Frage der Woche: Eurobonds?

15. August 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Bevor man einen Fehler eingesteht, versucht man in der Politik in der Regel die Folgen falscher Entscheidungen auf der Zeitachse nach rechts zu verschieben. Kriegseinsätze werden so im Zeitverlauf mit immer neuen Argumenten begründet. Bei Einsätzen an der Finanzfront ist es nicht anders. Als Tiger abgesprungen und als Bettvorleger gelandet, das trifft auf viele Repräsentanten zu…

Wenn die Folgen auf Dauer nicht so schwerwiegend wären, könnte der Betrachter das dargebotene Lustspiel noch wesentlich entspannter genießen. Leider wird in diesem Kino beim Herausgehen bezahlt.

Im Gewusel aus Rettungspaketen, Bankenstützung, Staatsschulden und Eurobonds haben nicht wenige Abgeordnete scheinbar völlig die Übersicht verloren. Da bringen Ministerpräsidenten in Reden vor einem Finanzforum die einfachsten Sachen durcheinander fühlen sich aber groß in Form. Andere von wem auch immer gewählte wollen heute „Anleihemärkte“ stützen, morgen die EZB auspeitschen und nach Garantien für mehrere hundert Milliarden für die Schulden anderer Länder nun auch noch einen Schritt weiter in die Gesamthaftung gehen. Die ständige Wiederholung des Sätzleins „gerade Deutschland habe doch vom Euro am meisten profitiert“ wird leider durch häufige Wiederholung nicht richtiger. Aber für Fans von schwachen Währungen ist dies unerheblich, schaffen sie es doch auch Importe und Exporte unter Währungsgesichtspunkten vollkommen anders zu betrachten.

Nun ist sie wieder da, die Diskussion um Eurobonds. Unter solchen Papieren versteht man Anleihen, die von der Eurozone gemeinsam emittiert werden und für die die Eurozone gemeinsam haftet. Dazu gibt es zwei wesentliche Gesichtspunkte. Diese Papiere sind im Grunde wie die Institutionalisierung der staatlichen Garantien für Anleihen anderer Staaten. Länder, die durchaus berechtigterweise höhere Zinsen zahlen müssen, als andere, werden so mit künstlich reduzierten Zinssätzen versorgt. Die Kosten dafür fallen in anderen Eurostaaten an, die besser aufgestellt sind. Im Grunde wird der Konstruktionsfehler der Eurozone wiederholt. Andererseits ermöglichen diese gemeinsamen Papiere ein konsistenteres Vorgehen der EU Behörden. Die Frage ist, ob dieses in einem derart heterogenen Wirtschaftsraum sinnvoll und dauerhaft machbar ist.

Was denken Sie? Sollen Eurobonds eingeführt werden?

Wie auch immer Sie über Eurobonds denken. JETZT ist die Zeit die Abgeordneten Ihres Wahlkreises Ihre Meinung mitzuteilen! Dies kostet nur wenige Minuten Ihrer Zeit! Fragen Sie den Abgeordneten ihres Wahlkreises und lassen Sie sich nicht abspeisen.

Gerne können Sie die Antworten der Politiker über die Kommentare an dieser Stelle einstellen! Wir sind gespannt.

Und nun zur Umfrage!

Befürworten Sie Eurobonds?

  • Nein (96%, 1.317 User)
  • Ja (4%, 61 User)

Total Voters: 1.378

Loading ... Loading ...

Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

 

Schlagworte: , ,

32 Kommentare auf "Frage der Woche: Eurobonds?"

  1. holger sagt:

    Das gibts ja nicht,ich bin mal bei der Mehrheit.

    Hallo Meister Ponzi, das mit dem Abgeordnetenwatch, werde ich leider nicht gerne mehr machen. Weil es hier in unserem Kreis gewisse Leute gibt, die ganz einfach ihre Zusagen nicht einhalten. So hatte mich mal ein gewisser Herr Thomas Oppermann (SPD) öffentlich zu einem Gespräch eingeladen, ich hatte da auf AW auch mal ne Frage gestellt, (Bürgerstunde) und wir wollten uns mal über den Vertrag von Lissabon unterhalten. Über AW öffentlich gelaufen, die Einladung. Das Büro versprach mir auch einen Termin. Auf den warte ich schon seit einiger Zeit. Seitdem die Herrschaften ohne den Vertrag zu lesen einfach mal wieder abgenickt hatten, im Bundestag. Nun gut… ich werde es mal versuchen und hier dann einen Link reinstellen.

