Frage der Woche: Mac Gyver bitte nach Brüssel!

2. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die Zeiten, in denen in Europa nur ein einzelnes Gespenst umging, liegen schon eine Weile zurück. Mittlerweile sind die Schauplätze in Brüssel und Straßburg zum Tummelplatz für nicht vom Volk gewählte Gestalten geworden. Im Gegensatz zum Zauberlehrling hat niemand diese Geister gerufen, los wird man sie trotzdem nicht so einfach… In einer kruden Mischung aus zentralem Planungsstab und MacGyver holen nun die EU-Theoretiker Klebeband und Schweizermesser hervor, um an Arbeitsmarkt, Wachstum und dem Rest des Wirtschaftsgetriebes herumzuschrauben …

Falls man in Brüssel meint, damit den Ratschlägen des großen Ankurblers von der anderen Seite des Atlantik zu folgen, sollte man sich vor der Aneignung das Resultat in den Vereinigten Staaten anschauen. Besonders erfolgreich waren die Maßnahmen dort allen guten Ratschlägen zum Trotz nicht. Die dauerhafte Politik zentraler Eingriffe zur Retung des einen und Förderung des anderen Sektors hat zu einem recht deutlichen Ergebnis geführt. Einen Zuwachs an Arbeitsplätzen gab es vor allem in den beiden politisch wie finanziell bewusst aufgeblasenen Sektoren Finanzen (FIRE: Finance, Insurance, Real Estate) und „Gesundheit“. Der erste ist pleite und den zweiten kann man sich im Grunde im heutigen Format nicht leisten, denn Bedürfnisse sind nicht gleichbedeutend mit Nachfrage. So sehen klassische Überkapazitäten aus.

Auch der Bildungssektor profitierte. Gerade in den letzten Jahren hat sich eine wachsende Anzahl amerikanischer Staatsbürger gedacht, wenn ich schon keinen Job habe, kann ich die Zeit für ein Studium nutzen. Wenn man das ohne Schulden schafft, ist das zumindest keine schlechte Idee. Wenn man nach dem Studium mit $50.000 in der Kreide steht und trotzdem keinen Job bekommt, war es ein schlechter Trade. Wenn man zu allem Ungemach auch noch auf den staatlich geschaffenen Anreiz zur Kreditaufnahme hereingefallen ist, ist es noch schlimmer. Nichts anderes als eine Verzerrung stellen die Niedrigzinsen bei den Krediten da, die Studienkrediten sind da keine Ausnahme.Der sich einstellende Effekt ist der gleiche wie auf dem Immobilienmarkt. Viel zu viele Menschen nehmen viel zu hohe Kredite auf und der Staat erfreut sich einer künstlich geschaffenen temporären Nachfrage. Wie sagte einst Greenspan? Jeder solle sich ein Haus leisten können, auch derjenige, der sich keines leisten kann.

Mittlerweile sind auch die Arbeitslosenquoten bei den Absolventen deutlich angestiegen. Statt einem Haus, das man zu teuer erworben hat, haben in diesem Falle nun viele ein Studium, dass bestenfalls zur Vertiefung der eigenen Interessen nützlich war. Nicht wenige US-Amerikaner haben auch beides. Ein noch deutlicherer Anstieg der Arbeitslosigkeit von Akademikern wurde laut Bureau of Labor Statistics verhindert, weil viele es sich nicht mehr leisten können, auf den Job zu warten, für den sie studiert haben. Mit laufenden Raten wartet es sich nicht sonderlich entspannt. Barmann statt Anwalt ist daher ein derzeit sehr gut besuchter Karrierepfad.

Das große Problem der meisten westlichen Volkswirtschaften sind riesige Überkapazitäten in Sektoren, die ihren Zenit für längere Zeit hinter sich haben. Es macht wenig Sinn, den Dienstleistungssektor über Jahrzehnte als Heilsbringer zu feiern, ohne zu schauen, was sich genau dahinter verbirgt. Der Großteil der Jobs entstand nicht nur in den USA im Finanzsektor. Nun erzählt man sich zwar oft, Banken seien schlank aufgestellte und hocheffiziente Unternehmen, aber nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein. Wie jede Branche, die für lange Zeit über implizite oder explizite Subventionen am Dampfen gehalten wurde, setzen die Unternehmen mit den Jahren Speck an. Das ist auch in Deutschland der Fall, gerne auch bei den direkt staatlich gestützten Instituten. Für Interessierte lohnt sich daher in diesem Zusammenhang der Blick auf die Angestelltenzahlen der deutschen Landesbanken.

