Frage der Woche: Ja, wo brennt’s denn?

2. Dezember 2011 | Kategorie: Frage der Woche, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Es ist ein Kreuz mit den Krisen. Der Europäer schlawinert sich durch ein Schuldendebakel und führt sich auf wie ein Teenager im Philosophie-Kurs des Maddoff-Gymnasiums (elfte Klasse). Der US-Boy macht es ähnlich, gibt zudem noch gute Ratschläge während er gleichzeitig seine Schuldenobergrenze so freimütig nach oben schraubt, wie die Lebensversicherer den Garantiezins nach unten...

In China merkt man, dass eine Planung der Wirtschaft nun doch nicht möglich ist, und dass man, wenn man nur genug Forderungen hat, plötzlich vom Schuldner abhängig ist. Gleichzeitig merken die Australier, dass Kupfer- und Hauspreise zwei Richtungen kennen, was einigen sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Vergabe von Krediten offenbar entfallen war. In Brasilien kauft man unterdessen auch Socken auf Kredit, und das zu Zinssätzen, die früher vermutlich selbst den stets gefassten Eduard Zimmermann auf die Palme gebracht hätten. Wer will bei all dem Irrsinn noch sagen, wo die Flammen derzeit am höchsten lodern?

Auch unschöne Nachrichten können einen bemerkenswerten Unterhaltungswert aufweisen. So vermeldete unlängst eine chinesische Gazette einen Einbruch der Hauspreise in der inneren Mongolei. In der Geisterstadt Erdos – einer von vielen hübschen, neuen aber kaum bewohnten Orten – fielen die Preise angeblich um 65%. Sicher handelt es sich bei dem Kollaps um einen minutiös geplanten Rückgang der Kaufpreise zur „Verbesserung der allgemeinen Erschwinglichkeit des Wohnangebots“.

Was passiert, wenn man ein Haus kauft, ohne dass jemand Interesse hat, darin zur Miete zu wohnen oder es einem teurer abzukaufen, das hätten die Spanier den Chinesen schon seit Jahren erzählen können. Auch abseits solcher Anekdoten schwelt der chinesische Immobilienmarkt munter vor sich, was angesichts der lächerlich hohen Preise kein Wunder ist. Sollten Sie ein Haus in China besitzten und jemanden finden, der Ihnen den Preis desselben schönreden will (z.B. mit der alten Expat-Geschichte …), dann verkaufen Sie ihm oder ihr einfach das Ding. Wie die chinesischen Banken damit umgehen werden, wenn die Preise auf breiter Front bröseln ist ungeklärt. Befremdlich ist vor allem, wenn ausgerechnet aus Wall Street die Hoffnung kommt, das zentrale Wirtschaftsplanungskommitee werde es schon richten.

Die Australier lässt das Ganze nicht kalt. Auch abseits der Minen zieht sich die australische Wirtschaft zusammen. Der Kontinent und vor allem das Bankensystem sehen sich ebenfalls mit einer platzenden Hauspreisblase konfrontiert. Immerhin hat man down under beim Staatsdispo noch Luft nach oben. In Südamerika fangen so einige Motoren ebenfalls an zu stottern. Nicht wenige Investoren haben unterdessen bemerkt, dass es von Zeit zu Zeit Sinn machen kann, einmal nachzuschauen, wohin man sein Geld eigentlich gepumpt hat. Emerged noch alles wie gewünscht? Die ganze Kohle nach Peru, Brasilien oder Chile? Schöne Länder, nette Menschen aber leider ein ausgepräger Hang zur spontanen Instabilität. Ist das the place to be für die liquiden Mittel?

Die Amerikaner sind bekanntlich, wie immer über gut ein Viertel der Präsidentschaft, mit dem Vorwahlkampf beschäftigt. Der ist für Außenstehende ungefähr so interessant wie Hallen-Halma und taugt bestenfalls dazu, ein paar Neueinsteigern beim öffentlichen Rundfunk ihre ersten Sendeminuten unter dem Motto „Altes aus der Neuen Welt“ zuzuschustern. Dennoch lassen die TV-Paraden in Übersee bestenfalls ein paar Minuten Zeit für gut gemeinte Ratschläge in den Kategorien Finanzkrise, Rechtsstaat und Sonstiges. Tja, Fritz, Krisen sind halt nichts für Weichlinge.