    Ob es was bringt? Der Harzer-Roller hat sich dazu ja schon geäußert. Versailles 3.0 „hält weder Ochs noch Esel auf“.

    Hier der Text an Thomas Oppermann vorab. Ich hoffe, dass der einfach genug gehalten ist. 😀

    Sehr geehrter Herr Oppermann,

    in letzter Zeit wird zunehmend über die sogenannten „Eurobonds“ geredet. Aus der Presse habe ich entnommen, dass wir Deutschen dann mehr Zinsen zu zahlen hätten, und die vermeintlichen „PIGS“ ihr Zins-Niveau nach unten anpassen können. Es war von Mehr-Kosten von ca. 25.000 Millionen Euro/Anno die Rede, die auf uns Steuerzahler zukommen sollen. Wie stellen Sie sich die Finanzierung konkret vor, und wer erhält diese „Rettungssummen“ von QE 3-X tatsächlich? Persönlich hätte ich ja nix dagegen, wenn das Geld auch da ankommt wo es gebraucht wird und wo es auch eine Wirkung entfalten kann. Im betroffenen Volk über das Einkommen. All diese Maßnahmen von der „Troika“ werden verpuffen. Gerade in den hoch verschuldeten Staaten. Und zum Abschluß noch eine Frage: Würde Sie persönlich die eigene Waschmaschine für 50 Euro verkaufen, um anschließend für jeden Waschgang, 5 Euro Leasinggebühr berappen zu können?

    Vielen Dank für eine Antwort

  2. auroria sagt:

    Die Eurobonds werden kommen und (ich hasse es das sagen zu müssen, aber) sie sind strategisch und mittelfristig vlt. sogar die bessere Variante.

    Wenn die Eurobonds eingeführt werden, dann ist das Theater um die PIIGS erstmal vorbei, der Fokus richtet sich auf USA und GB und man kann davon ausgehen, dass die als erstes zerbröselt werden. Ich glaube die fürchten derzeit nichts mehr, als dass sich Euro(pa) einigt.

    Die Alternative zu den Eurobonds ist, dass Europa mind. währungstechnisch, wenn nicht politisch auseinanderfällt (wobei Deutschland dann als der Sündenbock dastehen wird). Einige werden da sagen gar nicht so schlecht, aber langfristig brauchen wir Zusammenarbeit in Europa. Und währen die Währungen sich auflösen, brauche ich nicht auch noch zur gleichen Zeit ein implodierendes Europa.

    Realistischerweise muss man sehen, dass in Europa / im Euro die instabilen Länder gegenüber den stabileren schon in der Mehrheit sind. Bei den deutschen Parteien siehts mit den Eurobond Beführwörtern kaum besser aus.

    Langfristig sind die Eurobonds natürlich eine Katastrophe, weil es dann keinen Grund für die Pigs zum sparen gibt und wir auf den Schulden sitzenbleiben. Aber da ich langfristig eh die Papierwährungen untergehen sehe, ist das dann eigentlich auch egal oder?

    • Fnord23 sagt:

      Sehe ich auch so. Es geht um den Dollar. Wie der Düsseldorfer immer sagt.

      Abgeordnetenwatch:

      Ich hatte da schon einige persönliche Kontakte.
      Was soll man fragen? Würde ja bedeuten, ich gehe davon aus, dass man die Zusammenhänge kennt und ein wenig Ahnung vom Finanzsystem hat.

      Das sind fast alle Darsteller in einer Seifenoper. Schön-Wetter-Politiker. Alles blah-blah-blah und viel tralala.

      VG aus Sachsen

  3. Traumfang sagt:

    zu abgeordnetenwatch hab ich eine Frage, veröffentlichen die Texte in denen mann zu deutlich wird?

