Frage der Woche: Eurozone: Rein, raus oder weiter so?

14. November 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Debatten im Rahmen der Mitgliederbefragung einer kleineren deutschen Partei brachten wieder einmal alle Waffen der Rhetorik ans Licht. Besonders beliebt ist nach wie vor der Wechsel der Ebene. Blitzschnell geht es bei einer Währungsunion nicht mehr darum, ob sie sinnvoll ist und überhaupt funktionieren kann. Es geht um nicht weniger als den Weltfrieden.

Besonders traurig sind im Nachgang derartiger Debatten die nur als schlimm zu bezeichnenden Zeitungsberichte. Von der „Idee Europa“ ist die Rede, mit der bekannten und beliebten Verantwortung „gerade als Deutsche“  geht es weiter. Das Spektakel endet wie mit den üblichen Beschwörungsformeln zum Export. Warum gerade den Deutschen eine besondere Verantwortung nachgesagt wird, ein ökonomisches Hasardspiel in Gang zu halten, das schlicht der Verschleierung und Umschichtung von Verlusten dient, bleibt eines der ungelösten Rätsel. Besonders gute Erfahrungen hat der Michel mit derartigen Experimenten in der Geschichte bekanntlich nicht sammeln können.

Was genau die „Idee Europa“ mit einer nicht funktionierenden Einheitswährung zu tun haben soll, wurde ebenfalls nicht artikuliert. Bricht der Weltfrieden zusammen, wenn in Griechenland mit der Drachme und in Deutschland mit dem Rententaler bezahlt wird? Warum sollte das der Fall sein? Oder möchte der eine oder andere schon vorbauen, und die Folgen eines Auseinanderbrechens der Eurozone auf die Nachfolgewährungen schieben? Das wäre doch wirklich nicht nötig. Schließlich haben doch in der Eurozone alle nur Befehle und Dienstanweisungen befolgt und von den ökonomischen Schwierigkeiten nichts gewusst. Wenn die Partei dafür ist, hebt man nun einmal die Karte. Denn die Partei – das ist bekannt – die hat immer Recht.


Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Unabhängig davon, wie sich die Dinge in der Eurozone entwickeln, hat jeder Mensch seine eigenen Wünsche. Der eine findet den Euro gut, der andere mag die EU, hält aber nichts vom Euro. Der oder die dritte kann mit allem nichts anfangen.  Viele Gründe spielen bei der Bildung dieser Wünsche eine Rolle. Vielleicht hat ein Rentner im Mittel mehr Angst vor drastischen Einschnitten als jemand, der gerade sein Studium beendet hat. Ein Landwirt, der seine Gurken nur nach Athen exportiert sieht dem Austritt Deutschlands womöglich im ersten Moment skeptisch entgegen. Wenn der Mann aber an die alljährlichen Ölkäufe für die  Heizung seiner Gewächshäuser denkt, ist er sich nicht mehr so sicher. Eines steht fest, für seine Wünsche muss sich niemand rechtfertigen – aber über unsrere Kommentarfunktion darf dies jeder tun!

Bitte wählen Sie die Variante, die Sie sich wünschen. Es geht um Ihre Wünsche, nicht um die Entwicklung, die Sie erwarten! Was denken Sie?

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

[poll id=“37″]

Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

8 Kommentare auf "Frage der Woche: Eurozone: Rein, raus oder weiter so?"

  1. FDominicus sagt:

    Warum so positiv? Warum Rhetorik und nicht Propaganda?

  2. holger sagt:

    Moinsen…

    ganz klar: Alle Länder eine eigene Währung. Ich kann mich ja nur wiederholen, andere Länder, andere Sitten.

    Aber anders gesehen, kann man ja den Euro auch noch im Kongo einführen oder sogar in ganz Afrika, die Mongolei nehmen wir auch noch mit ins Boot. Da freut sich die Industrie aber, dass da endlich Kaufkraft und Bonität ist. Und dann machen wir noch nen Länderfinanzausgleich und gut ist. Es ist aber auch so etwas von Alternativlos…

  3. Bummbumm sagt:

    Der Kommentar von Robert Rethfeld auf den Goldseiten, wobei man den kleineren Südturm des neuen EZB Gebäude für den unwichtigeren Südeuro verwenden könnte und den powervolleren Nordeuro im Nordturm unterbringt, hat zwar seinen Reiz, aber vielleicht sollten wir doch die Eurozone nicht so schnell kleinhacken lassen und nur die schwachen Länder austreten.

  4. Robert sagt:

    „Nordeuro“ klingt seltsam, wenn man sich überlegt, dass ein paar damals wie heute stabile Länder in Nordeuropa beim Euro von Anfang an nicht mitgespielt haben.

  5. Hans Zahm sagt:

    Ich hab mich für den Nordeuro entschieden… Hintergrund:
    Die Holländer wären dann mit dabei im neuen Nordeuro, die haben uns hier im Grenzgebiet lange genug mit der Umrechnung Gulden/DM im Verhältnis 1/1 beschissen, obwohl der Gulden nur 90 Pfennige wert war, haben die ihre eigene Währung machen die das doch wieder 🙂 grantiert!

  6. DonTrader sagt:

    Meine private Währung ist „Goldgramm“, darum ist mir die offizielle Währung schurzpiepe. Hauptsache sie ist jederzeit in „Goldgramm“ konvertierbar; ich muss ja mit ihr meine Brötchen bezahlen. 😉

    „Früher oder später kehrt Papiergeld zu seinem inneren Wert zurück: Null.“
    Voltaire

  7. auroria sagt:

    Sehr wichtig wird auch sein, was mit den Krediten von Target2, EZB und EFSF passiert.

    Wenn PIGS Staaten austreten und ihre Schulden 1:1 auf ihre neue, abwertende Währung umstellen, haben wir große Verluste.

    Wenn wir aussteigen und unsere Forderungen in € lassen, aber Guthaben 1:1 in DM tauschen, auch.
    Unsere Forderungen 1:1 in DM zu tauschen ist wohl keine Option, weil die PIGS dann sofort Pleite sind mit Schulden in aufgewerteter DM.

    Es bleibt also entweder die Option bei unserem Austritt mit anderen Umtauschverhältnissen (= Währungsreform) zu arbeiten, oder gleich zu Beginn einen dicken extra Batzen Geld zu drucken.

  8. Frank2 sagt:

    Diesmal war ich (huch) in der vollen Mehrheit = alle Länder erhalten wieder eine eigene Währung. Dabei ist mein Wunsch auch meine Erwartung. Vielleicht sollte ich sagen „war“, denn die Mehrheit bekommt selten recht.
    Ich kann immer nur wiederholen, daß noch vor wenigen Jahren D der „kranke Mann Europas“ war. Wir hatten den „Fehler“ zuviel Exportabhängigkeit und zuwenig Binnenkonsum zu haben.
    Heute diktiert der ex-kranke Mann den nun unglücklichen ausländischen Binnenkonsumenten, was sie tun sollen (nämlich nicht binnenkonsumieren). Unser mickriger Binnenkonsum fällt ja nun auch aus, weil der woanders konsumiert werden wird.
    Sind wir dann im Ergebnis nicht bald alle „kranke Männer“?

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.