Drucken bis der Arzt kommt?

Happy blue monster 30. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die aktuellen Daten zur Kreditnachfrage innerhalb der EU sind aufschlussreich. Sie werfen ein schummriges Licht auf die Dauerforderung nach „mehr EZB“. Die Zentralbank kann die Zinsen zwar über Anleihekäufe beeinflussen, aber wer keinen Kredit will, der nimmt halt keinen. Derzeit ist die Nettonachfrage nach neuen Krediten im freien Fall.

Wir erinnern uns an zahlreiche Fantasien von Berufspolitikern. Die Zentralbank soll Geld in den Markt geben, um die Kreditvergabe zu steigern. Vermutlich “funktioniert” die Wirtschaft in den Köpfen einiger Parlamentarier tatsächlich so simpel. „Herr Schmitzke, sie verkaufen zu wenig Hackfleisch an der Fleischtheke? Dann legen Sie doch einfach noch ein paar Mettigel mehr in die Auslage“. Frei nach dem Motto, was da ist, wird auch gekauft, verfahren die Großauguren auch am Kreditmarkt.

Dumm nur, dass die Realität in der Eurozone derzeit so gar nicht auf die Fantasie hören will. Im Gegenteil, alle Versuchen, mit immer höheren Summen die Kreditausweitung anzukurbeln, sind grandios gescheitert. Am Angebot, wie so gerne mit einem Verweis auf die EZB Bilanz behauptet, liegt es vermutlich nicht. Aber es gibt auch hier zwei Seiten der Medaille. Die Nachfrage ist nach dem Absturz der Jahre 2008 und 2009 nun erneut in einen steilen Sinkflug eingetreten. Es sieht so aus, als könnte der Tiefpunkt der ersten Krisenphase durchaus noch einmal erreicht werden. Das ist Deleveraging in der Realwelt.

Im aktuellen Umfeld sind die Verschuldungsniveaus vieler Firmen (z.B. in Spanien und Frankreich) so hoch, dass sie schlichtweg die bestehenden Kredite so schnell wie möglich zurückfahren, wenn das möglich ist. Ziel ist es, auf ein auch im Ernstfall tragbares Niveau zu gelangen. Sehr deutlich ist dieser Prozess bei vielen Banken zu beobachten. Einige angelsächsische Institute waren hier übrigens wesentlich resoluter, haben sich von teils gigantischen Paketen getrennt und die Risiken der Banken somit zurückgefahren. So hat, um ein Beispiel zu nennen, die verstaatlichte Royal Bank of Scotland ihre Bilanz seit 2008 von 2,2 Billionen Pfund auf 1,4 Billionen Pfund reduziert. Damit hat sie immer noch das Ausmaß des britischen BIP, aber der Rückbau ist deutlich und sicherlich noch nicht beendet. Zusammen mit den erfolgten sehr schmerzhaften Kapitalerhöhungen verbessert sich die Krisenresistenz deutlich. Ob das genügt wird sich zeigen.

Die Bankenkrise ist weiter in einer sehr akuten Phase und der Bedarf zur Reduktion der Assets innerhalb der Eurozone ist nach wie vor beeindruckend. Im letzten Global Stability Report des IWF wurden einige Zahlen genannt. Bis 2013 rechnet die Behörde mit einer Schrumpfung der Bankbilanzen in der Eurozone um 7%. Das wären satte €2.000 Milliarden. Allein die ausstehenden Kredite des Finanzsektors innerhalb der Währungsunion liegen derzeit bei rund €18.500 Milliarden. Das ist in etwa das Doppelte der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung des Währungsraumes. Bevor nicht die Solvenzprobleme der Banken über deutliche Erhöhungen des Eigenkapitals angegangen werden, ist von dieser Seite aus keine Besserung zu erwarten.

Wer nur auf die Kreditvergabebedingungen und das Zinsniveau schielte, der wurde auch von der schlechten Entwicklung in Großbritannien auf dem falschen Fuß erwischt. Trotz einer Stabilisierung der Angebotsseite fiel auch in UK die Kreditvergabe drastisch. Nicht umsonst sind die Briten frisch in eine erneute Rezession geschlittert. Viele Unternehmen sind angesichts der Unsicherheiten schlichtweg nicht dazu in der Lage, Investitionsmöglichkeiten zu finden, die sich rechnen. Auch das britische Dauer-QE hat diesbezüglich nicht geholfen. Strukturelle Probleme lassen sich bekanntermaßen nicht durch temporäre Liquiditätsbereitstellung lösen.