    • holger sagt:

      Hi Traumfang vielleicht hilft das weiter…

      „Guten Tag Holger Lindner,

      hiermit senden wir Ihnen eine Kopie Ihrer Frage, die Sie auf abgeordnetenwatch.de gestellt haben. Bitte beachten Sie, dass sämtliche Fragen von unserem Moderationsteam gegengelesen werden. Daher kann die Veröffentlichung einige Stunden in Anspruch nehmen.“

      so kommt erstmal eine Bestätigung via mail. Es wird also vorab Moderiert. Ist auch gar nicht schlecht. Ich bin gespannt, wie lange die dafür brauchen. 😀

      Mal sehen wie lange es dauert, UND wer ein Statement abgibt.

      http://www.abgeordnetenwatch.de/thomas_oppermann-575-37851.html

      • Traumfang sagt:

        Ok, dann versuchen wir mal unser Glück wobei ich mir keine großen Hoffnungen mache…

        • holger sagt:

          Tja… Antwort kam

          „Guten Tag Holger Lindner,

          vielen Dank für Ihre Nachricht an Herrn Thomas Oppermann über
          abgeordnetenwatch.de.

          Wir müssen Ihnen allerdings mitteilen, dass wir Ihre Nachricht in der uns
          vorliegenden Version nicht freischalten, da sie Tatsachenbehauptungen,
          statistische Daten oder Zitate enthält, die Sie nicht belegen.
          In diesem Zusammenhang beziehen wir uns auf folgende Passage: „Aus der
          Presse habe ich entnommen, dass wir Deutschen dann mehr Zinsen zu zahlen
          hätten, und die vermeintlichen „PIGS“ ihr Zins-Niveau nach unten anpassen
          können. Es war von Mehr-Kosten von ca. 25.000 Millionen Euro/Anno die
          Rede, die auf uns Steuerzahler zukommen sollen.“

          Daher bitten wir Sie, entsprechende Quellen (z.B. in Form von Links zu
          anderen Internetseiten oder Zeitungsartikeln mit Datum) anzugeben. Damit
          würden Sie den Abgeordneten die Möglichkeit geben, Ihrer Frage genau
          nachzugehen und entsprechend zu antworten.

          Auch bei allgemein bekannten Angelegenheiten ist es wichtig, die Quellen
          im Fragetext anzugeben. So können die Leserinnen und Leser des Portals die
          beschriebene Tatsache ohne größeren Aufwand nachvollziehen.

          Wir werden Herrn Thomas Oppermann Ihre Nachricht aber zur Kenntnisnahme
          weiterleiten (aus Datenschutzgründen ohne Ihre e-Mail-Adresse).“

          So sieht es aus in Deutschen Landen. Ohne Quelle läuft nix. Hätten ja nur mal den Fernseher anschalten müssen, evtl Radio… Ich habe die Quellen angegeben. Ich hätte von „Reuters“ bis „SpOn“ so einige nennen können. So… das war es mit abgeordnetenwatch und zur BT-Wahl gehe ich auch nicht. Irgendwer hat mal gesagt: „Wenn Wählen was bringen würde, würde es verboten sein“ oder so ähnlich. Quelle ist mir leider entfallen.

          • Bankhaus Rott sagt:

            Hallo Holger!

            Das lässt in der Tat tief blicken. Vor allem zeigt es wie sehr man in der Tat glaubt, man könne Marktmechanismen dauerhaft austricksen.

            Aber dieser Satz ist eine Einladung, bietet sich doch als Antwort darauf folgende Frage an:

            „Gehen Sie davon aus, dass andere Nationen durch Eurobonds dauerhaft weniger aber keine Nation dauerhaft höhere Zinsen zahlen müsste, als dies bei separat aufgenommenen Krediten der Fall wäre?“

            VIELEN DANK an dieser Stelle an alle Leser, die sich an die Abgeordneten wenden!

            Beste Grüße
            Bankhaus Rott

          • Traumfang sagt:

            Hi Holger,
            also die Behauptungen 1. Eurorettung ist Wahnsinn und
            2. auch ein Hans-Olaf Henkel, als anfänglicher Verfechter des Euro, warnt vor den katasrophalen Folgen lassen Sie ohne Angabe von Quellen durchgehen 😉

          • Fnord23 sagt:

            Trotz meiner Skepsis hab ich trotzdem mal meine Meinung mit drei Fragen geschickt.

            Die Rückmail sah ähnlich aus wie bei dir. Begründung siehe hier:

            „Guten Tag …,

            vielen Dank für Ihre Nachricht an Herrn Frank Heinrich über
            abgeordnetenwatch.de.