Über Europa wollen wir an dieser Stelle ausnahmsweise einmal den Mantel des Schweigens ausbreiten – vermutlich haben Sie von den dortigen Problemen schon gehört.

Tja, ein großer Zirkus, für den wir alle eine Karte bekommen haben. Wo aber zeigt das Zelt in den kommenden Monaten die gefährlichsten Risse?

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

Aus welcher Region droht in den kommenden 12 Monaten die größte Gefahr für die Weltwirtschaft?

  • Süd- und Mittelamerika (1%, 7 User)
  • Nordamerika (32%, 226 User)
  • Naher und Mittlerer Osten (13%, 94 User)
  • Europa (35%, 253 User)
  • Asien & Pazifikregion (17%, 122 User)
  • Afrika (2%, 13 User)

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


 

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6 Kommentare auf "Frage der Woche: Ja, wo brennt’s denn?"

  1. FDominicus sagt:

    Die Frage muß man anders herum stellen. „Wo brennt es nicht“? Mir fällt dazu nicht viel ein. Vorschläge?

    • gilga sagt:

      In den Polarregionen ist es recht ruhig… sieht man mal von ein paar hin und wieder aufschwelenden Konflikten um Gebietsansprüche/Ressourcen ab. Aber das spielt sich ja aktiv eher in anderen Regionen ab. Die Polarregionen lässt das in der Regel (Achtung Wortspiel) kalt.

      Auf dem Mond ist’s momentan auch noch ruhig… 😉

  2. auroria sagt:

    Ich muss wieder ein klein wenig OT werden, der „Pepper Spraying Cop“ aus den USA wird jetzt im Internet künstlerisch verewigt:
    http://peppersprayingcop.tumblr.com/

    Und scheinbar will auch die deutsche Polizei zeigen was sie kann.
    Journalisten vertreiben z.b.:
    http://yfrog.com/h624700486j

    Am besten gleich mit Pfefferspray auf die Linse:
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-75588-3.html

    Und Reporter die Podcasts ins Netzt stellen, sind besonders gefährlich, da muss zur „Gefahrenabwehr“ sofort das gesamte Equippment beschlagnahmt werden:
    http://www.metronaut.de/politik/castor-polizei-beschlagnahmt-metronaut-redaktionsbus-und-equipment/

    Oder Bilder gelöscht …
    http://dju.verdi.de/pressemitteilungen/showNews?id=5930e10c-18e7-11e1-5e55-001ec9b03e44

    Nicht dass friedliche Demonstranten besser dran wären …
    http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/castor1035_v-contentgross.jpg
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-75596.html

    Und was sagt die Polizei dazu?
    „GdP-Chef: Verhalten der Polizei beim Castor-Transport ist tadellos.“
    http://www.gdp.de/gdp/gdp.nsf/id/DE_GdP-Chef_Verhalten_der_Polizei_beim_Castor-Transport_ist_tadellos

    ==============================================
    Zu der Eigentlichen Frage wo brennt’s denn hier ein sehr interessanter Vergleich der Titelbilder der Times Ausgaben in den USA und anderen Teilen der Welt, jeweils der gleiche Monat in einer Zeile.
    http://imgur.com/gallery/W2Y5u
    Und wer das für einen fake hält:
    http://www.time.com/time/magazine/asia/0,9263,501090406,00.html

  3. Avantgarde sagt:

    Will jemand in Chinesischen Geisterstädten investieren?

    http://www.youtube.com/watch?v=GD5I6xbdl7k
    http://www.youtube.com/watch?v=wm7rOKT151Y

    Das wird ebenso schief gehen wie in Japan und USA – nur schlimmer.
    Wann ist immer schwierig 2006 wurden die Leute, die vor dem amerikanischen Häusermarkt gewarnt hatten auch ausgelacht.

    Aber solange der Zug rollt wollen halt alle mitspielen damit keiner was verpasst – bis der Rammbock erscheint….dann konnte es mal wieder keiner ahnen und die Vermögenden „Investoren“ werden rausgehauen….

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