Frage der Woche: Der alte Euro – Positives Scheitern?

5. Dezember 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Diskussionen um Austritte von Ländern aus der Eurozone kreisen selten um die Volkswirtschaft. Immer mehr wird eine nicht näher definierte „Idee“ in den Vordergrund gerückt, als hinge der Weltfrieden von einer Einheitswährung ab. Gerne werden zu diesem Zwecke auch arg fadenscheinige Argumente herangezogen, die nichts beweisen und sich in der Regel als ein auf Emotionen anspielendes Gepolter herausstellen…

Wie in der Außen- und Innenpolitik dürfen zudem auch bei der Währung das Schüren von Ängsten und die Politik der Einschüchterung nicht fehlen. Aber zerfällt Europa ohne den Euro wirklich zu Staub?

Wer an Festreden aus den späten 80ern denkt, wird sich vermutlich an den Satz „man darf nicht alles nur unter finanziellen Gesichtspunkten betrachten“ erinnern. Zwei Jahrzehnte später heißt es nun „scheitert der Euro, scheitert Europa“, ein durchaus bemerkenswerter Wechsel der Perspektive. Ausgesprochen wurden und werden derartige Sätze heute wie damals oft von den gleichen Personen. Das liegt vor allem an der Tendenz, bereits pensionierte Parteivorstände a.D. wieder an die Rednerpulte der Republik zu schleppen. Schade, dass die Sprecher selten auf eigene Fehler eingehen, aus denen man lernen könnte. Am fehlenden Material würde es nicht scheitern.

Aus anderen Kreisen ist zu hören „man sollte nicht nur an die Wirtschaft sondern auch an die Menschen denken“. Das ist ein Satz, der nicht selten wirklich gut gemeint ist und sich zunächst hübsch anhören mag. Leider lässt er aber auf eine gewisse Ignoranz hinsichtlich wirtschaftlicher Realitäten schließen. Oft stammen derartige Aussagen aus Kreisen, die in der Tat glauben, ein Staat oder eine Regierung würde irgendetwas bezahlen. Ein klassischer Irrtum, ist doch der Staat samt Staatsvertretern nur eine Umverteilungsstelle, die unter mehr oder weniger hohen Reibungsverlusten, lediglich Geld von A nach B verschiebt.

Welche Umverteilung man als sinnvoll, weniger sinnvoll oder Quatsch beurteilt, ist dabei jedem selbst überlassen und hängt nicht selten von der persönlichen Situation ab. Wichtig ist jedoch die Einsicht, dass „der Staat“ rein gar nichts aus seiner Tasche geben kann, er hat nämlich keine. Der Prozess hier etwas wegzunehmen und es dort hinzuschieben existiert auf allen Ebenen, von der kleinen Kommune bis zur Eurozone. Wie so manche Verschiebung auf der europäischen Ebene mit der etwas zu oft beschworenen Solidarität zusammenpassen soll, ist eines der großen Rätsel des Alltags. Wenn etwa Slowaken durch höhere Steuern dazu beitragen sollen, dass das griechische Schatzamt die Schulden bei deutschen und französischen Banken bedienen kann, müsste sich auch so mancher Gewerkschaftsvertreter am Kopf kratzen.

Die Ignoranz der Grundzüge der Wirtschaft, Angebot und Nachfrage, zeigt schon jetzt böse Folgen. Das Gejammer über die Auswirkungen jahrzehntelangen Fehlverhaltens ist mit dem Wort unwürdig noch mehr als höflich beschrieben. Wäre die Volkswirtschaft ein Bereich der Medizin, so würden die Überschriften in den Zeitungen vermutlich lauten: „Stolperwahnsinn! Immer mehr Verletzte durch Schwerkraft!“ Damit käme man bei Äskulaps Erben vermutlich nicht durch.

