Frage der Woche: Risiko Grundbesitz?

26. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die vergangene Woche werden große Immobilienbesitzer in London vermutlich nicht so schnell vergessen. Die Ankündigung eines neuen Steuersatzes für große Transaktionen, die über Gesellschaften abgewickelt werden, war für viele bisher undenkbar. Fünfzehn Prozent Tribut an den Feudalherrn zu entrichten ist allerdings in der Tat eine echte Hausnummer…

Die Meldung der Erhöhung der Stamp Tax für Verkäufe von Gesellschaften mit einem Volumen von mehr als 2 Millionen Pfund auf einen Satz von nunmehr 15% soll unter Händlern und Fonds und anderen Besitzern nicht sonderlich gut angekommen sein. Nicht nur für diejenigen, die große Immobilien verkaufen wollen, kann so etwas problematisch werden. Eine Erhöhung der Transaktionskosten in diesen Bereich hinein wird sich zum einen negativ auf die schon jetzt dünne Liquidiät auswirken. Zum anderen droht genereller Preisdruck, was aber in London auf lange Sicht nicht sonderlich überraschend wäre. Die erste Reaktion privater Besitzer kleinerer Anwesen ist aber in der Regel ein „ist doch super, wenn die oben mal was wegnehmen“.

Bei den Hauspreisen in UK ist noch reichlich Luft nach unten, die Schrumpfung von Branchen, in denen man lange Jahre gut verdient hat, wird nicht spurlos am sonst wirtschaftlich schwächelnden Inselstaat vorbeigehen.

Das mag menschlich nachvollziehbar sein, jedoch ist es naiv anzunehmen, dass das einmal hervorgeholte Melkgeschirr bei den Transaktionen halt macht und kleinere Grundbesitzer geschont werden. Die von Finanzminister Osborne kürzlich verkündeten Maßnahmen gleichen einem Rundumschlag, auch die privaten Käufer von Wohneinheiten werden explizit genannt, vermutlich um schon einmal mit dem Zahlungsmoralzaunpfahl zu winken. Wir haben es Euch doch gesagt, also jammert nicht herum, liebe Bürger.

Chancellor of the Exchequer George Osborne attacked tax avoidance on property transactions today in his budget statement. Osborne raised a tax known as stamp duty on residential real estate purchases of 2 million pounds or more to 7 percent from 5 percent, starting tomorrow.

(…) “If you buy a property in Britain that is used for residential purposes, then we will expect stamp duty to be paid.”

The government will also levy a 15 percent tax on residential real estate valued at more than 2 million pounds bought using companies set up to avoid taxes.

Einer der Haken an einem Immobilieninvestment ist nun einmal die Immobilität. Schon jetzt ist der Erwerb von Wohnimmobilien mit horrenden Nebenkosten verbunden, nicht nur der Notar und der Makler lassen schön grüßen. Von einer Transaktionssteuer sind — je nach Marktumfeld — der Verkäufer, der Käufer oder beide betroffen. Wird man seine Immobilie nicht los, so verlangt der Käufer über einen niedrigeren Preis seine Kosten zurück. So bekommt schließlich jeder im Zeitverlauf sein Fett weg.

Interessanterweise ging Herr Osborne vor rund einem Jahr noch in die andere Richtung:

(Bloomberg 4.2011) Chancellor of the Exchequer George Osborne last month announced plans to lower the stamp duty tax on for buyers of multiple residential properties by basing the rate on the average price of the properties rather than the total value of the purchase. The government’s aim is to remove a barrier to large-scale investment, a Treasury spokesman said.

Eine Transaktionssteuer mag trotz der absurden Höhe für viele Wohnungsbesitzer, die nicht planen, ihre Behausung zu veräußern, abstrakt wirken. Es gibt noch viele andere Regler, an denen der Gesetzgeber drehen kann, um die Kosten für Wohneigentum auch ohne einen Verkauf in die Höhe zu treiben. Die Grundsteuer ist einer dieser Regler. Dass eine Steuer auf Besitz nichts anderes ist als eine Enteignung auf Raten, wird gerne ausgeblendet. Aber Enteignung findet ja gern den Zuspruch derjenigen, die noch nicht betroffen sind, weil sie denken, sie kämen nicht auch noch an die Reihe.

(Immobilien Wissen) Die Grundsteuer umfasst die Höhe einer vom zuständigen Finanzamt auferlegten Besteuerung für eine Immobilie. Die Entrichtung erfolgt über die Stadtkasse der jeweiligen Gemeinde, in der sich der Grundbesitz befindet. Die Höhe der auferlegten Grundsteuer, beziehungsweise der Grundbesitzsteuer richtet sich nach der Höhe des vom Finanzamt festgesetzten Einheitswertes für die jeweilige Immobilie (siehe Definitionspunkt Einheitswert in diesem Glossar). Eigentumswohnungen werden beispielsweise im Grundsteuerrecht grundsätzlich als Einfamilienhäuser besteuert. Die Bezahlung erfolgt alle drei Monate zumeist per Lastschrift.

Wie schön, per Lastschrift. Der Gesetzgeber ist eines der großen finanziellen Risiken bei der Anlage in Immobilien. „Anlage“ beinhaltet in diesem Falle natürlich auch Wohneigentum, denn finanziell betrachtet ist der Kauf nur eine Alternative zum Mieten und einer entsprechenden anderweitigen Anlage des Geldes respektive der Vermeidung hoher privater Verschuldung. Andere Risiken umfassen bei einem Kauf auf Kredit den Verlust des Einkommens und somit Zahlungsprobleme. Bei jedem Kauf drohen die allfälligen Schäden am Gebäude, vom Baumangel über Schimmel bis hin zu den normalen turnusmäßigen Reparaturen, wie sie beim Dach oder der Heizungsanlage alle paar Jahrzehnte mal anfallen.
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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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