Frage der Woche: Alles wieder gut?

19. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die Krise schwelt vor sich hin. Griechenland hat die erste Sprosse der Bankrottleiter erreicht. Die Risikoprämien Portugals deuten auf baldigen Ungemach hin und die Lage Spaniens droht nicht nur wegen des kranken iberischen Bankensektors in Kürze in den Fokus zu geraten. Aber ansonsten ist alles prima, oder?

Wie so genannte Entscheider darauf kommen, dass ein Problem bereits gelöst ist, wenn man bei Kaffee und Besprechungskeksen darüber spricht, bleibt ein Rätsel. Ein paar hundert Milliarden werden hier versprochen und ein paar Billionen da verschenkt, so geht’s weiter in Richtung der europäischen Sowjetrepubliken. Aber solange Teile der politischen Kaste damit beschäftigt sind, darüber zu diskutieren, ob es wichtig ist, welcher Clown die Truppe in die Wahlmanege führt, kann die reale Lage nicht so ernst sein.

Auch die Medien spielen munter mit, so durften die Menschen kürzlich im Radio hören, die Deutschen wollten jetzt einen anderen Bundespräsidenten, deshalb würde der Herr nun von der Bundesversammlung gewählt. Interessant. Wir hoffen, Sie haben in Ihrem Briefkasten ein Wahlkärtchen gefunden. Bei uns ist leider keines eingetroffen. Einmal unabhängig von irgendwelchen Kandidaten finden wir es schon aufschlussreich, dass jemand meint, nur weil er als Repräsentant im Parlament sitzt, entspräche alles was er oder sie von sich gibt auch der Meinung der Repräsentierten.

Abseits der politischen Scheingefechte und außerhalb jedes Rettungsschirmes leben die Menschen in der Republik weiter vor sich hin. Jeder hat seine Sorgen und Freuden. Die Wahrnehmung der ökonomischen Situation durch die Menschen selbst folgt verständlicherweise dem bottom-up-Prinzip, jeder schaut, wie es bei ihm gerade läuft und was die Zukunft bringen könnte. In den Staaten gibt es dazu Umfragen, die vor allem deshalb interessant sind, weil sie regelmäßig erfolgen.

Eine der beliebtesten Fragen in den USA ist aus nachvollziehbaren Gründen die nach der Entwicklung der persönlichen wirtschaftlichen Situation. Dazu gesellt sich die Beurteilung der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage.

In den Staaten sehen sich lediglich ein Fünftel der Befragten finanziell besser gestellt als vor vier Jahren. Das Resultat ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass dies in etwa der Anteil der US-Bevölkerung ist, der weiterhin gut verdient und dazu noch in der glücklichen Lage ist, Assets zu besitzen, die nicht auf Pump erworben wurden. Nach der offenen Ankündigung des Großen Vorsitzenden des zentralen Büros für Zinsplanung und Aktienkurse in den Staaten auf eine Steigerung der Assetpreise abzuzielen, konnten einige Menschen sich vermutlich das Lachen nicht verkneifen. Für die anderen 80% ist die Lage eigenen Aussagen zufolge bestenfalls unverändert. Die schwachen Zahlen großer Supermarktketten wie etwa Wal-Mart sprechen eine deutliche Sprache. Kein Geld, kein money – wer real weniger hat, kann real auch nur weniger ausgeben.

Die Erholungstendenzen der US-Indizes zum Arbeitsmarkt werden nicht nur von Betroffenen belächelt. Die schönen Zahlen von heute sind die Abwärtsrevisionen von morgen, so lautet ein beliebtes Bonmot zum allwöchentlichen Datenerguss der Behörden. Es ist wie bei den Einzelhandelszahlen. Wer nur Unternehmen befragt, die es noch gibt, der erhält auf Grund der Vernachlässigung der Insolvenzen außerordentlich nutzlose Datenreihe. An der Veröffentlichung solcher Daten ändert das natürlich nichts, frei nach dem Motto „klar ist das Modell falsch, aber ich hab‘ ja kein besseres“. Die Umfragen des Instituts Gallup zur Beschäftigung zeigen unterdessen eine wachsende Divergenz zu den erhobenen Daten der Behörden.

