heutzutage schon staatsmachtzersetzend und wird mit Aberkennung der ARD-Pension oder der Zwangsmoderation von „Wetten dass?“ bestraft.

Nimmt man die Kapitalströme als Indikator, so besteht der Kern der Eurozone nur noch aus Finnland, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden. Ganz dumm scheint das Kapital nicht zu sein, denn Frankreich eindeutig der Peripherie zuzuordnen ist unabhängig vom jeweiligen Bewohner des Élysée-Palastes sinnvoll. Setzt Monsieur Hollande seine wirren Fantasien nun noch in die Praxis um, wird es nicht lange dauern, bis Frankreich in einer mit Italien vergleichbaren Lage ist. Das liegt dann übrigens, um es vorwegzunehmen, nicht an Spekulante sondern an Menschen, die ihr Hirn einschalten, bevor sie Geld verleihen. Aber heutzutage ist ja schon jemand, der eine Anleihe nicht kauft, ein Spekulant. Wie wäre es mit einer Steuer auf nicht getätigte Geschäfte? „Was, Sie haben heute keine französischen Staatspapiere gekauft? Das macht dann 2% Solidaritätsobulus auf die nicht investierte Summe.“

Auch andere Steinchen fügen sich weiterhin nahtlos in das große Krisenmosaik ein. So wachsen die aggregierten Euro-Verbindlichkeiten des Eurosystems gegenüber Ausländern bzw. ausländischen Institutionen munter an. In den letzten Jahren zeigte sich vor allem eine Dollar-Knappheit, die sich aus dem desolaten Anlageverhalten vieler europäischer Banken ergab. Langfristige Dollaranlagen wurden massiv gekauft, bei der Finanzierung war man gewohnt kurzfristig unterwegs. Das darf man vertrauensselig, dumm oder naiv nennen, ganz wie man mag. Schon in der eigenen Währung ist das beliebte Spiel kurz finanzieren und lang anlegen gefährlich. Bei Fremdwährungsanlagen kommt noch ein großes Risiko hinzu.

Der Dollarmangel der Banken führte nach dem Wegbrechen der Nachfrage von US-Geldmarktfonds zu massiv angestiegenen Dollar-Refinanzierungskosten der europäischen Banken, auch für manch deutsches Institut stiegen die Übernachtsätze zu Spitzenzeiten in den zweistelligen Bereich. Im Grunde wären ohne die Eingriffe der Fed (Währungsswap) die Lampen bei vielen Banken schon damals ausgegangen, denn ein Verkauf der Dollar-Assets hätte bei den meisten Banken die Eigenkapitalausstattung verwüstet.

So aber bediente man sich bei den Zentralbanken, die Verbindlichkeiten gegenüber diesen Instituten wuchs. Aktuell ist auch das Währungsspiel der Schweizer Nationalbank ein Thema. Das Geld fließt zum gefixten Kurs von 1,20 aus dem Euro ab und in den Franken hinein. Die kurzlaufenden Staatspapiere der Schweiz notierten unlängst bei minus 35 Basispunkten, selbst fünfjährige Papiere rentierten leicht negativ. So wandern die Franken auf die Konten der Finanzflüchtlinge und die Euros in die Keller und Konten der SNB wo sie der Verwendung harren.

So richtig hat sich die Lage seit dem ersten Swap mit der Fed nicht mehr entspannt. Die europäischen Banken haben zwar zum Teil ihre Dollar-Anlagen reduziert oder die Finanzierung fristenkongruent aufgesetzt, den großen Turm an laufenden Refinanzierungen hat dies jedoch nur geringfügig abgeschmolzen. Dabei ist der Haken an Fremdwährungskrediten jedem bekannt. Dollars kann die EZB nicht drucken, das gilt für Staatsschulden aber auch für in Dollar denominierte Bankverbindlichkeiten. Die US-Banken haben sich übrigens nie großartig auf dem Euromarkt engagiert.

