Frage der Woche: Pyramiden und Pilze

7. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Schon sprichwörtlich ist der demographische Wandel in vielen westlichen Nationen. Die Altersstruktur ähnelt mittlerweile mehr einem Pilz als einer Pyramide. Eine deutliche Verschiebung der Anteile der Altersklassen hat natürlich auch Folgen für die Finanzen…

Kreist eine Diskussion um das traditionell emotionsgeladene Thema Immobilienbesitz, dann kommt früher oder später der demographische Wandel auf den Tisch. Ein wichtiger Punkt, vor allem in Ländern in denen das Angebot an Wohneinheiten nicht allerortens besonders knapp ist. Eine dauerhafte Verschiebung der Altersstruktur einer Bevölkerung wird sich deutlich auf die Preise der Häuser auswirken. Das funktioniert natürlich in beide Richtungen.

Auch für so genannte Alterssicherungssysteme ist ein deutlicher Bruch problematisch. Das gilt zum einen – leicht nachvollziehbar – für Umlagesysteme. Problematisch kann es jedoch auch für „gedeckte“ Verfahren werden, vor allem in Zeiten bestenfalls stagnierender Realeinkommen. Wenn 20 Millionen Menschen ihr Vermögen langsam abbauen und nur 10 Millionen ein vergleichbares aufbauen darf man durchaus von einer Angebots-Nachfrage-Asymmetrie sprechen. Dazu gibt es eine kurze Studie aus dem Hause der Fed San Francisco mit dem Titel „Boomer Retirement: Headwinds for U.S. Equity Markets?“ von Zheng Liu and Mark M. Spiegel. Das Papier befasst sich mit dem Eintritt der US-amerikanischen Baby-Boomer-Generation ins Rentenalter und den damit verbundenen Auswirkungen auf den US-Aktienmarkt in den kommenden Jahrzehnten.

(Mark M. Spiegel/Zheng Lui) Historical data indicate a strong relationship between the age distribution of the U.S. population and stock market performance. A key demographic trend is the aging of the baby boom generation. As they reach retirement age, they are likely to shift from buying stocks to selling their equity holdings to finance retirement. Statistical models suggest that this shift could be a factor holding down equity valuations over the next two decades.

Wie auch immer die Märkte, die Rentensysteme und die Immobilienpreise sich ändern mögen, die langfristigen Alterstrends in Deutschland sind unverkennbar. Die folgende Grafik enthält die Daten der Gruppen der unter 40-jährigen und der 40 bis 80-jährigen. Die Gruppe, der über 80-jährigen ist nicht in den Datenreihen enthalten.

Die Entwicklung ist deutlich. Offensichtlich wurde die stetig zunehmende Lebenserwartung der Menschen nicht zum Anlass genommen, für Nachwuchs zu sorgen. Der Saldo aus Geburten und Sterbefällen deutet darauf hin, dass sich daran bisher nichts geändert hat. „Über allen Gipfeln ist Ruh …“ Sie wissen schon, Johann Wolfgang lässt grüßen.

Aber nichts ist für die Ewigkeit, das gilt auch für das Liebesleben der Menschen und die deutsche Bevölkerungsentwicklung. Zumindest könnte man das annehmen, denn kürzlich gab es gute Nachrichten von einem ehemals hoffnungslosen Fall. So wurden aus Russland interessante Daten gemeldet. Die in den vergangenen Jahren kontinuierlich schrumpfende Bevölkerungszahl hat sich berappelt und zumindest temporär die Kurve gekriegt. Das ist nicht nur schön für Babuschka sondern auch ökonomisch von Bedeutung. Es ist aus nachvollziehbaren Gründen nicht immer einfach, Investoren den Sinn von Investitionen in Ländern mit hartnäckig sinkender Einwohnerzahl schmackhaft zu machen, schon gar nicht dann, wenn es Alternativen gibt.

Neben der verlängerten Lebenserwartung wurde explizit auch das Wachstum der Geburtenrate als Grund für die Wende angeführt. Die Entwicklung ist weitaus besser, als dies auch die optimistischsten Prognosen weissagten. Ein negativer Ausblick aus dem Jahre 2004 etwa ging für dieses Jahr von rund 5 Millionen Menschen weniger aus. Das sind immerhin mehr als 3,5% der Bevölkerung. Ökonomisch ist das, wie man so schön sagt, eine echte Hausnummer.

Und was machen die Deutschen in den nächsten 20 Jahren?

Was denken Sie?