Was denken Sie?

Soll die EZB weiterhin unbegrenzte Liquidität für die europäischen Banken bereitstellen?

  • Nein. (81%, 576 User)
  • Ja. (19%, 136 User)

Total Voters: 712

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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26 Kommentare auf "Drucken bis der Arzt kommt?"

  1. Fnord23 sagt:

    Liebes Bankhaus Rott,
    ja was sollen sie denn sonst tun?

    VG

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Fnord23,

      Banken abwickeln.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Avantgarde sagt:

        Dann haben wir die Greatest Depression…
        Wollen Sie wirklich das Armageddon was sich manche religiös verblendete Republikaner herbeiwünschen?

        Es gäbe nur einen Weg – alle Banken verstaatlichen.
        Schweden hat das damals erfolgreich gemacht.

        Bei diesen Ausmaßen ist allerdings jede Regelung ein Feldversuch.

        • Karl Napp sagt:

          Richtig, Banken abwickeln, regulieren und dafür sorgen, dass keine Bank mehr systemrelevant ist.

          Das wird aber nicht passieren. Wir in der EU sind ja jetzt Dienstleistungsgesellschaft, weil unsere Industrieproduktion nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo Avantgarde,

          >>Dann haben wir die Greatest Depression…

          Das ist das Standardargument für alle Zentralbankmaßnahmen. Allerdings ist es ja nicht die Existenz einer Bank, die eine Depression verhindert, sondern das Wachstum der Kredite. Wenn Banken per Saldo Assets verkaufen verhindert auch die Bereitstellung von Liquidität nichts. Sie senkt lediglich die Finanzierungskosten der Institute.

          In der Frage geht es um die Banken, die man durchaus abwickeln kann. Denkbar und unserer Meinung nach sinnvoll wäre eine Rekapitalisierung, die auf verschiedenen Wegen erreichbar wäre. Der klassische derzeit aber nicht umsetzbare Schritt wäre eine neuer Aktien am Markt. Alternativ wäre der Verkauf neuer Stammaktien an den Staat, die von ihnen angesprochene Verstaatlichung. Vor dieser Verstaatlichung hielten wir einen dritter Weg für besser, die Wandlung von senior Anleihen in Stammaktien. Das würde vor allem die Altaktionäre treffen, zu Recht, denn die meisten Banken sind technisch insolvent.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

          P.S. Schweden ist eine kleine Volkswirtschaft, die seinerzeit in einem anderem Umfeld in die Krise schlitterte. “Herauswachsen” wird sich die Eurozone aus dieser Krise mit dem bestehenden Korsett nicht.

          • Avantgarde sagt:

            Nun bin ich aber doch erleichtert, daß auch das Bankhaus Rott die Notwendigkeit zur Rekapitalisierung sieht.
            Und Abwickeln nicht gleich Pleite bedeuten soll.

            Der Vorteil bei einer Verstaatlichung wäre aber, daß man bei einer Neuordnung sehr viel leichter die Banken in kleinere (nicht systemrelevante Teile) aufsplitten und ein Trennbankensystem einführen könnte.

            Lässt man die großen Broken nämlich bestehen und gibt nur neues Geld dann riskiert man eine Wiederholung der Ereignisse.

          • Manuel sagt:
        • Peter G. sagt:

          Verstaatlichen? Weil der Staat sich als kompetent und von äusseren Einflüssen unabhängig erwiesen hat?

          • Avantgarde sagt:

            Das ist doch gar nicht das Thema!

            Hier geht es nur darum wie man die Banken sinnvoll restrukturieren kann.
            “privat” ist jedenfalls technisch K.O.

            Nur der Staat hat die Möglichkeit das zeitweise in seine Hände zu nehmen um den Sektor neu aufzustellen.

          • Bankhaus Rott sagt:

            @Peter G.

            Es geht nicht darum, ob der Staat es besser kann, es geht darum ob jemand anderes Kapital bereitstellt, mit dem dann Verluste aus ausfallenden Assets beglichen werden. Zumindest im Bankensektor haben sich sowohl private als auch öffentliche Institute gleichermaßen nicht eben mit Ruhm bekleckert.

