Feuer frei!

5. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Still gestanden! Die Farbe des Sommers ist in diesem Jahr Grün – wahrscheinlich ein matschiges Grün wie an Börsentafeln oder beim Militär. Kein Wunder, tobt doch ein Finanzkrieg. Und mittendrin: Die EZB… Nachdem sie mit der „Bazooka“ um sich geschossen hatte, brachte sie nun ihre „Dicke Bertha“ zum Einsatz. Wann kommt die „V1-Rakete“? 

So lässt sich auch ein Börsenfrühling herbei bomben. Während der Finanzminister Sudoku spielt, wird am europäischen Haus weiter kräftig gebaut und statt Ziegel Quarkbecher in dessen Wänden platziert.

Die Banken wurden jetzt mit neuen 530 Milliarden Euro aufmunitioniert. Herrlich! Gestern war die Bank noch krank. Heut shoppt sie wieder. Gott sei Dank! Viele weitere militärische Begriffe zur Einschüchterung des Gegners und zur Beleidigung mittlerer Intelligenz drehen täglich ihre Runden: Schutz – und Brandmauern, Feuerwälle, Kampf gegen Zocker und die Schlacht um den Euro. Ein Krieg in grünen Uniformen. Doch das Grün könnte tückisch sein, wie ein eine Fata Börsiana durch billiges Geld.

Seien Sie vorsichtig, aber gespannt, denn zu unser aller Glück kommen auch Blendgranaten zum Einsatz. Dann wird unter Umständen jedes Grün mit einem Aufschwung verwechselt. Sobald die Hirnlappen der Experten beginnen zu schwingen, werden sie unberechenbar wie verirrte Schrotkugeln. Sie werden rufen, der Aufschwung überhole sich selbst – gefolgt von einem Kaufbeben in Fukushima-Stärke auf der nach oben offenen Konsumskala. Ach ja, dann wäre bei einem Scheitern ja noch die Sache mit dem Ehrensold. Schade, dass die Gebrüder Grimm nicht mehr leben. Rühren!

©Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

6 Kommentare auf "Feuer frei!"

  1. lachmoeve sagt:

    „Seien Sie vorsichtig, aber gespannt, denn zu unser aller Glück kommen auch Blendgranaten zum Einsatz.“
    Haha! Längst passiert! Wie sagte Urban Priol unlängst?
    „…und dann kam unsere Blendgranate aus der Uckermark…“ – und die schafft es wahrhaftig soviel Nebel zu verblasen, dass sie selbst als mystische „Marienerscheinung“ zur Geltung kommt…
    Auweia, wenn diese Nebel sich irgendwann mal lichten und die Quarkbecher platzen……

  2. Avantgarde sagt:

    Die Militarisierung der Sprache in der Finanzkrise ist schon ein Phänomen.
    Von der Bazooka bis zur dicken Bertha hatten wir schon alles.
    Genutzt hat es bisher wenig…

    Mag sein, daß nach der V1 noch die V2 kommt.
    Aber wie wir aus der Geschichte wissen brachte auch das nicht die Wende.

    Wie wäre es zur Abwechsung mal mit Shopping-Divisionen?
    Ach so bringt ja nix – die werden schon nach wenigen Schritten vom Friendly Fire der Austerität niedergemetzelt.

    • Frank Meyer sagt:

      Vermuten wir beide etwa, dass sich das in den kommenden Wochen einstellen wird? Tut uns leid, wir sparen und geben aus? Alternativlos?
      Vielleicht wird dieses Austeritäts-Dingsda bald nieder gemetzelt?

      • Avantgarde sagt:

        Nun ja – die erfinden gerade die Eierlegende Wollmilchsau – das perpetuum mobile.

        Sparen und Steuern senken – gleichzeitig den Leuten mehr Geld in die Lohntüte geben und für mehr Kredite in der Wirtschaft sorgen.

        Bin mal gespannt wie das ohne kreative Statistik gehen soll.
        🙂

        Die Austerität werden sie wohl nicht aufgeben – der Feldversuch in dem bekannten Olivenland hat doch gerade erst begonnen.
        Je nach Verlauf könnten danach auch noch die Portugiesen und Spanier damit beglückt werden.

  3. dork sagt:

    „Gestern war die Bank noch krank. Heut shoppt sie wieder. Gott sei Dank!“ … das war mein Lacher des Tages! Thanx!

    Frank, ich seh uns in einigen Monaten schon so rumrennen:
    AVT-Shirt und DBPH-Helm (Schutzhelm-Modell: „DickeBerthaPickelHaube“).
    Auf dem Pickel kann man dann prima das wertlose Papiergeld aufspiessen, wie die Kassenbons an der Leergutrücknahmekasse.

    Gibts eigentlich schon Aufkleber für den Briefkasten:
    „Bitte keine Werbung und kein EZB-Geld einwerfen“?

    Viele Grüße aus Unterfranken.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.