Frage der Woche: Lach- und Sachwerte

13. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Wenn es an den Märkten mal wieder ruppig zugeht, ist oft von Sachwerten die Rede. Welche Assets man dieser Kategorie zuordnet, ist nicht eindeutig geklärt. Anleihen zählen nicht dazu, bei Aktien sieht das nach Meinung vieler schon aus Prinzip ganz anders aus. Dass es manchmal wenig hilft, wenn man das Etikett „Sachwert“ trägt, zeigt eindrucksvoll das Beispiel griechischer Aktien. Ob jemand 2007 länger laufende Staatspapiere oder Aktien gekauft hätte – die Verluste beider Investments gleichen sich in erschreckender Weise.

Werden Anleger zur Investitionsverhalten befragt, so fördern die Ergebnisse oft bemerkenswerte Einsichten ans Tageslicht. Besonders beeindruckt hat uns folgende Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

Die Auswertung wurde in einem Artikel der Werbegazette „Handelsblatt“ unter dem albernen Titel „Geldprofis setzen auf Sachwerte“ veröffentlicht. Kapitallebensversicherung als Inflationsschutz? Na, über solche Kunden freut sich vermutlich auch der Herr Kaiser, wenn er davon im Hotel Danube Wind bekommt. Ein gutes Zeichen für den Erfolg des Wirtschaftsunterrichts in Deutschland ist das Ergebnis jedoch nicht, oder rechnet der gemeine Versicherungsnehmer im Fall der Fälle fest mit dem privaten bail-out? Ohnehin ist es erstaunlich, wie viele Menschen es schaffen, eine „Versicherung“ als eigenständige Anlage zu betrachten, offenbar ohne sich klarzumachen, dass das eingezahlte Geld wieder irgendwo investiert werden muss. Bei Kapitallebensversicherungen geschieht dies vorzugsweise am Anleihemarkt, gelten doch derartige Papiere als „sicher“, was genau auch immer damit gemeint sein mag. Die Riesterrente, mit der man auch beim solidargemeinschaftlich verträglichen Frühableben der Gemeinschaft noch einen Dienst erweisen kann, steht ebenfalls weit oben auf der Liste. Neben allen anderen Assetklassen rangieren selbst Zinspapiere im Ranking der besten Inflationshedges deutlich vor Gold – sagenhaft!

Die Aktien kommen in der Umfrage nicht besonders gut weg, dabei sind sie, wenn es um generelle Krisenabsicherungen geht, oft hoch im Kurs. Es handele sich bei den Papieren schließlich um Sachwerte, eine Beteiligung am Produktivkapital. Stimmt das? Sind Bank- oder Versicherungsaktien „Sachwerte“ und womöglich nicht nur Inflations- sondern auch allgemeiner Krisenschutz? Sind Firmen unabhängig von der Eigenkapitalquote in diese Kategorie einzuordnen, selbst wenn im Insolvenzfalle die Kredit- und Anleihegläubiger das Sagen haben und die Aktie bei Null ausgebucht wird?

Ein Blick auf die Entwicklung von Staatsanleihen und Aktien in einem Land, das von einer durchaus aktuten Krise betroffen ist: Griechenland. Die Entwicklung der Kurse von Staatsanleihen und Aktienindex zeigten in der akuten Krise einen geradezu familiären Gleichlauf.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Für jeden Investor, der sein Geld in Werte im geplagten Mittelmeerland angelegt hat, ist die Last des Besitzes deutlich geschrumpft. Was ist bloß aus den Versprechen geworden, die den Menschen gemacht wurden? Wie sehen wohl die Depots heimischer Versicherer und Pensionskassen aus?

Offenbar ist es in einer ausgewachsenen Krise, die immer auch zu Kapitalflucht führt, auch für Sachwerte nicht so einfach, wie es manchem scheint. Oder sind viele Unternehmen bilanziell so schlecht aufgestellt, dass deren Aktien in einer ernstzunehmenden Kreditkrise gar nicht zu den Sachwerten gezählt werden dürfen?

Sind Investitionen in einen breiten Aktienmarkt langfristig ein krisenfestes Mittel zur Wahrung der Kaufkraft?

  • Nein. (62%, 526 User)
  • Ja. (38%, 316 User)

Total Voters: 842

Loading ... Loading ...

Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

Wir freuen uns wie immer auf eine lebhafte Diskussion im Kommentarbereich!


 

Schlagworte: , , , ,

Kommentare sind geschlossen