            Jeder muss wissen was er tut, aber wir halten es für dumm, Eigenkapital bereitzustellen und im Gegenzug keine Stimmrechte zu erhalten. Aber das kann natürlich jeder anders beurteilen.

            Eine privatwirtschaftliche Lösung wäre kompliziert aber möglich, etwa der erwähnte Swap von senior Bonds in Aktien. Das träfe dann Gläubiger und Anteilseigner. Aber dann wird das Gejammer groß, denn die meisten fordern bekanntlich Marktwirtschaft nur für die anderen.

            Beste Grüße
            Bankhaus Rott

      • Fnord23 sagt:

        Abwickeln-gut….

        Wer fängt damit an? Nur D., Europa, weltweit? Wer sich als erster bewegt hat verloren?

        Hier geht es doch nicht nur um den Finanzsektor?

        Wachstum, Wachstum, Wachstum. Schuldenwachstum, Konsumwachstum, Umweltbenutzung mit wachsender Zerstörung unserer Lebensgrundlage. Bevölkerungswachstum das wo enden soll?

        Es braucht wohl ein völlig neues, komplettes, allumfassendes Konzept.

        Aber Banken abwickeln wäre ja mal ein Anfang.

        Nur: Wer soll damit beginnen?

        VG

  2. vegaman sagt:

    @Fnord23:
    Da dieses (Geld-)System inzwischen derart sozialistisch ist, dass man ohne Weiteres jegliche Steuerungsmaßnahme vorschlagen kann, ohne auch nur einen Millimeter aus dem Rahmen zu fallen, ist die Antwort logisch:

    Die EZB muss Kredite nachfragen!!

    • Fnord23 sagt:

      Hallo vegaman,

      mit der Bezeichnung “sozialistisch” bin ich vorsichtig. Ich hab in dieser Diktatur, die auch nicht als solche begann, gelebt.

      Auch dieses Finanz- und Wirtschaftssystem begann nicht als eine Diktatur. In der Endphase ist das System nun mal nicht anders zu halten, als mit diesen Mitteln.

      Dass man den Tag der Offenbarung hinaus schiebt, kann ich verstehen.

      VG

  3. Kintao sagt:

    Ohne die unbegrenzte Liquidität gebe es eine Depression schlimmer wie 1929.

  4. EuroTanic sagt:

    Eine Depression gibt es nur innerhalb dieses falschen Systems. Ergo muss man nicht das falsche System immer weiter zwanghaft betreiben sondern das System ändern. So einfach ist das.

  5. Wollen sagt:

    Nachdem die Strategie des Sparens in Europa scheitert, rudern die ersten mit Konjunkturprogrammen gegen den Strom?
    Da fehlen einem die Worte dafür,wie bei Herrn Mayer heut zufällig gesehen..

    Ist es nicht möglich,das es zu einer Währungsreform kommt?,eine Reform wird sicherlich nicht auf einem hohen wirtschaftlichen Niveau in den Ländern stattfinden deswegen die Sparprogramme beschlossen,durchgesetzt werden.

  6. dork sagt:

    Ist doch jetzt eh alles hinfällig, jetzt wo die Politik die Sparmaßnahmen verwirft und die Wachstum, Wachstum, Wachstum-Keule gepredigt wird … natürlich auf Pump, aber das ist ja auch die letzten 50 Jahre gutgegangen. (kopfschüttel, kopfAnDieWandstoss)

  7. Wollen sagt:

    Oder versteckter 200 Mill. europäischer Marshallwachstum Bailoutplan für Spaniens,Potugals Banken…auch ne Variante.Kommt immer darauf an, wie man es schreibt oder verkauft.

  8. crunchy sagt:

    Ich hatte da mal, im April vergangenen Jahres, eine Idee: Verkaufe jetzt Dein Silber (50%, da steuerfrei realisierbar), kaufe es billig (29.12)zurück und Du hast Dir damit die Silberoption auf Gold gestrickt.
    Nun habe ich mir mein Verkauftes plus ein Viertel (?Dividende?) zurückgekauft und komme zunehmend zur Einsicht, es erstmal nicht mehr einsetzen zu wollen. Silber hatte ich bisher nicht soviel zugetraut.
    Je mehr ich lerne, desto höher möchte ich mein Investment gewichten.
    Gold ist also viel höher gehortet. Da Banken beginnen, Gold als Sicherheit zu akzeptieren, na ja, die Türken sind da schneller,
    denke ich daran, mein physisches Gold zur Hälfte(in Streifband) für Silberkäufe einzusetzen. Eines bleibt aber unverrückbar: Silber muss als Erstes raus! Wetten, dass demnächst die “Deutsche” Goldkonten einrichtet?