            Wir müssen Ihnen allerdings mitteilen, dass wir Ihre Nachricht in der uns
            vorliegenden Version nicht freischalten, da sie gegen den Moderations-Codex verstößt. Sie fällt in die Kategorie:
            – Beiträge, die keine Frageabsicht oder Aufforderung zur Stellungnahme erkennen lassen und hauptsächlich dem Zweck der Meinungsäußerung oder Kommentierung dienen
            Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir auf abgeordnetenwatch.de auf das Frage- und Antwort-Format großen Wert legen.

            Daher würden wir uns freuen, wenn Sie Ihr Anliegen noch einmal in
            konkreten und offenen Fragen formulieren würden.

            Bitte beachten Sie, dass Sie die Frage ERNEUT auf abgeordnetenwatch.de im…..“

            blah-blah-blah und tralala – wie erwartet.

            Die Seite „abgeordnetenwatch.de“ gehört wohl mit zum Schauspiel: Demokratie-Illusion.

            VG aus Sachsen

  4. samy sagt:

    Hi,
    sobald ein Land wie Frankreich sein AAA verliert, wird die Regierung um Euro-Bonds betteln. Frankreich haftet dann nicht mehr innerhalb des Rettungsschirmes „EFSF“, dass ist nur Triple A-Ländern vorbehalten. Die BRD haftet dann mit ca. 50% der Summe des Schirmes. Schäuble wollte so um die 1,5 Billionen Euronen, dass sollte er sich noch mal durch den Kopf gehen lassen. Also entweder Euro-Bonds oder Euro-Kaputt, so seh ich das.
    VG

  5. wolfswurt sagt:

    Die „WELT“ meldet: Wirtschaftsverband fordert schnellstens Eurobonds sonst drohe eine Rezession.

    Diese Forderung von der Wirtschaft zeigt die Geisteshaltung des Wirtschaftens auch in Deutschland.
    Mit Geld ohne Leistung eine Rezession verhindern!
    Das diese sozialistische Denkweise bis in die Managerebene Einzug gehalten hat zeugt von einer nie dagewesenen Ausichtslosigkeit und einem Ideenmangel ersten Grades.

    Wer bis heute noch glaubte die Systemkrise wäre mit etwas Verstand noch zu lösen, sieht sich eines besseren belehrt.

    Mögen die Angelsachsen das Konstrukt EU/€ mit ihrer Schlagkraft(Betrug und Lug) schnellstens zerstören um dem letzten Rest Verstand und Freiheit auf dem Kontinent wieder Gestaltungsraum zu verschaffen.

    • Fnord23 sagt:

      Hallo wolfswurt,
      klar hat die deutsche Exportwirtschaft sonst Probleme. Absatz nur durch mitgelieferten Kredit.

      Deinen letzten Satz finde ich sehr gut. So groß ist der Leidensdruck also schon. Bei mir auch.

      Im zweiten Komment schreibst du:
      „Die gemeinsame Euro Währung hat schon nicht funktioniert und Eurobonds…“

      Wieso? Hat doch super funktioniert. Für die deutschen Steuerzahler war das natürlich ein Schuß in den Ofen. Logisch.
      Reich mit schwacher Währung? Wie soll das gehen? Das ist wie Zunehmen durch Hungen.

      Aber ein Ziel wurde erreicht. Deutschland hat mit wirtschaftlicher Stärke und einer schwachen Währung Europa verschuldet. Deutschland ist doch der größte Gläubiger? Oder?
      Wenn das der geostrategische Plan war, dann Hut ab.

      Hoffentlich gibt es dafür von entsprechender Seite nicht wieder eine vor den Latz. Aber mit zwei so starken neuen Freunden RUS und CH an der Seite…. Natürlich kommen die Angriffe aus UK und deren Stars and Stripes-Kolonie. Wir haben schließlich Wirtschafts- und Währungskrieg.

      VG aus Sachsen

  6. wolfswurt sagt:

    Die gemeinsame Euro Währung hat schon nicht funktioniert und Eurobonds, für die der Stäkste in einer heterogenen Wirtschaftszone am Ende der Alleinhaftende sein wird und damit zu Fall kommt, werden ebensowenig funktionieren.

    Mit Eurobonds wird Deutschland zu Fall gebracht!

    Aber vielleicht war die Euro-Krise vom angelsächsischen Raum bewußt herbeigeführt(man denke an Goldman Sachs Vorarbeit für Griechenland!) um am Ende in Eurobonds zu münden.