In der Wirtschaftsberichterstattung aber lässt sich das Ganze problemlos durch ein paar eingeflochtene verkomplizierende Begriffe so verändern, dass es zwar immer noch Schwachsinn ist, aber sachkundig klingt. „Rettungsplan! Von der Regierung eingesetzte Task-Force prüft Garantien für eine First-Loss Absicherung für ein SPV, welches als zentraler Aufkäufer neu begebener Zerobonds agieren soll. Auf diese Weise sollen Staaten ihre Zinslast drücken können. Die Einsparungen sollen zur Stimulierung der Konjunktur dienen.“ Mumpitz im Quadrat.

Der Schwerkraft kann man auf der Erde nur kurzfristig ein Schnippchen schlagen. Ein Parabelflug ist eine Möglichkeit. Der derzeitige ökonomische Parabelflug immer höherer Versprechungen bei immer weniger Substanz wird ebenfalls von begrenzter Dauer sein. Die Fragen, die sich stellen, sind die nach der Form und den Auswirkungen der Landung. Eine Landung muss nicht schlecht sein. Wichtig ist nur, zur kontrollierten Landung anzusetzen, so lange noch genügend Sprit im Tank ist.

Wird die Einsicht ökonomischer Realitäten sich positiv oder negativ auf Europa auswirken? Wird es wirklich scheitern oder eher neu aufblühen? Werden verringerte Schuldenlasten und erneuerter Wettbewerb mit freien Wechselkursen innerhalb der EU neue Kräfte freisetzen oder zum Zerfall führen? Was geschieht nach der Phase der Anpassung in Folge der Einführung der Nachfolgerwährungen des Euro?

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.



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21 Kommentare auf "Frage der Woche: Der alte Euro – Positives Scheitern?"

  1. Karl Napp sagt:

    Besser kann man den gerade ablaufenden Unfug wohl nicht auf den Punkt bringen. Wann es zu einem Scheitern kommt, wird davon ahängen, ob die Gläubiger oder die Schuldner zuerst den Stecker ziehen. Die Schuldner, weil sie die Ausweglosigkeit ihrer Lage erkennen oder die Gläubiger, weil sie noch mehr schlechtem Geld kein weiteres gutes mehr hinter werfen wollen. Dann geht das Spielchen los, welches die Politiker am besten beherrschen. Wer war Schuld?

  2. Avantgarde sagt:

    Der Euro war der Preis für die Wiedervereinigung.

    Und jetzt ist wohl Zahltag.

    Anders kann man diese unsinnige Euro-Einführung und die nun ins Unendliche laufende Ausfallgarantieen Deutschlands nicht erklären.

    Sinnvoll wäre/war das alte EWS damals, jetzt und in Zukunft.

  3. wolfswurt sagt:

    Sehr guter Artikel.

    Unverständlich ist mir die Frage am Schluß: wird es positiv oder negativ?

    Die Antwort liegt doch schon im Artikel selbst!
    Nach reichhaltiger Aufzählung des „Mumpitz“ der Entscheider ist doch nur eine Möglichkeit gegeben: ob die Währung EURO oder auf sonstwie lautet, spielt keinerlei Rolle. Ebensowenig ob eine Gemeinschaftswährung oder nationale Währungen.

    Die Rolle spielen, die von realwirtschaftlicher Verwirrung heimgesuchten „Eliten“, in Politik/Banken/Konzernen und Professoren auf Leerstühlen.

    Sie werden ihre Verwirrung in die Zeit danach mitnehmen und sich in noch größerer Desorientierung aufs neue, sich der in jetzt völliger Apathie dahinsiechenden Masse, als die nun wirklich guten Heilsbringer präsentieren.

    Nein, es bleibt wie es ist.

  4. beccon sagt:

    Euroa als solches kann nicht scheitern. Das würde bedeuten, daß der Kontinent mit Mann und Maus auseinanderfliegt, was eher unwahrscheinlich erscheint.

    Was wir sehen werden ist ein fulminantes Scheitern der Eliten und deren darauf folgender Abgang – so etwas wie 1989/90 in östlichen Gefilden. Sicher, die betreffenden Personen und Netzwerke werden sich – nachdem sie völlig desavoirt sind – wieder neu konstituieren und gewendet neustarten (hatten wir auch schon beobachtet), aber die Institutionen werden Neue sein.