Alle Programme zur „Schaffung von Arbeitsplätzen“ oder zur „Ankurbelung der Wirtschaft“ haben in den Staaten zu einer Fixierung des status quo statt zu einem Rückgang der Schwachstellen geführt. Für die maroden Autobauer gab es das „cash for clunkers“-Programm. Immerhin gab es eine für viele Eurokraten doch recht umfassende Restrukturierung von General Motors. Für Banken, Versicherungen und so manch anderen Großkonzern fanden sich ungezählte Programme zur Beschaffung von Eigenkapital und Liquidität. Big Pharma wird derweil über ineffiziente Programme mit absurden Summen am Köcheln gehalten, auch wenn die erreichte Größenordnung des Gesundheitssystems dauerhaft nicht aufrecht zu erhalten ist.

Nebenher wird der kranke Häusermarkt über historisch niedrige Hypothekenzinsen staatlicher Agenturen geschützt. Das soll den Konsum fördern. Was man da noch groß befeuern will bleibt fraglich. Lässt man die staatlichen Transferleistungen außen vor, konsumieren die Amerikaner insgesamt mehr als sie einnehmen. Das Verhältnis der privaten Einnahmen zu den Ausgaben ist sogar schlechter als vor der Krise. Von einem irgendwie gearteten Lerneffekt möchte man da nicht sprechen, aber wenn man befolgt vermutlich nur die Konsumbefehle des großen Vorsitzenden. Immerhin hat es in Übersee zu einem neuen nationalen Rekord gereicht. Für jeden eingenommenen Dollar hat der Staat in den vergangen drei Jahren jeweils mehr als $1,50 ausgegeben. Ein dreifaches Hoch auf das Petrodollarsystem, das den ganzen Irrsinn wie ein unsichtbarer Leim zusammenhält. Die Reaktionen der Offiziellen, die dies nun global als Erfolgsmodell verkaufen wollen, erinnern an die alten Fat Boy Slim T-Shirts mit dem Aufdruck: „I’m number one, so why try harder“.

Die privaten Haushalte geben ebenfalls mehr aus, als sie ohne Transferleistungen einnehmen. Bizarr, aber was hilft es: The Show must go on. In Zeiten, in denen laut OECD die Gesamtheit der OECD-Länder eine Verschuldungsquote in Höhe von mehr als 100% des BIP aufweist, stößt der Ruf nach ein bisschen mehr deficit spending sicher auf viele dankbare Zuhörer. Vorschlagen darf man natürlch alles, jedoch sollte man langsam aufhören, John Maynard Keynes zu beleidigen. Sich bei Problemen, die aus politischer Unfähigkeit, Einfallslosigkeit und mangelnder Entscheidungsfähigkeit resultieren sich beim fröhlichen „weiter so“ auf diesen Ökonomen zu berufen, ist wirklich unwürdig. Dabei ist es ganz egal, ob jemand Keynes Ideen schätzt oder nicht. Man mag es für richtig oder falsch halten, von staatlicher Seite aus den Wirtschaftszyklus zu „glätten“. Bei aller Kritik bleibt festzuhalten, dass Keynes niemals vorgeschlagen hat, sich stetig und in alle Ewigkeiten solange über neue Schulden zu finanzieren, bis man pleite ist. Das klingt bestenfalls nach Krugman …

Bemerkenswert ist auch die Aussage, mit der Ausweitung der Schulden würde man Zeit kaufen und langfristig die strukturellen Problem lösen. Zeit kaufen mag man gelten lassen, wie aber durch eine Zementierung bestehender Fehlallokationen ein Problem gelöst werden soll, bleibt ein Rätsel. So, jetzt haben wir Zeit gekauft, machen aber erstmal weiter so, weil gerade jetzt kommt eine höhere Eigenkapitaquote ganz ungelegen. Das machen wir dann später, ganz bestimmt! Das ist Unsinn. Natürlich ist etwa eine Erhöhung der Eigenkapitalquoten schmerzhaft für den einen oder anderen. Das wird allerdings morgen auch noch der Fall sein und übermorgen ebenfalls. Hinter dem Gedanken, die gekaufte Zeit einfach nur zum Warten zu nutzen, steht die unberechtigte Hoffnung, über Dekaden aufgetürmte Probleme gingen von alleine wieder weg, völlig schmerzfrei versteht sich.

Ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass zuviel künstliche Nachfrage durch ein Dekaden anhaltendes Hebeln von Staaten und Konsumenten befeuert wurde, wird nun zumindest verbal die Wachstumsmaschine aus dem Verschlag geholt. Aber mit der staatlichen „Arbeitsmarktpolitk“ ist es oft wie mit dem Wetter. Wie sagt es eine alte Bauernregel? Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist. Im Gegensatz zu den gefährlichen finanziellen Abenteuern der staatlichen Lenkung gibt es das Wetter immerhin kostenlos. Aber Sie kennen ja die beliebteste Aussage, wenn ein Eingriff scheitert. Ohne diesen wäre es natürlich noch viel schlimmer gekommen! Eine wundervolle Ausrede, die vor allem immer anwendbar ist und in selbstverständlich in beide Richtungen angewendet werden kann. Vielleicht sollte der Bund bei einem mitternächtlichen Ritus einmal im Monat eine Milliarde Euro in kleinen Scheinen auf einem Scheiterhaufen verbrennen um die Wirtschaft wieder ans Laufen zu bringen. Wenn es danach immer noch nicht läuft, dann war es wohl zuwenig Geld, denn zuviel kann man ja bekanntlich nicht aus dem Fenster werfen.

Was denken Sie? Wie sind die Erfolgsaussichten staatlicher Eingriffe? Scheitern Ihrer Meinung nach solche Maßnahmen langfristig generell, oder gibt es positive und negative Beispiele?

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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18 Kommentare auf "Frage der Woche: Mac Gyver bitte nach Brüssel!"

  1. Avantgarde sagt:

    „Vorschlagen darf man natürlch alles, jedoch sollte man langsam aufhören, John Maynard Keynes zu beleidigen.“

    Ich weiß nicht, wie oft ich das untersteichen soll 🙂

    Keynes war gegen den Dollar als Weltleitwährung, er hat die Gefahren der Verwerfungen als einziger namhafter Ökonom nach dem ersten Weltkrieges richtig eingeschätzt.
    „John Maynard Keynes Krieg und Frieden
    Die wirtschaftlichen Folgen des Vertrags von Versailles“

    Unter anderem Keynes hat Deutschland es zu verdanken, daß es nach dem 2.WK nicht gänzlich von der Bildfläche verschwand sondern eine Chance bekam.

    Und er hat auch niemals propagiert sich in guten Zeiten bis über die Halskrause zu verschulden.
    Es gab während des Krieges eine Radioansprache in der er seine Landsleute dazu aufforderte mehr und härter zu arbeiten – würde wohl heute auch keiner vermuten.

    In der Zeitschrift „Intervention – Zeitschrift für Ökonomie“ erinnerte Dr. Elke Muchlinski vor wenigen Jahren an die Grundgedanken von Keynes’ Bancor-Plan: „Erstens war es ein zentrales Anliegen von Keynes, bilaterale Lösungen des Zahlungsbilanzausgleichs zu vermeiden, da er hierin einen Grund für weitere Kriege sah. Zweitens wollte er die Gläubiger- und Schuldnerländer symmetrisch durch eine Anreizstruktur zum Abbau der Überschuss- bzw. Defizitpositionen ihrer außenwirtschaftlichen Bilanzen bewegen. Drittens lag Keynes daran, die internationalen Finanztransaktionen von der Verwendung einer nationalen Währung und damit von der nationalen Geldpolitik unabhängig zu gestalten. … In all diesen drei Punkten vertrat die amerikanische Seite eine gänzlich andere Position – dies war der Grund des Scheiterns des Plans von Keynes auf der Konferenz in Bretton Woods 1944.

    • wolfswurt sagt:

      Der Hauptgrund für das scheitern von Plänen ist das menschliche Naturell.

      Die Biologie des Menschen hatte weder ein Keynes in seine Pläne mit einbezogen noch alle anderen größenwahnsinnigen möchtegern Weltenregulierer.

      Wer die Natur des Menschen außer Acht läßt, ist mit all seinen Theorien zum Scheitern verurteilt.

      Die Naturgesetzlichkeiten sind des Menschen Meister …niemals umgekehrt.

      • Avantgarde sagt:

        Mal abgesehen davon, daß Du nicht einen Deut verstanden hast…

        Ich finde es ziemlich unverschämt von Dir Keynes als größenwahnsinnig zu bezeichnen.

        Du vergisst nämlich völlig, daß auch Du hier in Regeln lebst die irgend jemand mal aufgestellt hat oder auf die man sich geeinigt hat.