    Die wirtschaftliche Stärke ist denen ja ein Dorn im Auge.

    Sollte dies so sein – es wäre Genial!

    Ein Grund um dorthin auszuwandern…

  7. Avantgarde sagt:

    Rein systemisch gesehen verträgt das System keine Forderungsausfälle – und es ist daher aus Sicht der EU sogar zwingend solche Eurobonds einzuführen um Zahlungsausfälle zu vermeiden.

    Nun haben wir den Salat:
    Eigentlich hätte der Euro erst ganz weit hinten zum aller letzten Schluß kommen dürfen wenn die politische Einigung in Europa gelungen wäre und auf demokratischen Füßen stünde – aber wer weiß wie viele Jahrzehte dies gedauert hätte.
    So lange wollten die Politiker nicht warten. Man machte den zweiten vor dem ersten Schritt und fiel aufs Maxx..

    Jetzt erzwingen sie quasi über die Finanzkrise ein politisches Zusammenrücken.
    Europäischer Wirtschaftsminister u.ä. Vorschläge.

    Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera:
    Keine Eurobonds bedeuten deflationäre Effekte mit teilweisem Ausfall auch deutscher Absatzmärkte.
    Eurobonds vergemeinschften das Risiko – die Nichtschwimmer können die Schwimmer irgendwann mit nach unten nehmen.

  8. Reiner Vogels sagt:

    Rein wirtschaftlich sind Eurobonds natürlich eine Katastrophe. Das liegt daran, dass die Verschuldungsvolumina, für die am Ende Deutschland bürgen muss, so astronomisch sind, dass Deutschland das einfach nicht leisten kann. Es wird sehr schnell sein AAA verlieren, und das mit vollem Recht.

    Noch schlimmer jedoch sind m.E. die politischen Folgen: Union und FDP sind sich ja darin einig, dass Eurobonds eine strenge finanzwirtschaftliches Aufsicht mit spürbaren Sanktionsmöglichkeiten voraussetzen, unter die die Schuldenstaaten gestellt werden müssten. Ich bin überzeugt, dass dann, wenn die Regierung der Öffentlichkeit mit einigermaßen Aussicht auf Erfolg vorerzählen kann, dass eine solche Aufsicht installiert sei und ganz gewiss funktionieren werde (wie ja auch schon das Bailout-Verbot in den Euroverträgen), die Eurobonds kommen werden.

    Die in Brüssel dann angesiedelte Finanzaufsicht wird, obwohl sie natürlich, wenn es ums Schuldenmachen geht, immer nur durch die Finger sehen wird, dennoch eine mächtige zentrale Finanzbehörde sein, die den demokratischen Parlamenten Europas das souveräne Recht entzieht, über den Staatshaushalt verbindlich zu befinden. Damit wird der Kern der europäischen Demokratie zerstört. Denn die zentrale Behörde wird ebenso wie schon die Europäische Kommission über keine auch nur rudimentäre demokratische Legitimation verfügen und keinem demokratischen Parlament gegenüber wirklich verantwortlich sein. Die Einführung von Eurobonds wird auf geradem Wege in die bürokratische Tyrannei führen. Das Totenglöcklein für die Demokratien Europas kann schon einmal in Bereitschaft gebracht werden.

    • wolfswurt sagt:

      Demokratische Legitimation hin oder her, entscheidend ist doch folgendes:

      Des Denkens nicht mächtige, sich absolut selbstüberschätzende „Persönlichkeiten“ die in keinem Land der EU in den letzten 40 Jahren in der Lage gewesen sind auch nur einen Haushaltsplan nach Adam Riese aufzustellen installieren nun eine EU-Finanzaufsicht( dies Wort spricht schon Hohn) mit exakt selben „Persönlichkeiten“ die ein noch größeres Gebäude „in Ordnung“ halten sollen.

      Hier faßt sich selbst der größte Schwachmat an den Kopf ob solcher Eulenspiegeleien.

      Wirkliche Persönlichkeiten mit Charakter und gesundem Geist sind nötig – ob Demokratie oder Diktatur spielt dann keine Rolle.

      Was nützt die Legitimation der Masse, welche nicht zwischen einem Fähigen und einem Dummkopf zu unterscheiden vermag?

