Finanzielle Repression bedeutet Teilenteignung

7. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Bevor der EZB-Rat am Donnerstag zur letzten offiziellen Sitzung des Jahres zusammentrat, und das zum ersten Mal im neuen Hochhaus abseits des Frankfurter Bankenviertels, waren die meisten Börsianer noch euphorisch. Doch dann kam die Klatsche…

Ja, man werde über Staatsanleihenkäufe entscheiden, sprach EZB-Chef Mario Draghi, aber erst im nächsten Jahr. Quantitative Easing, wie die Anleihenkäufe in Anlehnung an den amerikanischen Sprachgebrauch heißen, wurde denn auch am Donnerstag zum besonders oft gebrauchten Begriff. Das war’s, und die Euphorie verflog zunächst, bis sie tags darauf wiederkam.

Die Stimmung am Donnerstag hat mich veranlasst, nochmals Prognosen zu Rate zu ziehen, die über den Tellerrand hinausgehen, sprich: die intellektuell mehr hergeben als die üblichen Vorhersagen zu Dax und Dow Jones, Dollar und Gold.

Dabei bin ich auf das Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ von Thomas Mayer gestoßen, zugegeben schwere Kost, aber in sich schlüssig und allein schon wegen Mayers Vita ernst zu nehmen: Vor seiner jetzigen Tätigkeit für die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch arbeitete er für den Internationalen Währungsfonds, das Institut für Weltwirtschaft und die Deutsche Bank. Hier folgt zunächst ein längeres Zitat:

„Wahrscheinlich werden wir in vielen Ländern eine Phase der finanziellen Repression erleben, die in eine zunehmend bürokratisch-sozialistische Wirtschaftspolitik eingebunden ist. In Deutschland dürften noch eine gehörige Prise an ökologisch begründetem Dirigismus sowie Einkommens- und Vermögensumverteilung dazukommen. Allerdings wird diese Politik zu einer Schwächung des Wachstums führen, das eine schnelle Entschuldung unmöglich macht. Zunehmende Ungeduld darüber könnte im Lauf der Zeit den Wechsel von unterdrückter zu offener Inflation erzwingen. Am Ende dieses Prozesses dürfte das Vertrauen in unser System des Papiergeldes dann schwer erschüttert sein.“

Die neue Ordnung des Geldes: Warum wir eine Geldreform brauchen

Wir haben es hier also mit sieben Elementen zu tun: finanzielle Repression, Bürokratie bis hin zum Sozialismus, ökologischer Dirigismus, Umverteilung, Wachstumsschwäche, offene Inflation und Verlust des Vertrauens in die Währung. Diese Elemente überlappen sich zeitlich. Sie werden mit unterschiedlicher Intensität auf Ihre Ersparnisse einwirken und von Ihnen flexibel einzusetzende Gegenmaßnahmen erfordern. Dabei kann Ihnen zwar der eine oder andere spezialisierte Vermögensverwalter, Steuerexperte, Anwalt, Honorarberater und/oder Journalist helfen, aber die übergelagerte Finanzstrategie sollten Sie selbst in die Hand nehmen.

cover_gFinanzielle Repression bedeutet Teilenteignung. Sie läuft unter anderem darauf hinaus, dass Staaten, aber auch Unternehmen, ihre Schulden mit mehr oder weniger entwertetem Geld zurückzahlen. Bürokratie mit sozialistischer Ausrichtung ist bereits vielfach vorhanden; man denke nur an die Rente mit 63, die Riester-Rente und an Institutionen wie die Finanzaufsicht BaFin oder die neue europäische Bankenaufsicht. Wohin der ökologische Dirigismus führt, erleben wir gerade beim führenden deutschen Energiekonzern e.on: Aufspaltung und Arbeitsplatzvernichtung, eine fatale Folge der Energiewende.

Die Umverteilung von Einkommen und Vermögen ist in vollem Gang, zunächst von unten nach oben: Wer rechtzeitig Sachwerte gekauft oder sich als Vorstand eines Konzerns hohe Boni gesichert hat, schwimmt im Geld. Wer dagegen als braver Steuerzahler zum Opfer der kalten Progression geworden ist, bleibt der Dumme.

Die Umverteilung von oben nach unten lässt – noch, aber nicht mehr lange – auf sich warten. Typisches Beispiel: Immobilien, die ja so heißen, weil sie immobil und damit dem Staat als Objekte der Besteuerung besonders willkommen sind. Dazu passt die Schützenhilfe vonseiten des Internationalen Währungsfonds, der bereits mit Nachdruck eine einmalige zehnprozentige Vermögensabgabe gefordert hat. Oder um konkrete Beispiele aus jüngster Zeit zu nennen: Nach den massiven Erhöhungen der Grunderwerbsteuer ist der nicht minder voluminöse Anstieg der Grundsteuer so gut wie beschlossen.

Über die Wachstumsschwäche braucht man nicht zu lamentieren, sie ist längst da. Wirtschaftswachstum lässt sich auch mit noch so vielen Geldspritzen seitens der EZB nicht einfach herbeizaubern. Derweil vergeht die Freude über die schwarze Null im Bundeshaushalt recht schnell, wenn man bedenkt, dass es sich nur um eine Marginalie handelt. Deficit spending, also der Anschub der Konjunktur durch mehr Staatsverschuldung, ist durch die Maastricht-Kriterien längst verbaut, in anderen Euroländern noch mehr als in Deutschland.

Was unternimmt folglich ein Staat – oder in diesem Fall ein Staatengebilde unter dem EZB-Dach, genannt Eurozone -, um sich der hohen Schulden zu entledigen?