        Wenn Du solche Regelungen und Systeme verwirfst, nicht über besseres nachdenken willst dann kannst Du Deinem Nachbarn als Ersatz für den Güterkauf gleich die Keule auf den Kopf schlagen.

        Solche merkwürdige Ansichten nutzen hier niemand etwas.
        🙁

        • wolfswurt sagt:

          Größenwahn definiert sich über eine Anmaßung Abläufe für ganze Völker regulieren zu wollen, die über die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten hinaus gehen.

          Keynes gehört für meine Person zu jenen Menschen.

          Seine Theorie ist keine Heiligkeit sondern sollte vom klaren Verstand auf die Schlachtbank der Geschichte gelegt werden.

          Im übrigen sind Regeln von Anderen aufgestellt nicht deshalb zu befolgen, weil sie aufgestellt sind, sondern nur zu beachten wenn sie für das Allgemeinwohl sich als sinnvoll und nützlich erweisen.

          Blinden Gehorsam übt nur ein Knecht und brachte in der Menschheitsgeschichte genügend Unheil hervor.

          PS:
          Vor langer Zeit funktionierte das Gemeinwesen durch Versammlung unter freiem Himmel und für jeden einzusehen und anzuhören – Thing genannt.
          Die letzte Versammlung in deutschen Landen unter freiem Himmel fand 1848 statt bevor der Geist hinter verschlossenen Türen verschwand.

          Soviel zur Akzeptanz von Regeln…

  2. Austrian sagt:

    Die, die von Keynes ein bisschen etwas wissen, achten auch darauf das Ding Neo-Keynsianismus zu nennen, wenn ich nicht irre…

  3. Austrian sagt:

    So wie Merkel´s „Austerity“ genauso nurmehr Neo-Austrian genannt werden kann…

    Es ist immer das gleiche: man nehme von der jeweiligen Schule nur das politisch angenehme und pfeife auf das zur Erfüllung dieser Schule unerläßlich notwendige und verunglimpfe diese Schule damit auf ewig.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Austrian,

      ja, frei nach Pippi Langstrumpf:“ Wir machen uns die Welt widdewidde wie sie uns gefällt.“

      Das funktioniert natürlich nicht nur mit Theorien. Auch schafft man es nicht nur in Brüssel, jahrelang Schulden aufzunehmen und für die Schmerzen nach der Party dann die bloße Ankündigung des „Sparens“ verantwortlich zu machen. Die politische Lösung erinnert dann an Jugendparties: Das Konterbier muss her. Einer muss nur nachher immer noch das Klo saubermachen …

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Avantgarde sagt:

        Aber das Bankhaus Rott sieht schon, daß auch Keynes der Meinung war, daß man Schulden letztlich nur mit Waren und Dienstleistungen bezahlen kann?!!

        Und eben drum – ist es letzlich unsinnig einen wirtschaftlichen Kampf gegen eine andere Nation zu führen – noch zumal im gleichen Währungsraum.
        Das Idealziel wäre eine ausgeglichene Handelsbilanz.

        All dieses dämliche Exportweltmeister-Gejuble führt letztlich doch immer zwangsläufig zu Verwerfungen.
        Und falls D seine Guthaben wirklich ausbezahlt haben will so muß es Defizite gegen Länder wie GR,S,I.. zulassen.

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Avantgarde,

    Das Pippi Langstrumpf-Zitat bezieht sich auf die Politik und einige Unternehmensvorstände, die sich gerne das beste aus verschiedenen Theorien zusammensuchen, sprich man hätte die Zimmerdecke gerne gleichzeitig schwarz und hell.

    Natürlich sollte man für Güter und Dienstleistungen irgendwann ebensolche zurückerhalten, Produktion sollte – auch wenn man heutzutage einen anderen Eindruck erhalten könnte – kein Selbstzweck sein. Sich über gute Exportzahlen zu freuen ist nicht verkehrt. Exportüberschüsse in jeglicher Größenordnung zu bejubeln, ohne darüber nachzudenken, wie diese von den jeweiligen Importeuren eigentlich finanziert wurden oder in Zukunft über Produkte oder Dienstleistungen ausgeglichen werden sollen, ist natürlich Unsinn.

    Nimmt man das Beispiel Deutschland, so wird der Export trotz allen tatsächlich vorhandenen Wettbewerbsvorteilen aktuell vor allem durch die künstliche Finanzierung auf dem aktuellen Niveau gehalten.

