Finanzielle Abrechnungen

30. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Man macht sich auf zu einem netten Picknick an den Hängen des Vesuv… Man breitet seine Decke aus. Man öffnet den Picknickkorb. Man bereitet sich auf einen entspannten Nachmittag im warmen Oktober vor. Und dann kommt jemand den Berg hinunter gerannt und warnt davor, dass der Vulkan ausbrechen wird.

Man packt also seine Würstchen ein und verkorkt die Weinflasche… man eilt zum Auto und saust davon. Es ist besser sicher zu gehen, als etwas zu bereuen.

Und dann? Nichts passiert.

Die meiste Zeit kann man getrost die nervösen Pessimisten und prophetischen Kassandras ignorieren. (Der Legende nach gab der Gott Apollon ihr die Gabe der Weissagung. Als sie jedoch seine Verführungsversuche zurückwies, verfluchte er sie, so dass niemand ihren Weissagungen Glauben schenken sollte.)

Doch manchmal liegen die Schwarzseher auch richtig…

Eine finanzielle Abrechnung

Ich schreibe nun seit 16 Jahren diese Mitteilungen. Ich habe die Dot.com Blase kommen sehen und meine Warnung an die Leser ausgesprochen. Die meisten wollten das nicht hören; sie waren dabei am Aktienmarkt gutes Geld zu machen. Es war eine „neue Ära“. Und sie wollten nicht, dass sie endet.

Doch im Jahr 2000 kollabierte der Nasdaq und sollte sich auch für 15 Jahre nicht erholen. Zu jener Zeit glaubte ich, dass die Wirtschaft der Vereinigten Staaten Japan in einen langen, langsamen Konjunkturrückgang folgen würde. Zusammen mit Addison Wiggin habe ich ein Buch darüber geschrieben.

„Leg dich nicht mit der Fed an“, ist eine der ältesten Regeln an der Wall Street. Ich verstehe das Prinzip. Man legt sich nicht mit der Fed an, denn die Fed hat in der Regel mehr Munition zur Verfügung als man selbst.

Doch als ich mein Buch zum Tag der finanziellen Abrechnung (übersetzt von meinem geschätzten Kollegen Michael Vaupel) schrieb, habe ich mir nicht einmal ansatzweise vorgestellt, dass die Fed eine ganze Fantasie-Wirtschaft erschafft, die auf komplett unnatürlichen Signalen und grotesker Manipulation basiert.

Das ist die Wirtschaft des 21. Jahrhundert. Es ist eine Wirtschaft, in der die alten Regeln von Angebot und Nachfrage… Wert und Preis… hoch und runter… durch das verzerrte Licht der Interventionen der Zentralbank betrachtet werden müssen.

Wenn der Kurs von dem neuen Geld nahezu bei null liegt, wer weiß dann noch, was andere Dinge wert sind?

Ein korruptes Casino

Ich habe erwartet, dass Investoren genauso entsetzt sind, wie ich. Ich dachte, sie würden durch die Verzerrungen der Fed hindurch sehen… ihre Nasen nach oben wenden… und ihre Brokerkonten schließen.

Ich meine, wer würde einen hohen Preis für einen Anlagegegenstand bezahlen wollen, dessen Wert absolut abhängig ist von den Manipulationen der Zentralbank?

Offensichtlich jeder!

Anstatt dass sie ihre Brokerkonten schließen, drängen sie sich unorganisiert in die Märkte, wie Zocker in ein korruptes Casino. Sie alle wissen, dass die Spiele festgelegt sind. Und sie alle erwarten, die Sieger zu sein.

Als Antwort auf das Platzen der Dot.com Blase und die Mini-Rezession die 2001 folgte, hat Alan Greenspan die Zinssätze für Kurzzeitkredite gekürzt und somit eine weitere Blase eröffnet – diesmal bei Immobilien und Hypothekenfinanzierung.

Auch zu der Zeit habe ich die Leser gewarnt. Ich habe ausdrücklich empfohlen: Verkaufen Sie ihr teures Haus in Kalifornien und kaufen Sie ein günstiges Haus in Arkansas. Dieser Rat war ein wenig abstrus, aber der Punkt ist klar. Oder wie George W. Bush es ausdrücken würde: „Das Ding wird hochgehen.“
Quelle: Kapitalschutz Akte
Finanzielle Abrechnungen (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

Print Friendly

 

6 Kommentare auf "Finanzielle Abrechnungen"

  1. Argonautiker sagt:

    Wie war das noch? In finstren Zeiten, wird der Schwarzseher zum Hellseher.

    Eine Krise erzeugt man mittels Ausweglosigkeit. Hat man sie geplant, die Krise, dann hat man jedoch auch schon einen Plan, wie man aus ihr heraus zu kommen gedenkt. Sind es die Leute, die in die Krise geführt haben, die mittels Krisenerzeugung ihren materiellen Besitz stetig erweitert haben, weil sie viel mehr Munition haben, als alle Anderen, dann kann man davon ausgehen, daß sie diesmal nichts anderes im Sinn haben.

