Gold: Fehlsignale am laufenden Band

21. Februar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Ist das nicht heiter? Ist das nicht cool? Da kämpfen an den Börsen permanent Schulter-Kopf-Schulter-Formationen mit Doppel-Tops und Zwischen-Tiefs an einer 61,8 prozentigen Fibonacci-Linie und walzen dann auch noch sämtliche Pivot-Punkte nieder. Technische Analyse ist großartig, vor allem, wenn man sie im Edelmetallbereich nicht so ernst nimmt…

Gold sollte doch jetzt eigentlich gefallen sein. Das sagten die Experten. Vielleicht tut es das ja noch. Wer weiß? Charttechnik hat zumindest einen Vorteil: Man kann ahnen, wo dicke Positionen liegen, die es wegzufegen gilt oder abzufischen und die Leute in die Irre zu leiten. Das trifft besonders auf den Goldmarkt zu. Die einen wollen die Preise unten halten, andere wiederum an das Gold ran. Hier kämpfen nicht nur Bulle und Bär gegeneinander, sondern weit größere Interessen. Kein Wunder, wenn es etliche Investoren zwischen den Fronten immer wieder zerquetscht.

Es ist belegt, dass das Metall wegen seiner monetären bzw. politischen Dimension viele Feinde und auch viele Freunde hat. Wie anders sollten sonst die alten FED-Notenbankprotokolle gedeutet werden, die Dimitri Speck in einem Buch Geheime Goldpolitik – warum Zentralbanken den Goldpreis steuern“ zusammen getragen hat. Graphisch lässt sich der Einfluss deutlich machen…


Weitere Besonderheiten fallen auf: Fehlsignale, großes Gerangel an wichtigen Marken und urplötzliche Bewegungen ohne äußeren Anlass. Wo sonst kann man vor allem während der Handelszeit der US-COMEX solch ein Theater beobachten?

Verwirrende Verwirrungen

Die letzten Tage waren bemerkenswert. Der Goldpreis fiel – und schon fand man Erklärungen

„Die Leute wollen wieder risikoreichere Investments in ihre Portfolios aufnehmen“, sagte Blackrock-Analystin Deborah Fuhr.

Das ist interessant. Ist Gold nicht das risikoreichste Investment überhaupt? Vielleicht ja nur am Montag, Mittwoch und Freitag. Oder wie wäre es mit diesem Statement von Analyst Nicholas Brooks von ETF Securities:

„Unter der Annahme, dass staatliche Kreditrisiken keine so große Rolle mehr spielen und dass das Wirtschaftswachstum zunimmt, sind sie aus Gold rausgekommen und haben in Industriemetalle und Aktien aus Industriestaaten umgeschichtet“

Im Januar zogen Anleger 4,1 Milliarden Dollar aus Edelmetallprodukten von Blackrock ab. Aus Edelmetallprodukten von ETF Securities haben Anleger seit Anfang des Jahres 2,8 Milliarden Dollar abgezogen. Edelmetallprodukte… Wahrscheinlich ist es ja nur Papier und gar kein Gold. Auch die Zeitungen haben sich mit den fallenden Preisen befasst…

Gold wird Anlegern zu langweilig, schreibt die FAZ (Link) Der Tagesspiegel berichtet von einer Flucht aus dem sicheren Hafen Gold. Die FTD weiß, dass Gold den Anlegern zu langweilig wird (Link) Die Welt sieht den Boom (Boom?) vor dem Aus (Link) Und „Die Zeit“ befasst sich mit dem Platzen der Goldblase (Link)

Und dann lesen Charttechniker Zeitung und Zeitungsschreiber technische Analysen. Fertig ist ein großes Spektakel. Und dann? Und so schlitterte der Goldpreis an den Widerständen entlang, bis er „völlig unerwartet und überraschend“ diese wegfegte. Ein paar Divergenzen, etwas Flackern in den Stromleitungen und ein paar Worte von oft zu wichtig genommenen Experten – und schon liegen die Tretminen bereit, auf denen Kleinanleger genüsslich ausrutschen können. (Quelle Stooq.pl)


Gleichzeitig schwenken die Zeitungen ihre Meiunungen. Das Handelsblatt, welches schrieb, Gold wäre kein guter Inflationsschutz kommt nun zu folgender Überlegung…

 

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8 Kommentare auf "Gold: Fehlsignale am laufenden Band"

  1. Der_Goldberg sagt:

    Wenn ich eines gelernt habe, ist es der Satz: „What we all fear, is the false break.“ Mit allen Folgen.