    Aber wir sehen darin keinen Kampf gegen andere Länder. Warum auch? Es wird niemand gezwungen, sich im Ausland eine deutsche Wurst zu kaufen. Genausowenig wurden Spanier gezwungen sich mit schwachsinnigen Finanzierungen im überteuerten Häusermarkt zu engagieren. Da werden eine Menge Krokodilstränen vergossen.

    Stellt man die selbst-finanzierten Exporte Deutschlands in Teile der EU ein, wird hier weniger produziert und in den Einfuhrländern bekommen die Menschen die Produkte nicht mehr. Ein ausgeglichener Saldo muss also nicht einen Gewinn an materiellem Wohlstand bedeuten. Da dieser jedoch schon jetzt künstlich am Leben gehalten wird, ist er ohnehin nur ein Fiktion.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • Avantgarde sagt:

      „.bezieht sich auf die Politik und einige Unternehmensvorstände, die sich gerne das beste aus verschiedenen Theorien zusammensuchen, sprich man hätte die Zimmerdecke gerne gleichzeitig schwarz und hell.“

      Absolut – da sind wir einer Meinung.
      Ich würde sogar sagen: solange alles läuft wie in den Jahren zuvor waren die üblichen Verdächtigen Befürworter marktliberaler/radikaler Ideen.
      Als das Ding dann zu kippen begann und nicht das Hemd der anderen sondern das eigene brannte war man plötzlich Keynesianer und rief nach dem zuvor verteufelten Staat.
      Obwohl nach deren eigenen Theorie sie selbst eigentlich ganz erhebliche Verluste hätten einstecken müssen – bis zum völligen Konkurs.

      Nun können wir die System nicht vergleichen weil die Idee des Bancor schlicht nicht existiert.
      Es ist zugegeben etwas hinkend und man muß etwas großzügig sein – aber ein zumindest teilweise ähnliches System hatten wir mit dem alten EWS vor der Euro-Einführung.
      Ich bedaure nach wie vor die viel zu schnelle Einführung des Euro – aber nun h-a-b-e-n wir das Ding.

      „Aber wir sehen darin keinen Kampf gegen andere Länder. Warum auch? “
      Viellicht „sehen“ Sie das nicht…
      Aber es ist doch leider ein Faktum, daß D die letzten Jahre vor allem unter Schröder eine Politik der Reallohnsenkung betrieben hat.
      Man ist bewußt unterhalb dem vereinbaren Inflationsziel gebieben – die Südländer ihrerseits ebenso falsch oberhalb des Zielkorridors.
      Die Produktivität lief auseinander – anstatt dies als Problem anzusehen wurden die Überschüsse bejubelt.

      Ich muß meine Frage wiederholen: Wie bitte sollen die Südländer ihre Schulden bezahlen??
      Ich habe nur eine Antwort: Entweder gar nicht – und dann können wir nur hoffen, daß das Spiel bis zum Finale noch etwas dauert.
      Oder aber D muß Defizite zulassen – anders geht es nicht.

      Was auf mich völlig konfus wirkt ist, daß ich beständig den Eindruch habe die Politik begreift gar nicht, daß sie mit ihrem Euro nun ein Währungsgebiet geschaffen haben.
      Sie verhalten sich so wie gegenüber dem EU-Ausland.
      Völlig Banane das ganze – denn wenn wir das mal auf die alte Bundesrepublik übersetzen bedeutete dies: Berlin, Bremen und das Saarland hätten aus Deutschland austreten müssen – und die Ostländer erst gar nicht beitreten.

      Aber sei es wie es will.
      Ich finde es jedenfalls eine unglaubliche Frechheit was im Mainstream und auch teilweise auf den angeblich so aufgekärten Seiten an Unsinn über Keynes verbreitet wird.
      Keynes war ein genialer Ökonom und nicht zufällig in Diensten ihrer Majestät.

      Hätte man nach dem ersten Weltkrieg oder bei Bretton-Woods auf ihn gehört wäre uns vermutlich einiges erspart geblieben.

      Aber da scheinbar niemand Vernunft annimmt wird es wohl weitergehen wie bisher:
      D darf weiter den Exportweltmeister spielen, dem ESM kann man ja noch ne Banklizenz geben um noch ein paar Billionen an faulen Assets aufzukaufen.
      In ein paar Jahren kracht es dann richtig – und dann gute Nacht.

      „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“
      (John Maynard Keynes)

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo Avantgarde,

        >
        Ich muß meine Frage wiederholen: Wie bitte sollen die Südländer ihre Schulden bezahlen??
        >

        Gar nicht. Diese Länder werden ihre Schulden nicht mit Waren und Gütern zurückbezahlen können.

