Finanzprobleme in Oligarchograd

18. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die ukrainischen Staatsfinanzen erinnern in ihrer Trostlosigkeit an die politische Lage im Land. Nach der Währung kommen nun auch die Dollar-Staatsanleihen aus Kiew unter Druck. Von einer eigenständigen Finanzierung der Staatsdefizite am Kapitalmarkt ist die Ukraine so weit entfernt wie lange nicht mehr.

Die in Dollar begebenen internationalen Staatspapiere des ukrainischen Staates mit zehnjähriger Laufzeit sind seit dem Sommer letzten Jahres um ein Viertel gefallen. Derzeit lavieren die Kurse um die Marke von 75% herum, was eine Rendite von knapp 12% (YTM) bedeutet.

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Die Verschiebung der Zinskurve nach oben innerhalb der letzten Monate ist bemerkenswert.

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Blickt man auf die Spreads der Credit Default Swaps, sprich der Kreditausfallversicherungen, sieht man ebenfalls wenig erbauliches. Die Risikoprämien erreichten unlängst den höchsten Stand der letzten Jahre. Die Prämie für die Ausfallversicherung liegt aktuell bei rund 15% p.a. Das ist viel Geld, so richtig teuer erscheint dieser Preis jedoch angesichts der Lage der Ukraine nicht. Wo die Reise hingehen kann zeigt wie so oft der Blick in die Vergangenheit.

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Bei einer Recovery (Restwert bei Staatspleite/Schuldenschnitt) von 25% impliziert der Spread eine Ausfallwahrscheinlichkeit der Ukraine innerhalb der kommenden fünf Jahre von ca. 65%. Auch das darf man durchaus als optimistisch bezeichnen. Wie die Zinskurve ist natürlich auch die die Spreadkurve stark invertiert, ein charakteristisches Zeichen für enormen finanziellen Stress. Immerhin hat man derzeit einen Grund, warum man an der Pleite nicht selber schuld ist.

Wie in anderen Fällen auch verschwindet jahrelanges Fehlverhalten hinter externen Schocks, als wie „extern“ auch immer man den Schock in der Ukraine bezeichnen mag. Die guten Oligarchen und Führungskader der letzten zwanzig Jahre haben mit dem ökonomischen Elend und dem Leid der Bürger natürlich nichts zu tun.




Schon bevor die in Dollar denominierten Staatsanleihen der Ukraine einen erneuten Schwächeanfall erlitten, war die Fähigkeit zur eigenständigen Finanzierung der Defizite der Ukraine nicht gegeben. Würde das Land jetzt alleine ohne Garantiegeber und anderweitige Kreditzusagen am Finanzmarkt anklopfen, wäre das Interesse vermutlich gering bis nicht vorhanden. Das liegt nicht, wie gerne formuliert wird, an herzlosen Spekulanten oder knauserigen Kreditgebern.

Geld investieren ist eine Sache, Geld aus dem Fenster werfen eine andere. Nur weil diese beiden Prozesse manchmal das gleiche Ergebnis haben, sind die Prozesse nicht gleich. Politiker verstehen das in der Regel nicht, was vor allem daran liegt, dass sie nicht ihr eigenes Geld sondern das anderer Menschen ausgeben.

(Reuters) A spokeswoman for the European Commission said Ukraine would be able to pay over the winter by drawing on 760 million euros ($950 million) in existing EU loan facilities and an existing $1.4-billion IMF facility.

The EU is not giving any guarantee to the Russian side in case Ukraine says ‚we cannot order x amount of gas‘ or ‚we cannot pay‘,“ she said.

Die markierten Stellen deuten auf eine äußerst wichtige Unterscheidung hin. Man gibt der Ukraine zwar die Möglichkeit Kredite abzurufen, um Erdgasrechnungen zu bezahlen, garantiert jedoch Gazprom nicht die Zahlung der Gasrechnung durch die Ukraine. Damit sollte klar sein, warum Gazprom auf Vorauszahlung der Lieferungen besteht. Gerade angesichts der noch bestehenden Schulden für frühere Gaslieferungen erscheint Kritik an dieser Zahlungsweise seltsam.

Laut IWF beliefen sich die internationalen Reserven der Ukraine zuletzt auf 14,8 Mrd. USD. Die in Dollar denominierten Schulden belaufen sich inklusive Kupons auf 30,7 Mrd. Dollar, das monatliche Budgetdefizit bezifferte die Nationalbank auf 3 Milliarden. Dieser Wert schwankt wenig überraschend mit der Jahreszeit und stieg im letzten Winter auf 8 Mrd. Dollar. Selbst in der EU würde man angesichts dieses Seiltanzes über dem Abgrund der Staatspleite wohl kaum von einer soliden Wachstumsstory sprechen.

Die üblichen Forderungen, die sich oft in Schuldzuweisungen an Russland verlieren, können nicht von der selbstverschuldeten Misere in der Ukraine ablenken. Die Misswirtschaft und Korruption ist keine neue Erscheinung, da mag man sich manche Protagonisten noch so oft Schokoladenkönig oder Gasprinzessin schönreden.

