Finger weg vom Vola-Short

23. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Es gibt Positionen, die einen langsam ruinieren und es gibt Positionen, die einen über Nacht ruinieren. Angesichts der aktuell geradezu panischen Renditesuche und der daraus resultierenden Positionierungen riskieren einige private und auch institutionelle Anleger einen raschen Finanztod.

Viele Anleihen rentieren im negativen Bereich und weite Teile der weltweiten Aktienmärkte sind von ambitioniert bis absurd hoch bewertet. Zahlreiche Pensionskassen stehen auf Grund der Mischung von zu optimistischen Annahmen und unangenehmer Realität gewaltig unter Druck, denn sie müssen bestimmte Erträge einspielen. Fondsmanagern geht es nicht viel besser. Angesichts der Bondrenditen ist es für viele problematisch, in Anleihefonds oder gemischten Mandaten überhaupt ihre Gebühren wieder zu verdienen. Von nachhaltig positiven Nettorenditen für die Anleger sind zahlreiche Mandate weit entfernt. Bisher konnten die Marktwertgewinne der Anleihen dies übertünchen. Diese Zeit endet nun. Wenn Sie ein Prozent Gebühren verlangen und die Anleihenrendite vor Handelskosten bei 0 liegt, müssen Sie das eine Prozent anderweitig verdienen.

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Zahlreiche Anleger haben sich daher in den letzten Monaten für eine Ergänzung ihrer Strategien um Short Vola Wetten vorgenommen. Dabei setzt man auf eine nicht sprunghaft ansteigende Volatilität. Man tritt im Grunde als Versicherer auf, der anderen Anlegern anbietet, sich gegen eine sprunghaft ansteigende Volatilität zu versichern. Die Positionierung bei Volafutures hat ein Rekordniveau erreicht, zeitgleich mit den Tiefs bei der impliziten Volatilität. Wenn sich viele darum balgen, ihnen für ein paar Cents die großen Risiken abzunehmen, drückt dies die Risikoprämien.

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Das Problem an so einem Ansatz ist der Charakter der Volatilität, die naturgemäß sprunghaft ist. Meistens sinkt sie nach einem kleinen Anstieg wieder ab und der „Versicherer“ kann die Prämien vereinnahmen. Ab und zu jedoch weitet sich die Volatilität deutlich stärker und nachhaltiger aus, als dies die „Versicherer“ finanziell ertragen können. Dann fahren diese enorme Verluste ein, einige gehen pleite. Besonders problematisch sind diesbezüglich Short Positionen in Optionen. Optionen haben ein konvexes Auszahlungsprofil, dass viele Anleger mit einer linearen Denkweise nicht greifen können. Für den Halter einer Option ist dies eine Chance, für die Gegenseite ein Damoklesschwert.

Es ist sehr leicht, den enormen Schaden, den selbst eine kleine Short Vola Position anrichten kann, zu unterschätzen.

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Eine Verdreifachung des Index ist durchaus nicht ungewöhnlich.

Angenommen ein institutioneller Anleger verkauft regelmäßig aus dem Geld liegende Calls auf den VIX und vereinnahmt laufend kleine Prämien. Nun hat der Anleger 11 Monate lang relativ stressfrei Prämie eingesammelt und da er sich sicher fühlt, macht er im zwölften Monat weiter. Dummerweise kommt es in diesem Monat zu einer größeren Verwerfung am Aktienmarkt und der VIX steigt von 15 auf 40. Der verkaufte Call steigt nun von ein paar Cents auf ein paar Dollar. Es kann natürlich noch schlimmer kommen. Ein Crash wie 1987 führt zu einem immensen Anstieg des Optionspreises. Das gefährliche an diesen Ansätzen sind die bis zum Exitus extrem guten „Risikokennzahlen“. Diese haben natürlich bei derartigen Auszahlungsprofilen keine Bedeutung, was Anleger jedoch oft nicht davon abschreckt, an sie zu glauben.

Daher ein kurzer Rat. So wie sie nie einen Fön mit in die Badewanne nehmen sollten, empfiehlt es sich auch nicht ohne Absicherung Optionen zu shorten. Und wer mit Wertpapieren für seine Pensionskasse oder Rente nicht genug verdient, der sollte über eine Senkung der Renditeziele, der Ausschüttungen oder eine Anhebung der Einzahlungen nachdenken.

Mehr Risiko ist keine Lösung. Ihre Familie oder Ihre Anleger werden es Ihnen eines Tages danken.

 

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6 Kommentare auf "Finger weg vom Vola-Short"

  1. FDominicus sagt:

    Bin mir nicht bewußt ob die Leute das Konzept verstehen. Vielleicht macht es das noch deutlicher. Eine Option ist eine Wette und hat schon gewaltige Hebel, aber nun sattelt man noch oben drauf in dem man eine Wette auf den Ausgang einer anderen Wette abschließt. Gehen wir bei den Optionen von einem Hebel von 10 aus und bei den Wetten auf Optionen auf noch einen Hebel von 10. Dann ist der gesamte Hebel 10 * 10 = 100. Bei 1 % Änderung ändert sich das Ergebnis um 100 %

    Naja, wenn eine Bank so etwas macht, kann man darauf wetten, daß der Staat den Steuerzahler ran nehmen wird. Zu glauben der Staat würde einen „normalen Anleger“ so behandeln, kann man nur dumm nennen.

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo FDominicus,

    keine Sorge. die ist uns nicht entgangen. Der Einwurf war mehr an die gerichtet, bei denen das vielleicht der Fall ist. Wenn jemand im Thema nicht so bewandert ist, kann das ja schnell passieren.

    Beste und wenig volatile Grüße
    Bankhaus Rott

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