        Das Problem ist, dass man viel zu lange so getan hat, als ginge dies, vor allem um den Schein der eigenen Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

        Einen echten Währungsraum hat man unserer Meinung nach mit der Eurozone nicht geschaffen. Im Grund hat man die Währungen zueinander festgelegt, sprich ein großes Multi-Währungs-Peg geschaffen. Nun wird versucht, dieses mit teils an den Haaren herbeigezogenen Ideologien am Leben zu erhalten.

        >
        “Aber wir sehen darin keinen Kampf gegen andere Länder. Warum auch? ”
        Viellicht “sehen” Sie das nicht…
        Aber es ist doch leider ein Faktum, daß D die letzten Jahre vor allem unter Schröder eine Politik der Reallohnsenkung betrieben hat.
        >

        Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ist ja nicht gleichzusetzen mit einem „Kampf gegen andere Länder“. Natürlich ist Wirtschaft – zumindest unserer Auffassung – immer Wettbewerb und da tritt der eine gegen den anderen an. Die betroffenen Länder hatten und haben ja nicht nur gegenüber D laufende Defizite. Ob es Spanien hilft, wenn sich bei uns die Löhne verdoppeln? Das Land muss ja selbst dann mit seinen Produkten dennoch gegen die Waren aus Übersee oder Asien antreten. Kaum jemand würde wohl einen spanischen PC kaufen, der zwar teurer aber nicht besser ist, als ein Rechner aus Taiwan.

        Sinkende Reallöhne sind sicher nicht allein seligmachend, allerdings darf man nicht vergessen, dass große Teile der westlichen Wirtschaftswelt davon leben, dass in anderen Teilen der Welt Menschen für 10 Dollar am Tag Telefone zusammenlöten.

        Ohne diese zwar längerfristige, aber temporäre Erscheinung sähe das Konsumniveau und auch der Zustand hiesiger Produzenten, die ja auf billige Zulieferer angewiesen sind, ganz anders aus. Zudem haben viele Länder nicht nur Billiglöhne zu bieten sondern stellen Waren günstig auf höchstem Niveau her. Koreanische Autos etwa sind sicherlich qualitativ nicht schlechter als viele deutsche Autos – auch wenn uns einige sicher für diese Aussage steinigen werden.

        Trotz vieler armer Menschen auch hierzulande ist das generelle Anspruchsniveau (Rente, Gesundheit, Urlaub) in D sehr hoch. Aber auch dieses muss durch Produkte und Dienstleistungen gegenüber anderen Ländern gedeckt sein. Wir haben nicht den Eindruck, dass das noch der Fall ist und halten die Wohlstandsverschiebung vom Westen in andere Regionen der Erde für real und global betrachtet nicht ungerecht. Wie gerecht der Wohlstand in einer einzelnen Gesellschaft selbst verteilt ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

        Ja, das Urteil nicht nur vieler Politiker über Keynes ist anmaßend, wir hatten es ja im Artikel bereits gesagt. Leider ist es allzu menschlich, wenn einige lieber den „Weiter so“-Krugmans dieser Welt zuhören. Das Geld der anderen auszugeben ist schließlich einfacher, als die Folgen einer Dekaden dauernden Fehlentwicklung zu tragen.

        Beste Grüße
        Bankhaus Rott

        • FDominicus sagt:

          „Natürlich ist Wirtschaft – zumindest unserer Auffassung – immer Wettbewerb und da tritt der eine gegen den anderen an“

          Das finde ich so zu einweitig. Wirtschaft heißt Markt und auf dem Markt treffen sich zwei um FREIWILLIG zu tauschen. Ja unter den Wettbewerbern herrscht Wettbewerb aber es gibt keinen Bereich der alleine von einem Wettbewerber abgedeckt werden kann. Sogar Intel muß teilweise „froh“ sein noch AMD zu haben und das weiß sogar Intel genau. MS hat Apple vor dem Aus bewahrt, weil Sie eben auch wußten ohne einen Wettbewerber werden wir immer die „bösen“ Monopolisten sein. Das das nun mal so „zurückfeuert“ hat MS sicher nicht gewollt. Fakt ist aber Apple ist derzeit höher bewertet als MS und Apple hat nun mal auch Sachen gebracht, die die Nutzer haben wollten.