    Klar – es kommt eine Phase der kleineren Brötchen, jedoch danach kann es wieder aufwärts gehen.

    Hoffentlich bleibt alles friedlich, hoffentlich kommen die Kommunisten nichts ans Ruder. Dann können wir die Tüte Chips nehmen und den Untergang der ganzen Kasperköppe genießen.

  5. MH sagt:

    Ich glaube auch nicht an einen Wandel. Der kann nur von der Gesellschaft angestoßen und umgesetzt werden. Solange sich die Strukturen nicht ändern und auch die alten Gipsköpfe an der Macht bleiben, kann eine Währungsreform nicht viel ausrichten. Das Spiel würde von vorne losgehen und irgendwann würde man wieder an der gleichen Stelle wie heute landen.

    Weniger Lobbyismus, mehr Demokratie – das wäre für mich der entscheidende Wandel.

  6. crunchy sagt:

    Der Euro bleibt nach demokratischem (Merkels) Willen. Gestern postete ich in der Wiwo (raentnaer):
    „Verkorkst ist verkorkst! Nur mit europistischer Diktatur a la Junker kann man noch auf eine glaubhafte Linie kommen. Doch die ist gegen unsere demokratiebewussten Völker nicht durchzusetzen.
    Not bricht jedes Gebot: Ja, aber nicht permanent! Wenn Überprüfungsinstanzen, wie unser BVerfG da nicht widersprechen, wird sogar der biedere Deutsche die Sense in die Hand nehmen.
    Merkel möchte den Blutzoll nicht zahlen. Sie ist da ganz bodenständig. Der Gendarm vom Elysee hält sich für allmächtiger als der Sonnenkönig. Er wird Gott danken, dass ihm einer nachfolgen wird. Merkel hat, hoffe ich: Standing! Immerhin hat die Pfarrerstochter schon früh die Mühsal mit der Diktatur geübt und wird sich dieser nicht selbstverschuldet unterordnen. Überlegen Sie sich das: Von Freiheit träumen, Demokratie erwerben, Demokratie leben, höchste demokratische Verantwortung übernehmen und dann: Alles opfern!? Welcher Gott ist so stark: Godman Sachs?
    Vergessen Sie´s: ALLE!“ Folglich wird Herr Kauder geschmackloserweise recht behalten, wenn er sagt: … na Sie wissen schon (spuck!), inhaltlich jedenfalls darf sich jeder auf Verträge verlassen. Die Alternative ist vielleicht auch schon über die protugisische Armada in London angekommen. Ergo: Hart und wenig herzlich (war´mal ´ne Amisoap) werden wir ihn behalten. Hart wird er durch unser Leiden werden, mit Herzblut werden wir ihn verteidigen.

    Und dann fiel mir heute morgen beim Brötchenholen noch mein erster Guttenbergwitz (vom Hirn) auf die Füsse:
    „Was ist der Unterschied zwischen Gutenberg und Guttenberg?
    Nein, nicht das arrogante t (-e).
    Der eine, ein virtuoses Original, der andere eine virtuelle Kopie!“
    Copyright by CRUNCHY: Kopieren erwünscht!

  7. WiKa sagt:

    Die Vorstellung der Menschen war die Erreichung eines Europa und der Annäherung über Herz und Verstand, was haben wir heute, nur ein Europa welches über den Geldbeutel funktionieren soll, also der schlechteste Ansatz zu einem geeinten Europa.

    Es kann nicht funktionieren, solange man Ackergäule und Zirkusponys in ein Gespann zwängt. Jeder Bauer weiß das, es gibt dabei Tote. Übrigens, auf der Weide, freilaufend vertragen sich auch Zirkusponys und Ackergäule bestens. Ist aber eine Weisheit die man Theorie-Kackern und Planwirtschaftlern nicht vermitteln kann.

    Ferner bedeutet die jetzige Gangart eine Hinwendung zu diktatorischen Zügen, wenigstens aber eine starke „Ent-Demokratisierung“ … was ebenfalls ziemlich ungesund ist.