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo Joachim. Hallo Kollege von http://www.blognition.de … 🙂
      Die Frage ist doch auch… WER fürchtet WAS? WER? ist „ALL“?

      Ich schätze, nicht mal ein Prozent der Leute bekommen überhaupt mit, was da gerade läuft.
      Die Frage “What we all fear, is the false break.“ stellt sich seit 10 Jahren speziell im Gold – und Silber-Bereich.
      Falsche Ausbrüche waren bislang Situationen, wo der Bulle den Reiter abwerfen wollte und abgeworfen hat.

  2. witok sagt:

    Geduld, Geduld hat das alte Geld.
    Nur mal abwarten bis die verkoksten Sekundentrader ihr Papiergold zum Großteil verschnupft haben und der Kampf um die verbliebenen Metallkrümel beginnt. Ein jeder Reiter, der den wahren Charakter seines Reittiers mißachtet wird früher oder später abgeworfen. Die Marktbewegungen der letzten Jahre erinnert mich jedoch sehr an diese elektro-hydraulischen Rodeo-Automaten. Da kann der Spielführer nach belieben den Ritt gestalten und abwerfen wann es ihm beliebt.
    Wer verstanden hat braucht nichts zu fürchten. Oz bleibt Oz.

  3. Zaubrberg sagt:

    Ist verwirrend, nach Lesen eines Artikels und der Kommentare möchte ich meinen Senf dazu geben. Unterhalb der Kommentare steht:

    „Zum Antworten anmelden“

    „Hinterlasse eine Antwort“
    „Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.“

    Es wird nicht angezeigt das ich schon angemeldet bin aber der Text verleitet dazu sich noch mal anzumelden. Ist man schon angemeldet braucht man dies nicht noch einmal tun… anklicken des Fensters „Kommentare“ OBERHALB des Artikel öffnet dann das Kommentarfenster wo ich grad diesen Text schreibe.

    Noch was technisches… ich drucke mir deine Artikel gerne als Bettlektüre aus, nicht weil ich sonst nicht schlafen kann sondern weil ich schon länger verheiratet bin.
    Dazu kopiere ich (darf ich das überhaupt)den Artikel in die Textverarbeitung da man den Artikel dann formatieren und schön ausdrucken kann… ist natürlich bei mehrseitigen Texten Arbeit, sind die Seitenumbrüche der Artikel notwendig? Wäre es nur eine Seite Text ginge es einfacher…

    Jetzt noch mein Kommentar zur Sache:
    Ich schätze sind doch viel mehr Leute die mitbekommen was da läuft als nur 1 Prozent, allerdings wird nur ein Prozent der Leute tätig und betreibt aktiv Ersparnissicherung… die anderen stecken lieber den Kopf in den Sand in der Hoffnung das dieser Kelch an ihnen vorüber geht.

    • Frank Meyer sagt:

      Ich bin mit dieser Kommentarfunktion, so wie sie gerade ist, absolut unglücklich. Mal schauen. Hinter den Kulissen wird gerade am Problem gearbeitet.

      Die Druckfunktion hat den Vorteil, dass man die ganzen Graphiken, wenn man nicht mag, auch herauslöschen kann.
      Die Seitenumbrüche sind nötig, wenn der Text zu lang für eine Seite ist.

  4. haariger_harry sagt:

    sehr schöner Kommentar vielen Dank.

    Leider versteht noch kaum jemand, dass 1 Gold 1 Gold wert ist, und 1 Silber 1 Silber. Dass man einfaches Papier oder gar virtuelle Computerzahlen in Gold und Silber tauschen kann, mal etwas mehr, mal etwas weniger, aber allein dass das möglich ist, wäre in 99,9% der Menschheitsgeschichte undenkbar gewesen und auch unsere Nachfahren werden irgendwann ungläubig den Kopf darüber schütteln und es für ein Märchen halten bzw nicht verstehen warum es dann kaum jemand gemacht hat während dieser verrückten kurzen Laune der Geschichte.

  5. […] Bankhaus Rott: Gold: Fehlsignale am laufenden Band (Sehr interessanter Kommentar zum Verlauf des Goldpreises und wie die Medien darauf jeweils reagieren.) Veröffentlicht in Schlagzeilen | Schlagworte: Bürgerkrieg, Deutschland, Gold, Guttenberg, Libyen Ähnliche Artikel: Tote und Verletzte bei Unruhen in Libyen […]

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