          Unsere Wirtschaft hat m.E. ein „Hauptziel“ Kunden gewinnen, halten und zufriedenstellen damit man „selber“ im Geschäft bleibt. Natürlich ist das ein Buch mit sieben Siegeln für die Gewaltmonopolisten. Dort geht es „nie“ um Freiwilligkeit sondern um Mehrheiten. Wer mehr auf seine Seite bekommt hat „Recht“ wenn dabei das Recht unter die Räder kommt ist das wohl der Kollateralschaden…

        • Avantgarde sagt:

          Hallo 🙂

          Ja – diese Länder werden ihre Schulden unter den jetzigen Vorzeichen nicht zurückbezahlen können.
          Denn das würde bedeuten, daß die Entwicklung D->Südländer mit umgekehrten Vorzeichen laufen müsste – sprich Defizite hier und Überschüsse dort.

          Nun dann frag ich mich was das ganze Geschwätz der Politik soll.
          Man verlangt von den Ländern zu sparen – was deren Wirtschaft noch mehr in die Depression treibt – und gleichzeitig will D weiterhin fleissig dahin exportieren – das wird niemals funktionieren können.
          Wenn das so weitergeht werden wir die Waren verschenken müssen.
          Das beste was man erreichen könnte ist eine Stabilisierung auf diesem Niveau – und um Gottes Willen keine Fordungsausfälle – denn dann ist ganz schnell Schluß.

          Einen Währungsraum hat man schon geschaffen – allerdings ziemlich planlos.
          Die EZB hat ein Inflationsziel von 2%.
          Schröder begann den Unsinn Englands nachzuäffen und unterbot das Inflationsziel, drängte auf Reallohnsenkung Die Südschiene Überschoß das Infaltionsziel im Übermut des Euros.
          Man sollte annehmen die Politik sollte wenigstens hier mal im Stande sein eine gesamteuropäische Linie zu fahren.

          Sollte das Pojekt Europa scheitern (was durchaus möglich ist) dann werden wir mehr verlieren als nur die letzen 10Jahre.
          Ich denke es ist naiv zu glauben wir gehen einfach dahin zurück wo wir vor der Euro-Einführung waren.
          Inzwischen ist derart viel Porzellan zerschlagen worden…

          Es ist in etwa so als wenn man mit seinen 3 besten Freunden Monopoly mit echtem Geld spielt.
          Zum Schluß gewinnt einer – aber wehe dem Gewinner: Freunde wird er danach keine mehr haben….

          „Ob es Spanien hilft, wenn sich bei uns die Löhne verdoppeln?“

          Wichtiger Punkt – aber nicht gleich übertreiben:-)

          Spanien würde es jedenfalls durchaus helfen wenn in D die Löhne m-i-t der Produktivität oder nun leicht darüber steigen und nicht über Jahre ständig hinterherhinken.
          Denn mit der gestiegenen Kaufkraft in D besteht die Chance mehr Spanische Importe aufzunehmen, im Urlaub mehr auszugeben.

          Lohndumping hier bedeutet letztlch weniger Konsum und noch mehr marodierendes Kapital in den Händen weniger welches Anlage sucht und dem Warenkreislauf entzogen wird – so geht das nicht.

          Was ist denn das für ein Unsinn hier die Löhne auf ein z.T. gruseliges Niveau zu drücken um Exporte zu erzeugen die wir hinterher verschenken können???


          „allerdings darf man nicht vergessen, dass große Teile der westlichen Wirtschaftswelt davon leben, dass in anderen Teilen der Welt Menschen für 10 Dollar am Tag Telefone zusammenlöten.“

          Ja – das ist leider tatsächlich so.
          Und nicht zuletzt überingens hat Westdeuschland auf diese Art damals auch von der DDR profitiert.
          Nur – muß das ja nicht unbedingt hier in unserer Währungszone geschehen.


          „Zudem haben viele Länder nicht nur Billiglöhne zu bieten sondern stellen Waren günstig auf höchstem Niveau her. Koreanische Autos etwa sind sicherlich qualitativ nicht schlechter als viele deutsche Autos – auch wenn uns einige sicher für diese Aussage steinigen werden. “

          Da kann ich nicht widersprechen – und werfe auch keine Steine – denn ich fahre selbst einen Reiskocher 🙂

          Die Sache ist aber, daß Europa niemals mit den Billigheimern und dort vor allem China als das große Schreckensgespenst mit den Löhnne wird konkurieren können.
          Leibeigenschaft ist hier bisher zumindest noch verboten, es gibt so etwas wie Umweltschutz und wir haben noch freie Wahlen….

          Und selbst wenn wir es könnten – die Chinesen würden dann halt einfach abwerten.
          Das brauchen wir gar nicht erst versuchen.