„Inflate or die“, inflationieren oder sterben, pflegen die Angelsachsen zu sagen, und sie verhalten sich schon längst danach. Die EZB und die Regierungen der Euroländer werden alles daransetzen, um es den Angelsachsen nachzumachen statt – im übertragenen Sinn – zu sterben. Die logische Folge: Papiergeld ade! Und Sachwerte juchhe? Hier sind, wie zum Thema Immobilien dargelegt, Abstriche zu machen. Sinnvoller erscheint da eher eine Mischung aus Gold, das ja – derzeit noch – einen doppelten Steuervorteil bietet (keine Mehrwertsteuer und Steuerfreiheit von Gewinnen nach einem Jahr) und eine gewisse Anonymität gewährleistet, sowie Aktien, aber erst nach dem nächsten größeren Kursrücksetzer.
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3 Kommentare auf "Finanzielle Repression bedeutet Teilenteignung"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    1925 kostete ein Ford T Modell ca. 46 Unzen Gold
    2014 kostete ein Ford Mondeo ca. 23 Unzen Gold

    Im Jahre 2000 kostete die Unze Gold etwa 280 Dollar,
    heute aktuell 1190 Dollar
    Das sind steuerfrei ca. 425% Kursgewinne in 14 Jahren.
    Und die Lebensversicherungen?
    Rentenfonds?
    usw.
    14 Jahre Sparbuch (bei nicht mehr möglichen 4 % ergeben mit Zinsen und Zinseszins 73 %
    minus Steuern.
    Der Dax stand im Jahre 2000 bei etwa 9.000 und 2014 bei etwa 10.000?
    Wer seine Altersversorgung in Aktien angelegt hat, hat in den 14 Jahren etwa 11% Kursgewinne eingefahren; minus Kosten und Steuern.

    In den 14 Jahren sind die Preis um etwa 100% gestiegen, denn (außer ein paar Dinge für den “Warenkorb“) kostet alles das, was 2000 in DM kostete, heute in Euro.
    Gur ein paar Zocker, Insider und ausgebuffte Spezialisten können sicher an Aktien mehr verdienen.
    Aber meine Zusatzrente in Gold ist mir lieber als alle möglichen Papierversionen.
    Und wenn der Kurs wirklich auf die von GS angepeilten 1050 Dollar fällt, dann sind es immer noch etwa 375% steuerfreie Kursgewinne.
    Wenn es dem Herrgott gefällt und ich werde so alt wie mein Vater, dann bleiben mir noch etwa 20 Jahre.
    Mal sehen, was dann die Unce kostet, bzw. wie viel Unzen dann ein Ford XXXX kostet.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Michael sagt:

    Für den Privatanleger ist die Sache relativ einfach. Er erwirbt ein Recht Tauschmittel in der Zukunft zu beziehen. Das Recht sollte man relativ günstig Kaufen. Das geht bei Aktien, wenn die Preise steigen. Sie verkaufen einen Teil der Position ab zum höheren Preis und erhöhen die Dividendenrendite. Das hat auch den Vorteil, dass Aktien als ‚Ware‘ wieder in den Umlauf kommen.

    Daraus folgt aber auch, dass man jemanden braucht der Aktien teuer kauft und sie bei niedrigem Kurs wieder verkauft. Diese Rolle nehmen ganz offensichtlich, wenn vermutlich auch nicht bewusst, große Fonds ein. Wer kauft sonst? Der Dirk Müller hat das zurecht mal hinterfragt in einem seiner Cashkurs Videos. ‚Warum kaufen die Pensionsfonds, wenn die Aktien teuer sind und verkaufen wenn sie billig sind‘. Das Spiel auch nicht neu. Selbst Kostolany hat das in seinen Büchern thematisiert.

    Man kann im Finanzmarkt davon ausgehen, dass der kleine Anleger wird geschröpft in der Breite. Woher soll’s sonst kommen? Dann kann man sich anschauen. Was wird beworben? Steigende Kurse … Da drängt sich der Verdacht auf, dass eher die Zeit nach dem gefallenen Kurs viel spannender ist für den der die Dividende will erhalten als der Anstieg an sich. Mit gestiegen Aktienpreisen werden ganz einfach die Einstandpreise gedrückt. Wenn sie bei Einstandpreis 0 sind – sind sie am Ziel. Geldschöpfung aus dem Nichts in Höhe der Dividende.

    Jene die Geld von jemanden bekommen der gezwungen dorthin ‚Geld‘ abzugeben. Irgendwo im Sinne von ’staatl.‘ motivierter Geldverbrennung. Das ist auch finanzielle Repression. Genauso wie Kaufkraft ausgedrückt in Zahl absolut und im Vergleich zu anderen Perioden relativ sich verändert zumeist sinkt.

    Derivate sind ja nichts anderes als ein Ersatz für mangelnde Ware. Es kann ja durchaus sein, dass mittlerweile schon soviele Aktien gehalten werden, dass die Ware ausgeht. Eine Hortungstendenz ala Gold. Gold hätte in dem Fall den den Vorteil, man muss nicht behalten denn es bringt mal keinen Tauschmittelzufluß.

    An Börsen gehandelte Aktien (Öffentlichkeitscharakter) sind heute nach dem IPO oder GoLive eher als ‚Derivate‘ zu sehen deren Underlying die Dividende ist.

  3. Jürgen sagt:

    Wann hat der IWF denn eine Vermögensabgabe gefordert, und das auch noch „mit Nachdruck“? Bei der erwähnten Abgabe von 10% aus dem Jahr 2013 handelte es sich lediglich um ein Gedankenspiel.

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