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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19 Kommentare auf "Frage der Woche: Pyramiden und Pilze"

  1. wolfswurt sagt:

    Für die zukünftige Bevölkerungentwicklung sind zwei Faktoren bestimmend:

    1. die Anzahl der gebärfähigen Frauen
    2 die Raummangelsituation

    Da die Anzahl gebärfähiger Frauen rückläufig ist, müßten sich, um eine Zunahme der Bevölkerung zu erreichen, Mehrfachgeburten vom Faktor 4-5 einstellen.
    Dies wird nicht passieren, da sich die Raummangelsituation in den nächsten 50 Jahren nicht wesentlich verbessern wird.

  2. wkn sagt:

    Wie sich das Bevölkerungswachstum in Deutschland entwickeln wird ist auch abhängig davon, wie viele Kindergartenplätze zur Verfügung stehen.

    So lange Kindergartenplätze so rar sind wie jetzt, werden die Geburtenzahlen wohl weiter rückläufig sein. Ist offensichtlich auch gewollt so, wäre ja ein Leichtes, daran was zu ändern.

  3. Dreamer sagt:

    Das hat vielfältige Ursachen

    1. Spätfolgen der Emanzipation (viele „Mannfrauen“)
    2. Folgen des Gender-Mainstreaming (viele „Fraumänner“)
    3. Platzmangel (kleine Stadtwohnungen mit oft nur 2 oder 3 Räumen)
    4. Konsumsucht und Karrieregeilheit (kein Platz für Kinder)
    5. Häufig auch Geldmangel (viele wollen ihren Kindern „was bieten“)
    6. Trend zur Singlegesellschaft (viele Single-Haushalte)
    7. Gefühlt hohe Anzahl an Schwulen, Lesben und Transen (gibts da Statistiken?)
    8. Viele Deutsche sind gestresst, deprimiert, unzufrieden oder psychisch krank

  4. Avantgarde sagt:

    „Wie auch immer die Märkte, die Rentensysteme…“

    Liebes Bankhaus Rott!

    Jetzt lassen Sie sich doch nicht für den Werbefeldzug der Versicherungswirtschaft einspannen!

    Die Anzahl der Kinder ist zwar wichtig – aber alleine das bringt gar nix.
    Im Kongo, Uganda, Zimbabwe sind die Geburtenraten auch höher als in D…- und ??

    Der zweite sehr gewichtige Faktor heisst Produktivitätsfortschritt!
    Und solange der gewährleistet ist wird unser Rentensystem auch funktionieren – zumindest das des Umlageverfahren.

    Und ganz nebenbei:
    Für genügend Zuwanderung aus anderen EU-Staaten sorgt unsere Kanzlerin ja gerade.
    Sie braucht nur noch etwas Zeit für ihr Totsparprogramm…

    …dann kommen die jungen Griechen, Spanier, Portugiesen, Italiener.. bald zwangsweise von ganz alleine – denn zu Hause gibt es ja bald keine Zukunft mehr.
    🙁

    Aber das nennt man dann wohl Beseitigung des Fachkräftemangels oder so ähnlich.
    🙁

    • Dreamer sagt:

      Warum nicht auch ein paar Chinesinnen nach Deutschland holen? Die sind hübsch, intelligent, freundlich und ohne Bart. Und es gibt viele.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen,

      @Avantgarde

      >>>
      Die Anzahl der Kinder ist zwar wichtig – aber alleine das bringt gar nix.
      >>>

      Wir wissen, monokausale Zusammenhänge zu konstruieren, ist ein beliebter Volkssport, führt aber oft in die Irre. Natürlich hängt nicht alles an der Bevölkerungsentwicklung, weder die Hauspreise noch die Rente. Dennoch ist die Demographie ein überaus wichtiger Einflussfaktor.

      Wie weit uns ein Produktivitätszuwachs hilft, lässt sich erst dann sagen, wenn künstliche Exportstimuli, wie u.a. die Maßnahmen der EZB, nicht mehr greifen.

      Viele Kinder bedeutet nicht zwingend Bevölkerungswachstum, die meisten unter uns sind nun einmal sterblich. Die Bevölkerung Zimbabwes kommt kaum vom Fleck und ist zwischen 2002 und 2007 auch mal geschrumpft. Auch seit den 90ern ist sie schwächer gewachsen als beispielsweise in den USA. Zu den von Ihnen genannten Ländern hier die Daten seit 1990.

      Jährliche Wachstumsrate seit 1990 (GDP in USD)
      Uganda GDP: 7.10% Bevölkerung: 3.29%
      Zimbabwe: GDP: -0.50% Bev.: 1%
      Kongo: GDP: 8.0% Bev.: 2.20%

      Man sollte sich nicht immer vom medial vermittelten Afrikabild zu ökonomischen Interpretationen verleiten lassen.
      Bekannterweise bedeutet ein hohes GDP nicht zwangsläufig Gerechtigkeit und allgemeine Harmonie, aber das war auch nicht das Thema.

