Flieger, grüß mir die Schulden

4. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man soll ja nicht schlecht über Tote reden, vor allem, wenn sie noch leben. Air Berlin ist ein solcher Fall. Im letzten Jahr flog Deutschlands zweitgrößte Fluglinie mit 31,5 Millionen Fluggästen 315 Millionen Euro Verluste ein, also 10 Euro pro Passagier…

Bei der Lufthansa waren es mit 105 Millionen Leuten rechnerische 6,66 Euro. Okay, die Fracht mal außen vor gelassen. Warum bleibt Air Berlin nicht einfach am Boden, sperrt die Türen zu und hört auf? Weil die arabische Etihad als Hauptaktionär in Europa expandieren will, koste es, was es wolle. Sie hätte wohl besser die Lufthansa übernehmen sollen.

So aber fliegt Air Berlin auf Schlingerkurs an der Börse mit netto 800 Millionen Euro Schulden im Gepäck. Von den einst 12 Euro pro Aktie beim Börsenstart im Jahr 2006 sind nur noch 1,70 Euro übrig geblieben. Das Sparprogramm „Turbine“ hat sie mit selbiger nicht aus dem Strudel heraus fliegen können.

Lohnt sich Fliegen überhaupt? Ja, wenn man so viel Geld hat, dass man sich eine Airline leisten kann – wie die Etihad die Air Berlin. Ich glaube ja, es ist immer noch der Traum vom Fliegen, sowohl für die Passagiere und auch hobbymäßig für die Piloten. Wenn es noch etwas abwirft, warum nicht?

Das Geschäftsmodell der Fliegerei ist renditeschwach. Der Weltverband der Fluggesellschaften IATA prognostiziert für die europäische Branche eine Marge von 1,9 Prozent für 2014, also etwas mehr als Tagesgeld.

Die Luft da oben ist dünn für die Flieger, auch finanziell. Air Berlin ist ein jahrelanger Sanierungsfall, während der Ex-Imperator von Deutscher Bahn und Air Berlin Hartmut Mehdorn gerade jetzt in Berlin einen Flughafen vor Eröffnung abrissreif baut. Gibt es eigentlich Staatshilfe, wenn Etihad den Geldhahn für Air Berlin abdreht? Als „Griechenland unter den Fluglinien“ ist heute und auch bei Air Berlin alles möglich. Vielleicht sollte jeder Passagier einfach einen Zehner in den Klingelbeutel der Flugbegleiter werfen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten



 

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