    Da die materielle Welt eine begrenzte ist, wird das, was durch die Krise in den Besitz der Krisenerzeuger gelangt, wo anders abgezogen werden. Anders geht es nicht.

    Von den Rothschilds sagte sein Biograph einst: Zu Zeiten des Französisch Englischen Krieges stand es schlecht um das Vermögen der Rothschilds, Napoleon schien zu gewinnen. Schlechte Zeiten, wenn man vornehmlich auf die Engländer gesetzt hatte. Da kam Waterloo, und die Täuschung Rothschilds.

    Die Schlacht war geschlagen, Napoleon besiegt, aber außer Rothschild, der ein äußerst schnelles Informationsteam hatte, wußte noch niemand davon. Also streute er das Gerücht, die Engländer hätten verloren, was auch alle glaubten, da Napoleon ein Siegeszug nach dem Anderen eingestrichen hatte.

    Alle, die in England investiert hatten, verkauften was nur verkaufbar war. Rothschild verkaufte seine wenigen französischen Anteile und kaufte, und kaufte, und kaufte englische, so lange, bis bekannt wurde, daß doch die Engländer gewonnen hätten.

    Das seltsame war, niemand zog Rothschild wegen der Streuung der Fehlinformation zur Verantwortung, sondern er wurde zum Haupt Finanzier Englands erhoben. Diese Taktik wurde durch das Erzeugen von Krisen natürlich verfeinert, und so lange Lügen und Betrügen geadelt wird, wenn man damit gewinnt, können wir gespannt sein, wie man uns gedenkt über den Tisch zu ziehen.

    Man wird es tun, denn daß Geld als Solches den Handel ungemein vereinfacht, ist nur die eine Seite der Medaille, es vereinfacht den Betrug auch ungemein.

    Schöne Grüße

  2. waltomax sagt:

    Ich bin in den Augen vieler ein Schwarzseher, Miesmacher und Blödmann. Denn die Prognosen, die mich zum Erwerb von Edelmetallen bewogen haben, sind bisher nicht eingetroffen. Die Aktien steigen, die Wirtschaft brummt und die Fed plant Zinsanhebungen. Angeblich.

    Der verbale Knüppel auf mein Haupt lautet meistens: „Was wills’te denn eigentlich, Du Depp, es läuft doch alles bestens?“

    Am Ersten ist wieder Deppen – Tag, denn da besuche ich meinen Edelmetallhändler.

    Halt unbelehrbar. Eben dumm geblieben und nichts dazugelernt.

    • Frank Meyer sagt:

      Ich glaube, Du bist damit nicht allein 🙂

      • FDominicus sagt:

        Nein allein bist Du mit Sicherheit nicht nur sehr einsam. Kann man ja mit Wüsten vergleichen die sind riesig aber das Leben spielt sich hauptsächlich in HotSpots ab den Oasen. Zischen den Oasen ist man ein einsamer Wanderer, weil sich ja sonst niemand in diese Wüsten traut (aus gutem Grund)

        Leider bricht der Vergleich an einer Stelle ab. Du als Oase kannst jederzeit mit Gewalt von Deinen Sachen getrennt werden. Glaubt hier wirklich jemand die EU schreckt vor irgendwelchen Enteignungen zurück? Wo wir doch sehen können was schon alles passiert ist. Warum wurde die EZB beim Schuldenschnitt auf einmal ein „besonderer“ Gläubiger der überhaupt keine Verluste wegstecken mußte?

        Und wie man derzeit in Deutschland sieht reichen 1 Mio Flüchtlinge aus, um Eigentum zu enteignen. Das sind gerade mal 1,25 % von den hier lebenden. Da kann man sehen wie dünn die „Kapitaldecke'“ ist. Es gibt Sie nicht!

    • stonefights sagt:

      Willkommen im Club (der toten Dichter) ?
      Eine mir sehr, sehr nahestehende Person finanziert gerade seine 3. Immobilie, 90% Finanzierung – versteht sich. 16% Grundschuldzins + 5% „einmalig“, will gar nicht alle Details aufzählen, aber ich sei der Depp – so mein Eindruck seiner Meinung über mich als Rufer in der Wüste – weil ich soeben eine Immobilie verkauft habe. Wenn ich solchen Leuten was von den „Häusern auf Sand gebaut“ erzähle, begreifen sie noch weniger… Egal, ich lebe schon seit vielen Jahren mit diesem Bewusst-Sein, dass ich erst mal der Depp sein soll. Leider wird es wirklich ungemütlich, wenn wir es nicht mehr sein werden, versprochen ! Dieses Buch wird am Ende des letzten Kapitels keine Gewinner kennen, das betrübt mich mehr, als ein „Depp zu sein“ ;-(
      LG, stonefights

      • FDominicus sagt:

        Mach ich seit Jahren. Wenn ich Leute davor warne in Immobilien zu gehen, ernte ich meist (und im besten Fall) mitleidige Blicke. Das „gehört“ einem ja schließlich. Bisher hat genau einer meine Warnungen ernst genommen und sich daher Kredit im gut 5 stelligen Bereich „erspart“… . Dazu lebt dieser jemand gut 500 km weg von da wo die Immobilie gekauft werden sollte….

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.