    Und das Hauptproblem und Grundübel wird schon gänzlich verschwiegen … die Weltuntergangsformel (Kapital * (1+Zinsatz/100) ^ Laufzeit), sicher kennen sie die Formel die uns in den Ruin treibt, weil eben die Arbeitskraft der Menschen nicht exponentiell steigerbar ist.

    Sie vertragen ein wenig schwarzen Humor? Dann hätten wir hier noch das Interview eines Vertreters der „Anonymen Billionäre“, der sich zu diesem Thema und insbesondere zu der recht wenig beachteten „Guthabenkrise“ auslässt:

    http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/

    Spätestens danach sollte jedem klar werden, dass es nicht zielführend ist über Währungen zu diskutieren, denn Euro / Dollar / Pfund / Yen und wie sie alle heißen, haben dasselbe Problem, siehe Formel weiter oben. Wir brauchen ein neues Geldsystem, welches diesen einen Faktor außer Kraft setzt und die Geldentstehung wieder an die tatsächliche Wertschöpfung bindet.

    Bevor sich allerdings die Finanzindustrie auf eine derartige Kastration und Plünderung ihrer Pfründe einlässt wird sie vermutlich eher noch den Dritten Weltkrieg finanzieren, als eben diese Korrektur zulassen … carpe diem … 🙂

    • Avantgarde sagt:

      Nö – der Zins ist doch gar nicht das Problem.
      Es sind die gigantischen Ungleichgewichte – sowohl in den Handelsbilanzen als auch innerhalb der Länder.
      Und da kein Guthabenbesitzer etwas verlieren darf und auf Kosten der Wenig-Besitzer gerettet wird verschlimmern wir das Problem auch noch ständig.

      Ja wie will man denn ein Defizit in einer Handelsbilanz ausgleichen – geht ja nur mit Zahlungsversprechen.

      Aber die Exportweltmeister dieser Welt werden diese Zusammenhänge wohl erst begreifen wenn sämtliche Forderungen(=Guthaben) verloren gehen.

      WIE das geschieht bleibt vielleicht mal noch abzuwarten.
      Ob nun wie hier oft vermutet durch Hyperinflation, einem schweren deflationären Schock, einer Übernahme des Landes durch die Armee mit anschließendem Schuldenschnitt – wie auch immer.

      In diesem Exponentiellen Tempo wie bisher ohne Bereinigung da Sofortrettung wird es mit Sicherheit nicht weitergehen können.

      Es sei denn der große Bruder in China wird unser großer Vorsitzender.
      Bei Bedarf wird die Bevölkerung dann halt zusammengeschossen.
      So können dann die oberen 10% ihre Machtstellung behaupten.
      Ob man so ein System dann „rot“ oder „braun“ nennt ist völlig irrelevant.

      • WiKa sagt:

        Ich befürchte wir werden an dieser Stelle keine Einigkeit erzielen. Ich sehe sehr wohl den Zinseszins bzw. das Zinseszinsmodell als das Grundübel. Geld war ursächlich mal als Zahlungsmittel konzipiert und nicht als sich selbst vermehrendes eigenständiges Gut. Da empfehle ich durchaus noch einige Lesestunden bei Prof Bernd Senf und an vielen anderen Stellen.

        Würde hier jetzt zu ausladend werden, aber genau dieses Thema ist ja auch genau dass was für die ungleiche Verteilung sorgt. Anders als die Geldmengen, kann die Arbeitskraft des Menschen nicht exponentiell gesteigert werden. Also versucht man es indem man den Menschen weniger zum Leben lässt, um so die Geldberge bevorzugt mit Zins und Zinseszins zu befriedigen.

        Es braucht ein Geldsystem welches dieses Übel beseitigt und die Geldentstehung auch wieder an die tatsächliche Wertschöpfung knüpft, sonst werden wir mit mathematischer Gewissheit alle drei Generationen wieder vor demselben Problem stehen … Zusammenbruch … wie wir ihn so oder so in den kommenden Jahren erleben werden, völlig unabhängig von der Währung.

