Fischen lehren, statt Fische verkaufen

2. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Wir wollen die Tagesaktualitäten heute nur kurz streifen, da sie erwartbar waren und daher einigermaßen uninteressant sind. Etwa der Parteitag der Grünen, die trotz Rekordsteuereinnahmen mit dem massivsten Steuererhöhungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik in den Wahlkampf ziehen wollen. Das ist konsequent. Denn Ideologien waren schon immer ein bisschen teurer als pragmatische, oder gar marktnahe Lösungen…

…und ideologisch ist zunehmend nicht nur die Politik im Allgemeinen, sondern die dieser Partei im Besonderen.

Natürlich wäre kaum ein Bürger so verrückt, freiwillig dafür Geld auszugeben, weshalb man ihn praktischerweise künftig per Steuerzwang von wachsenden Teilen seines Einkommens und Vermögens trennen will – für die gute Sache, versteht sich. Schließlich – das muss die Schafherde schon einsehen – ist mit deren Gängelung und oberlehrerhafter Bevormundung ein erheblicher Aufwand verbunden, der finanziert werden will – am einfachsten ging das schon immer durch die Schur der Schafe selbst.

Auch von der Konjunkturfront kommt – wie erwartet – weiterhin kaum Erbauliches. Es sind die Exporte, die immer sichtbarer Sorgen bereiten. Der Außenhandelsverband BGA etwa warnte die Tage die Politik davor, sich nur in den Erfolgen der Unternehmen zu sonnen. Tatsächlich lebten wir bereits von der Substanz. „Die deutsche Exportindustrie ist angeschlagen“, stellte etwa BGA-Präsident Anton F. Börner fest.

Auch beim deutschen „Beschäftigungswunder“ zeigen sich mittlerweile fühlbare Ermüdungserscheinungen. Das Handelsblatt meldet heute, dass der für das Blatt exklusiv berechnete ifo-Beschäftigungsindex für April auf den tiefsten Wert seit rund drei Jahren gesunken ist. Umgekehrte Vorzeichen dagegen in Japan: Die Arbeitslosigkeit sank „überraschend“ und die Industrieproduktion legte zu. Diese Scheinblüte ist natürlich gar nicht so überraschend, denn die Geldproduktion legte noch viel stärker zu.

Zusammenhänge verstehen

All diese Entwicklungen sind allerdings durchaus auch herleitbar, wenn man einige prinzipielle Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Märkten und leider vermehrt auch der Politik verinnerlicht hat. Haben derartige Prinzipien bzw. Phänomene einen starken Marktbezug, beschäftigen wir uns regelmäßig mit ihnen in unserer Heftrubrik „Phänomene des Marktes“ (früher: „Prinzipien des Marktes“). Und was liegt näher, als sich in der Mai-Ausgabe mit der Börsenregel „Sell in May …“ zu befassen? Diese ist zwar, wie unser Autor, Marko Gränitz, gleich eingangs feststellt „ein alter Hut“, dem man aber dennoch einige überraschende und damit „smarte“ Gesichtspunkte entlocken kann – sozusagen „Frischer Wein in alten Schläuchen“.

Inverse Zinsstruktur und Aktienmarkt

Im Vormonat beschäftigte sich der Autor übrigens mit dem Verhältnis zwischen Zinsstruktur und Aktienmarkt. Über einen 66jähirgen Untersuchungszeitraum schält sich ein Zusammenhang heraus, der auch fundamental nachvollziehbar ist und zumindest einen Rahmen für Engagements im Aktienmarkt absteckt. Ein Rahmen, den man durchaus mit kurzfristigeren Ansätzen füllen kann. Allerdings zeigt dieses Beispiel auch eine Schwierigkeit langfristiger Statistiken: An Strukturbrüche passen sich die Ergebnisse erst nach und nach an, obwohl die Welt bereits unmittelbar nach dem Strukturbruch eine andere ist. Der Strukturbruch an den Zinsmärkten besteht beispielsweise darin, dass die Notenbanken mit Ausbruch der Finanz-/Schulden- bzw. Geldkrise nun auch direkt am „langen Ende“ der Zinsstruktur Einfluss nehmen. Das „kurze Ende“ war dagegen schon immer fest in deren Hand… (Seite 2)

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