Finanzkrise und keiner fliegt raus?

21. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wo sind eigentlich in der Finanzkrise die meisten Jobs verloren gegangen? Eigentlich, so sagt der marktwirtschaftliche Verstand, müsste es ja die Unternehmen am stärksten getroffen haben, die ökonomisch ihren mangelnden Sachverstand ausreichend unter Beweis gestellt haben. Mit dem branchenweiten Trend zur technischen Insolvenz sollte es also die Banker erwischt haben. Weit gefehlt…

Es ist geradezu erstaunlich. Trotz einer steigenden Zahl von Bankenpleiten, weiterhin massiven Stützungen von Finanzinstituten – implizit oder explizit – hat der breite Stellenabbau die Geldbranche nicht besonders stark in Mitleidenschaft gezogen.

Seit dem Höchststand der Beschäftigtenzahl im Finanzgewerbe erfolgte trotz eines beispiellosen Kollapses ein Stellenabbau in Höhe von unter 10%. Im fertigenden Gewerbe ging die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um rund 15% zurück. Diese Schrumpfung folgte einem anhaltenden Niedergang seit dem eigentlichen Beginn der Krise im Jahr 2000. Insgesamt betrug die Reduktion der Beschäftigtenzahl seither rund ein Viertel. In so kurzer Zeit ist das eine dramatische Entwicklung.

Interessant ist, mit welchen Mitteln den Menschen die verbliebenen Kröten aus der Tasche gezogen werden sollen. Die folgenden Werbemittel zum Immobilienmarkt in den USA wenden sich vermutlich eher nicht an institutionelle Investoren. Ausgeschlossen kann dies allerdings nicht, wenn wir an so manche aufgedeckte peinliche Posse denken, die sich scheinbar so mancher Pseudoinvestmentbanker in London oder New York geleistet haben soll. Vor allem die strikte Sachorientierung der auf schlichte Information ausgelegten Anzeigen vermittelt den Eindruck höchster Seriosität.

House Flipping, das war ein beliebter Freizeitvertreib, der oft sehr schnell sehr viel Geld brachte. Manch ein unbedarfter House Flipper dachte sicherlich schon, er wäre zum Immobilienfachmann geworden, dabei stieg einfach der Markt und sorgte dafür, dass alle Fehler nur temporärer Natur waren. Bis auf den letzten Fehler. Nun, gerade erlebten die USA bei den schon vorher sehr schwachen Baubeginnen den stärksten Einbruch seit der Mitte der 80er Jahre – manchmal ist es kaum zu fassen, zu welcher Schwäche selbst ausgebombte Kennzahlen noch in der Lage sind. Mit dem easy money wird es wohl nicht ganz so einfach. —>

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Ein Kommentar auf "Finanzkrise und keiner fliegt raus?"

  1. wolfswurt sagt:

    Die innere Struktur des Systems weist den Weg: da das Geld- und Bankwesen das Rückrat des Systems sind wird dieses auch bis zum letzten Blutstropfen verteidigt.
    Das Geld sitzt auf dem Thron und zwingt ALLES in seine Ordnungsvorstellung. Die Realwirtschaft, Grundlage des Seins, wird in die Knie gezwungen bis zur Erhebung der Massen. Diese Erhebung wird die Geldmacht stürzen und den Raum für eine neue Ordnung schaffen.

    Bis dahin Ohren steif halten…