          „Trotz vieler armer Menschen auch hierzulande ist das generelle Anspruchsniveau (Rente, Gesundheit, Urlaub) in D sehr hoch. Aber auch dieses muss durch Produkte und Dienstleistungen gegenüber anderen Ländern gedeckt sein.Wir haben nicht den Eindruck, dass das noch der Fall ist und halten die Wohlstandsverschiebung vom Westen in andere Regionen der Erde für real und global betrachtet nicht ungerecht.“

          Eine Gesellschaft hat nur soviel zu verteilen wie der Produktivitätsfortschritt hergibt – das ist schon OK.
          Hohe Wachstumsraten sind das eine.
          Wohlstand für viele schaffen ist etwas anderes – das müssen gerade Länder wie China erst noch beweisen.

          Ich danke für das Gespräch!
          🙂

          • FDominicus sagt:

            Nach dem Krieg waren wir diejenigen die die Telefone zusammenschraubten. Dann haben wir aber getan was wirtschaftlich klug ist wir haben gespart und uns damit selber geholfen und so verfahren wir bis heute was eben unseren immer noch bestehenden Erfolg erklärt.

            Selbstverständlich können wir den anderen Ländern diesen Weg versperren, nur wäre das m.E. ziemlich ungerecht…

  5. Bankhaus Rott sagt:

    @Fdominicus

    >
    Ja unter den Wettbewerbern herrscht Wettbewerb aber es gibt keinen Bereich der alleine von einem Wettbewerber abgedeckt werden kann.
    >

    Wer soll bezüglich des Artikels der „eine Wettbewerber sein“? Deutschland als Meta-Monopolist in der Eurozone? Das wäre dann doch eine arge „Ver-Mikroisisierung“ der Volkswirtschaft – auch wenn das gerade in Mode ist.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • FDominicus sagt:

      Entschuldigung, ich habe mich auf Ihren Satz mit der Wirtschaft bezogen. Wie wir aber auch sehen gibt es Wettbewerb auch unter Staaten und auch hier gilt: Nur der Handel kann beiden Wohlstand bringen. Und natürlich konkurrieren auch die Länder untereinander. Griechenland kann genauso wenig ohne Öl über die Runden kommen wie wir. Irgendetwas müssen auch die Griechen haben, mit dem Sie eben dieses Öl einkaufen können. Griechenland könnte von einem offenen Markt ebenfalls profitieren wenn Sie denn Ihre Politiker in die Wüste schickten. Das wollen Sie aber offensichtlich nicht.

      Sondern Sie wollen, daß der gute Staat Sie vor den bösen Europäern „schützt“) (speziell natürlich uns Deutschen). Griechenland will diesen Wettbewerb offensichtlich mit „Betrug“ gewinnen. Idealerweise, bezahlen die anderen die Rechnung für die Dinge die man selber bestellt und das kommt sozialistischen Tagträumen andere Politiker anscheinen ziemlich entgegen.

      Wettbewerb kann da ja nur „hinderlich“ sein. Nur: wir brauchen darauf ja nicht einzugehen und tatsächlich gibt es keinen guten Grund warum wir es tun sollten sogar dürfen. Die no-bail-out Klausel hatte schon Ihren Sinn, und man hätte den Teufel tun sollen Sie mir-nichts-dir-nichts abzutun. Diese Klausel hätte nämlich ernst genommen Wettbewerb bedeutet. Wettbewerb um „attraktiv“ für Investionen zu sein. Aber nein der EU fällt nichts besseres ein als Wettbewerb zu verhindern. Das Ergebnis liefert u.a. Griechenland.

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo FDominicus,

        Ja, die Einsicht wird sich aber vermutlich spät oder nie einstellen. Da die Prozesse in der Wirtschaft auch im „Aufräum-Modus“ langsam ablaufen, kann man die Schuld dann dem Amtsnachfolger in die Schuhe schieben. Nicht umsonst gibt es im englischen auch die treffende Formulierung „taxation without representation“ für die Verteilung schuldenfinanzierter Wohtaten. Auch in D sieht man derzeit, wie man einige Altvordere auf die Podien schleppt, die sich in ihrer Amtszeit nicht mit Ruhm bekleckert haben bzw. die Saat einiger Finanzdisteln seinerzeit selbst gesät haben.

        Der von Ihnen gewählte Begriff „Tagträumereien“ trifft es leider in der Tat am besten.

        Beste Grüße
        Bankhaus Rott

  6. Bankhaus Rott sagt:

    @Avantagarde

    Gerne 🙂

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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