      >>>
      Jetzt lassen Sie sich doch nicht für den Werbefeldzug der Versicherungswirtschaft einspannen!
      >>>

      Na, das glauben Sie doch nicht im Ernst … 🙂

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • wolfswurt sagt:

        Selbstverständlich stimulieren die Notenbanken/Regierungen in Simbabwe, Uganda und Kongo ebenso das GDP wie EZB/FED.

        Auch wenn dies auf niedrigerem Niveau geschieht.

        Ist die industrielle Struktur auf Massenproduktion ausgerichtet mit einer immer höher werdenden Produktivität, braucht es natürlich auch Masse die kauft.
        Überaltert eine Bevölkerung bei hoher Produktivität geht zwangsläufig die Inlandsnachfrage zurück.
        Einmal wegen dem fehlenden Nachwuchs und andererseits wegen den zurückgehenden persönlichen Bedürfnissen der älteren Bevölkerungsanteile. Ab 50 benötigt man einfach weniger.
        Man beachte den Altersdurchschnitt von 45,9 Jahren in Deutschland!

        Was bleibt?
        Für die weiterhin hohe Produktivität der industriellen Fertigung kommt nur die Steigerung des Auslandsabsatzes in betracht.
        Die Stimmuli der Regierung zur Hebung der Inlandsnachfrage, siehe Abwrackprämie, greifen nur kurz und sind schell erschöpft.
        Deshalb auch die fast schon bessesene Ausrichtung der deutschen Industrie/Regierung/Banken auf den Export.

        Solange die Qualität der deutschen Produkte höher ist als die der Asiaten(Japan ausgenommen, denn die haben deutsche Qualität in den 90zigern schon erreicht) funktioniert das Konzept hierzulande.

        Sollten die Chinesen oder gar Inder die deutsche Qualität auch nur annähernd erreichen, geht hier im Lande sprichwörtlich das Licht aus.

        Zur Beurteilung der Entwicklung der nächsten 20 Jahre sei hier empfohlen die Entwicklung der Schülerzahl der Erstkläsler in Grundschulen auf dem flachen Land zu beobachten oder zu erfragen.

        Beispiel einer Haupt/Realschule in einem heute 1800 Einwohner Ort:
        Gesamtschülerzahl 2002 ca. 820 – 2012 ca. 390

        Die Betrachtung der Situation auf dem Land ist deshalb von Bedeutung, da der Bevölkerungszustrom in die Städte immer vom Land kam!

        Dieser Zustrom wird die nächsten 50 Jahre einfach nicht mehr stattfinden,
        Dies bedeutet für die Städte ein beschleunigtes Sinken der Bevölkerungszahlen und damit rasche Überalterung.

        • Bankhaus Rott sagt:

          @wolfswurt

          Die Druckerei in allen Ehren, aber auf dem afrikanischen Kontinent tut sich auch abseits der Rohstoffvorkommen ökonomisch mehr als viele denken.

          >>>
          wegen den zurückgehenden persönlichen Bedürfnissen der älteren Bevölkerungsanteile. Ab 50 benötigt man einfach weniger.
          >>>

          Das mag für den einen über 50 stimmen und für den anderen nicht. Generalisieren kann man das unserer Meinung nach nicht. Im Gesundheitssystem sinken die Kosten mit zunehmendem Alter im Mittel nicht.

          >>>
          Solange die Qualität der deutschen Produkte höher ist als die der Asiaten(Japan ausgenommen, denn die haben deutsche Qualität in den 90zigern schon erreicht) funktioniert das Konzept hierzulande.
          >>>

          Siehe Japan?

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

          • wolfswurt sagt:

            Man kann generalisieren, daß die Bedürfnisse eines Menschen ab 50 sinken.
            Das ist keine Annahme sondern Erfahrung. Man schaue nur in sein persönliches Umfeld und die Bestätigung folgt auf dem Fuße.

            Japan und Fragezeichen ist überflüssig!

            Der Maschinenbau der Japaner ist mittlerweile in Teilberreichen dem deutschen Maschinenbau überlegen.

            Hier sei ein Besuch einer Messe empfohlen…

            Ps.: Gesundheitskosten positiv zu bewerten im Sinne von GDP Steigerung ist vergleichbar einem Bauern der durch die zunehmende Erkrankung seiner Milchkühe einen gesteigerten bilanziellen Wert verbuchen würde. Absurd!