Aber machen Sie sich einfach keine Sorgen, Sie kommen schon an Ihr Geld. Informieren Sie Ihre Bank einfach demnächst ein paar Wochen vor der Barabhebung und füllen Sie schon einmal das Formular „VerwZw“ aus, indem sie eintragen, was genau Sie denn mit Ihrem eigenen Geld so machen wollen. Sollten Sie nicht bei europäischen Unternehmen kaufen wollen, begründen Sie dieses unsolidarische Verhalten bitte ausführlich. Die entsprechenden Quittungen reichen Sie dann bitte nach. Und wenn es mal wegen „technischer Probleme“ hakt, oder das „System“ einmal nicht so funktioniert, wie es soll, dann fragen Sie sich einfach, welches System damit wohl gemeint sein mag.

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.



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10 Kommentare auf "Frage der Woche: Bankrun – Schon was gemacht?"

  1. holyowly sagt:

    „Bei einigen kleineren französischen Banken soll es angeblich schon nötig sein, die Abhebung von ein paar tausend Euro einige Tage vorher anzukündigen.“

    Das ist auch bei den meisten deutschen Banken so und zwar schon sein Jahren. Das hat auch nichts mit einer Finanzkrise zu tun, sondern lediglich mit Versicherungen.

    Die Banken müssen sich das Geld, dass sie den Kunden auszahlen ja irgendwoher beschaffen und lagern. Sie drucken es ja nicht selber. Je mehr Bargeldbestände in den Tresoren liegen, desto teurer ist es diese zu versichern. Gerade kleine Geschäftsstellen haben keine Tresorräume; oftmals gibt es nur noch Kassentresore ähnlich den Geldautomaten. .

    In diesen befinden sich Kassetten mit Geld. Wenn jetzt viele Leute auf die Idee kommen massiv Geld abzuheben, dann ist die Kassette eben leer. Das hat nichts mit der Bonität einer Bank zu tun sondern ist eine rein mechanische Angelegenheit. Da Geld nicht nachwächst muss es irgendwie nachgefüllt werden. Das geht nur durch manuelle Bestückung und da die Lieferwege der Werttransporte oft lang sind, dauert es einfach manchmal.

    Ebenfalls ein Grund für niedrige Bargeldbestände sind Raubüberfälle. Gerade kleiner Geschäftsstellen waren diesen früher oft schutzlos ausgesetzt. Seit diese Geschäftsstellen selbst nur bedingt oder zeitverzögert an ‚Bargeld‘ kommen, sind die Raubüberfälle spürbar zurückgegangen.

    Das Bargeld in kleinen Geschäftsstellen wird auch oft um Weihnachten knapp, einfach weil viele Leute eine große Menge Bares verschenken wollen. Das ist nicht so aussergewöhnlich. Auch in Einkaufszentren passiert so etwas öfter. Am Wochenende ist eben keiner da, der nachfüllt.

    Man kann ja die Finanzkrise für vieles verantwortlich machen, aber für die ‚Pflicht‘ zu Ankündigung einer größeren Abhebung sicher nicht. Im Übrigen: Es dürfte Europaweit noch immer nicht so viele Geldscheine geben, dass jeder sein komplettes Vermögen in Bar abheben könnte.

    • Bankhaus Rott sagt:

      @holyowly

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      „Man kann ja die Finanzkrise für vieles verantwortlich machen, aber für die ‘Pflicht’ zu Ankündigung einer größeren Abhebung sicher nicht.“

      Richtig, es ging daher auch um kleinere Abhebungen. Wenn man nicht gerade in einem abgelegenen Bergdorf wohnt, sollte ein Abhebung von 2000 Euro nicht für einen Versorgungsengpass sorgen. Zudem wurden die Regelungen bei einigen Banken gerade erst geändert, es handelt sich daher wohl nicht um ein seit Dekaden bekanntes Problem.

      Ansonsten sind die technischen Gründe bei größeren Summen natürlich klar und nichts neues, da haben sie Recht.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  2. holyowly sagt:

    Hallo nochmal,

    da ich in meinem früheren Leben schon Millionnen Bares durch meine Hände hab gleiten sehen (leider is nix hängen geblieben 😉 *g*), kann ich eigentlich nur sagen, dass es jedenfalls bisher, eine rein technische Angelegenheit ist.

