Finanzkrise reloaded – Wer ist der nächste?

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Folker Hellmeyer schreibt in seinem Buch „Klartext“, dass die Demokratie stirbt, wenn die freien Märkte ihre Freiheit verlieren. Amerika und und auch andere Länder scheinen in Richtung „Demokratur“ unterwegs zu sein, lesen wir weiter. Handeln führt heute nicht mehr zu Konsequenzen, im Gegensatz zu früher…

Das, was wir am Wochenende mit der „Rettung“ der beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gesehen haben, kann als Beweis gelten, dass der Zug in diese Richtung bereits unterwegs ist. Beide sind zu groß geworden, um in Ruhe sterben zu können. Wegen ihrer Dickleibigkeit würden sie wie Amokläufer andere Institute mit in den Abgrund ziehen. Schließlich brennen eventuelle 5.000 Milliarden USD im Fegefeuer. Also stülpt man ihren ein Sauerstoffzelt über und schließt die Schläuche mit dem Geld der Steuerzahler an.

Die FED wird beide mit 2,25%-igen Krediten versorgen, wenn Fannie und Freddie sie nötig haben. Und das werden sie, in Hülle und Fülle. Das US-Finanzministerium bemühe sich im Kongress, die Kreditlinien für beide hochschrauben zu lassen und denkt über eine Beteiligung an den Hypothekenbanken nach. Sind die beiden jetzt noch halbstaatlich? Oder war das schon eine Übernahme? Wenn nicht jetzt, vielleicht schon morgen? Verkauft das Finanzministerium nach weiteren Röchelanfällen von General Motors, Ford oder Chrysler bald schon Autos? Fragen über Fragen.

Man darf gespannt sein, wer als nächstes an den Geldpforten klopft. Genügend Kandidaten stehen ja bereit, wenn man all den Gerüchten zuhört. Ach ja, die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC macht sich auf die Suche nach denen, die diese Gerüchte in die Welt setzen. Solche Gerüchte sollen Bear Stearns das Genick gebrochen, und wohl auch das Kursdebakel der dicken Fannie und des fetten Freddie ausgelöst haben. Vielleicht mag man „Schuldige“ finden, aber das eigentliche Problem wurde wo ganz anderes geschaffen, nämlich in der Politik mit ihrem Verschuldungsprogramm und dem billigen Geld aus der Notenbank. Wer weiß was Alan Greenspan gerade denkt und ob Ben Bernanke seinen Berufswechsel von 2006 nicht längst schon bereut hat.

Auf die Frage, wie man einem Laien eine Kreditkrise erklären könnte, sagte heute Andreas Popp, dass das ganz einfach wäre: Wenn man zuviel Geld zaubert, gibt es zu viele Kredite, gibt es zu viele Spekulationen, gibt es zu viele Risiken, gibt es zu viele Fehlentwicklungen. Und irgendwann zu viele Leute das Falsche getan. Wenn man dann durch weiteres Gelddrucken versucht, das Problem in den Griff zu bekommen, löscht man Feuer mit Benzin und zögert einen möglichen Gesundungsprozess hinaus.

Anders herum: Hätte man das Geld knapp gehalten, indem man nur soviel zur Verfügung stellt, wie Waren dahinter stehen, hätte es nicht diesen Wildwuchs gegeben, und hätten wir heute nicht das, was als Kreditkrise die Titelseiten der Zeitungen schmückt. Wie Politik und Notenbanken reagieren, vergrößern sie den Schuldenturm und damit die Fallhöhe, von der Mister Market die „Teilnehmer“ der Finanzwelt auf den Hosenboden schickt. Der Zug scheint längst abgefahren. Man bekommt nicht das, was man erwartet, sondern das, was man verdient.
Wie Folker Hellmeyer spricht Rohstoffguru Jim Rogers ebenfalls Klartext.


„Ich weiss nicht woher diese Männer den Mut hernehmen unser Geld zu nehmen – das Geld der Steuerzahler – um Aktien von Fannie zu kaufen. Wir sind auf dem besten Weg alle auf der Welt herauszukaufen (bail out!). Dies wird die Bilanz der FED ruinieren, den US$ unter Druck setzen und die Inflation weiter anheizen.“

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