  5. crunchy sagt:

    Wer fragt in 20 Jahren noch nach Deutschland? Die Europäer links und rechts von uns sind da viel fleissiger. Werden die auch in 20 Jahren noch soviele Katholiken zeugen? Die BabyBoomer Dikussion ist in den USA schon vor 15 Jahren aufgekommen, als man die Auswirkung auf die Aktiennachfrage untersuchte. Danach sollte der Dow schon langsam ins Rutschen gekommen sein. Doch die Zuwanderung gleicht den Effekt aus.
    Sollte ich´s erleben, freue ich mich auf die bunte, europäische Vielfalt. Die paar Nazis werden einfach überrannt. Hilfsweise werden kinderliebe Salafisten lendenfaule Braune ausstechen.

  6. Fnord23 sagt:

    Hallo in die Runde,
    mal eine Frage an alle: Wer hier hat eigene Kinder gezeugt?

    Meine Erfahrung: In meinem Freundeskreis haben wieder fast alle 2 Kinder. In meinem viel größeren Bekanntenkreis sieht das ähnlich aus.
    Alle so zw. 30 und 40. Gründe: Gruppenzwang und ….

    Wenn ich sehe, dass das 2. nur halb so viel Arbeit macht, auch nur die Hälfte kostet, ein Einzelkind ab einem bestimmten Zeitpunkt mehr Aufmerksamkeit braucht, weil sie sich eben miteinander beschäftigen, wenn die Kitaplätze da sind, und der AG mitspielt, dann fällt die Entscheidung leichter. Oft war das erste Kind auch gar keine bewußte Wahl. Da sind (zum Glück) auch eine Menge Unfälle dabei. Man wollte, aber noch nicht zu dem Zeitpunkt.

    Alles läuft nun mal in Zyklen. Es wird auch wieder einen Bevölkerungszuwachs geben. Ich hab da mal eine Berechnung gesehen.

    Wenn das Bevölkerungswachstum von 1900 mit der Reproduktionsrate linear weiter gegangen wäre, dann hätten wir ein leichtes Problem in diesem Land. Da wären wir heute so um die 1,2 Mrd. Deutsche, glaub ich. Kann ich nicht mehr genau erinnern. Eine gar erschröckliche Vorstellung.

    VG

    • Dreamer sagt:

      In meinem Bekanntenkreis (so meine Altersgruppe <40) zeigt sich ein anderes Bild: Da haben gerade mal 3 jeweils ein Kind, die anderen sind alle kinderlos (einschließlich mir selbst). Das entspricht nichtmal annähernd den offiziellen 1.3 Kindern auf je 2 Leute.

    • wolfswurt sagt:

      Zwei kinder pro Frau besagt nichts.
      Entscheiden ist die Anzahl der gebärfähigen Frauen.

      Schau mal hier auf die zukünftige Anzahl der gebärfähigen Frauen:

      https://www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/

      Bevölkerungszunahme wird es geben und zwar nach einer Halbierung der Population in Deutschland.

      Wie immer dann auch die Qualität sein mag…

      • Bankhaus Rott sagt:

        @wolfswurt

        Tja, wenn jeder in seinem eigenen Umfeld schaut, und die Erkenntnisse generalisert, erhalten wir vermutlich einen vielfältigen Reigen an Generalisierungen. Leider werden diese nicht zusammenpassen.

        Die steigenen Gesundheitskosten führen wir nicht als Positivum an, sondern als Anzeichen dafür, dass die Bedürfnisse ab 50 nicht generell sinken. Auch Dinge, die man nicht in Anspruch nehmen möchte aber in Anspruch nehmen muss, sind Bedürfnisse.

        Das Fragezeichen hinter Japan stand exakt aus diesem Grund da. Gute Produkte, hohe Produktivität, kaputtes System. Reduzieren Sie die Nachfrage nach deutschen Ausfuhrprodukten doch einmal um die künstlich am Atmen gehaltenen Käufe aus der Peripherie. Das Ergebnis ist aller Qualität zum Trotz bitter.

        Eines sei dazu noch gesagt. Ein großer Teil der so wundervollen westlichen Wirtschaft lief und läuft nur deshalb so fein, weil die vielbeschworene „Solidarität“ an der Tarif- und Landesgrenze endet. Anderswo werden die Vorprodukte in teils mittelalterlichen Verhältnissen für einen Hungerlohn zusammengelötet. Auch das Elend kann man outsourcen. Als große eigene Leistung sollte man dies jedoch nicht verkaufen.

        Beste Grüße
        Bankhaus Rot

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