Schlimmer als der Arbeitsmarkt sieht die Lage bei den Vermögen und Realeinkommen der meisten Bürger aus. Auch das ist kein Wunder, bei einer sehr hohen Arbeitslosigkeit und hoher Bereitschaft zur Mobilität lässt sich schwerlich am alten Gehalt festhalten, wenn draußen fünf Leute stehen, die den Job billiger machen. Die wachsende Abhängigkeit von  Transferleistungen – mittlerweile deutlich mehr als 20% aller Einkommen (!)  – entwickelt sich wie in Westeuropa zum politischen Stilmittel. Wer wählt schon sein Einkommen ab.

Aber wie sieht die Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus? Wie hat sich die Krise auf Ihre wirtschaftliche Situation ausgewirkt?

Was denken Sie?

Wie immer freuen wir uns auf die Diskussion im Kommentarbereich!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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4 Kommentare auf "Frage der Woche: Alles wieder gut?"

  1. Beobachter sagt:

    Ich kann nicht sagen das es mir persönlich besser ergeht.
    Mitte der 90er konnte ich als ungelernter Hilfsarbeiter mehr verdienen wie heute ein festangestellter Mitarbeiter zB bei Mercedes in Untertürkheim.
    Heutzutage verdiene ich kaum mehr als mitte der 90er. Hinzu kommt ein Mentalität der Menschen immer mehr am Preis zu drücken wo es nur geht.
    Grosse Karrieren gehen wohl nur noch wenn man entweder in einer Verbindung ist, sich mit Menschen umgibt die ind er Schule keine Freunde hatten, Freimaurer ist, bei einer (Volks-) Partei kriecht und die Seele an die Wirtschaft verkauft.
    Reich werden an der Börse? Da müsste man ein Goldmännchen sein.

  2. m sagt:

    Ich lebe in einer Provinzstadt, in der es relativ wenig exportlastige Industrie gibt.
    Von den Sonderprämien, die Konzerne wie VW ausschütten, dürften die wenigsten Bürger meiner Stadt profitiert haben.
    Die Entwicklungen hier bereiten mir Sorgen. Am vorvergangenen Freitag war ich am Nachmittag in einem Supermarkt, der nicht zu den Discountern gezählt werden kann. Auf jeden Kunden kam ein Angestellter.
    Die Verkäuferin meinte, dass das anstehende Frühjahrsfest hierfür verantwortlich sei.
    Das mag zwar in diesem einen Fall zutreffend sein, erklärt jedoch nicht, weshalb schon seit eingiger Zeit auch im Nachtleben in unserer Stadt eine nachlassende Tendenz festzustellen ist.
    Vermutlich haben die Leute keine Möglichkeit mehr, die ständig steigenden Nebenkosten für Ihre Wohnungen und die erhöhten Ausgaben für Benzin anderweitig auszugleichen.
    Auch die Politik der niedrigen Zinsen hinterlässt Spuren. Ein Senior mit Ersparnissen wird kaum sein Geld aggressiv am Aktienmarkt anlegen. Dieser Aufschwung geht also an vielen Leuten vorbei.

  3. Johannes sagt:

    Na dann spreche ich mal von Österreich, wenn ich schon gefragt werde. *fg*

    Aus meiner Sicht war das schwierigste Jahr das Jahr 2009, ab Frühling 2010 ging es wieder schön nach oben auf das insgesamt höchste Niveau, höher als 2007.

    Derzeit tümpelt es auf relativ hohem Niveau dahin, einen wirtschaftlichen Einbruch kann ich derzeit nicht erkennen.

    Ich kann mich wirklich nicht beklagen und ohne hoffentlich überheblich rüber zu kommen, kann ich sagen, dass das etwas schmerzhafte Krisenjahr 2009 sogar Vorteile brachte. Kunden, die vorher unmöglich zu bekommen waren, waren nach 2009 offen für neue Lieferanten.

    Ich konzentriere mich derzeit auch mehr auf Projekte, die ich umsetzen will, denn auf Krise. Da kann ich wenigstens was verdienen. 😉

  4. JayJay sagt:

    In Deutschland gehts doch noch vielen gut, keine Rede von Krise (gab es überhaupt eine Krise ;-))

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