    Die Grenzen, was jetzt als größere oder kleinere Abhebung zu betrachten ist, sind fliessend und von Institut zu Institut wie auch von Mensch zu Mensch verschieden.

    Ich weiss, dass Geld z.B. extra aus den Geschäftsstellen abgeholt werden muss wenn der versicherte Betrag überschritten werden könnten. Das war schon vor Jahren jedes mal ein elendes Theater und ich denke nicht, dass es heute leichter oder besser geworden ist. Ich vermute eher das die Grenzen noch enger und die Regeln noch strenger sind als vor einigen Jahren. Deshalb glaube ich, dass alleine der Faktor eine Abhebung anmelden zu müssen, kein Indiz für eine Verknappung ist.

  3. gilga sagt:

    Für mich stellt sich zudem auch noch die Frage, was genau einen Vermögensabzug aus dem „Eurozonen-Banksystem“ bedeutet:

    – Umschichtung in z.B. Gold oder Fremdwährung => wobei hier zwischen Lagerung im Banktresor oder anderswo bzw. mit „Emitentenrisiko“ (auch eine Notenbank wäre so ein Emitent, oder nicht?) zu unterscheiden ist

    – Bargeld unterm Kopfkissen => man ist noch immer von der EZB (betrachten wir die hier auch als eine Bank?) bzw. der Gültigkeit dieser Banknoten abhängig; steckt aber nicht im System der (Privat)banken

    – Wie siehts mit Umschichtungen in die Versicherungswirtschaft aus? Zählen die auch zum Europäischen-Bankensystem (irgendwie ja schon; das eine lebt nicht ohne das Andere)?

    Festzustellen ist das momentan gehörig Druck auf den Kessel kommt und eine Panik inzwischen weitaus wahrscheinlicher erscheint als noch vor wenigen Monaten.

    Übrigens auch noch eine Frage die Target2 Salden und sonstige Verbindlichkeiten betreffend die ich mir bisher nicht befriedigend selbst beantworten konnte: Angenommen man kehrt in Europa zu nationalen Währungen (oder wegen mir auch eine Art Kerneuro) zurück sind diese Salden doch (zumindest was die zukünftige Teurungsrate für den kleinen Mann auf der Straße betrifft) wurscht, da man die Bilanz mit Geldschöpfung aus dem Nichts ausgleichen kann, oder nicht? Realwirtschaftlich hat das keine unmittelbaren Konsequenzen, da die Gelder ohnehin schon verkonsumiert bzw. von Defizitland A (z.B. ein reales Asset auf Kredit finanziert) nach Defizitland B (meist wohl Firmen in Dtl. oder eben Verlagerung von Geschäfts- oder Privatkonten) geflossen sind. Die Empfänger werden dadurch nicht plötzlich liquider (im Gegenteil; man kann wohl mit einer ganzen Reihe von „Ländern“ rechnen die dann eh keinen Kredit bekommen), am Status quo ändert sich also nicht viel. Im Gegenteil: Durch diesen anhaltenden Transfer haben sich einige wenige Länder (u.A. Deutschland) eine Industrie (Strukturen, Know how etc.) erhalten können, die es sonst in der Form wohl auch nicht mehr geben würde und dann als hartes Asset angesehen werden kann.

    Diese Politik einer Notenbank (Buba oder „KernEZB“) würde zwar nicht wahnsinnig viel Vertrauen schaffen was die Geldwertstabilität betrifft, aber das tun die Aktionen der FED im Vergleich auch nicht… Und es wäre eben „nur“ eine Vertrauensfrage und kein Geld was nicht ohnehin schon im System ist.

    Wahlweise könnte man auch nur die Konten „umwerten“ die im Besitz von Privatpersonen mit entspr. Nationalität oder schon immer bzw. >10 Jahre im jeweiligen Land ansässige (wo wird Steuer gezahlt bzw. viele Arbeitsplätze geschaffen) Firmen ummünzen, falls so viel unkalkulierbare Liquidität (die entspr. Einlagen werden wenn dann wahrscheinlich eh nur nach und nach verkonsumiert) unerwünscht ist. Es wurden schon so viele Gesetze gebrochen, da wird das für die Damen und Herren auch kein Problem sein.