      Klarer Verstand kommt nur zu einer Erkenntnis: dieses Gebäude EU war von Anfang an morsch, wurde morscher und wird morgen an Morschheit zusammenbrechen.

  9. VickyColle sagt:

    So bekommt man den „Gegner“ schwach.
    Hut ab vor den Angelsachsen.

    Ich lehne Eurobonds ab.
    Dennoch haben sie einen großen Vorteil:
    sie erkaufen uns allen noch etwas Zeit und einigermaßen funktionierende Strukturen.

  10. Robert sagt:

    @VickyColle: das ist der Punkt. Auch wir alle bekommen mehr Zeit, uns zu organisieren.

    Ich selbst bin mir aber noch nicht ganz sicher, wie ich diese Zeit nutzen will. Soviel verkaufen wie nötig ist, um die Restschulden zu tilgen. Oder bis zur Höchstgrenze auf Kredit kaufen, Grundstücke, Wald, Acker, Metall, vielleicht eine Firma.

    • Fnord23 sagt:

      Hallo Robert,
      darüber denke auch ich schon lange nach. Ich komme zu keinem Ergebnis.

      Wenn du ganz krass drauf bist:

      Sämtliche Konten überziehen. Edelmetalle anonym kaufen.
      Alle monatliche Zahlungen einstellen und solange die Gläubiger die Füße still halten das Gesparte in EM. Autos usw. auf Familienmitglieder übertragen.

      Irgendwann Finger heben und gut. Das ist aber die ganz harte Nummer. Ich mein, wenn du davon ausgehst, dass das System eh bricht, dann ist dass auch schon egal. Oder?

      Nichts für mich. Man hat einfach zu viel Skrupel in einem skrupellosen System.

      Aber da gibt es bestimmt so Strategen. Wie gesagt, die ganz harte Nummer ist das.

      Was bringt es jetzt 150 k Hyposchulden auf 140k abzubauen? Lieber dafür EM anonym erwerben. Oder? So fahr ich jetzt. Aber da hat jeder seinen Weg.
      Eine Firma kaufen, auch gut. Welche? Wenn ich im Herbst 1989 eine Klempnerei mit Material und Maschinen übernommen habe, dann hatte ich 1990 ein großes Problem. Maschinen und Materiallager nichts mehr wert. Plötzlich wollten alle nur noch Kupferleitungen. Land hätte ich damals kaufen sollen. War in der DDR wie ein Klotz am Bein.

      Acker und Wald. Auch nicht schlecht. Schau dir mal die Bauern an. Ich hab in der Nachbarschaft welche, die besitzen seit Generationen Land. Die Verkaufen keinen qm. Im Gegenteil. Hier bei uns im Erzgebirge bekommst man aber nichts mehr. Und wenn, dann zu Preisen…

      Irgenwie alles blöd im Moment. Wer kann noch lang- oder mittelfristig planen?

      Es ist nur ein rumgestocher im Nebel. Klar kann man schauen, wie die vorherigen Zyklen abliefen. Muss das wieder so kommen? Es scheint so. Aber ein Restrisiko bleibt. Das bringt doch erst den Spass.

      Ich tu EM ein und hoffe, dass ich richtig liege. Zumal die EM-Bugs ein nettes Völkchen sind.

      VG aus Sachsen

  11. Hal 9000 sagt:

    In der Tat, mit Eurobonds wird nur Zeit erkauft, die Rechnung am Ende wird dann nur noch größer. Eurobonds = Zeit kaufen = finanzieller Volkssturm 🙁

  12. auroria sagt:

    Da wir mit dem EFSF de facto eh schon Euro Bonds haben, ist die Frage fast schon obsolet.

    Aber je länger ich nachdenke und beobachte, um so mehr komme ich zu dem Schluss, dass einiges mehr im Sinne Deutschlands läuft (und geplant war), als es auf den 1. Blick den Anschein hat.

    Der € war die Gebühr für die (Zustimmung Frankreichs zur) Wiedervereinigung. Soweit sind wir uns glaube ich einig.
    Frankreich wollte Deutschland damit „an die Leine nehmen“ und die anderen Länder haben auch gerne mitgemacht, weil sie viel niedrigere Zinsen in Aussicht hatten und auch bekommen haben.

