Frage der Woche: Ostern wie geschmiert?

2. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Ostern in Deutschland! Das Wetter ist bekannt unverlässlich, aber wie ein jährlich grüßendes Murmeltier kommt die Spritpreisdiskussion pünktlich zum Festtag auf den Tisch. Seltsame Modelle werden seitens der Politik vorgeschlagen und die „Spekulanten“ gebrandmarkt, während man sich vermutlich in Berlin an den aus der Zapfsäule sprudelnden Steuereinnahmen erquickt …

Ja, jetzt muss aber Schluss sein! Die Preise an den Zapfsäulen sind derart hoch, nein das kann und darf nicht sein. So schallt es aus den aufgerissenen Mündern einer unwürdig spielendenden Berliner Laienschar. Bekanntermaßen ist immer dann erhöhte Vorsicht geboten, wenn Politiker sich in einem Anfall öliger Volksnähe zum Plebs herabneigen und Solidarität heucheln. Auch so manche „Studie“ gereicht dem ach so grünen Auftraggeber nicht eben zur Ehre, vielleicht erinnern Sie sich.

In einer Märzwoche des laufenden Jahres kam ein Institut namens „EnergyComment“ mit einer Kurzstudie daher. Die Studie wurde von den Grünen in Auftrag gegeben. Wie bei anderen von politisch motivierten Gruppierungen bestellten Auswertungen darf davon ausgegangen werden, dass es ein „Zielergebnis“ gab. Allein die Wahl eines sehr kurzen Zeitfensters spricht gegen den Versuch, strukturelle Anomalien aufzudecken. Das soll an dieser Stelle kein Vorwurf an den Ersteller der Studie sein, vielmehr soll es die Veröffentlichungswahrscheinlichkeit im Misserfolgsfalle und einen im Papier recht lieblos behandelten Parameter – die Steuern – erklären.

Gestolpert sind wir beim Lesen der Studie über Grafiken wie die folgende, die den Preis für Superbenzin, ein Raffinerieprodukt, und den Rohölpreis darstellt. Das ist vergleichbar mit der Gegenüberstellung von Thunfischsalat im Supermarkt und frischem Fang.

Natürlich besteht ein nicht zu leugnender übergeordneter Zusammenhang zwischen Öl- und Benzinpreisen, dieser kann jedoch außerordentlich stark schwanken. Zur Einordnung: Die prozentuale Differenz der Benzin- und Rohölfutures an der CME liegen mit einem Jahresmittel von plus 5% derzeit nahe dem Allzeittief. Seit Beginn der 90er Jahre liegt der Mittelwert um die 20%, viel Luft nach oben. Der Zeitraum der Kurzstudie fällt sicherlich rein zufällig in ein Zeitfenster, in dem sich die oben genannte Differenz ausweitete. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Notierungen der Benzin- und der Rohölfutures an der US-Terminbörse. Vorteil Benzin.

 

Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, der Autor der EnergyComment-Studie geht zum Schluss seines Papiers auf Raffineriemargen und die entsprechenden Spreads ein, scheinbar alles erklärt jedoch den Anstieg der Preise auf Grund einer Art Preistreiberei. Wenn es sich die Energiefirmen nicht an der Ölpumpe holen, dann halt über die Raffineriemarge. Dazu gibt es ein hübsches Blockdiagramm mit einer Fußnote, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

In der Tat wird „vereinfacht“ mit dem Zeigefinger auf die Ölindustrie gezeigt. Nun, diese ist sicherlich alles andere als zimperlich und man kann den Unternehmen vermutlich einiges vorwerfen. Gerade von staatlicher Seite aber sollte zumindest beim Thema Preisgestaltung der Zeigefinger lieber in der Tasche bleiben. Denn die genannte „Vereinfachung“ streicht mehr als 54% des gesamten Benzinpreises aus dem schönen Einnahmendiagramm, sicherlich um Platz zu sparen. So hoch liegt mittlerweile der Anteil, den sich der Fiskus an der Abfüllstation abzapft. Aber das wissen Sie vermutlich.

Bemerkenswert fanden wir generell die laute Klage über hohe Rohstoffpreise aus den Reihen einer Partei, die sich seit Jahren offen zu einer erwünschten Lenkungswirkung durch hohe Preise bekennt. Anscheinend geht es nicht darum, wieviel jemand bezahlt sondern lediglich an wen. Das darf man dann dem Volk dann gerne einmal so mitteilen.

Über die kartellartigen Strukturen in der Ölindustrie und die hochgradige Verflechtung des Sektors in die globale Politik soll hier kein weiteres Wort verloren werden, wir setzen diese als bekannt voraus. Ach ja, Geld gedruckt wird auch noch! Wir befinden uns schließlich im Rettungsboot und winken fröhlich mit dem ungedeckten Scheckbuch. Aber das soll ja glücklicherweise keine negativen Folgen haben. Gibt es da eigentlich eine passende Studie?

Was denken Sie?

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

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