    Bis auf den sozialen Absturz von Millionen und den weiteren Konsequenzen die wir da alle kennen… wo ist in dem Szenario ein unmittelbares Problem für die „Stabilität“ dieser neuen Währungen? Wo das unmittelbare Potential für massive Inflation? Ich sehe in dem Szenario eher eine starke Deflation anrollen, da ja viele Konsumenten ausfallen. Die würde dann wohl irgendwann mit Inflation beantwortet werden… aber auch das wird schwer, wenn das Geld nicht unter die Leute kommt.

    • gilga sagt:

      Ergänzend noch ein Link zu einem aktuellen Artikel, den ich bei weiterer Recherche gefunden habe:
      http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2012/06/14/dont-worry-about-target2/

      Das fasst es aus meiner Sicht gut zusammen. Problematisch ist aus meiner Sicht nur der Aufbau der Target2 Verbindlichkeiten an sich, insofern dafür auf der Gegenseite reale Werte geschaffen werden.

      Ein Reset würde nur den dann aktuellen Status quo wiederspiegeln und keine weitere Verschlimmerung der Lage an dieser Front bedeuten. Sicher ist die Sache noch etwas komplexer aber die echten Probleme lauern in einem solchen Fall wohl an anderer Stelle.

    • Avantgarde sagt:

      „Für mich stellt sich zudem auch noch die Frage, was genau einen Vermögensabzug aus dem “Eurozonen-Banksystem” bedeutet:

      – Umschichtung in z.B. Gold oder Fremdwährung => wobei hier zwischen Lagerung im Banktresor oder anderswo bzw. mit “Emitentenrisiko” (auch eine Notenbank wäre so ein Emitent, oder nicht?) zu unterscheiden ist

      – Bargeld unterm Kopfkissen => man ist noch immer von der EZB (betrachten wir die hier auch als eine Bank?) bzw. der Gültigkeit dieser Banknoten abhängig; steckt aber nicht im System der (Privat)banken“

      Beim Kauf von Gold oder Fremdwährung bedeutet das, daß das dem EU-Banksystem nicht weh tut.
      Du stellst deine Liquidität anderen bereit um Gold oder Fremdwährungen zu kaufen.
      Ob du Gold, ein Auto oder sonst was kaufst ist dem Bankensystem egal.
      Nur Euro-Bargeld schafft tatsächlich ein Problem wegen der Liquiditätsverknappung.

      Gold kannst Du halt in jede andere Währung tauschen und besitzt wie viele Zentralbanken einen Währungspuffer.
      Sicherer als Euro sind physische US-Dollars oder vielleicht Franken – da dürfte das Emittentenrisiko recht gering sein.

      „- Wie siehts mit Umschichtungen in die Versicherungswirtschaft aus? Zählen die auch zum Europäischen-Bankensystem (irgendwie ja schon; das eine lebt nicht ohne das Andere)?“

      Klar hängen die am Bankensystem – kommt auch auf die Gesellschaft an – einige sind recht gut.
      Immerhin können die global streuen.

      „Festzustellen ist das momentan gehörig Druck auf den Kessel kommt und eine Panik inzwischen weitaus wahrscheinlicher erscheint als noch vor wenigen Monaten.“

      Schwer zu sagen – in GR haben sie es ja auch zurecht gebogen.
      Die Medien verwenden konsequent „RADIKALE“ Linke.
      Die beiden etablierten Parteien, die mitgeholfen haben das Land über viele Jahre in den Ruin zu treiben werden dagegen brav als konservativ oder sozialdemokratisch benannt. 🙂

      „Übrigens auch noch eine Frage die Target2 Salden und sonstige Verbindlichkeiten betreffend die ich mir bisher nicht befriedigend selbst beantworten konnte: Angenommen man kehrt in Europa zu nationalen Währungen (oder wegen mir auch eine Art Kerneuro) zurück sind diese Salden doch (zumindest was die zukünftige Teurungsrate für den kleinen Mann auf der Straße betrifft) wurscht, da man die Bilanz mit Geldschöpfung aus dem Nichts ausgleichen kann, oder nicht? “

      Oh – nein!
      Die Target-Salden sind ja nur das Verrechnungskonto der ZBs.
      Betroffen sind letztlich die beteiligten Unternehmen und Banken.
      Allenfalls den Banken würde geholfen – aber auch das nur gegen neuen Kredit, den der Michel dann abtragen darf. Und auch nur soweit, daß die Banken mal gerade nicht zusammenbrechen.