    Die deutschen Politiker wussten von Anfang an, dass der € nur mit einer gemeinsamen Finanzpolitilk funktioniert, haben viele damals auch gesagt. Es war damals nicht durchsetzbar, weil die anderen Länder nur die Vorteile haben, aber sich nicht reinreden lassen wollten. In Deutschland hat man gehofft, dass man die gemeinsame Finanzpolitik nachschieben kann. Und wohl gewusst, dass spätestens wenn die anderen Länder in Probleme kommen, die Stunde geschlagen hat. (also jetzt)

    Deutschland steht derzeit gut da, Frankreichs Plan ist gescheitert und wir haben die Möglichkeit den anderen Länder unsere Bedingungen aufzudrücken.
    Sehr empfehlenswert ist dieser Artikel, der das ganze aus einer sehr strategischen Perspektive analysiert:
    http://www.stratfor.com/weekly/20110725-germanys-choice-part-2
    „The French are both thrilled and terrified — thrilled that the Germans have finally agreed to commit the resources required to make the European Union work and terrified that Berlin has found a way to do it that preserves German control of those resources. The French realize that they are losing control of Europe, and fast.“

    Hier noch ein etwas älterer Artikel:
    http://www.stratfor.com/weekly/20100315_germany_mitteleuropa_redux

  13. Gerrnzfg sagt:

    Wie ich gerade woanders so treffend gelesen habe: Wenn auf den Tisch scheißen nicht gegen die Fliegen im Esszimmer hilft, dann MUSS es daran liegen, daß der Scheißhaufen nicht groß genug ist…

    Ich bin eher dafür, mal den Putzeimer zu holen, und gründlich aufzuwischen…

  14. howard sagt:

    Hallo Herr Meinhardt,

    Was denken Sie? Sollen Eurobonds eingeführt werden?

    Antwort von Patrick Meinhardt

    15.08.2011
    Patrick Meinhardt(FDP)
    Abgeordneter Bundestag
    Sehr geehrter Herr howard,

    vielen Dank für Ihre Frage zu Euro-Bonds, die ich gerne beantworte.

    Euro-Bonds bestrafen die Länder, die gut wirtschaften und ihre Schulden begrenzen, und belohnen diejenigen, die über ihren Verhältnissen gelebt haben, indem alle Euro-Länder in einen Topf geworfen werden und dann einen Einheitszinssatz bekommen. Das wäre in etwa so, wie wenn eine Bank einem Handwerker, der kurz vor der Pleite steht, Geld zum selben Zinssatz leihen würde, wie einem florierenden, mit Eigenkapital voll ausgestatteten Betrieb. Eine solche leistungsfeindliche Gleichmacherei wird die Gesamtsituation nicht verbessern – im Gegenteil: Sie ist sogar gefährlich, weil sie die einzelnen Länder nicht motiviert, sich anzustrengen und verantwortungsvoll zu wirtschaften.

    Mit besten Grüßen
    verbleibe ich

    Ihr Patrick Meinhardt

  15. Fnord23 sagt:

    Dass ich das noch erleben darf!

    Gestern im Rentnersender ZDF, Heute Journal,Thema: Bretton Woods

    Der Herr Kleber hält einen 50 Euro Schein in den Händen und sagt so ähnlich:

    „Warum glauben wir an den Wert des Geldes? Nur weil da einer 50 drauf geschrieben hat und die Unterschrift von einem Herrn Trichet da steht und EZB…?“

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/228#/beitrag/video/1411806/1971:-Dollar-vom-Goldpreis-abgekoppelt

    Dann wird auch noch Thorsten Schulte- der Silberjunge- zum Thema befragt, der aber nicht an einen neuen Goldstandard glaubt. Na so was..

    Wir hatten Augen groß wie Untertassen. Was mittlerweile nicht alles geht.

    VG aus Sachsen

  16. JayJay sagt:

    Habe meinen Bundestagsabgeordneten, zwar nicht nach seiner Meinung zu Eurobonds gefragt, aber zum Euro-Rettungspaket, was im September durch den Bundestag gepeitscht werden soll. So bald er geantwortet hat, poste ich es noch.
    Gold & Silber Ahoi

  17. wolfswurt sagt:

    Heute im Handelsblatt: „Eurobonds gelten als letzte Wunderwaffe“

    Kommt das Wort Wunderwaffe ins Spiel wie in den letzten Zügen des 3.Reiches, ist das Ende wohl nicht mehr weit.