        Der letzt große Crash 20er und 30er Jahre wurde nur in den Geschichtsbüchern geschickt mit dem Zweiten Weltkrieg vertuscht … wollen mal hoffen, dass eine ähnliche Vertuschungsaktion diesmal ausbleibt … 🙂

        • Avantgarde sagt:

          In den Ungleichgewichten sind wir uns aber vermutlich einig?

          Nun zum Zins.
          Für jeden Gegenstand den man auf Zeit zur Nutzung überlassen bekommt wird im Geschäftsleben ein Entgelt verlangt.
          Das wird wohl überall als normal angesehen.

          Warum also nicht für Geld?
          Der Verleiher könnte das Geld schließlich selbst in Waren umsetzen oder investieren.
          Auch könnte der Verleiher sein Geld verlieren.

          Je nach Höhe des Zinses ist der Verleiher nun eben bereit das Geld gegen Entgelt zu verleihen oder eben nicht.

          Wie in aller Welt sollte das ohne Zins funktionieren?
          Gar nicht – eben.

          Klar kann man nun das Wort „Zins“ durch Aufgeld oder Gebühr ersetzen wie im Islamic-banking. Aber das ist doch nur Augenwischerei 🙂

          Ein Teil der Ungleichgewichte wäre 2008 schlicht ausgelöscht worden – und es hätte zumindest was die bestehende Vermögenssituation betrifft genau die RICHTIGEN getroffen.
          Eben jene, die ohne Risikobewußtsein Geld verliehen, an immer weiter steigende Börsen, Häuser und Rohstoffpreise glaubten – und letztlich damit ja auch reich wurden.

          Nun hat man aber eben gerade diese Profiteure gerettet.

          Ich war/wäre nicht gegen diese Rettungsaktionen wenn gleichzeitig das Finanzsystem grundsätzlich geändert worden wäre.
          Ich sag nur Trennbankensystem und Abbau des Derivateirrsinns und vielleicht doch noch mal über den Bancor nachdenken.
          Unsere Großväter waren durch die Kriegsereignisse möglicherweise schlauer als wir.

          Aber leider hat die Politik auch nach 3 Jahren nichts gelernt.
          Also haben wir wenn dieser Wahnsinn so weiter läuft gute „Chancen“ auf eine Krise ala 30er Jahre.

          • WiKa sagt:

            Ahh, doch ein großes Maß an Übereinstimmung? Kurz zur Nutzungsüberlassung: Diese funktioniert in aller Regel durch zutun der Menschen, wenn sie sich gegen Geld beispielsweise Maschinen leihen. In Verbindung mit eigenen Ideen und Schaffenskraft wird da produktiv was geleistet, deshalb kann man dieses Beispiel schön seitwärts anführen für ein Funktionieren von Wirtschaft und Wachstum auf der Basis geschaffener Werte. Diesen zweck erfüllen die reinen Geldberge beileibe nicht, unterliegen sie ja auch keinem Verschleiß (Inflation ist keiner).

            Das die Welt auch ohne Zins funktionieren kann, dazu einmal die Geschichte der Templer nachlesen, bis diese vom Vatikan platt gemacht wurden. Die hatten durchaus ein ausgeklügeltes System welches Wachstum und Wohlstand erlaubte und dabei noch eine relativ gerechte Verteilung förderte. Ich bin mir sicher es gibt praktikable Modelle, müssen uns halt ein wenig anstrengen.

            Die Kernfrage auf die es jetzt hinausläuft ist doch folgende: Steht nun der Mensch im Mittelpunkt oder das Geld. Bislang hat das Geld ein derartiges und ungesundes Eigenleben in den Händen einiger Weniger entwickelt, dass die Mehrheit dabei durchs Rost zu fallen droht. Dieses Eigenleben wäre ohne den Zinseszins in die geballten und exponentiellen Form eben nie möglich gewesen.