  9. 6zylinder sagt:

    Mann oh Mann, was wir hier sehen ist eine totale VERTRAUENSKRISE. Und wie heisst es doch so schön: Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie von allein. Nur wann saufen die Pferde? Wenn das Wasser nicht “vergiftet” ist. Auf den Kredit gemünzt bedeutet dies, ich nehme nur dann einen Kredit auf, wenn ich mir nach Abzug der Kreditkosten (-> Zinsen) einen Gewinn verspreche. Dies ist die Sprirale nach oben, welche wir ua. bei der Immobilienblase gesehen haben. Doch was ist, wenn ich trotz Geld (geliehen) welches praktisch nichts kostet keine neuen Investments erkenne, welche eine Rendite versprechen? Und wir brauchen uns nichts vorzulügen, ohne Rendite (zumindest Aussicht darauf) kein Investment, ohne Zinsen keinen Kredit, oder warum sollte jemand seine Ersparnisse anderen für eine Zeit umsonst überlassen? Ohne Vertrauen in die Zukunft kann ich keine Unternehmung anfangen (und dafür auch noch Kredit aufnehmen) und dieses Vertrauen fehlt zur Zeit bei den Menschen im Westen (USA+Europa). Die gesamte Krise ist eine Vertrauenskrise, und solange das Vertrauen durch echte vertrauensbildenen Massnahmen nicht zurückkehrt, wird diese weltweite Krise auch nicht behoben werden können. Es braucht nicht nur der gut gefüllten Tränke, sondern auch das zutrauen der Pferde, dass es weiter aufwärts geht wenn sie denn trinken, d.h. Kreditaufnahme muss für den Kreditnehmer einen Sinn ergeben im Sinne von Gewinnmöglichkeit.

    So long, RNU

    • Fnord23 sagt:

      Hallo 6zylinder,

      das ist der springende Punkt:

      “Und wir brauchen uns nichts vorzulügen, ohne Rendite (zumindest Aussicht darauf) kein Investment, ohne Zinsen keinen Kredit, oder warum sollte jemand seine Ersparnisse anderen für eine Zeit umsonst überlassen?”

      Betriebswirtschaftlich wäre das Nonsens und widerspricht natürlich unserer Veranlagung.

      Volkswirtschaftlich gesehen ist das eines unserer größeren Probleme. Wieso nehmen private Banken Zinsen für die Geldschöpfung?
      Staatsverschuldung ist kein Naturgesetz und der liebe Gott hat das wohl auch nicht hin gezimmert. (ausgenommen der Blankfein) :-)

      VG aus dem Erzgebirge

      • Tulius sagt:

        ohne Zinsen keinen Kredit? Der Zusammenhang muss nicht unbedingt stimmen. Schau dir nur mal das islamische Bankwesen an. Hier existiert ein Zinsverbot. Trotzdem lohnt es sich für Anlager Geld für Investitionen bereit zu stellen, weil sie über Gewinnbeteiligungen an den Erträgen beteiligt sind.

        Hab dazu mal was aus dem Netz heraus kopiert:

        “Islamische Anleihen

        Unter islamischen Anleihen werden Anleihen verstanden, welche das islamische Zinsverbot umgehen.

        Streng gläubigen Moslems ist nämlich die Entgegennahme von Zinsen für verliehenes Geld verboten. Ausdrücklich erlaubt der Koran jedoch die Verteilung von entstahdenen Gewinnen. Um das Zinsverbot zu umgehen, müssen also die Zinszahlungen mit “passenden” Gewinnauszahlungen (“Dividenden”) ersetzt werden.

        Das überwiegend islamische Malaysia hat im Jahr 2002 einen Zerobond, d. h. eine Anleihe mit einem Zinssatz von 0%, begeben, deren Kapital ausschließlich in islamverträgliche Investitionen (keine Alkoholproduktion, keine Schweinefleischverarbeitung etc.) fließen sollte. In Deutschland wäre so etwas mit ethischen Investments wie z.B. der Ökobank vergleichbar.