  18. JayJay sagt:

    Hier ist die Anwort meines Bundestagsabgeordneten, dieser sitz seit der Wende für meinen Wahlkreis, und für die CDU im Bundsetag. Nur zur Info. Wie gesagt meine Frage an ihn drehte sich nicht um Eurobonds, sondern um den Rettungschirm allgemein. Also er wird zustimmen, das schon mal vorne weg.

    vielen Dank für die Befragung über Abgeordnetenwatch zum Europäischen Stabilitätsmechanismus. Als Parlamentarischer Geschäftsführer meiner Fraktion ist es meine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass parlamentarische Verfahren im Deutschen Bundestag in geordneten Bahnen verlaufen können. Deshalb ist es mir persönlich wichtig, auch bei diesem sensiblen und eiligen Thema die Ordnung gewahrt zu wissen. Der Ältestenrat – nicht die Regierung – wird die Tagesordnung für den 23. September 2011 am 8. September beschließen. Ich gehe von einer öffentlichen Debatte nicht unter 90 Minuten aus.
    Es kann kaum von „in Windeseile“ gesprochen werden, wenn seit Dienstag mit Bekanntgabe der Ergebnisse des Treffens von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel mit Präsident Nicolas Sarkozy in Paris die Eckpunkte für ein ESM-Paket, denen der Bundestag zustimmen muss, auf dem Tisch liegen. Bereits in der „Haushaltswoche“ des Bundestages Anfang September werden darüber hinaus Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel Stellung nehmen und vor dem Bundestag erklären, welche Regelungen vom Parlament abgesegnet werden sollen. Es bleibt also genug Zeit für Fragen und Debatten.
    Ich weiß mich hier mit den Kollegen meiner eigenen und aus allen anderen Fraktionen einig. Die Beteiligung des Deutschen Bundestages ist allen Abgeordneten ein zentrales Anliegen. Ich lege sehr großen Wert darauf, dass der Deutsche Bundestag allen Vereinbarungen mit finanzieller Auswirkung zustimmen muss.
    Zum ESM selbst: Ich möchte deutlich betonen, dass ich jede Sorge über die Lage der gemeinsamen europäischen Währung nachvollziehen kann. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns an einer Wegscheide in Bezug auf die Zukunft des Euro befinden. Schon in meiner Kolumne vom 1. Juli 2011 habe ich dazu Stellung bezogen: http://www.manfredgrund.de
    Aber bei allem Bauchgrummeln stimmt auch: Eine Währungsunion ist nicht zum Nulltarif zu haben. Sie kann nur funktionieren, wenn jedes Mitgliedsland aus eigener Kraft wettbewerbsfähig ist und solide wirtschaftet. Die Schärfung des Stabilitätspakts und eine Einführung des Euro-Plus-Pakts muss deshalb die Rahmenbedingungen für eine stabile und wettbewerbsfähige Währungsunion dauerhaft sichern.
    Hilfen für in Schwierigkeiten geratene Euro-Länder und alle künftigen Maßnahmen dürfen nur zielgerichtete Krisenhilfe sein. Und genau dafür brauchen wir einen verlässlichen und transparenten Europäischen Stabilitätsmechanismus.
    Zudem möchte ich Ihrer These widersprechen, dass mit dem ESM eine Transferunion und eine Haftungsgemeinschaft eingerichtet werden. Hilfen für notleidende Euro-Staaten wird es nur im Einzelfall und unter strikten Bedingungen und Auflagen geben, nicht zuletzt unter Beteiligung der privaten Gläubiger. Natürlich sind Belastungen für die Steuerzahler nicht ausgeschlossen. Ich stimme zu, wenn das Risiko auf das notwendige Mindestmaß beschränkt bleibt.
    Insgesamt bin ich von der Notwendigkeit des ESM überzeugt und setze mich daher ausdrücklich für die Zustimmung zum ESM im Deutschen Bundestag ein.

    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Grund

  19. auroria sagt:

    CDU Meck-Pomm meidet Abgeordnetenwatch:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-Meck-Pomm-meidet-Abgeordnetenwatch-1330237.html

    Steinbrück diffarmiert Abgeordnetenwatch als „komerzieller Haufen“:

    http://www.youtube.com/watch?v=NEONJ6pDkro

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.