            Und ja, ich bin davon überzeugt dass wir Wirtschaftmodelle und auch eine Leistungsgesellschaft erhalten können die diesen Fehler ausmerzen kann, wenn denn die Politik die Weichen korrekt stellen würde. Die sind aber zu sehr indoktriniert und stehen unter Kuratel des Geldes und solange wird sich die Spirale zum Schlimmeren hin weiterdrehen … 🙂

    • Fnord23 sagt:

      Hallo Wika,

      das ist natürlich das Problem. Wobei das ja rational betrachtet nur eine mathematische Gesetzmässigkeit ist.

      Geld als solches wird bei den Meisten nur mit Vermögen gleich gesetzt. Aber Geld als solches hat ja zwei Zustände: Schulden und daraus resultierende Vermögen

      Wir haben eine Klumpenkrise. Schuldenklumpen und Vermögensklumpen.

      Das Kapital hat im Kapitalismus die Neigung zu vermonopolen.

      Die Verrechnungseinheit hat im Debitismus die Neigung zu verklumpen.

      Die Politik hätte die Aufgabe gehabt dies zu verhindern – über ordnungspolitische Maßnahmen.

      Wenn Kapitalismus auf Debitismus trifft, dann passiert genau das.

      VG aus Sachsen

      • WiKa sagt:

        Yepp … und wenn es nicht so traurig wäre und wir noch denkende Politiker statt Fraktions-Herdenvieh hätten, dann bestünde vielleicht noch eine Chance … aber auch nicht wirklich, denn die tatsächlichen Einflussgrößen setzen alles stikum unter Druck. Da wir auch zunehmend unter Ent-Demokratisierung hier leiden sieht es im Moment nicht nach einer Wendung zum Besseren aus, leider …

        Was Du so schön als Klumpenkrise bezeichnest ist die Auswirkung der Zinseszinsformel, sonst nix … 🙂

  8. Avantgarde sagt:

    @WiKa

    Wir haben vielleicht mehr Übereinstimmung als du glaubst.

    Es ist nur so, daß ich diese Zinskritik noch nie nachvollziehen konnte – denn technisch kann ein Markt gar nicht ohne funktionieren.
    Oder eben nur in sehr kleinen Gruppen wie vielleicht den Templern – nicht aber in einer globalisierten Wirtschaft.
    Wobei mir wieder etwas mehr Regionalwirtschaft lieber wäre.

    Normalerweise ist der Zins deshalb kein Problem weil sich die Dinge systemisch selbst korrigieren – das wäre jetzt aber zu lang.
    Wenn eine Gesellschaft 2% Wachstum hat und du 10 oder die berühmten 25% Rendite haben willst dann steigt automatisch das Risiko des Verlustes.
    Ist es das eigene Geld – OK.
    Was aber wirklich zu Erbrechen ist, ist das die Kassiererin beim Aldi die Zeche für Ackermann und Co. bezahlt – oder auf neudeutsch haftet.

    Geringere Renditen wären übrigens keinerlei Beinbruch – wie oft bejammert wird.
    Ein Wirtschaftswachstum von 2% beudeutet immerhin eine Verdoppelung des Lebensstandards in einer Generation – und das ist in unseren Breiten alles andere als wenig.
    Bekommen wir das mit der Verteilung noch hin dann könnten hier die meisten Menschen verdammt zufrieden sein.

    Natürlich steht das Geld im Mittelpunkt – wir vollführen den jahrtausende alten Tanz um das goldene Kalb. Geld scheint unser neuer Gott zu sein.

    In einem Trennbankensystem mit ein paar weiteren Anpassungen wären bestimmte Exzesse schlicht nicht möglich – bzw. würden einen weitaus geringeren Kollateralschaden nach sich ziehen.

    Hmmm- der Antwortbutton ist schon weg – ist halt kein Forum hier.
    Ciao

  9. wolfswurt sagt:

    Der Zins ist nicht das Problem.

    Das Problem ist die risikolose Investition der Kreditgeber!

    Würden die Geldverleiher in vollem Risiko stehen, bereinigt der Markt fehlerhafte Entscheidungen sofort.

