Staatsdefizite…

28. Januar 2011 | Kategorie: Aufgelesen

(von Folker Hellmeyer) Der IWF hat seinen Report über die globale Verschuldungssituation vorgestellt. Europa steht bei der Mittelaufnahme in Konkurrenz zu einem Volumen in Höhe von 5 Billionen USD seitens anderer Industrienationen und Schwellenländer. ..Das klingt erst einmal wie eine recht sportliche Herausforderung. Die Voraussetzungen, sich aus europäischer Sicht erfolgreich mit anderen Staaten am Kapitalmarkt zu messen, sind ausgeprägt im Hinblick auf die Tatsache, dass sich erkennbare Erfolge in der Restrukturierung in der Eurozone im Gegensatz zu den USA und Japan ergeben.

Europa muss nicht ansatzweise verzagen und den Verhaltensmodus „Panik“ wählen, der 2010 in Europa diesbezüglich bei den Finanzprofis und Experten grassierte.

Es ist schon bedauerlich, wie wenig Selbstachtung bei den Finanzprofis in Europa herrschte. Unsere Position in diesem Format erfreute sich nicht wirklich nachhaltiger Unterstützung. Einmal mehr folgte man dem „Market Spin“ aus London und New York, wie bereits bei der „Cash Burn Rate“ in der neuen Marktkrise und der „Immobilien Burn Rate“ per 2006-2008. Auch zu dieser Zeit, war unsere kritische Haltung nicht „en vogue“.

Ist dieser Mangel an Lernkurven Ausdruck einer masochistischen Grundhaltung dieses Klientel in Europa oder lediglich Ausdruck eines oberflächlichen Opportunismus im Rahmen einer „Buddy-Gesellschaft“? Für Antworten unserer Leserschaft sind wir dankbar.

Der IWF zeigt sich bezüglich der fiskalischen Position Brasiliens, Indiens und Chinas besorgt. Das verwundert uns ein Stück. Sind die Verschuldungsdaten dieser Länder doch erfrischend niedrig. China liegt bei circa 22% und Brasilien knapp über 40%. Wir nehmen das irritiert zur Kenntnis und diskutieren intern den Begriff „Market Spin“.

Große europäischen Nationen werden 2011 laut IWF Defizite weiter reduzieren. Richtig, wir liegen im Vergleich der Industrienationen vorne im Kampf um Zukunftsfähigkeit und Generationengerechtigkeit. Spanien sei dabei am erfolgreichsten. Da widersprechen wir nicht ansatzweise und senden eine freundliches „Ole“ nach Madrid.

Es sei von erheblicher Bedeutung, dass sowohl die USA als auch Japan der Kulisse der internationalen Investoren Pläne vorstellen, wie sie mittelfristig eine Reduktion der Defizite erreichen wollen. Das ist schon recht bescheiden vom IWF, dass nur Pläne eingefordert werden. Sinnvoller wäre, dass zügigst Maßnahmen getroffen werden, das Fiskaldilemma sowohl in Japan als auch in den USA zu adressieren.

Fassen wir zusammen, Europa ist das Vorzeigemodell in der Restrukturierung. Zuversicht auf erfolgreiche Refinanzierungen bei den unverändert (zu) hohen Spreads (im Gegensatz zu den USA und Japan) ist mehr als angemessen!

Wenden wir uns Japan zu:

Gestern wurde das Rating Japans von S&P für den Finanzmarkt überraschend von zuvor AA auf AA- herabgestuft. Japan erhält damit die drittbeste Benotung. Gestern kam es zur ersten Anpassung der Bewertung seit 2002. Ein Aspekt der Herabstufung sei die Tatsache, dass es keinen glaubwürdigen Plan zur Schuldenreduktion gibt.

Derzeit liegt die Staatsverschuldung Japans bei circa 220% des BIP. Das ist der eine Elefant im Porzellanladen. Dabei ist das Infektionsrisiko für die Weltwirtschaft jedoch gering, da nur 5% der Staatsanleihen von ausländischen Gläubigern gehalten werden. Falls es zu einem Unfall kommt, wird es sich bei Japan diesbezüglich tendenziell um eine Implosion und nicht um eine Explosion handeln.

Quelle: Bremer Landesbank



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2 Kommentare auf "Staatsdefizite…"

  1. Johannes sagt:

    Es wundert mich immer wieder, warum die Japaner so scharf auf die eigenen Staatsanleihen sind.

    Was treibt die Japaner an, ihr Erspartes dem Staat anzuvertrauen?

    Gut, wir in Österreich kommen zum Teil auch nicht umhin, Staatsanleihen zu kaufen- staatlich angeordnet, in Form der „Abfertigung neu“, ich glaube seit dem Jahr 2003.

    Ohne etwas dagegen tun zu können, werden einfach mal 1,5% vom Brto- Lohn zum großen Teil in Staatsanleihen, ein Teil in Aktien „investiert“! (Bei € 2000.- brto / Monat immerhin gesamt ca. € 430.- / Jahr)

    Könnte mir vorstellen, dass es in Japan auch so ähnlich läuft, nur im größerem Umfang.

    Weil freiwillig, bei der Verschuldung, kann ich mir diese Summen nicht ganz vorstellen.

  2. holger sagt:

    Johannnes

    —>>>Was treibt die Japaner an, ihr Erspartes dem Staat anzuvertrauen?“

    Das wundert Dich?

    Was ist denn eigentlich eine Staatsanleihe? Es ist nichts anderes als ein Versprechen, dem Gläubiger über die Staatsmacht den „Zins“ zu sichern. Anders gesagt: Die Staaten die ein AAA und ein wenig tiefer bewertet werden, haben ihr Volk in den Tribut-Zahlungen notfalls mit Gewalt und Gesetzen im Griff. Nichts anderes verlangt der Gläubiger. Der Staat ist „Gerichtsvollzieher“ mit legalisierten Mitteln. Warum kaufen sich Japaner wohl gerne sich selbst? Damit weniger Gläubiger aus dem Ausland die Hände aufhalten (können)? Wir können das momentan auf den Kontinent Afrika sehen. Und ich möchte gar nicht wissen, wie viel Wetten darauf abgeschlossen worden sind. Jeder, der von ausländischen Kapital abhängig ist, ist verloren, wenn er sein Volk nicht diszipliniert oder nicht mehr kann. Die Japaner, die Chinesen, und man sollte es nicht glauben, auch die Deutschen sind diszipliniert worden. Das Temparament ist ausschlaggebend. Und solange der Yen international geachtet wird, können die sogar bei 300% stehen. Es juckt kaum einen ausländischen Gläubiger. Japans Schulden sind interne Angelegenheit. Und das, werden die Japaner auch wissen.

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