Frage der Woche: Manipulation oder Katzenjammer?

12. Dezember 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Es ist schon traurig. Arme Europäer werden von US-Amerikanern angegriffen. Der Euro steht „unter Beschuss“. Auch die Aktienmärkte fallen nicht, wenn man short ist und wollen nicht steigen, wenn man long ist. Dann noch die Zinsen, ach herrjeh! Sowas aber auch, die 10-jährigen US-Staatspapiere wollen einfach nicht fallen…

Worum handelt es sich bei derartigen Beurteilungen? Ist es schlicht die selektive Wahrnehmung von erfolglosen Investoren oder sind es reale Folgen einer mehr oder weniger überraschenden Mischung aus Dauer- und Spontanmanipulation? Aber wenn es letztere wäre, dann könnte man doch prima darauf setzen! Oder ist vielleicht alles doch nicht ganz so einfach?

Falls Sie einmal jemanden kennenlernen, der seit Jahren auf steigende Renditen in Japan gesetzt hat, müssen Sie vermutlich die Getränke spendieren. Für eine ordentliche Pleite zahlreicher Dauer-Shorts sollte die letzte Dekade allemal ausgereicht haben. Bei den Freunden japanischer Aktien hat es dann die Gegenseite erwischt, wer hier ständig auf der Long-Seite unterwegs war und auf den Wiederaufstieg des Phönix gesetzt hat steht mittlerweile in ziemlich kurzen Hosen da. Wer ist bloß schuld an der Entwicklung?

Auch amerikanische Staatspapiere sind im Großen und Ganzen bisher das, was der Chemiker inert nennt, sie reagieren schwerfällig bis gar nicht. Das dürfte zu weiten Teilen an dem ganz und gar nicht geheimen Aufkaufprogramm durch die FED liegen, gegen de facto unbegrenzte Kaufnachfrage fällt es sich halt schwer. Der eine oder andere Treasury-Shortie dürfte mittlerweile vom Steak zum Schnitzel gewechselt haben. Selber schuld?

Auch bei den Edelmetallen existiert das Thema JP Morgan & Co. nicht erst seit gestern. Wer investiert und davon gelesen hat, kann sich ein Bild davon machen, worauf er sich einlässt. Es wird davon abhängen, wie der Anleger die Story einschätzt. Darf man sich aufregen, wenn es weitergeht wie bisher, oder hätte man damit rechnen müssen?

Wer mit Trading oder längerfristigen Investments dauerhaft Geld verdienen will, muss vor allem eines tun. Er oder Sie muss ehrlich zu sich selbst sein. Wichtig ist zudem, zu wissen, auf was man eigentlich setzt. Wer etwa mit weit aus dem Geld notierenden Optionen auf einen massiven Anstieg der US-Renditen setzt, der rechnet mit einem Kontrollverlust der Fed. Kann passieren, ist aber eine ziemlich große Nummer, oder englisch a long shot. Allzu kurz laufende Papiere sollte man bei einer derartigen Strategie vermutlich eher meiden.

Ob man es Manipulation oder Markteingriff nennt, ist nicht in allen aber in den meisten Fällen Geschmackssache. Einige Maßnahmen, wie die Gelddruckerei namens QE 1-X, werden mit langem Vorlauf angekündigt und dauerhaft medial begleitet. Das macht derartiges Gebaren in keiner Weise begrüßenswert, überraschend aber kann man es kaum nennen. Angenommen ein Türsteher kündigt an, Ihnen beim nächsten Rempler ihrerseits eine reinzuhauen. Macht er diese Drohung dann tatsächlich wahr, so kann man sich zwar berechtigterweise über dieses unfeine Verhalten beschweren, wundern allerdings sollte man sich nicht.

Nun aber zur Frage – Wir sind gespannt!

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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17 Kommentare auf "Frage der Woche: Manipulation oder Katzenjammer?"

  1. wolfswurt sagt:

    Im „real sozialistischen Arbeiter und Bauernstaat“ gab es Preisfestsetzung für alle Waren und natürlich auch der Zinsen(1%).

    In der „real kapitalistischen Marktwirtschaft“ nennt man diesen Vorgang Manipulation.

    Ergebnis wird das gleiche sein: Zusammenbruch.

  2. Avantgarde sagt:

    Ich kann die Klagen über die Manipulation nicht nachvollziehen – und befinde mich hier wohl in der Mindermeinung 🙂

    Ja Herrschaftszeiten!
    Die sog. Investoren sind ja angeblich derartig schlau, daß sie je angeblich eh schon alles wissen.
    Also müssen sie doch sogar von den Manipulationen profitieren können 🙂

    Ich traure um keinen der sog. Investoren.
    Das Gezerre wird wohl so lange andauern bis die Unsummen an marodierendem Kapital endlich ausgelöscht sind.

    Die immer beschworenen freien Märkte gab es auch noch nie – und wird es in organisierten Gesellschaften niemals geben können.