    Das heraushauen der Geldverleiher durch andere(heute mal der Steuerzahler/Staat)ermöglicht erst die katastrophale Situation vor der wir heute stehen.

    Moral Hazard mit allen künftigen Konsequenzen.

  10. Stuelpner sagt:

    So jetzt noch ich.
    1.) Klar gehts wieder aufwärts und es wird besser, nach dem Winter, laut Kontratjew (Schreibweise?) Und Celente sagt, diesmal kommt die Revolution aus der anderen Richtung.
    (als nicht aus SU sondern USA) Hoffentlich schaffen sie es noch, nach dem neuen Gesetz und den schon beleuchteten FEMA-Camps.
    2.) @wolfswurt
    „Sie werden ihre Verwirrung in die Zeit danach mitnehmen und sich in noch größerer Desorientierung aufs neue, sich der in jetzt völliger Apathie dahinsiechenden Masse, als die nun wirklich guten Heilsbringer präsentieren.“ genauso ähnlich stehts geschrieben, das Erscheinen des Antichrist als vermeintlicher Retter.
    „Das heraushauen der Geldverleiher durch andere“ Der Andere hies Jesus und der hat sie nicht gehauen, sondern wollte sie verjagen. 😉
    3.)@MH
    genau so ist es, nur wer ist der mit dem Stock der die Schlafschafe aufweckt?
    4.) Klar sind die Zinsen Schuld (im Doppelten Sinne), wenn ich Geld/Schuld schaffe ohne Gegenwert zumal noch von Geld ohne Gegenwert wie soll sowas gut gehen? Erst recht wenn daraus reale Schuld in Form von Realwerten entsteht. Vielleicht so -> Ich tausche meinen Luftballon in 5kg Gold – So entweder Zustimmung oder Angebote!!!
    5.)@ WIKA
    „weil eben die Arbeitskraft der Menschen nicht exponentiell steigerbar ist.“ die noch am ehesten indirekt durch z.B. mehr Technologie und daraus entstehender höherer Produktivität, aber bei der Energie und den Rohstoffen sind uns derzeit eher Grenzen gesetzt. Zumal diese Vollpfosten nicht verstehen, das ein Arbeitsloser nunmal nicht die nötige Kaufkraft hat.
    „Planwirtschaftlern…“ hat China nicht auch Planwirtschaft???
    6.)@Avantgarde
    „Es sei denn der große Bruder in China wird unser großer Vorsitzender.
    Bei Bedarf wird die Bevölkerung dann halt zusammengeschossen.“
    Na da ist er ja wieder mit seinen toleranten polit. Ansichten 😉
    Mit dem Zusammenschießen, dafür brauchen wir keinen Vorsitzenden, das gabs ja in Deutschland auch schon mal, ist zwar schon ne Weile her, aber 1923 ist auch schon ne Weile her. Die „rechtliche Sicherheit“ für solches Tun steht im Lissabonvertrag, Du heist dann bloß nicht mehr Terrorist, sondern eben Rädelsführer und schon bist Du tot, ohne Vorsitzenden 😀

    @Fnord23
    alter Verklumper 😉 ich grüße Dich
    „Wenn Kapitalismus auf Debitismus trifft, dann passiert genau das.“ Also immer, kann Kapitalismus ohne Debitismus existieren.

    • Avantgarde sagt:

      Die Lage ist doch die, daß die Besitzenden irgendwann ihren Reichtum gegen die Nicht-Besitzenden verteidigen müssen – und am Ende kommt da meist nix Gutes dabei heraus.

      Wenn Du willst ersetze ich den grossen Vorsitzenden auch gerne gegen Duce del Fascismo.
      Die politische Farbe spielt de facto ohnehin keine Rolle – beschäftigt aber die Leute etwas.

      Haben wir nicht erst vor ein paar Tagen gehört, daß die EU sich gerne durch China aus Patsche helfen lassen würde?!
      Aber scheinbar haben noch nicht mal die Chinesen Lust diese gehebelte Mausefalle zu kaufen – noch nicht vielleicht.