        Die Rückflüsse aus die islamverträglichen Investments werden als Gewinne bezeichnet, welche bei Laufzeitende der Anleihe in einem Stück auf die einzelnen Käufer der Anleihe aufgeteilt werden.

    • Avantgarde sagt:

      ““Und wir brauchen uns nichts vorzulügen, ohne Rendite (zumindest Aussicht darauf) kein Investment, ohne Zinsen keinen Kredit, oder warum sollte jemand seine Ersparnisse anderen für eine Zeit umsonst überlassen?”

      So ist es!
      Und das sollten sich alle Zinskritiker mal hinter die Ohren schreiben.
      Es ist kompletter Nonsense ein Zinsfreies Geld zu fordern – es sei denn man benennt den “Zins” in “Aufgeld” oder etwas ähnliches um :-)

      • Tulius sagt:

        ohne Zinsen keinen Kredit? Der Zusammenhang muss nicht unbedingt stimmen. Schau dir nur mal das islamische Bankwesen an. Hier existiert ein Zinsverbot. Trotzdem lohnt es sich für Anlager Geld für Investitionen bereit zu stellen, weil sie über Gewinnbeteiligungen an den Erträgen beteiligt sind.

        Hab dazu mal was aus dem Netz heraus kopiert:

        “Islamische Anleihen

        Unter islamischen Anleihen werden Anleihen verstanden, welche das islamische Zinsverbot umgehen.

        Streng gläubigen Moslems ist nämlich die Entgegennahme von Zinsen für verliehenes Geld verboten. Ausdrücklich erlaubt der Koran jedoch die Verteilung von entstahdenen Gewinnen. Um das Zinsverbot zu umgehen, müssen also die Zinszahlungen mit “passenden” Gewinnauszahlungen (“Dividenden”) ersetzt werden.

        Das überwiegend islamische Malaysia hat im Jahr 2002 einen Zerobond, d. h. eine Anleihe mit einem Zinssatz von 0%, begeben, deren Kapital ausschließlich in islamverträgliche Investitionen (keine Alkoholproduktion, keine Schweinefleischverarbeitung etc.) fließen sollte. In Deutschland wäre so etwas mit ethischen Investments wie z.B. der Ökobank vergleichbar.

        Die Rückflüsse aus die islamverträglichen Investments werden als Gewinne bezeichnet, welche bei Laufzeitende der Anleihe in einem Stück auf die einzelnen Käufer der Anleihe aufgeteilt werden.

  10. purity sagt:

    Hans-Olaf Henkel sagt: “Notleidende Banken verstaatlichen!” das wäre auch nach meinem Geschmack.

  11. Tulius sagt:

    Noch etwas zum Thema Zinseszinseffekt. Daran wird die Problematik vielleicht deutlich:

    1. Eine Zentralbank leiht den mit ihr verbundenen Geschäftsbanken für ein Jahr eine Summe X. Nach einem Jahr belaufen sich die Forderungen der ZB gegenüber den GB auf die Summe X + die Zinsen für das vorangegangene Jahr. Woher nehmen die GB das Geld für die Zinsen? Die Menge an Zentralbankgeld hat sich in dem einen Jahr ja nicht vermehrt.

    2. Eine Geschäftsbank leiht zwei Unternehmern (mehr gibt es in dem angenommenen Wirtschaftskreislauf nicht) sagen wir 1.000 Euro zu 10 % für ein Jahr. Nun können die beiden Unternehmer ein Jahr lang miteinander Handel treiben und Güter hin- und her verkaufen. Sie werden beide ZUSAMMEN am Ende des Jahres genau 2.000 Euro in der Kasse haben, denn per Definitionem können nur Zentralbanken und Geschäftsbanken Geld schöpfen. Wenn beide also am Ende des Jahre wieder 1.000 Euro in der Kasse haben, dann kann keiner von Ihnen die Rückzahlung + Zinsen leisten.

    Ergo muss immer mehr Geld in Form neuer Kredite in das System gepumpt werden, damit die Zinsen beglichen werden können, ohne dass sich die umlaufende Geldmenge verringert. Was wieder höhere Zinszahlungen für die Zukunft bedeuet usw.

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