      Verlässt ein Land wie GR den Euro könnte die ZB kene Fremdwährungsschulden mehr bezahlen – nur noch in lokaler Währung – ganz legal.
      Und von den Unternehmen dort ist auch kaum zu erwarten, daß sie ihre Schulden in harter Währung zurückzahlen können.

      Ein plötzlich harter Euro/DM wäre für unsere so exportgepäppelte Wirtschaft ein ganz schöner Schock.
      Und Arbeisplätze würden bei uns dann wohl eher abgebaut.

      „Die würde dann wohl irgendwann mit Inflation beantwortet werden… aber auch das wird schwer, wenn das Geld nicht unter die Leute kommt.“

      Merkst du was?
      Deflation ist bei diesen gigantischen Ausfallrisiken das systemische Risiko – die Version Hyperinflation ist nur ein Szenario.

      Ich will letzteres ab einem bestimmten Zeitpunkt zwar nicht ausschließen – aber es muß schon einiges zusammenkommen bzw. könnte ich mir es dann vorstellen wenn die Leute bereits alles im deflationären Prozess verloren haben – wer weiss.

  4. […] viaFrage der Woche: Bankrun – Schon was gemacht? | Rott & Meyer. Share| Juni 18, 2012 at 6:05 pm by admin Category: Allgemein, GAME OVER, Widerstand […]

  5. mfabian sagt:

    Kann mit das bitte jemand mit der Dollarknappheit erklären?
    Dollars wurden doch von der Fed seit 2000 in Massen gedruckt. Warum sind also Dollars knapp und z.B. Gold nicht?
    Haben so viele europäische Banken Kredite in Dollar aufgenommen?

  6. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo mfabian,

    europäische Banken halten große Positionen in Dollar-Anlagen. Viele davon wurden nicht über die gesamte Laufzeit refinanziert sondern rollierend mit kurzlaufenden Dollarpapieren. Diese wurden bis zum Beginn der Finanzkrise vor allem von US-Geldmarktfonds gekauft. Das Interesse der US-Investoren an kurzlaufenden Dollaremissionen europöischer Banken ist dann aber (aus nachvollziehbaren Gründen) zum großen Teil weggebrochen. Jetzt müssen die Banken anderweitig Dollars leihen. Da dies für viele Banken am Markt nicht im nötigen Volumen oder zu einem machbaren Satz durchführbar war, griffen die Zentralbanken ein.

    Zu den Summen. Laut BIS und NY Fed hatten die Banken in UK, der Schweiz und der Eurozone Ende 2008 die stolze Summe von $8.000 Milliarden an Dollaranlagen auf der Bilanz, davon mehr als $1.000 Mrd. mit kurzfristiger Refinanzierung. Viele Institute haben nur wenige dieser Assets abgebaut, da sie keine Verluste realisieren wollten. Wegen der gestiegenen Finanzierungskosten hätte ein Wechsel zur langfristigen Refinanzierung für weite Teile der Bestände eine deutlich negative Zinsmarge bedeutet, daher werden bis heute viele Positionen kurz refinanziert, somit werden aus dem eruopäischen Bankensystem regelmäßig große Summen an Dollarkrediten nachgefragt.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • mfabian sagt:

      Danke für die Aufklärung.
      Jetzt hab‘ ich auch kapiert, wo bei mir der „Knoten“ war. Dass EU-Banken Dollar-Anlagen besitzen, war mir soweit bewusst.

      Meine Überlegung: Wenn diese Dollar-Anlagen aus IBM-Aktien oder bezahlten Immobilien bestehen, wozu braucht man dann Dollars?

      Aber wenn diese Anlagen mit Krediten kurzer Laufzeit finanziert und nicht voll bezahlt sind, (das war mir eben nicht klar), macht das alles auf einmal sehr viel Sinn.

      Danke
      Marcus Fabian

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