    • crunchy sagt:

      Richtig, die Manipulationen sind Kalter Kaffee. Wenn man den Markt betritt, muss man sie einkalkulieren und kann dann sogar davon profitieren. Wer dabei Geld verliert, hilft wenigstens dabei, die viel zu hohe Liquidität zu vernichten. Das ist aber wie mit dem Alkohol: Wir vernichten permanent, aber es gibt immer mehr. Deshalb sollte man auch nicht zuviel riskieren. In kleinen Portionen hat man länger Spass daran.

  3. pat sagt:

    Ich denke das Ganze funktioniert wie am Pokertisch. Diejenigen die manipulieren nehmen den Anderen das Geld ab.

    Damit wird auch kein marodierendes Kapital abgebaut.

    Es wird umverteilt, und zwar von den ehrlichen Marktteilnehmern zu den Betrügern.

    Ist das wirklich erstrebenswert?

  4. DukeNukem sagt:

    Wenn man sich gerade mal den Goldpreis ansieht der jetzt (bei dieser Gemengelage) seit 3 Tagen gen Süden marschiert, dann riecht das ganz ordentlich nach Manipulation!
    Man hört soviel davon dass die Zentralbanken Gold ohne Ende kaufen… Hab gestern gelesen dass Chinas Goldimporte von September auf Oktober um 50% gestiegen sind… Spricht ja alles eher für steigende Kurse!
    Oder gibts nen Big-Player der gerade sein Gold auf den Markt schmeisst?!

    Grad kam mir noch der Gedanke dass der stark fallende Goldpreis erst recht anzeigen könnte dass da was großes im Busch ist:
    Vielleicht ist ja gewollt dass der kleine Mann vorm nahenden Zusammenbruch noch schnell in Panik seine Unzen verschachert?!

    Wie ist denn eure Meinung dazu?

    • braindead sagt:

      sehe ich auch so

      evtl. Schieflagen in anderen Assets werden durch ja durchaus vorhandene Gewinne in Papieredelmetall gelindert

      Freitag ist großer Verfall da gebe ich wenig auf Kurse egal ob Metalle oder Indizes

    • Avantgarde sagt:

      Ach hört doch auf mit diesem Manipulationsgeschwätz!
      Der Markt wird schließlich durch Papier gebildet und nicht physisch.
      Gehen viele in einem engen Markt raus dann kracht der Preis halt runter.
      EM-Spekulanten sind auch nicht edler als Aktienspekulanten – da zählt nur das was an realisiertem Cash letztlich rauskommt.

      Aber zur Beruhigung oder auch Verärgerung……
      ….es gibt Menschen die haben Monate lang auf diesen Rutsch gewartet um etwas nachzukaufen – und ich sag euch: es ist noch nicht vorbei 🙂

      • braindead sagt:

        und?

        nix anderes hab ich doch gesagt ?
        (klar kann auch jemand ohne Schieflage in anderen Trades Posis schließen und ggf. vorhandene Gewinne in Papier sichern.)
        hat doch mit Manipulation überhaupt nichts zu tun diesbezüglich

      • crunchy sagt:

        Manipulation? Nee: pure Not! Die Leute brauchen ganz einfach auf Teufel komm raus Liquidität. Und wo gibt es die, wenn man nichts mehr hat: Auf den Futuresmärkten: Verkaufst Du was, bekommst Du buchhalterisch Geld. Der Spruch gilt noch immer: Der Fixer ist bei Gott beliebt, weil er nichts hat und dennoch gibt!

      • pat sagt:

        Bei welchem Kurs wirst du kaufen?

        Sieh zu das aus den Monaten des Wartens kein ganzes Leben wird 😉

        • braindead sagt:

          hab mal feige für 26,16 das erste mal zugelangt physisch etwas Herbstlaub aus dem Markt gekehrt …

        • Avantgarde sagt:

          Ich wäre keineswegs überrascht wenn der Siberkurs in den Bereich 21-25 Dollar vordringt.
          Euro-Dollar könnte auch durchaus noch knapp unter die 1.20 gehen.
          Dann sehen wir weiter.

          Also kurz: ich bin nicht sehr bullisch was die Märkte insgesamt betrifft.
          Aber das dürfte ja inzwischen für niemand mehr eine Überraschung sein.

          Ich kaufe keine EMs wegen der für mich ohnehin nicht nachvollziehbaren und eher unwahrscheinlichen Hyperinflationstheorie.
          Mich sorgen eher die Bankbilanzen und der Euro.

          • braindead sagt:

            ich kaufe EM weil ich davon ausgehe das der Euro nicht überlebt und das wenn eine Papierwährung weiter vegetiert dann vermutlich der $ wegen geopolitischen Aspekten …

            und bei der dann anstehenden Währungsreform sicher nicht unlimitiert Bar/Digital-geld getauscht werden kann.

            also Konten minimal bestückt, Bargeld für 3 Monate, falls was über ist suche ich nach Dingen von denen ich mir verspreche das sie später auch noch einen Wert haben.