      Aber wenn sie es täten:
      Was glaubst Du wohl wie die Menschenrechtsfragen plötzlich noch stärker als bisher relativiert würden….

      • Stuelpner sagt:

        „und am Ende kommt da meist nix Gutes dabei heraus.“
        Wie mans nimmt, kommts drauf an auf welcher Seite man steht. Die Arbeiterwaschmaschinen oder wie sie bei Euch heisen Wasserwerfer sind ja schon bestellt, glaub 78 Stück waren es zu Stückpreis vom 1Mio., jedenfalls sind die Arbeitsplätze in Austria dadurch gesichert.

        Das Problem ist doch weder der Vorsitzende noch der Andere, der Name spielt keine Rolle, absolut richtig, die die beide lenken sind identisch.

        Zum Thema Menschenrechte (hihi) das mit Lissabonvertrag und Rädelsführer hattest Du schon gelesen? Als Menschenrechtsverletzung wäre mit das erstmal genug relativiert! Zuerst trifft es ohne hin die Vorhut, die Speerspitze. 😉 Und willst Du ewig leben? Denke an das was auf den Guidstones steht, 500Mio ist genug, also noch viel Platz zum Menschenrechte relativieren. Ein … der denkt das betrifft bloß China und Afrika.

        Ich dachte ich hätte gelesen die Chinesen wollen mit dem Eurozeug nichts mehr zu tun haben. Ersten haben sie jetzt mit sich zu tun und in China, anderes als in D, ist das Wort Nachhaltigkeit schon bekannt. Die warten jetzt bis alles todgeretet wurde und kaufen dann aus der Portokasse die letzten Häfen, Kraftwerke und Rummelbuden oder Schwanstein, weis der Geier was die wollen, mir egal, der Großteil der D-Wirtschaft gehört doch spätestens nachdem Marshallplan sowieso keinen Deutschen mehr, ob die neuen Besitzer nun Burger (als Platzhalter, in Wirklichkeit vertilgen DIE keine) oder Reis kauen ist mir Bratwurscht und Sauerkraut.

        Kuck mal so eine Böser dieser Gary: „Der französische Schriftsteller und Regisseur Romain Gary (+ 1980) fasste seine Kritik in das Bonmot „Avantgardisten sind Leute, die nicht genau wissen, wo sie hinwollen, aber als erste da sind.“
        Also Du warst der Zweite, Dich kann er nicht gemeint haben. (He das ist lustig gemeint, ich hab nichts gegen Dich, nicht gleich aufregen.)

  11. Avantgarde sagt:

    Hallo Stuelpner 🙂

    Keine Sorge: Bei uns herrscht ja bekanntlich XXL-Aufschwung.
    Die paar Wasserwerfer für die innere Sicherheit bezahlen wir doch aus der Portokasse.
    Ein paar Leos für die innere Sicherheit der Saudis – und die Kosten sind bereits überkompensiert.

    Und ich dachte immer der Lissabonvertrag wäre erst der Anfang – für wirklich durchgreifende Reformen benötigen wir wohl so etwas wie einen Reichtagsbrand – ähh…. ne das war glaub die andere Geschichte – oder vielleicht doch so ähnlich?
    Ich hab den sprachlichen Witz übrigens durchaus verstanden – man muß sich vorsehen.

    Und wie es der Zufall will erscheinen die Chinesen nun doch vorsichtig als Retter auf der Bildfläche.
    China will 300 Mrd Dollar in Europa und USA investieren……
    http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7B805C20111209

    Lass stecken – ich verstehe Humor durchaus.
    Der arme Napoleon hat sich wegen Romain Gary wohl gerade im Grabe umgedreht.
    🙂

  12. crunchy sagt:

    Nach der Xten Rettung und Entblößung €päischer Diplomatenkunst, hat der schweizer Knecht Ruprecht kurz vor Weihnacht doch noch sein Knüppelchen ausgepackt:

    http://aktien-boersen.blogspot.com/2011/12/marc-faber-die-eu-sollte-sich-auflosen.html

    Goldige Feiertage!

    Crunchy

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