Man sollte sich in der EU langsam überlegen, bis zu welchem Grad man Geld nach Kiew überweisen möchte, ohne die geringste Kontrolle darüber zu haben wo die Mittel hinfließen. Sollte man das in Brüssel, Berlin und anderswo für sinnvoll erachten, darf man es den Bürgern auch genau so sagen. Denn spenden kann jeder selbst.

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Ein Nachtrag auf Grund der Nachfrage im Kommentarbereich. Die folgenden Grafiken zeigen die Holdings verschiedener Investoren und die Allokation der im Artikel gezeigten Anleihe auf die Fonds bei Franklin Templeton.

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10 Kommentare auf "Finanzprobleme in Oligarchograd"

  1. altermann sagt:

    Klingt eigentlich logisch, aber als Gegenthese möchte ich auf den folgendes Papier http://www.welt.de/boerse/aktien/Franklin-Resources-Inc-US3546131018.html
    hinweisen. Die haben vor mehr als einem Jahr ukrainische Staatsanleihen gekauft. Dahinter steckt der Soros und der Kurs ist sehr respektabel. Die Wissen vielleicht besser, was zu machen ist, denn der Soros hat die Finger überall im Spiel:
    http://www.accuracy.org/release/behind-soros-attack-on-russia/

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo altermann,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Die von Ihnen verlinkte Aktie ist das Papier des Asset Managers Franlin Templeton. Dieses Unternehmen kauft Papiere für die Fonds der Kunden, wie jede andere Fondsgesellschaft auch. Die Papiere werden somit für Fonds gekauft, die den entsprechenden Anlageschwerpunkt haben oder generell offen für vielfältige Investments sind. Es handelt sich nicht um den Kauf von derartigen Bonds für das genannte Unternehmen. Man kauft also nicht für sich, sondern für andere (mit deren Geld).

    FRANKLIN RESOURCES INC
    Franklin Resources, Inc. (d.b.a. Franklin Templeton Investments) provides investment advisory services to mutual fund, retirement, institutional/separate accounts and high net worth investors. The Company manages various asset classes including global equity, global institutional and municipal fixed income, money funds, alternative investments, and hedge funds.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  3. altermann sagt:

    Danke für den Hinweis. Hatte ursprünglich angenommen, dass in diesem Fonds die Anlagen liegen, die hier erwähnt sind:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/staatsanleihen-der-krisengewinnler/9862450.html
    Wenn Franklin Templeton diese Staatsanleihen hält, kann man davon ausgehen, dass die quer gestreut wurden?

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo altermann,

      wir haben unter den Artikel die Übersicht für die im Artikel dargestellte Anleihe eingefügt. Den Grafiken können Sie entnehmen, wer die Anleihe hält. Die zweite Grafik zeigt die Allokation auf einzelne Fonds des Anbieters Franklin.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  4. bluestar sagt:

    Also irgendwie passt dieses Land zur EU und zum ESM. Ich hoffe auf ein beschleunigtes Aufnahmeverfahren. Bei einem BIP pro Kopf von 4.000 Dollar pro Kopf im Jahr gibt es auch ein attraktives Lohnniveau von weit unter 300 Euro, welches richtungsweisend für Westeuropa sein sollte. Nun werden unsere neuen Freunde der Demokratie, Freiheit und Menschenrechte erst einmal mit fetten Steuermitteln der Westeuropäer gefüttert, welche in den Taschen der Oligarchen und bei den Gläubigern landen dürften. Aber Opfer im Kampf gegen Putin müssen halt unausweichlich gebracht werden liebe Steuersklaven.
    „Die guten Oligarchen und Führungskräfte der letzten 20 Jahre haben mit dem ökonomischen Elend und dem Leid der Bevölkerung natürlich nichts zu tun“. Das sehe ich genauso, deshalb sind diese bewährten Leute auch aktuell an der Macht und werden die Ukraine sicher zu blühenden Landschaften führen.
    Zwischendurch gibt es glücklicherweise noch einen Bürgerkrieg und einen Schuldigen für das ganze Elend. So kann man das verblödete Volk richtig mit Hass füttern, was immer hervorragend funktioniert. Solange der Feind des Volkes im Ausland gesucht wird, ist alles paletti.
    Das gilt für die Oligarchen genauso wie für die GROKOs.

  5. GasKlaus sagt:

    Hallo bluestar,

    sehr guter Kommentar, Du hast so Recht.
    Der Schuldige wird wieder Putin sein, es wird ihnen schon etwas einfallen.
    Ich halte es kaum noch aus in diesem Land.

  6. JayJay sagt:

    Die Staatsanleihen aus Kiew sind alle Ausfall sicher, wenn die in Gefahr geraten wird die EUDSSR schon eingreifen und Gelder aus den K.O.-Scheinen EFSF und ESM zur Sicherung der Oligarchenmacht zu Verfügung stellen.

    Darauf kann man wetten und sei es nur drum, um den Russen eins auszuwischen.

  7. MFK sagt:

    Was soll’s. Es gibt nur zwei Arten von Staaten, die einen waren schon pleite, die andere gehen noch pleite.

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