            Da keiner auch nur ahnen kann was kommen wird kommt für mich nichts anderes in Frage. Stichwort mobil. Alles andere ging nach meinem Studium der Geschichtschreibung schon öfters in die Hose.

            Ich hab mir nichts gewünscht von den aktuellen Umständen aber ich lebe nun mal jetzt hier.

            zur Inflation (nicht verwechseln mit Teuerung) bzw. Hyper …
            Geht für mich nur wenn die Einkommen stark steigen würden.

          • pat sagt:

            Wie ist denn deine Strategie die Krise des Euro und der Bankbilanzen zu meistern?

            Silber kann auch im deflationären Umfeld sinnvoll sein. Genauso bei Währungsreform, Bankpleiten, Einfrierung der Guthabenkonten, … Sprich so ziemlich allem was passieren kann wenn Euro und Banken vor die Hunde gehen. Man ist quasi seine eigene Zentralbank.

            Außerdem ist es eine begrenzte Resource mit recht hohem Verbrauch, die nur in begrenztem Umfang in der Erde vorhanden ist und deren Vorkommen noch für ca 10-20 Jahre Förderung reicht.

          • braindead sagt:

            Silber ist für mich alternativlos (-;

            und ehrlich die Variante das ich Vorräte etc. bunkere ist utopisch für jemand der nicht ziemlich abgeschieden lebt.

            In der Großstadt möchte ich mir nicht vorstellen was da abgehen kann und dann ist es mir egal ob ich sofort oder 3 Tage später draufgehe

            ansonsten sind fast alle Ansätze mit dem existierenden System verbunden. Warum? Wir bestehen zu 99% aus Denkverboten. Leider )-:

            ich wäre bei der z.B. wissensmanufaktur.net/plan-b als Ansatz voll dabei und auch mit dem LEGALEN! wissensmanufaktur.net/media/pdf/steuerboykott.pdf (nein kein Aufruf zum sich anlegen mit dem FA)
            denn: „Steuerboykott, Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“

            bin mehr so der IKEA Typ (-; (nicht unbedingt bei der Einrichtung) aber ansonsten: Entdecke die Möglichkeiten

  5. Avantgarde sagt:

    @pat

    Auch ich habe keine Wunderwaffe im Keller herumliegen.

    Für Falsch halte ich es allerdings nach wie vor alles auf eine Karte zu setzen – sich nicht von selbst ernannten „Experten“ einlullen lassen, die einem den Himmel auf Erden versprechen.
    Manche Aussagen von selbst ernannten Geldexperten lassen mir ab und zu schon ganz schön die Haare zu berge stehen…
    Und wie man sieht: Trifft die Hypothese auf die Wirklichkeit so bleibt oft nur Enttäuschung.

    Nein ich würde niemand raten seine LV zu kündigen, auch nicht alles in EMs zu stecken.
    EMs sind schon OK. Betrachtet man Silber nicht als Krisen sondern als Industriemetall welches auch in Zukunft gebraucht werden wird ist alles gut.
    Nicht von Leuten irre machen lassen die einem erzählen morgen gäbe es nix mehr, bei einem in einem Jahr bereits verdoppelten Kurs nicht noch mal reingreifen – Ruhe bewahren – Gelegenheiten nutzen.
    Gold ist eine Währung und ein Hedge gegen einen schwächelnden Dollar.
    Das dumme ist halt, daß „Wir“ hier in Euro und nicht in Dollar denken.
    Für die Amis ist das aber der perfekte Hedge für ihre Dollars – und steigen ihre Dollars ist es aus deren Sicht doch auch OK.

    Etwas Papiergeld in fremden Währungen wie CHF,CAD,NOK und US-Dollar ist sicherlich nicht schlecht – die Gelegenheit sich dort einzudecken ist fürs erste allerdings erst mal passe.

    • pat sagt:

      Sagt doch keiner, dass du „All in“ gehen sollst. Diversifizierung ist doch nie verkehrt, wenn man das Risiko mindern möchte.

      Die Meisten raten doch nur zu 5-20% Edelmetallanlage. Dass heißt am Ende des Monats zum EM Händler des Vertrauens gehen und ein paar Silberunzen kaufen. Selbst sind diese Experten oft viel stärker investiert, empfehlen es aber nicht.

      Viele sprechen sogar viel mehr von einer Versicherung und nicht einer Geldanlage. Dass heißt, wenn alles nach Plan läuft, dann braucht man sie auch nicht. Falls die Hütte aber doch abbrennt, dann ist man doch besser „EM-Versichert“.

      Wenn ich jetzt Geld anlegen wollte, dass ich garantiert erst in 20 Jahren bräuchte, dann scheinen mir Edelmetalle, ein großer Tank Heizöl, oder ein Waldstück in der Nähe als „Heizungsflatrate“ für meine Bude ein ziemlich gutes Investment.

      Wer den Staatsanleihen nicht traut, der sollte auch keine LV haben, da diese viele Staatsanleihen halten.

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